Monatsarchiv für December 2008
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22. December 2008 |
René Seifert
eLAB (René Seifert): SEOmetrie heißt jetzt Searchmetrics? Was steckt hinter dem Namenswechsel?
Marcus Tober: Die Marke SEOmetrie war in Deutschland schon recht bekannt. Allerdings funktioniert das Wortspiel im Englischen nicht so gut, so dass wir uns für die geplante Internationalisierung einen neuen Namen verpasst haben.
Dr. Horst Joepen: Außerdem engt uns „Searchmetrics“ nicht auf reine Suchmaschinenoptimierung ein, sondern deutet an, dass es um Suche im Ganzen geht.
eLAB: Marcus Tober als CTO hat das Unternehmen gegründet. Horst Joepen ist vor ein paar Monaten als erfahrener CEO aus der Branche dazugekommen. Wie sieht die Rollenverteilung bei Euch beiden aus?
Tober: Ich sehe meine Rolle als CTO keineswegs als Abstieg, im Gegenteil: Endlich kann ich mich voll auf der technischen Ebene um das Produkt kümmern …
Joepen: … während bei mir der „ganze Rest“ von Strategie, Vertrieb und Administration liegt. Bei anderen Paketen, die immer wieder auf den Tisch kommen, einigen wir uns schnell wer was macht. Vor allen Dingen wissen wir beide, was wir an einander haben.
Foto: Horst Joepen (links) und Marcus Tober
eLAB: Um ins Thema einzusteigen, kurz und knapp: Was macht Searchmetrics?
Joepen: Im Mittelpunkt steht unsere weltweit führende Softwaresuite, die sich darin auszeichnet, die vielen isolierten Hilfsmittel für SEO in einer einzigen Lösung zu integrieren.
Tober: Wir sehen uns insofern als Miterfinder des Searchanalytics-Marktes.
Joepen: Unser Tool dient Firmen und Agenturen dazu, den Erfolg von Suchmaschinenoptimierung direkt zu messen und laufend nachzujustieren.
Tober: Außerdem machen wir auch noch SEO-Beratung mit absolutem High-End Anspruch, woraus sich insbesondere Anregungen für unsere Produktentwicklung ergeben. Diese Beratungsleistung bieten wir als verlängerte Werkbank auch unseren Agenturpartnern für ihre Endkunden an. Zu erwähnen ist auch unserer Inhaltebereich, wo wir mit einer Redaktion von 10 festen und 50 freien Redakteuren hochwertigen Content erstellen.
eLAB: Euer neues Release Searchmetrics 4.0 ist am Start, was ist daran neu?
Tober: Erstmals verknüpfen wir in der Version 4.0 die Daten von Google Analytics mit unseren eigenen Daten. Das führt dazu, dass wir mit mathematischen Modellen prognostizieren können, welchen Anstieg an Traffic man erzielen wird, wenn man sich um so und so viel Positionen im Ranking verbessert. Damit beenden wir den SEO-Blindflug.
Joepen: Außerdem sind wir im nächsten Schritt in der Lage durch die Übergabe der Suchbegriffe der Nutzer gezielte Empfehlungen abzugeben, in welchen Bereichen des Long Tail man weiter Inhalte aufbauen sollte.
eLAB: Wem nützt Euer Tool bzw. wen sprecht ihr als Kunden an?
Joepen: Alle, die mit ihrem Online-Portal substanzielles Geschäft machen. Das sind entweder Firmen wie T-Online, Pro7Sat1, Stepstone, Parship und Bild.de oder Agenturen bzw. Partner, von denen wir bisher 10 an der Zahl gewinnen konnten.
Tober: Als Faustregel für die Größe eines Kunden: Das jährliche Online-Marketingbudget sollte im sechsstelligen Bereich liegen.
eLAB: Searchmetrics funktioniert erwartungsgemäß als „Software as a Service“, was kostet ein Abo bei Euch?
Joepen: Im Basisumfang starten wir mit EUR 1.000 im Monat, das Pricing hängt maßgeblich von der Anzahl der Domains, beobachteten Keywords und frei geschalteten Funktionen ab.

eLAB: Ist Searchmetrics ganz und gar ein Selbstbedienungsladen oder kann man sich bei Euch oder Partnern von Euch Consultants und Zusatzdienstleistungen buchen?
Tober: Wir empfehlen ausdrücklich zusätzliche Beratung in Anspruch zu nehmen, weil die Nutzung unserer Suite nicht bedeutet, dass man sein Gehirn ausschalten kann, um aus Schrott Gold zu machen. Wie in jedem Beruf gibt es für alles Spezialisten.
eLAB: Google hat in Deutschland 90 % Marktanteil, und Eure Software setzt maßgeblich auf den Treffern von Google auf. Welche wesentlichen Veränderungen im Google Algorithmus habt ihr in diesem Jahr verfolgen können?
Tober: Google ist in diesem Jahr sehr viel dynamischer geworden, die Updates sind kürzer geworden, was wir mit unserer Suite gut nachvollziehen können. Damit konnten wir beispielsweise auch sofort erkennen, dass der Wettbewerber eines Kunden schmerzhaft in seinem Marktumfeld eingebrochen ist, bevor er sich wieder erholt hat. Ansonsten hat Google enorm am eigenen Produkt gearbeitet und integriert in den Ergebnissen auch regionale Treffer über Google Maps, bei populären Ergebnissen ebenso News und Blogposts.
eLAB: Wie wirkt sich die Abhängigkeit von Google für Euer Geschäft auf Euer Produktmanagement aus? Oder anders gefragt: Findet Google das was ihr macht gut oder schlecht?
Joepen: Ich bin mir nicht sicher, ob uns Google überhaupt wahrnimmt. Aber wenn, dann sollte uns Google eigentlich gut finden. Denn mit unseren neuen Funktionalitäten beleuchten wir den Gesamtzusammenhang von SEO & SEM unterstützen Google dabei, den Bieterwettbewerb von den dominanten Keywords auf den weniger umkämpften „Long Tail“ zu verlagern.
eLAB: Mit dem Mut in die Glaskugel zu schauen: Was seht ihr Google in 2009 anders machen?
Tober: 2009 wird mit Sicherheit ein spannendes Jahr. Mich würde nicht wundern, wenn Google seine eigene lokale Suche noch weiter ausbaut, so dass man z.B. bei einer Suche „Audi München“ direkt konkrete Ergebnisse von Angeboten der Autohäuser bekommt, was natürlich in das bestehende Geschäft von z.B. Autoscout eingreift. Video wird eine größere Bedeutung spielen und das große Fragezeichen steht bei der personalisierten Suche.
Joepen: Dabei handelt es sich um die „Wikipedia-Funktion“, bei der man Ergebnisse noch oben bzw. unten voten und auch kommentieren kann. Die funktioniert natürlich nur, wenn man einen Google Account hat. Interessant wird dabei sein, wie sich diese gesammelten Ergebnisse auf die allgemeine Suche auswirken, vor allem bei dem Risiko dass jemand mit feindseligen Absichten über ein Bot-Netzwerk einen Wettbewerber nach unten ziehen will. Google wird daher sicherlich mit viel Vorsicht diese Daten in seine „Secret Sauce“ einbeziehen.
eLAB: Wie wollt ihr Euch als Unternehmen in 2009 strategisch weiter entwickeln?
Joepen: Wir wollen zum einen den Lizenzumsatz aus Software steigern und wir gehen davon aus, dass der Bedarf danach wachsen wird. Das zweite große Thema ist die Internationalisierung. Wir haben in diesem Zusammenhang unsere Fühler schon in die USA ausgestreckt, für Europa haben wir UK, Frankreich, Österreich, Schweiz und Benelux im Visier.
eLAB: Die Krise speziell in unserer Branche hat verschiedene Gesichter: weniger Umsätze als erwartet, Schwierigkeiten im Fundraising. Wie habt ihr die Weichen für das Schmalhansjahr 2009 gestellt?
Joepen: Wir investieren weiter, wenn auch kontrolliert, weil wir davon ausgehen dass in wirtschaftlich schwierigen Zyklen der Bedarf an Performance-Marketing steigt …
Tober: … denn SEO ist immer noch die kostengünstigste Form sich langfristigen Traffic zu beschaffen, gerade für Firmen die nicht so viel für Marketing ausgeben können.
Joepen: Gleichzeitig beobachten wir den Markt sehr genau und sind in der Lage -falls nötig – auf die Bremse zu treten. Alles in allem sind wir dennoch optimistisch, stellen auch im Januar drei neue Mitarbeiter ein, gerade auch weil wir mit unserem Abo-Modell wiederkehrende Umsatzströme erzielen.
eLAB: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute im Besonderen für das sicherlich spannende Jahr 2009.
Dr. Horst Joepen ist seit April 2008 zweiter Geschäftsführer und CEO von Searchmetrics, Marcus Tober hat das Unternehmen 2007 gegründet und konzentriert sich mit Joepens Eintritt in der Geschäftsführung auf die Rolle des CTO.
17:41
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15. December 2008 |
René Seifert
Gerade weil wir uns derzeit in der vorweihnachtlichen Aufbauphase für Hüftspeck befinden, kann man sich gar nicht früh genug mit den verfügbaren Gegenmaßnahmen beschäftigen. Denn, wie es zum Beispiel auf den redaktionell gefütterten Seiten von abnehmen.net zum gern genommenen Glühwein heißt:
Ein gemütliches Glas ist absolut in Ordnung. Beim Zweiten sollte man schon zweimal überlegen, besonders wenn dazu noch andere weihnachtliche Kaloriensünden gegessen werden. Schließlich regen der Alkohol im Glühwein und der leckere Duft auf dem Weihnachtsmarkt den Appetit an. Die meisten Fertig-Glühweine enthalten viel Zucker und liefern so pro 100 ml ca. 105 kcal. Ein großes Glas (250 ml) hat damit 263 kcal.
Ja Mahlzeit. Das Alleinstellungsmerkmal des Dienstes ist jedoch ein gründlich recherchierter und strukturell sauber umgesetzter Vergleich von Diäten. Im Mittelpunkt der Reise in die Untiefen des eigenen Ich steht die Frage "welche Diät passt zu mir", die einem der Diätenfinder über die eigene Diätgeschichte, Ernährungsgewohnheiten und Zielsetzungen in drei Schritten beantwortet.

Ich hab mich selbst in derm Test auch gut wieder gefunden, nachdem ich dieses Jahr in 2,5 Monaten knapp 10 Kilo abgenommen hab’ und mir als Vorschlag im Diätfinder auch tatsächlich die von mir eingesetzte Almased-Diät mit 90 % Treffergenauigkeit empfohlen wurde. Wenn man sich registriert, kann man sich in der Community mit anderen Mitgliedern austauschen, Diäten bewerten und kommentieren.
Die Entwicklung des redaktionell unabhängigen Seite hat vier Monate gedauert. Gründerin und Geschäftsführerin Peggy Reichelt: "Den ganzen Sommer gab es für uns als Lektüre Diätbücher, denn es mussten unzählige Diäten beschrieben und bewertet werden." Zielsetzung sei laut Reichelt kein Schlankheitsideal zu propagieren, sondern dem Nutzer zu seinem Wohlfühlgewicht, eines bewussten Ernährungsweise und einem ausgeglichenen Lebensstil zu begleiten.
Abnehmen.net refinanziert sich durch Werbung: Glam.com spielt Imagebanner von Markenartiklern auf TKP-Basis ein, ein kontextsensitives Beispiel für Affiliate findet sich bei Birchermüsli und Google AdSense spielt klickbasiert etwas ein.
Ich finden den Dienst eine interessante und klúge Herangehensweise an das ewige Thema, welches man guten Gewissens als unsere Zivilisationspest bezeichnen darf. Abnehmen.net sieht vom Design freundlich aus und folgt bei der Architektur für z.B. SEO gängigen Industriestandards. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die relativ langsame Ladezeit der Seite. In der Summe schmälert das den positiven Gesamteindruck nicht – gerade in Zeiten wo wir alle den Gürtel enger schnallen müssen :-)
10. December 2008 |
René Seifert
Marissa Mayer, Produktchefin von Google sitzt auf der Bühne von LeWeb, interviewt von Michael Arrington (Techcrunch) und Gastgeber Loic LeMeur. Gerade gibt sie bekannt, dass Google die "Zeitgeist 2008" veröffentlicht. Zum ersten mal hat Google die Top-Suchbegriffe des Jahres nach 30 Ländern heruntergebrochen. Das auch noch: "Britney Spears" steht immer noch weltweit sehr weit oben. Und am schnellsten gewachsen ist "Sarah Palin" – auch nicht wirklich besser.
Außerdem gibt Mayer bekannt, dass es ab heute "iGoogle for Causes" als neue Themes eingeführt wird, wo man die Arbeit von Künstlern mit einem guten Zweck bei der Personalisierungsseite des Suchimperiums verbindet.
Arrington erkundigt sich nach "Google Seach Wiki", welches Google in kleinen Stichproben anzeigt wenn wenn man bei Google eingeloggt ist. Dort kann man zu den Suchtreffern abstimmen sowie Notizen hinzugfügen, um die Suche beim nächsten mal dynamischer und personalisierter zu machen. Ziel dieses Features ist, für den Nutzer stabiler zu machen, nachdem 40 % der Suchen eines Users auf dem identischen Keyword basieren.
Was passiert nun auf der aggregierten Ebene von Search Wiki mit der Summe aller Abstimmungen und Kommentare? Mayer behauptet "bisher noch nichts", um daraus beispielsweise die allgemeine Suche zu verbessern. Aber man schaue sich die Möglichkeiten schon sehr genau an.
Google hat weltweit 67 % Marktanteil bei Suche, nach Auffassung von Mayer haben man 90 Prozent des Weges geschafft, die restlichen 10 % würden nach der alten Pareto-Regel aber sicherlich den gleichen Aufwand wie die ersten 90 % bereiten. Bedeutet konkret:
- Suche basierend auf Spracherkennung, die z.B. ein Nutzer ins Telefon hinein spricht (Mayers Favorit). Die Qualität der Erkennung werde dabei mit zunehmender Nutzung steigen, damit man zum Beispiel auch verschiedene dialektale Einfärbungen erkennt.
- Ausdehung auf Bewegtbild und Erkennung des gesprochenen Wortes
- Gesichtserkennung (sei laut Mayer noch weit entfernt, nachdem das Problem nicht mehr nur mit 100.000 Promis, sondern 1 Milliarde Internet-Nutzer skaliert ist.)
Ausblick auf 2020: DIe Suchmaschine wird mehr über den Nutzer kennen, vor allem seine Präferenzen, um daraus maßgeschneiderte Angebote zu machen. Beispielsweise seiem im Augenblick zwei wesentliche "Signale" dafür die Geographie und der letzte Suchbegriff, der eine Menge relevanten Kontext erzeugt. Ebenso werde Google in Zukunft zunehmend auf den "Social Graph" setzen.
Local Search: 70 % des verfügaren Einkommens in der USA wird in einem Umkreis von 5 Meilen um die eigene Bleibe ausgegeben. Das klingt nach einer satten Opportunity, um lokale Suchergebnisse sowie lokale Werbemöglichkeiten zu verbessern.
Auf eine Frage, worauf Mayer im Zuge des immensen Wachstums von Google bei der Personaleinstellung achtet, haben sich zwei Eigenschaften heraus gebildert: "smart" und "getting things done". Was organisatorische Maßnahmen angeht, ging es bei Google von Anfang an um Skalierung und die Liebe zum Detail. Das betrifft sowohl die Architektur des Datacenter als auch das Aufsetzen von Geschäftsbedingungen für 40 Länder oder der Launch des Google Browsers "Chrome" in 40 Sprachen von Anfang an.
Wie immer eine Quelle von Smartness, die aus Marissa Mayer heraus sprudelt und mit ihrer eigenen Fähigkeit zu "getting things done" hat sie sicherlich einen maßgeblichen Beitrag zur Erfolgsstory von Google geleistet. Und erfrischend bei ihrem Auftritt, fällt mir gerade noch abschließend auf: Das Wort Krise kam kein einziges mal vor.
9. December 2008 |
René Seifert
Man macht sich nichts vor, dass wir in einer Krise stecken auf der LeWeb in Paris. Mit wem man auch immer spricht, so hört man meistens eine Aussage à la: "Es ist jetzt schon schwierig genug, aber wer weiß wie schwierig s noch kommen wird." "Schwierig" lässt sich für unsere Branche in folgende Kategorien einordnen:
- Das junge Unternehmen liegt bei den geplanten Umsätzen zurück, defizitär ist es ohnehin.
- Deswegen beschleunigt sich der Bedarf an einer Nachfolgefinanzierung, die wiederum aufgrund der Klammheit der Investoren schwieriger verfügbar ist.
- Neue Start-Ups drehen Schleife um Schleife und sammeln statt Geld nur Körbe ein.
- Wenn es Finanzierung gibt, dann zu spürbar niedrigeren Bewertungen.
- Investoren kriegen Absagen von ihren Limited Partnern, nachdem der Wert deren Portfolios durch den Börsencrash verfallen ist so dass sie sich an jeden Euro Liquidität klammern.
Marc Samwer nimmt vom European Founders Fund kein Blatt vor den Mund: "Die meisten Unternehmen haben noch nicht begriffen, wie tief greifend die Krise ist und haben vor allem auf ihrer Kostenseite adäquat darauf reagiert." Die VCs auf dem Panel sind sich ziemlich einig wie man durch die geschätzten harten nächsten 12-18 Monate kommt.
- Business Model: Im Augenblick hat man schlechte Karten, wenn man mit einem Konzept daher kommt, welches einen Usernutzen hat, skaliert, aber jede Perspektive vermissen lässt, wie man jemals damit Geld verdienen will. Also ist Monetarisierung wichtiger denn je.
- Bessenheit mit Kostenkontrolle.
- Glaube an was Du tust und kämpfe, denn Du spielst um zu gewinnen.
Ein paar Besonderheiten gebe es dabei für Europe: Zum einen auf der Soll-Seite das kulturelle Stigma des Scheiterns sowie kleinere Märkte und auf der Haben-Seite die gelernte Fähigkeit in verschiedenen Sprachen und Kulturen unterwegs zu sein, die Stärke in Mobile und staatliche Förderprogramme.
Was inhaltliche Trends ausgeht, so steht die "Facebookization" oder auch "Feedization" ganz oben, wo sich die Online-Welt in diversesten Feeds abspielt, vor allem auch ihre Interoperabilität mit z.B. der mobilen Welt. Mark Butcher von Techcrunch UK hat dazu dieses Slide aufgelegt:

Vielleicht dient das ein wenig zu Orientierung in Zeiten wie diesen.
Will wahrlich nicht mit Platitüden trösten, dass nach Regen Sonnenschein kommt. Aber ich glaube fest daran, dass die klugen Köpfe nicht blöder geworden sind, dass Leidenschaft der Motor für Erfolg ist und dass längst noch nicht alles was man erfinden kann schon erfunden worden ist.
9. December 2008 |
René Seifert
LeWeb in Paris, nach einer kleinen Odysee durch die Stadt gut am Veranstaltungsort angekommen. Jetzt sitzt Nikesh Aurora, Head of Google Europe auf der Bühne, interviewt vom Gastgeber Loic LeMeur.
"In den letzten Jahren hatten wir eine Party, und die ist jetzt sicher vorbei", beschreibt Aurora die Krise. Es sei aber für Google eine gute Gelegenheit sich noch enger am Nutzer zu orientieren. Mit den gegenwärtigen Maßnahmen der Regierungen tue man das Menschemögliche und nach Auffassung von Aurora würden die USA schneller aus der Krise heraus kommen als Europa.
Auf die Frage, wo das "nächste Google" herkommt, ist sich der Google Manager sicher: "Von zwei Jungs aus einer Garage." Als Markt sollte man versuchen etwas zu entwickeln, welches theoretisch die 1,4 Milliarden Internet-Nutzer auf der Welt erreichen kann. Also zumindest eine Strategie für Internationalisierung von Anfang an.
Auch wenn USA nach wie vor Internet-Innovation dominieren, so sieht Aurora auch den "Rest der Welt" stärker am Drücker, im besonderen Europa, zumal der Zugang zu Start-Up Kapital zunehmend auch dort erhältlich ist.
Als eine der großen Zukunftsvision sieht Aurora ein computer-getriebendes Niederreißen von Sprachbarrieren. Usecase: Eine Deutscher und ein Spanier telefonieren in ihrer Muttersprache miteinander und mehr oder weniger in Echtzeit übersetzt "die Cloud" das Gesagte.
Wie wird man von Google gekauft. Aurora: "Man wird von Google nicht akquiriert, wenn eine Company nur gründet um von Google akquiriert zu werden." Man soll sich vielmehr auf einen echten Usernutzen konzentrieren.
Abschließende Bemerkung Auroras: "Wenn man die nächsten 12-18 Monate in Europa durchsteht, wird man noch stärker als vorher daraus hervorgehen."
5. December 2008 |
René Seifert
Das Christkind muss in diesem Jahr ein Braumeister sein. Mit Bussen legten wir gestern Abend aus der Münchner Sonnenstraße ab mit Kurs auf Aying im Südwesten der Stadt, dort auf das Allerheiligste der 4400-Seelen Gemeinde zu: Die Ayinger Brauerei für unsere Weihnachtsfeier 2008. (Alle Fotos vom Event hier in diesem Flickr-Album).
So sehr wir alle bei eLAB und seinen 14 Ventures auch unseren Job im Internet lieb haben, so haben wir schon gestaunt wie so ein altes und ehrliches Handwerk wie das Bierbrauen den Sprung in die Gegenwart geschafft hat: Das Reinheitsgebot von 1513 auf einer High-Tech vollautomatisierten Produktionsanlage im 21. Jahrhundert Tag für Tag stoisch durchzulittern – wie wir dank einer kompetenten Führung durch den Betrieb erfahren haben.

Im "Kommandostand" der Privatbrauerei stehen zwei Computer, die einem visuell anzeigen wenn etwas im Prozess hakt und gegebebenfalls nachts oder am Wochenende den "BvD" (=Braumeister vom Dienst) automatisch aus dem Bett telefonieren. Ansonsten dominiert in der Produktionsanlage ein sauberes chromglänzendes Ambiente.

Das erste Freibier gab’s auch direkt aus dem Reifetank für das Kellerbier (unfiltriert, siehe Bild oben), bevor es dann im ersten Stock im Brauereigasthaus mit mehr und noch mehr Freibier zünftig weiter floss. Es zeugt zweifelsfrei von einer toleranten und friedfertigen Weihnachtsgesellschaft, wenn in einem solchen Rahmen auch Weintrinker geduldet wurden ;-) Stephan stellte seiner Rede für die Rückschau fest, dass es auch noch ein Jahr 2008 vor September und der Krise gab, in dem innerhalb der Ventures Großartiges geleistet worden ist.

Freilich könne niemand die augenblicklich schwierige Konjunkturlage leugnen, deren weitere Entwicklung in 2009 zudem mit Unsicherheit behaftet ist, aber gerade in solchen Zeiten seien Fokus, Leidenschaft und der Glaube an den eigenen Dienst erst recht die wichtigsten Kräfte für unternehmerischen Erfolg.
Die Rückschau der etwas anderen Art lieferten der Nikolaus und Krampus, die in der Verkörperung des Edlen durch Arnd bzw. des Proleten durch mich bis auf die Kostümierung keiner Schauspielerei bedurften. (Ich hatte mich einfach 3 Tage lang nicht rasiert.)

Venture für Venture wurde zum hochnotpeinlichen Verhör nach vorne befohlen und musste dem Nikolausi ein kleines Kunststückchen vorführen, bevor man ein Geschenk in der Bilanz als GWG aktivieren und gleich wieder abschreiben durfte. Hut ab vor dem Einfallsreichtum: Von einem Medizinquiz ("Wie viele Kalorien hat ein Teelöffel Sperma?") durch NetDoktor bis hin zu einer Abwandlung von "We will rock you" in "We will jog you" durch Jogmap wurde nichts ausgelassen.

Gar nicht zu reden von der geilen Fresserei einer hervorrangenden Bayerischen Küche vom Brauereiherd, wo die Krustensau mit Blaukraut und Knödeln den Weg in unsere gierigen Rachen gefunden hat. Und ein unendlicher Strom an perlendem Freibier hat dann dafür die gesorgt, dass die Peristaltik die Nahrung geschmeidig in den Magen zur weiteren Verwertung befördert. Bei uns verkommt nämlich nix.
Zurück in den Bussen machte sich angenehme Trägheit nach einem ehrlichen bayerischen Abend, so dass es nur noch ein harten Kern zur After-Hour in die Milchbar eine Tür weiter vom eLAB-Büro geschafft hat.

Erwiesen ist jedoch, dass zwischen 1513 und 2008 in wirtschaftlichen Höhen und auch in Tiefen eines in Stein gemeißelt steht: Hopfen und Malz – Gott erhalt’s :-)
2. December 2008 |
René Seifert
Was mir schon seit einiger Zeit dämmert, ist die subtile Vielschichtigkeit der Kommunikation im Rahmen von Web 2.0 Diensten. Zum Teil getrieben von Features, Default-Einstellungen, oft aber auch von Usern selbst "erfunden", bevor sich diese neuen Ideen rasch durchs ganze soziale Netzwerk verbreiten.
Beispiel: Was für einen Unterschied in der Wertschätzung es macht, ob man auf XING eine Kontaktanfrage einfach nur bestätigt oder ob man dies mit einer kurzen Nachricht begleitet. Oder Facebook: Immer öfter findet eine klassische 1:1-Kommunikation nicht übers private Nachrichtensystem statt, sondern auf der "Wall", was andere nicht nur zufällig daran teilhaben lässt, sondern über einen entsprechenden Feed der Person im eigenen Netzwerk mit der Nase förmlich draufstößt.
Und in diesem Zusammenhang kommt man natürlich nicht an Twitter vorbei, welches im meinen Augen die Regeln für Kommunikation und die Auswirkungen auf die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen neu definiert. Siehe dazu auch einen super Post von Meister Tim O’Reilly. Auch bemerkenswert, wie Twitter in diesem Jahr laut Google Trends in Deutschland angezogen hat.

Was macht Twitter so besonders?
- Die Mitmachhürde liegt so verdammt niedrig. Wenn ein normales Blogpost nicht total irrelvant-trivial sein soll, dann sollte man sich irgendein Thema aus den Fingern saugen, sich überlegen was man in welcher Struktur sagen will und es dann auch noch halbwegs lesbar formulieren. Dieses Problem kennt Twtter nicht. Vom System her ist die Länge auf 140 Zeichen beschränkt.
- Der Dienst ist ein Spiegel der augenblicklichen Gedanken eines Menschen und das Abbild seiner gegenwärtigen Aufmerksamkeit.
- Twitter ist per Default ist ein Push-Kanal, den man einfach "followen" kann ohne vorher eine Kontaktanfrage zu stellen. Andereseits kann ein Nutzer seine Tweets auf "privat" stellen, um das "followen" vorher zu genehmigen.
- Die User selbst haben durch ihr Nutzungsverhalten den Dienst reicher und anspruchsvoller gemacht. Was anfangs recht experimentell mit "Stehe gerade an der Bushaltestelle" oder "Saufe gerade Capuccino" begann, hat sich als Kanal für vielschichtige Kommunikation entwickelt.
- Was ich mit der Vielschichtigkeit der Kommunikation meine:
- Standard: Man twittert linear etwas in die Welt hinaus.
- Verbreiterung: Man bezieht sich bei seinem Tweet mit der Syntax @[username] am Beginn der Nachricht auf ein anderes Mitglied. Sofern ein Dritter beide Mitglieder verfolgt, bekommt er die Nachricht auch in seine soziale Timeline.
- Eins zu Eins: Die direkte Nachricht mit der Syntax d [username] geht nur an den einen Empfänger. Klassiker. Besonders hilfreiche Alternative aus meiner Erfahrung in den USA, wo man oft dank verschiedener Standards der Mobilfunkbetreiber nicht sicher sein kann, ob eine SMS auch ihr Ziel erreicht.
- Retweeting: Man nimmt einen Tweet auf und "forwarded" ihn sozusagen in das eigene soziale Netzwerk, wobei man dem eigentlichen Urheber mit seinem Usernamen nennt und es den Leuten im eigenen sozialen Netzwerk leicht macht, ihn direkt zu "followen".
- Shortlink: Dank Diensten wie Thwirl oder Tinyurl schaffen es Links, die selbst schon länger als die 140 Zeichen wären, als Verweis auch noch in den Tweet.
- Mit Twitter verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben. Es gibt nur ein Leben. Authentizität entsteht nur, wenn man nicht krampfhaft versucht eine hohe Mauer dazwischen zu ziehen. So hab’ ich auf meinem Profil schon über die Eule auf meinem Fenster in Bangalore, die Lektüre vom Economist zu den Anschlägen in Mumbai als auch einen Hinweis auf einen Post auf diesem Blog getwittert.
Was mich abschließend an Twitter so anspricht ist das Gefühl am Leben von so vielen Menschen teilzuhaben, die mir etwas bedeuten. Auch wenn man sich längere Zeit nicht persönlich spricht, so ist man sehr viel schneller bei gemeinsamen Bezugspunkten ohne dass man erst die eingerostete Leier von "wie geht’s so" und "was hat sich bei Dir die letzte Zeit so getan" zum Warmwerden braucht.