Monatsarchiv für October 2006
Die Suche nach 'Monatsarchiv für October 2006' ergab 9 Treffer:
27. October 2006 |
Marco Versace

Bildidee: Amelie Krahl, Hamburg
Web 1.0 – DHTML
Web 2.0 – AJAX
Web 1.0 – Geocities
Web 2.0 – Wetpaint
Web 1.0 – Community
Web 2.0 – Social Network
Web 1.0 – Foren
Web 2.0 – Blog
Web 1.0 – IPO
Web 2.0 – Verkauf als Exit
Web 1.0 – Fett anfangen
Web 2.0 – Klein anfangen
Web 1.0 – Powerpoint als Starttool
Web 2.0 – Start mit schnell gezauberter Betaversion
Web 1.0 – AOL
Web 2.0 – Google
Web 1.0 – 56k
Web 2.0 – DSL
Web 1.0 – CMS
Web 2.0 – DRM
Web 1.0 – Redaktion
Web 2.0 – User Generated Content
Web 1.0 – Massage im Büro und Frühstücksbuffets
Web 2.0 – Bring you own food
Web 1.0 – Marktanteil
Web 2.0 – Vermarktbarkeit
Web 1.0 – ?
Web 2.0 – Kybernetische Emergenz
Und weil das hier Mitmachinternet ist, bitte als Kommentar zu diesem Blog jetzt ergänzen!
Web 1.0 –
Web 2.0 -
25. October 2006 |
Marco Versace
Gestern ein Schnappschuss aus dem Leben um und mit und von eLAB, denn Business ist nicht nur viel Arbeit!
Bei intellektuell wohlschmeckenden Gedankengängen und angenehmen Speisen traf sich eine kleine Gruppe von eLAB. Plötzlich und unerwartet aber ein Augenblick der Selbstreflektion, quasi in "kollektiver Intelligenz": "Hey, wir haben bisher nur über Audience gesprochen, das ist ja soooo Web 2.0!".
Man soll ja erst nach dem Essen über das Geschäft sprechen, und so wurden (ernsthaft) Geschäftsmodelle zum anstehenden Projekt erörtert. Beim letzten Glas St. Emillion dann doch noch ein Web 2.0 Ausrutscher: "Mittelfristig steht ja die Weltherrschaft an", worauf selbstverständlich nur folgen konnte: "Wie, nur mittelfristig?"
24. October 2006 |
René Seifert
„Wir alle hier sind eLAB, in verschiedenen konzentrischen Kreisen“, begrüßte Stephan Roppel die rund 25 geladenen Gäste zu unserer Premiere „eLAB-Breakfast“. Nachdem eLAB ansonsten in München sitzt, ging es darum einem bayerischen Tunnelblick bereits in seiner möglichen Entstehung entgegenzuwirken. Daher fand diese Premiere in der Skylounge des auch ansonsten äußerst aparten Side Hotels in Hamburg statt.
Die “konzentrischen Kreise” sind ein Klasse-Bild, um eLAB zu beschreiben, weil es sehr plastisch den gesamten Netzwerk-Ansatz von eLAB beschreibt, der sich heute Morgen beispielsweise in einem entsprechenden Networking-Event niedergeschlagen hat. Im innersten Kreis von eLAB stehen Stephan Roppel, Arnd Benninghoff und Michael Munz, die einzigen drei Festangestellten. Eine Zwiebelschicht weiter stehen Unternehmer, Berater und Freelancer die bereits für eLAB aktiv sind.
Geht man noch einen Schritt weiter in die Peripherie, dann beginnen die Ränder der Kreise zunehmend in die Unschärfe zu geraten. An diesem Punkt stellt sich gar nicht mehr die Frage, ob es unbedingt um eine konkrete Zusammenarbeit geht. Vielmehr ist es eLAB sehr wichtig zu wissen, wen man mal um Rat zu einem Spezialthema fragen kann, wo es einen Champion für z.B. Suche gibt und wer mit einer zwar wohwollenden Grundhaltung, aber dennoch in aller Deutlichkeit kritische Fragen zu laufenden Projekten stellt.
Ich fand das Event wirklich gut, insbesondere als man nach dem „offiziellen Teil“ die Runde durch alle Anwesenden drehen konnte und dabei immer wieder neue spannende Ansatzpunkte für ein Gespräch fand.
Alle Bilder vom Event gibt es übrigens hier auf unserem Flickr-Account. Und die „eLAB-Breakfast“-Serie geht natürlich weiter, vorgesehen ist in etwa ein quartalsweiser Zyklus. Mein unbestätigter Insidertipp für die nächste Station: Die Hauptstadt.
21. October 2006 |
René Seifert
Fest ist nur das Triumvirat, das Gros ist frei. Was nicht heißt, dass das Triumvirat deshalb in Knechtschaft lebt: Stephan, Arnd und Michael sind die einzigen Festangestellten von eLAB, alle anderen Aktiven bei eLAB sind Unternehmer, Freiberufler oder „Nebenerwerbsfreiberufler“. Nennen wir sie „Kontakte 1. Grades“, eine Bezeichung die viele von der Netzwerkplattform openBC kennen werden. Weitere Kontakte ersten Grades von eLAB sind Schlüsselpositionen in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die einem bei der Realisierung von Projekten enorm behilflich sein können.
Meiner Meinung nach ist diese Form der Zusammenarbeit die perfekte Blaupause für die viel beschworene „Zukunft der Arbeit“. Unternehmensorganistionen sind vor allen Dingen deshalb entstanden, weil eine solche integrierte Art der Zusammenarbeit effektiver und effizienter funktioniert als die ständigen Transaktionskosten aus Suche, Koordination und Management von externen Ressourcen. Aber in einer wissensbasierten Branche, so wie sie eLAB geradezu beispielhaft verkörpert, sind diese Transaktionskosten drastisch gesunken. Dank der Möglichkeiten von gemeinsamen Datenplattformen, Online-Projektmanagement-Tools und Skype spielen sie keine kritische Rolle mehr. Im Gegenteil, es ist für ein flexibles und offenes System wie eLAB gerade von Vorteil, wenn die Aktiven über den Brillenrand von Betriebsblindheit hinausschauen und so für einen ständigen Nachschub an guten Ideen, kritischen Fragen und „best practises“ in der Umsetzung von Projekten sorgen. Woher haben sie das? In der Regel über ihre Kontakte ersten Grades, also aus eLAB-Sicht: die Kontakte zweiten Grades.
Ein entscheidendes Phänomen, welches an dieser Stelle kurze Würdigung verdient. Wie man bei den zu Grunde liegenden Konzepten von Online-Netzwerkplattformen wie auch LinkedIn, Ryze oder Orkut immer wieder zu hören bekommt, ist der zweite Grad im Hinblick auf berufliches Fortkommen oft der Bedeutendere. Während der erste Grad entweder nahezu inzestiös zu wenig Variation zum eigenen Umfeld bietet oder bei zu starkem Protegieren nach Vetternwirtschaft riecht, so ist der zweite Grad an Kontakten von beiden Makeln unbefleckt. Auch rein rechnerisch steigen die Chancen, wenn man zu den eigenen Kontakten ersten Grades noch die Kontakte zweiten Grades dazuzählt (und korrekterweise die Schnittmenge von beiden abzieht), auf einen sagenhaften Pool von smarten Leuten „zugreifen“ zu können. Der Begriff könnte auf Anhieb vielleicht missverstanden werden, weil „Zugriff“ nach einer Verhaftung durch die GSG 9 klingt – ob die „Zielperson“ nun will oder nicht. Beim Netzwerken ist genau das Gegenteil der Fall, der Kitt zwischen den „Knoten und Kanten“ ist gerade wegen der Abwesenheit von z.B. formalen Arbeitsverträgen die richtige Mischung aus Verlässlichkeit, Reputation und Vertrauen. So gibt es doch kaum etwas Schlimmeres, wenn man von einem guten Freund nach einer zuverlässigen Autowerkstatt gefragt wird, man in den höchsten Tönen eine angeblich jahrelange gute Erfahrung lobt, die sich für den guten Freund jedoch als übelste Rosstäuscherbude entpuppt. Dieser Schuss geht vor allem für einen selbst nach hinten los.
Was mir bei eLAB besonders viel Spaß macht, ist genau dieser „Zugriff“ auf äußerst smarte Leute zu den verschiedensten Themen. Ich arbeite unter anderem gerade an einem Gesundheitsnetzwerk und brauchte für eine erste Modellrechnung inhaltliches Futter zu Search Engine Marketing (SEM) und Direktmarketing. Im ersten Fall bin ich einfach ein Büro weiter, wo Luis Ritter mega-hilfbereit nicht nur die Antwort, sondern auch weit darüber hinaus ein wertvolles Excel-Dokument mit mir geteilt hat. In fünf Minuten war ich wesentlich schlauer, worüber ich sonst alleine gut und gerne hätte zwei Tage lang brüten können. Zum anderen Thema hatte ich ein Meeting mit Johannes Mettler, der für Holtzbrinck eine Firma für Direktmarketing aufbauen wird, der mir mit einer enormen Erfahrung wie aus der Pistole geschossen nicht nur die Fragen beantwortet hat, sondern mich auch gleich auf wertvolle Kontakte, aus eLAB-Sicht, zweiten Grades verwiesen hat.
Und da waren sie also wieder, die Kontakte zweiten Grades: Man ahnt oft gar nicht, dass es sie gibt. Plötzlich sind sie da und helfen einem enorm weiter. Nach einiger Zeit guter Zusammenarbeit werden sie Kontakte ersten Grades, bringen aber ihrerseits eine Fülle von neuen unerforschten Kontakten mit. Das ist das eigentlich Faszinierende an sozialen Netzwerken: Sie sind kein knappes Gut, sie sind eher so etwas, wie Paulo Coelho in seinem Roman „Der Zahir“ schreibt, eine „Favor Bank“: Je mehr man selbst einzahlt, desto mehr bekommt man bereits im Verlauf der Investition heraus.
18. October 2006 |
René Seifert
Bin ja wirklich gespannt wie lange der Begriff „Web 2.0“ noch im Saft steht, bevor er den ersten Anklang von Abgestandenheit oder – noch schlimmer – überschäumendem Allerweltsfusel an sich zieht. Aber noch schmeckt „Web 2.0“ lecker, was es uns sowohl Unternehmern wie Nutzern an neuen Möglicheiten geboten hat, ist zweifellos fein. Und die Zutaten als solche sind aus jeder gut sortierten „Lab“-Küche künftig nicht mehr wegzudenken.
Ich freu’ mich schon riesig, auf der „Web 2.0-Conference“ vom 7. bis 9. November in San Francisco dabeizusein, quasi dem alljährlichen Flaggschiff an Veranstaltungen von Tim O’Reilly. Aber heute ging in meiner Mailbox ein neuer kleiner Ableger im April 2007 ein, die „Web 2.0 Expo“. Ort ist ebenfalls San Francisco, allerdings in einem deutlich kleineren und intimeren Rahmen als der „große Bruder“. Dabei geht es weniger um sich selbst feiern, große Reden schwingen und den Blick in die Kristallkugel werfen, wie die schöne neue Welt demnächst noch schöner aussieht.
Vielmehr scheint sich das Event im Workshop-Stil eher an den ehrlichen Arbeiter im Web 2.0-Milieu zu richten. Wie kriegt man Dinge denn wirklich gebacken, dass aus einer guten Idee am Ende auch ein funktionierendes Produkt dabei herauskommt, welches schließlich mehr Nutzer als nur der Entwicklungs-Geek und seine Mutter gut finden? Einige der konzeptionellen Schwerpunkte:
• Web Operations, the "Web as Platform"
• Search and Vertical Search
• Social Networks and Identity
• Internet Marketing and Measurability
• Search vs. Social Networks
• Simplicity and Incremental Complexity
• Web 2.0: SHOW ME THE MONEY! (Real Revenue Models, not Underpants Gnomes)
Alles in allem finden wir uns von eLAB in so einem hemdsärmligen Ansatz stark wieder, weil er ziemlich genau den Herausforderungen entspricht, denen wir uns Tag für Tag selbst stellen. Und der Teufel steckt bekanntlich im Detail.
16. October 2006 |
Johannes Altmann
Kennen Sie den Film „What Women Want“ mit Mel Gibson? Durch einen Elektroschock in der Badewanne hört Nick plötzlich die Gedanken von Frauen. Eine traumhafte Vorstellung. Ich würde mich jederzeit mit einen Fön in die Badewanne legen, wenn anschließend garantiert wäre, dass ich endlich User verstehen kann: „What Users Want“
Damit wir User endlich verstehen, haben wir in einem unserer eLAB-Projekte eine Sitzung mit einer Fokus-Gruppe veranstaltet. Die zwei Gruppen aus normalen Usern und heavy Usern diskutierten jeweils eine Stunde lang, welche Informationen sie für eine Kaufentscheidung im Internet benötigten und wo sie diese bekämen. Das Ergebnis fiel äußerst skurril aus: Der Preis ist überhaupt nicht wichtig, stattdessen steht an erster Stelle steht die Seriosität eines Online-Shops. Auf die Frage „wo finden Sie den passenden Shop“ wurden aber wie aus der Pistole geschossen nahezu alle Preisvergleiche aufgezählt. Preeeeeiiiiiisssvergleiche – obwohl der Preis nicht wichtig ist? Was wollen User eigentlich?
Nach langem hin und her erwähnten die User plötzlich Shopbewertungen durch vorherige Kunden. Sie scheinen relevant, nur schreiben will niemand. Auch komisch, wo doch im Preisvergleich bei idealo einzelne Shops bis zu 1500 Bewertungen haben. Übertrieben gesagt: Positive Bewertungen müssen also gefälscht und negative Bewertungen müssen also nur schwerkriminelles Geschäftgebaren beschreiben …
Da erinnerte ich mich an einen Zeitungsbericht, in dem der Entwicklungs-Chef von Sony erklärte, dass kaum noch Marktforschung unternommen werde. Denn wenn sie den Kunden damals gefragt hätten, ob er eine tragbare Stereoanlage beim Joggen mitnehmen würde…. Naja, dann gäbe es heute weder Walkman noch MP3-Player.
Ich denke wir liegen wir mit unserer eLAB-Philosophie ganz richtig. Wir entwickeln Services, die Probleme lösen, Aufgaben erleichtern oder dem User einfach nur Spaß machen. Meinungsforschung im Vorfeld kann nicht immer letzten Aufschluss geben. Denn viele Innovationen, ihre technische Umsetzung und der Produktnutzen sind für viele User abstrakt nicht vorstellbar. Der User wird vielmehr in der Beta Phase am lebenden Objekt entscheiden, ob er den Dienst will und braucht – oder ob wir einfach falsch lagen.
14. October 2006 |
René Seifert
Korrekt wäre natürlich Beta-"Blogger", aber es gibt durchaus Zusammenhänge: Was in der Medizin die Beta-Blocker als Arneistoffe leisten, nämlich im Körper ß-Rezeptoren zu blockieren und so die Wirkung einiger Stresshormone zu hemmen, können wir mit unserem neuen virtuellen Pamphlet durchaus auch manchmal gebrauchen.
So weit steht unser neuer eLAB-Blog, allerdings haben wir im zweiten Artikel "Vertrauen ist gut, Kontrolle war gestern" das Problem dass die Links im Fließtext als solche nicht zu erkennen sind. Erst wenn man mit der Maus drüberrollt, dann zeigen sich die Kanaillen vorschriftsmäßig. Wir haben uns aber dennoch entschieden, den Artikel unten live zu stellen: Geschwindigkeit, Inhalt und Publizieren haben sich in der Priorität gegenüber formvollendeter Perfektion durchgesetzt. Das mit den Links werden wir die Tage lösen. Beta-Blogger eben …
14. October 2006 |
René Seifert
„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater …“, war mit Schmunzeln unser erster Gedanke über den Blog-Eintrag von Wolfgang Müller. „Erlkönig“ ist nicht nur eines der bekanntesten Gedichte von einem unserer ganz Großen, sondern auch ein Synonym für einen Fahrzeugprototypen im Härtetest der Straße. Aber allem Tarnen und Täuschen zum Trotz landet das Modell doch vor seinem eigentlichen Marktauftritt breit abgelichtet in der „Auto Bild“. Was unseren Blog angeht, so hat Wolfgang nicht auf unsere eigenliche Webseite www.holtzbrinck-elab.de/blog verlinkt, sondern auf den Stage Server von unserem Implementations-Partner, dessen URL man eigentlich nicht erraten kann. Es sei denn, jemand singt. Um es vorneweg zu sagen: Macht gar nichts, wir haben nichts zu verheimlichen, schon gar nicht einen Blog in der Entwicklung, mit dem wir gerade auf die größtmögliche Transparenz unserer Arbeit abzielen.
Warum ich das Thema aber dennoch anschneide liegt vielmehr daran, dass es stilbildend für die – hochtrabend gesprochen – „Epoche“ steht, in der wir leben, arbeiten und kommunizieren. Schließlich sind es gerade diese neuen Mechanismen, mit denen eLAB seine Projekte rund um digitale und mobile Medien strickt. So wie Lars Hinrichs, CEO von openBC, alles andere als erfreut darüber war, dass der neue Name „XING“ eine Woche früher als „geplant“ in der Blogosphäre durchgesickert ist, so ist es vielleicht an der Zeit, diese scharfe Kante von „geplant“ an sich zu überdenken. Damit will ich nicht der Chaostheorie oder dem „Management by Beliebigkeit“ ins Wort reden, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass uns das Internet mit all seinen Applikationen, seiner Echtzeit und seiner Vernetzung von Menschen schlichtweg die Kontrolle über gewisse Entwicklungen abschneidet.
Der sponate Reflex nach der Frage "gut" oder "schlecht" bringt einen zunächst nicht weiter. Konstruktiv ausgedrückt: Wenn man diese Mechanismen zu einem unternehmerisch erfolgreichen und gleichzeitig ethisch vertrebaren Ergebnis führen möchte, so muss man sie in ihrer grundlegenden Arithmetik zunächst unvoreingenommen verstehen. Zwei weitere Beispiele dazu:
Virales Marketing ist eine der neuen Zauberformeln, mit denen viele Unternehmer glauben mit kleinem Geld große Marken aufzubauen. Um uns in dem Thema so richtig erhellen zu lassen, haben wir vor einem viertel Jahr den Spezialisten Martin Oetting zu einem ganztägigen Workshop zum Thema nach München eingeladen. Wir erwarteten eine Kochrezeptesammlung, bekamen stattdessen mit einer Kernaussage die Augen geöffnet: Virales Marketing beruht vor allem darauf, dass man die Kontrolle über seine sakrosankte Markenführung, ja womöglich sogar das ganze Produkt, aufgibt. Sobald das „word of mouth“ die Runde macht, ergibt sich im Netz eine Eigendynamik, die zu legendären Erfolgen wie dem „Moorhuhn“ oder eben auch zu Mega-Pleiten wie dem Kryptonite-Fahrradschloss führt. Letzteres ließ sich mit einem einfachen Kugelschreiber öffnen, was Videos und Blogs im Netz vielfach dokumentierten. Setzt man auf virales Marketing, so hofft man freilich auf den kostenlosen Multiplikationseffekt. Allerdings sollte man sich aber bereits im Vorfeld des Risikos bewusst sein, dass der Schuss auch ordentlich nach hinten losgehen kann und alle möglichen und vor allem unvorgesehene Resultate Teil des „Spiels“ sind.
Orkut ist das soziale Netzwerk, welches Google im Eigenbau entwickelt hat. Da hatte man also irgendwann in Mountain View, Kalifornien, eine Plattform fertig gebaut und grübelte: Wie bekommen wir jetzt die Nutzer drauf? Und wie bekommen wir die Richtigen? Der alte Trick: Das Gründerteam lädt sein Netzwerk ein und bittet diese „Friends & Family“, einfach auch ihr Netzwerk einzuladen und so weiter. Um den Hauch von Exklusivität zu wahren, kann man sich auf der Seite nur auf Grundlage einer Einladung von einem bestehenden Mitglied registrieren. Was bei openBC oder StudiVZ prima geklappt hat, obwohl man sich bei diesen beiden auch völlig frei anmelden kann, kam bei Orkut anders, und dann auch als man denkt: Wie der Focus in seiner dieswöchigen Titelstory über Web 2.0 schreibt, ist die Plattform inzwischen „zu einem semikriminellen brasilianischen Ghetto mutiert“. Herzlichen Glückwunsch, Pech gehabt, blöd gelaufen oder was auch immer. (Wer sich über das Wesen der zufallsartigen Ausbreitung solcher Netzwerke etwas schwerere, jedoch wissenschaftlich sehr fundierte Kost geben möchte, dem empfehle ich von Duncan J. Watts "6 Degrees of Separation – The Science of a connected Age".)
Was früher in Punkto Kommunikation und Distribution nur den riesigen Etats vorbehalten war, öffnet heute mit dem richtigen Produkt und stimmigen Konzept auch niedrig kapitalisierten Unternehmern eine realistische Chance. Entweder als Marketinginstrument für eine Botschaft, die man für sein Produkt schnell und günstig verbreiten möchte oder Produkt und Botschaft sind so wie bei Sozialen Netzwerken identisch. Allerdings gibt es auch hier nichts umsonst im Leben: Man kann sich in der Vorbereitung noch so mühen, ab einem gewissen Punkt hat man das Ergebnis nicht mehr in der Hand. Bis zu einem gewissen Grad hilft nur Gelassenheit in Verbindung mit flexiblen, reaktiven Strategien. Darin besteht aber gerade der Unterschied zu den von Kontrolle besessenen Mechanismen von früher. Eines bleibt jedoch immer gleich, zumindest in einer breiteren Definition: das unvermeidliche, unternehmerische Risiko.
5. October 2006 |
René Seifert
Wir bloggen also jetzt auch. Jawohl. Und wir denken, dass es die beste Zeit ist, damit anzufangen. Erstens, weil wir – mit unserem Büro einen Steinwurf von der Theresienwiese – jetzt nicht mehr den Versuchungen des Münchner Oktoberfestes 2006 ausgesetzt sind. Zweitens, weil wir glauben, nach der bekannten Zahl von neun Monaten menschlichen Heranwachsens seit unserer Gründung, mit konkreten Inhalten von einigen interessanten Autoren aufwarten zu können. Und schließlich drittens, weil wir uns seit letzter Woche bei dem „Holtzbrinck Internet Summit 2006“ in Leowang Leogang im reizenden Krallerhof bis in die Haarspitzen inspiriert fühlen.

Ich komme gleich noch auf das Event zurück, möchte mich an dieser Stelle in aller Kürze vorstellen. Mein Name: René Seifert. Beruf: Unternehmer. Lebensmittelpunkt: Bangalore (Indien). Näheres zu meiner Person gibt es auf meiner Profilseite bei „About“ oder freilich auch auf meiner Kontaktseite von openBC. Das Schreiben ist mir nicht ganz fremd, nachdem ich inzwischen 14 Jahre in den Medien arbeite und seit zwei Jahren auch selbst unter reneseifert.com blogge. Ich werde diesen eLAB-Blog in Zukunft als eine Art „Moderator“ betreuen und freue mich besonders auf die Beiträge von unseren regelmäßigen Autoren, auf die Kommentare unserer Nutzer auf dieser Plattform, ebenso wie auf die sich hoffentlich bald entspinnende Konversation in der Blogsphäre.
„Wir bloggen, also sind wir“ wäre übertrieben, weil für uns der Blog eines von verschiedenen Instrumenten in der Kommunikation darstellt. Allerdings glauben wir, unserem selbst erklärten Wunsch nach möglichst viel Transparenz unserer Arbeit bei eLAB zeitnah und unmittelbar gerecht zu werden. eLAB ist ein Inkubator, der aus guten Ideen und aus Konzepten marktreife Unternehmen macht. Dementsprechend sind wir auf den Aufbau und die Pflege eines qualifizierten, unternehmerischen Netzwerkes zur Verwirklichung unseres Vorhabens angewiesen. Wir denken, der Blog kann uns dabei helfen, vor allem wenn uns ein lebhafter Austausch mit potenziellen Partnern gelingt, womit wir gerne auch den Grundstein zu einem gemeinsamen Projekt legen.
Zurück zu unserem Holtzbrinck Internet Summit 2006 in Leowang Leogang. eLAB ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und Teil einer mehrschichtigen Strategie, um den Konzern mit einer starken Historie in Printmedien zu einem schlagkräftigen Player im digitalen Zeitalter zu machen. Rund 70 Top-Manager der Verlagsgruppe, darunter auch der Inhaber und CEO Stefan von Holtzbrinck, präsentierten Ihre Vorstellugen, aktuelle Projekte aber auch jüngste Beteiligungen.

Vor allem aber diskutierten alle Teilnehmer auf gleicher Augenhöhe leidenschaflich, welche verschiedenen Wege man in dieser spannenden und sich vor allem so rasant verändernden Branche einschlagen kann. Wir von eLAB möchten als das „Grassroot“-Element durch starke eigene Innovation unseren Beitrag leisten. In diesem unternehmerischen Geiste möchten wir den Blog gestalten. Und zum ersten Eintrag ins „Blogbuch, Sternzeit Oktober 2006“ sei auch kurz das Kernteam von eLAB vorgestellt:

In der Mitte Stephan Roppel, der Geschäftsführer, und an seiner Seite Arnd Benninghoff (links) und Michael Munz (rechts), beide Directors.
Das ganze Bilderset von der Veranstaltung gibt es hier auf unserem Flickr-Account.