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Monatsarchiv für July 2008

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30. July 2008 | René Seifert

eLAB Breakfast in München: Peter Schüpbach über Copycats

Über das Omen der Location konnte man eigentlich nur einen Witz reißen, wie’s Stephan Roppel getan hat: "Wir befinden und hier genau in der Mitte zwischen dem politischen Machtzentrum und dem Nightlife-Machtzentrum Bayerns." Liegt, daran dass die heutige Frühstückslocation im super-schönen Ryles exakt sowohl einen Steinwurf von der Staatskanzlei als auch einen Steinwurf vom P1 entfernt liegt. Trotz solch starker, spürbar interferierender Magnetfelder ist es uns dennoch ganz gut gelungen, fürs Frühstück unser eigenes unabhängiges Format durchzuziehen.

eLAB-Breakfast München_03

Zum einen hieß das "Essen für alle", was einen in unserem Alter und im Lichte der sich anbahnenden Demografie-Falle dankbar macht, wenn man sich mal für umme den Ranzen vollschlagen darf. Zum anderen, wie es schon zur Tradition des eLAB-Breakfasts gehört, ein zwangloser vertrauensvoller Austausch mit "Friends & Family" aus dem eLAB-Netzwerk. Interessant finde ich, wenn man mal knapp zwei Jahre zum ersten eLAB-Breakfast in Hamburg zurück blickt, wie zum einen dieses Netzwerk kontinuierlich gewachsen ist, sich aber gleichzeitig auch dank solcher Event-Formate zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine konkrete Zusammenarbeit ergeben haben.

Schließlich hatten wir auch heute einen echten "Star in der Manege": Peter Schüpbach. Was der schon alles in seinem Leben gegründet, groß gemacht, restrukturiert, verkauft und neu investiert hat, sprengt an der Stelle echt den Rahmen (dafür langt auch der Speicherplatz auf unserem Blog-Server gar nicht ;-) Zwei von vielen Highlights ist XING und studiVZ, derzeit widmet er sich mit einem gewissen Schwerpunkt als Vorstandsmitglied mit Fokus auf Europa der Video-Distributionsplattform Kyte.tv; hier geht’s zu Peter Schüpbachs Blog.

eLAB-Breakfast München_23

Als Thema für eine "Dinnerspeech" am Morgen hat Peter über seine Erfahrungen mit so genannten "Copycats" gesprochen, also Dienste die am Vorbild eines bestehenden und innovativ angesehenen Service – oft auch in einem anderen Land – gelauncht werden. Seine Kernthesen im wesentlichen:

  1. Copycats sind kein Selbstläufer. Nur Nachbauen und sich zurücklehnen bringt gar nichts. (Deckt sich mit der Aussage von Star-VC John Doerr von Kleiner Perkins: "Ideas are easy, execution is everything.")
  2. Copycats brauchen immer noch einen gewissen Grad an Innovation, der sie den neuen oder anderen Gegebenheiten anpasst, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben sollen.
  3. Copycats sind per se nichts moralisch verwerfliches, denn nur der "Innovator" und seine Copycats gemeinsam schaffen es die hinreichende Durchschlagkraft zu erzeugen, um einen Markt für diese Art von Service zu entwickeln bzw. die dafür nötige Wahrnehmung zu erzeugen.
  4. Copycats sind oft nur Ausdruck dessen, dass das "Orginal" aus einem anderen Land weder über die Geschwindigkeit bei der Internationalisierung noch das spezifische Marktverständnis zur Lokalisierung besitzt, um alle Märkte auf dieser Welt gleichzeitig zu besetzten.

So runs the rabbit. Und wir nach der morgentlichen Runde wieder zurück auf Arbeit. Ah, und zum virtuellen Nachessen gibt’s hier noch einen Satz Bilder.

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18. July 2008 | Matthias Marschall

Kosten, Termine, Qualität – Das Magische Dreieck hat ausgedient

Ich habe es schon oft erlebt, dass an die Produktentwicklung in Startups mit den klassischen Projektmanagementmethoden herangegangen wird. Dazu gehören für mich vor allem das Management nach dem Prinzip des Magischen Dreiecks: Kosten, Termine, Qualität. Wie selbstverständlich geht man oft auch heute noch davon aus, dass diese drei Punkte konträr zueinander sind und man dem angeblichen Widerspruch nur mit Kompromissen begegnen kann. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass das nicht zwingend so ist.

Die Illusion von Fortschritt oder „Wir sind doch im Zeitplan“
Jedes Projekt beginnt mit einem Termin und man ist versucht, so viel Funktionalität wie möglich in die vorgegebene Zeit zu packen. Was folgt sind die üblichen Probleme: Bei einer geplanten Projektlaufzeit von sechs Monaten ist man die ersten fünf Monate perfekt im Plan. Erst gegen Ende merkt man, dass man unendlich viele lose Enden hat, da man, um ursprünglich im Plan zu bleiben, auf Testing oder die Behandlung von Spezialfällen im Code verzichtet hat.

Die Bugwelle
Je näher der Termin rückt, umso mehr unfertige Dinge häufen sich auf, die man gleichzeitig im Auge behalten muss.

  • „Ist das Administrationsmodul schon fertig?“
  • „Habt Ihr beim Login den Fall bedacht, dass der User sein Passwort vergessen haben könnte?“
  • „Kann ich eigentlich den Beitrag, den ich gerade veröffentlicht habe, editieren oder ganz zurück ziehen?“
  • Und so weiter… 

Schier endlose Excellisten mit Aufgaben in einer Vielzahl von verschiedenen Versionen werden per E-Mail ausgetauscht und keiner weiß eigentlich so genau, was wirklich in freischaltbarer Qualität vorliegt. Das liegt vor allem auch daran, dass später hinzugefügte Features oft eigentlich schon fertige Bereiche betreffen und diese damit wieder in eine Baustelle verwandeln.

Die üblichen Verdächtigen
Das haben viele wahrscheinlich auch schon so oder so ähnlich erlebt. Die üblichen Reaktionen sind: 

  • „Wir brauchen mehr Zeit!“
  • „Wir brauchen mehr Leute!“
  • oder sogar beides.

Und natürlich wird an der Qualität gespart, um schneller fertig zu sein. Ein Fehler, wie man später oft mit Grauen feststellt.

Das Magische Dreieck durch kürzere Releasezyklen aufbrechen
Ein Release X.Y oder eine Phase Z beinhalten oft Mannjahre an Entwicklungsaufwand, die sich über mehrere Kalendermonate hinziehen. Auch ich habe schon Releases verantwortet, die nach 6 Monaten Entwicklungszeit mit einem Team von 10 Entwicklern freigeschaltet werden sollten. Erst am Ende der 6 Monate hatten wir eine Testphase von 3 Wochen angesetzt. Doch weder waren die geplanten Features zum Anfang der Testphase fertig, noch war deren Qualität auch nur annähernd brauchbar.

Durch die Einführung sehr viel kürzerer Releasezyklen (von 6 Monaten über 2 Monate hin zu wöchentlichen Releases) und einer sehr strikten Definition davon, was “fertig” für ein Feature bedeutet, ist es uns gelungen Geschwindigkeit und Qualität zu steigern.

Dadurch, dass man sich nur ein bis zwei Wochen Zeit gibt, um etwas freischaltbares fertig zu stellen, kann man den Fokus der Produktentwicklung deutlich schärfen. Anstatt das komplette Release X.Y oder den Abschluss von Phase Z im Auge zu behalten, kann man sich erst mal nur darauf konzentrieren, ein oder zwei Features wirklich „fertig“ zu bekommen.

Was heißt eigentlich "Fertig"?
„Fertig“ bedeutet bei so verkürzten Releasezyklen: Freigeschaltet. Der verantwortliche Entwickler programmiert also nicht irgend etwas in der ersten Woche eines 6-Monatsreleases was erst Monate später erstmals getestet wird, sondern kann sich auf genau ein Feature vom Konzept bis zur Freischaltung konzentrieren. Der ganze Softwareentwicklungszyklus von Design, Implementierung, Test wird dabei für jedes Feature innerhalb kürzester Zeit und vor allem an einem Stück durchgeführt.

Dadurch erhöht sich der Fokus auf jedes einzelne Feature und auch die Identifikation der Entwickler mit ihrer Aufgabe steigt, da sie direkt für die freigeschaltete Qualität verantwortlich sind. Bei 6-Monatsreleases geht der Beitrag eines jeden Entwicklers leicht im See der sich gegenseitig beeinflussenden Änderungen unter und jeder Entwickler hat mindestens 1000 Gründe zu argumentieren, warum er nicht für die letztendliche Qualität verantwortlich ist.

Nicht intuitiv – aber wirksam
Eigentlich ist der Ansatz, die Releasezyklen zu verkürzen, nicht intuitiv. Denkt man doch gewöhnlich, dass mehr Qualität ja auch mehr Zeit und höhere Ausgaben benötigt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Durch die dramatische Verkürzung der Releasezyklen auf eine oder zwei Wochen entstehen Effekte wie höhere Konzentration auf nur eine Aufgabe und höhere Visibilität der eigenen Qualitätsverantwortung durch schnelleres Feedback.

Diese Effekte führen letztendlich zu deutlich höherer Entwicklungsgeschwindigkeit bei viel höherer Qualität. Die Kompromisse des Magischen Dreiecks werden plötzlich durch sich selbst verstärkende Mikroeffekte ausgehebelt und man erreicht doch das Unmögliche: Höhere Qualität bei höherer Geschwindigkeit und niedrigeren Kosten.

Mehr zum Thema:

Matthias Marschall ist CTO des eLAB-Ventures autoplenum.de, schreibt regelmäßig über Entwicklung und Betrieb von Webapplikationen unter Agile Web Operations – Bridging the Deployment Gap und lehrt an der Uni Augsburg Agile Methoden.

14:41 Comments 3 Kommentare » Trackback

15. July 2008 | René Seifert

Techcrunch 50: San Francisco, wir kommen

TechCrunch50Diese kurze Info, bevor sich alle in den Sommerurlaub verziehen. Arnd Benninghoff und ich haben gebucht, jawohl, für den laaaangen 12 Stunden-Flug nach San Francisco zur TechCrunch 50 vom 8.-10. September.

Aus Erfahrung ist es extrem inspirierend, wenn man sich mal ein paar Tage aus dem operativen Tagesgeschäft ausklinkt und sich ausschließlich den aktuellen Entwicklungen widmet, innovative Start-Ups anschaut, sich über Best-Practises unterhält und sich vor allem mit klugen Menschen aus dem Fach austauscht. Zu letzterem Aspekt: Wenn jemand zu der Zeit auch in San Francisco aufhalten sollte, bitte melden. Arnd und ich freuen uns auf ein Treffen, ganz im Sinne von Scott McKenzie’s Klassiker "San Francisco":

If you’re going to San Francisco
Be sure to wear some flowers in your hair
If you’re going to San Francisco
You’re gonna meet some gentle people there

Vor allem das mit den "flowers in your hair" will ich sehen, beim Arnd … :-))

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06:45 Comments 1 Kommentar » Trackback

10. July 2008 | René Seifert

Barcamp “Web 2.0 für Frauen”: 30. August in München

Tschuldigung gleich zum Einstieg, wenn ich heute wie ein Frauenversteher rüberkomme, aber ich find die Initiative wirklich cool ;-) Ein paar Mitarbeiterinnen von diversen eLAB-Ventures haben mal einen Blick über die augenblickliche Event-Landschaft zum Thema Internet in Deutschland geworfen und heraus kam, dass der Anteil der teilnehmenden Frauen von der Facebook Developer Garage bis zur Next 08 bei läppischen 13 % liegt.

Barcamp_Frauen

Das ist zu wenig, nicht nur weil sich der Anteil von Userinnen dem der User nahezu annähert bzw. in einigen Bereichen sogar vorne liegt, sondern weil es auch auf Macherseite mit z.B. Marissa Meyer von Google Vorbilder für weibliche Superbrains der Branche gibt. Daher steigt am 30. August in München das erste BarCamp für Frauen, bei dem es aus dem Veranstaltungshinweis unter anderem um folgendes geht:

Wir reden ganz konkret über Anwendungen, Themen, Features, Wording, Marketingstrategien und Geschäftsmodelle und völlig abstrakt über Zahlen, Statistiken und wissenschaftliche Untersuchungen zur Frau im Web.

Hochkarätige Teilnehmerinnen haben sich auch schon angekündigt:

  • Claudia Kogler | Gründerin & CTO von Avaloop aus Österreich
  • Regine Haschka-Helmer | Vorstandsvorsitzende ID-Media
  • Nicole Simone | Tech Implementation Analyst & New Media Specialist
  • Anne Funk | Redaktionsleitung Online Saarbrücker Zeitung

Nähere Infos zur Veranstaltung, samt Möglichkeit sich anzumelden, gibt’s hier. Ansonsten noch der dezente Hinweis, dass eLAB selbst sowie die GuteFrage.net und Groops.de das Event sponsorn. Bei Interesse für ein Sponsoring am besten direkt bei mirjam.mieschendahl [at] gmail.com melden.

Die geschätzen 13 % Damen unter den Usern dieses Blogs, gerne gleich selbst anmelden bzw. die angenommenen 87 % der Herren, gerne weiter sagen :-)

14:47 Comments 1 Kommentar » Trackback

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