contentTop

Monatsarchiv für April 2009

Die Suche nach 'Monatsarchiv für April 2009' ergab 10 Treffer:


29. April 2009 | René Seifert

Freiheitsbegriff bei Twitter vs. Facebooks Fanpage

Hab dieser Tage eine Präsentation über “Social Media fürs Unternehmen” entwickelt und dabei fiel mir ein grundlegender Unterschied zwischen Twitter und Facebook auf. Um es mit George Orwell zu beschreiben: Bei Twitter sind alle gleich, bei Facebook sind einige gleicher. Und zwar, was die zu Grunde liegende Architektur angeht.

Als Unternehmen hat man für die beiden genannten Plattformen zwei Formate: Bei Twitter ist man ein ganz nomaler User, bei Facebook kann man sich eine Fanpage anlegen.

Beispiel 1: Dell-Outlet in den USA twittert

Dell auf Twitter

Beispiel 2: Netdoktor.de Facebook-Fanpage
NetDoktor-Fanpage auf Facebook

Bei Twitter ergibt sich die (vermeintliche) Bedeutung aus der Anzahl anderer Twitterer, die einen followen. Dreht man diese Betrachtung weiter, dann hängt die Bedeutung dieser Follower wiederum von deren Followern ab und so ergibt sich ein in sich geschlossenes rekursives System. Der Herr PageRank Algorithmus lässt auch in diesem Mikrokosmos des weiten WorldWideWeb grüßen.

Dagegen beinhaltet die Architektur Facebook von vorne herein eine Asymmetrie - wie eigentlich schon der Begriff “Fanpage” suggeriert. Eine Asymmetrie von Stars wie Günther Jauch bis Barack Omaba, die Clay Shirky in seinem coolen Buch “Here comes Everybody” erläutert: Günther Jauch oder den U.S.-Präsidenten kennen sehr viel mehr Leute als umgekehrt, vor allem zerfällt auch nur die entferneste Möglichkeit, dass die Promis mit den “normalen Leuten” anhaltende 1:1 Konversationen, ganz zu schweigen Beziehungen unterhalten. (Was meiner Auffassung nach die klarste Definition von “Prominenz” ist.)

Facebooks Fanpages zementieren genau diesen Zustand von vorne herein in der Usability. Wer eine Fanpage aufgesetzt hat, steht von Anfang an auf einem erhöhten Podest, auf das die anderen hinaufblicken können/müssen sobald sich sich als Fan hinzugefügt haben. Eine Erwiderung dieser Liebe ist durch den Abgott gegenüber dem Fan ist erst gar nicht im System vorgesehen. Auch in Sachen Kommunikation spiegelt sich die Asymmetrie wieder: Die Fans können - sofern die Einstellungen durch den “Star” entsprechend liberal vorgenommen wurde - auf der Wall öffentlich herumpalavern, ein direkter 1:1 Zugang zum Tabernakel ist aber nicht vorgesehen. Dieser wiederum kann aber 1:n Updates an die Fans schicken, die jedoch in deren individueller Mailbox landen.

Twitter ist da anders. Jeder kann mit jedem die gleicher Art von Beziehungen eingehen und auf gleicher Augenhöhe kommunizieren. Betonung auf “kann”. Denn Dell folgt gerade mal 21 Nutzern, während Dell 418.000 Nutzer folgen. Dennoch ein in sich demokratisches System, wo sich Bedeutung durch das kollektive Verhalten aller Nutzer ex-post ergibt und nicht systemimmanent ex-ante Freiheitsgrade bewusst eliminiert.

13:10 Comments 0 Kommentare » Trackback

23. April 2009 | René Seifert

Autoplenum-CEO Malte Krüger im Interview: „Die Zeit der Silos ist vorbei“

eLAB (René Seifert): Vor vier Wochen gab’s einen Relaunch, man sieht es erwartungsgemäß optisch. Hat sich auch unter der Haube von autoplenum.de was Neues getan?
Malte Krüger: Nach zwei Jahren haben wir autoplenum.de einer Generalüberholung unterzogen und unseren USP geschärft. Neu ist, dass alle user-generierten Erfahrungsberichte und redaktionellen Berichte in eine autoplenum-Wertung fließen. Die redaktionellen Berichte setzen sich wiederum aus den Noten von auto motor sport, Motorvision, Autozeitung, AutoBild und ADAC-Magazin zusammen.

Malte Krüger, Geschäftsführer Autoplenum GmbH

eLAB: Wo hilft dem Nutzer das im Besonderen weiter?
Krüger: Ziel ist, dem Nutzer, der sich gerade im Kaufprozess für ein Auto befindet, bestmögliche Orientierung zu bieten. Aus diversen Studien wissen wir, dass dabei die Verbindung aus user-generierten Inhalten und redaktionellen Bewertungen eine optimale Ausgangsbasis für die Entscheidung beim Autokauf liefert.

eLAB: Ihr habt aber auch Features, die sich nicht nur um Information rund um die Kaufentscheidung drehen. Welches Bedürfnis sollen diese erfüllen?
Krüger: Korrekt, das sind zum Beispiel Bewertungen von Werkstätten, Autohäusern, Autoteile-Verkäufern sowie Waschanlagen. Unser Fokus liegt aber auf dem Bereich Auto, um dem Nutzer auf einen Blick je Modell wie zum Beispiel Audi A3 2.0 TDI Sportback DPF mit 140 PS sämtliche relevanten Informationen auf einen Blick zu bieten. Dazu zählen aus der Schwacke-Liste Anschaffungspreis, Verbrauch, Beschleunigungswerte etc.; heute gerade sind wir mit den ADAC-Daten für 1.800 Modelle und deren Betriebskosten bzw. Wertverlust live gegangen.

eLAB: Eine der zentralen Ansätze für das Internet 2009 ist der Plattformgedanke: Schnittstellen, über die man Daten aggregiert, anreichert und wieder ausspielt. Welche Daten habt ihr Euch von Partnern geholt und welche erzeugt ihr selber?
Krüger: Neben den eigenen Erfahrungsberichten von Autofahrern beziehen wir  viele Inhalte von Partnern. Umgekehrt verlinken wir freimütig auf andere Inhalte. Wir werden die aggregierte Autoplenum-Bewertung auch wieder Dritten zur Verfügung stellen. Die Zeit der Portale und Silos ist vorbei, man muss sich als Content-Player vernetzen so wie es die New York Times jüngst mit ihren APIs vormacht.

Autoplenum Homepage

eLAB: Die Community macht einen großen Teil der Arbeit mit Bewertungen, Erfahrungsberichten und Fragen/Antworten. Was muss man beachten, wenn man eine Community aufbauen und am Laufen halten will?
Krüger: Wir sind nahezu als reine Community gestartet, haben uns dann in Richtung Info- und Bewertungsplattform weiter entwickelt. Auch jetzt haben wir klassische Features wie Freunde hinzufügen, Nachrichten schreiben und “hilfreichs” bzw. “Komplimente” vergeben. Wir haben verschiedene Fokusgruppen unter anderem zur Motivation des Schreibens von Berichten gemacht, die unsere eigene Beobachtung bestätigen: Weder Geld noch Gewinnspiele können unsere Community aktivieren, das erzeugt vielleicht eine kurzes Strohfeuer. Das, was die Nutzer wirklich antreibt, ist ein ehrliches “Dankeschön” von einem anderen Nutzer, weil ihm dessen Tipp beim Autokauf behilflich gewesen ist. Das wiederum baut Momentum für weitere qualitativ hochwertige Berichte auf.
eLAB: Was heißt das nun konkret fürs Management aus Community?
Krüger: Man muss ein Produkterlebnis schaffen, dann dem Nutzer zuhören und das Destillat daraus in den Produktentwicklungszyklus zurück spielen. Dieses Gefühl der Teilhabe macht sich durch ein hohes Maß an Loyalität bemerkbar.

eLAB: Euer Dienst ist ein natürliches Werbe-Umfeld für die Automobilindustrie, die von der gegenwärtigen Krise besonders gebeutelt wird. Wie schlägt das bei Euch durch?
Krüger: Trotz Krise sind wir aus dem 1. Quartal gut rausgegangen. Zum neuen Jahr sind wir mit Tomorrow Focus auch mit einem neuen Vermarkter für die Display-Werbung an den Start gegangen, was sich voll und ganz bewährt hat. Was sogar für eine Zunahme des Werbedrucks gesorgt hat, waren Kampagnen, die rund um die Abwrackprämie gestrickt waren.

eLAB: Traditionell ging es bei Autowerbung immer stark um Image-Aufbau. Kannst Du sagen wie sich Display zu Performance-basierte Werbung bei Euch verteilt?
Krüger: Das hält sich in etwa die Waage. Viele Kampagnen laufen heute auf Mischmodelle mit einer Branding- und einer CPX- Komponente hinaus, wo bei Letzterer am Ende eine Probefahrt oder eine Prospektbestellung stehen soll.
eLAB: Habt ihr sonst noch andere Erlösquellen im Auge?
Krüger: Im Umfeld von Automobil gibt es bei Finanzierung, Versicherung, Leasing oder auch Reifen wie jetzt im Frühjahr noch jede Menge unausgeschöpftes Potenzial, welches wir dieses Jahr zusammen mit Partnern heben wollen.

Autoplenum: ADAC Detailseite

eLAB: Wie seid ihr als Organisation aufgestellt, also was macht ihr als Kernaufgaben inhouse und was lagert ihr dauerhaft aus?
Krüger: Alles was Produkt und Technik angeht, machen wir intern. Marketing macht Teile selbst, steuert ansonsten Agenturen. SEO-Verständnis ist unabdingbar, allerdings arbeiten wir in diesem Bereich ebenso wie bei SEM auch mit externen Spezialisten zusammen.

eLAB: Autoplenum hat mit Holtzbrinck eLAB und ProSiebenSat1 zwei große Gesellschafter. Fühlt sich das dann so an, als säße man im Auto zwischen Fahrer- und Beifahrersitz auf der Handbremse?
Krüger: Holtzbrinck eLAB war von Anfang an als Gründungsgesellschafter dabei, Pro7Sat1 kam später dazu. Mit beiden gibt es einen ständigen konstruktiven Austausch.
eLAB: Wo finden insbesondere in Richtung der Fernsehgruppe Pro7Sat1 Synergien statt?
Krüger: autoplenum.de ist in den Online-Plattformen der ProSiebenSat1-Gruppe wie z.B. kabeleins.de oder auch n24.de integriert. Auch gibt es gemeinsame Aktionen mit sat1.de wie zum Beispiel das Wiederaufleben des Browser-Spiels „Drivers Heaven“. Als cross-medialer Ansatz wird bei „Abenteuer Auto“ auf Kabeleins in einer Sendung dazu aufgerufen, ein bestimmtes Auto zu bewerten. Das Ergebnis wird dann in der folgenden Ausstrahlung wieder aufgegriffen.

eLAB: Autoplenum wird jetzt bald 2 Jahre alt? Was war auf dieser unternehmerischen Reise das denkwürdigste Erlebnis?
Krüger: Zum ersten Relaunch sechs Monate nach dem Start war nachts und noch am Morgen alles down. Roll-Back nicht möglich. Ich als Nicht-Techniker habe nur den Skype-Chat zwischen den Techies mitgelesen, nichts verstanden und dachte wir stehen vor dem Nichts. Aber dann haben es die Jungs wie durch ein Wunder doch wieder zum Laufen gekriegt.

eLAB:
Habt ihr Euch für dieses Jahr Wachstums –und Entwicklungsziele gesteckt oder laute die Devise eher “erst mal die Krise überwintern”?
Krüger: Wir müssen und werden uns nicht verstecken. Der Markt wächst weiter, wie sich auch an den Wettbewerber ablesen lässt. Wir haben uns mit 400.000 Unique Usern pro Monat laut AGOF gleich nach AutoBild etabliert. Was wir in diesem Jahr noch angehen wollen ist eine bedürfnisorientierte Suche. Dazu muss man wissen, dass die Markenloyalität bei Autos nur bei 50 Prozent liegt, somit der Einstieg der Suche klassisch über die Automarke bei der anderen Hälfte nicht zum gewünschten Ergebnis führen muss. Vielmehr gibt es eine Fülle von Kriterien von Hybrid-Wagen oder Kombi gesucht, die wir künftig vom System her unterstützen möchten.

eLAB: Besten Dank fürs Gespräch und weiterhin gute Fahrt mit autoplenum.de.

17:09 Comments 0 Kommentare » Trackback

16. April 2009 | René Seifert

Wie anal ist das Sachbuch bei Amazon.de?

Das ist zu gut. Ich könnte Tränen lachen und muss mich extrem zusammenreißen, nicht nur einen Kalauer nach dem anderen zu reißen. Also: Bitte jeder mal selber ausprobieren.

  1. Man gehe auf www.amazon.de und
  2. … gebe oben in der Suchmaske “Sachbuch” (ohne Anführungszeichen) ein.
  3. Kucken, scrollen und staunen.

Ja, ist denn jetzt scho Weihnachten? Für den absehbaren Fall, dass die Liste bald nicht mehr so ausschaut, hab ich ein paar Sicherungs-Screenshots geschossen. Hier ist die Liste der Treffer von 1 bis 15:

Amazon.de Anal 1

Amazon.de Anal 3

Amazon.de Anal 2

Ja, und nun? Erstens, nein, ich mach bei keiner Sammelbestellung mit, bei der wir uns anschließend im Lesezirkel die Bücher austauschen. In Gummihandschuhen, aber nicht denen von Treffer 1.

Zweitens, einsam und verloren prangt nach all dieser Hecklastigkeit auf Platz 15 Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier mit seinem Titel “Mein Deutschland: Wofür ich stehe”. Die Antwort wofür er so “steht” dürfte sich nahtlos aus der Basisliteratur von Treffer 1 bis 14 ergeben …

Drittens, hatte zunächst keine Ahnung wie das sein kann. Bestellen bei Amazon nur Perverse oder hat da jemand wie auch immer den Listing-Algorithmus überlistet? Ist da so was wie ein “E-Commerce”-Blackhat am Werk gewesen? Ich vermute ja. Geht man mal etwas in die Tiefe (keine Doppeldeutigkeit beabsichtigt), dann finden sich auf der Objektebene “Buch” folgende Funktion bzw. Feature:

Amazon Tagging

Der obere Teil “Was kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben” ist noch ein verhältnismäßig schwaches Indiz, es sei denn es hätte eine orchestrierte Aktion gegeben zwischen Buch A kucken, dann Buch A und auch gelegentlich Buch B und Buch C kaufen.

Viel stärker wiegt aber die Option “Tagging”, wo man auch in einem Freifeld einen beliebigen Tag, wie eben auch “Sachbuch” vergeben kann. Machen das ausreichend viele verschiedene User von Ihren Accounts, dann scheint es naheliegend, dass am Ende eine solche Trefferliste zu “Sachbuch” zusammen kommt.

Die Frage ist aber: Wer macht so einen Scheiß? Hat sich da jemand eine (gar nicht so schlechte) Gaudi erlaubt oder steckt da mehr dahinter? Ich hänge keinen Verschwörungstheorien nach, aber dieser Tage stand Amazon.com in den USA massiv unter Druck (no pun intended). Hintergrund: Das Unternehmen hat schwule Literatur aus den Trefferlisten der Suchfunktion genommen und hinter die “Ab 18″ Trennwand gepackt. Als das ruchbar wurde, fanden es nicht alle gut (siehe z.B. dieser Blogpost dazu) und eine Welle der Entrüstung brach vom Zaun. Alternativ kann ich auch empfehlen, sich bei der Twitter-Suche in Echtzeit die Entrüstung unter dem allseits verwendeten Hashtag #amazonfail anzuschauen oder dazu einfach diesem Link zu folgen.

Schlägt da etwa in Deutschland das Imperium durch die Hintertür zurück? Honi soit qui mal y pense. Ich habe in jedem Fall diesen Blog-Post Christine Höger, der Kommunikations-Leiterin von Amazon Deutschland zugeschickt - mit Bitte um einen Kommentar über das Verständnis des Unternehmens zur Natur des Sachbuch. Werde im Falle einer Antwort selbstverständlich berichten.

21:48 Comments 11 Kommentare » Trackback

15. April 2009 | René Seifert

Die Besten Präsentationen von der Web 2.0 Expo

Noch ein kleiner Nachklapp von vorletzter Woche Web 2.0 Expo, nachdem sich die Eindrücke etwas gesetzt haben. Beim Durchgehen der Aufzeichungen hier meine Favoriten bei den Präsentationen, die ich zumindest auch selber live gesehen habe in Form der Sildes zum Download.

Damit mich niemand hasst, wenn ihm vor lauter Linksklicken der Bildschirm einfriert, hinter jeder Kurzbeschreibung der recht uneleganter aber explizite “Zum Download”-Link fürs kontrollierte rechte Maustaste plus “Speichern unter …”, gell :-)

1. Der letzte Stand der Wissenschaft, wie man aus der unendlichen Masse der Daten aus Social Media nützliche Erkenntnisse heraus ziehen kann: “Beyond Buzz - On Measuring a Conversation” von Kate Niederhoffer und Marc Smith (zum Download)

2. Content Strategy: “What’s Real, What’s Relevant” von Kristina Halvorson (zum Download)

3. Hatte darüber auch schon gebloggt, hier die ganze Präsentation: “Designing Social Websites” von Christina Wodtke (zum Download)

4. SEO für Einsteiger und solche die White Hats bleiben wollen: “From Soup to Nuts” von Stephan Spencer (zum Download)

5. Socialtext-Gründer Ross Mayfield mit “Putting Web 2.0 to Work”

6. Und last, but not least die 13-minütige wie immer äußerst plastische Keynote von Event-Veranstalter Tim O’Reilly (Links-Klick zum Video auf Blip.tv)

Die Übersicht aller Präsentationen befindet sich hier; da ist noch einiges mehr geboten für inspirierende Abende mit dem Notebook vor dem Kaminfeuer, während der Rest der Freunde im Biergarten sitzt …

00:17 Comments 2 Kommentare » Trackback

10. April 2009 | René Seifert

Untersuchung: Business Pläne für Start-Ups bringen nix

Ok, ok, die Headline geht schon ein bisschen in Richtung Bild-Zeitung. Aber wenn wir jetzt schon mal im Gespräch sind, dann können wir uns auch etwas differenzierter darüber unterhalten. Und so ganz falsch ist es nicht, wie Prof. David Kirsch von der Universität Maryland vom Lehrstuhl für Management und Entrepreneurship in seiner Studie rausgefunden hat. Die Sache ist nämlich die: Fragt man VCs nach dem Hauptkriterium weswegen sie in ein Start-Up investieren, dann kommt so gut wie immer zur Antwort: Der Gründer bzw. sein Team. Denn bei einem Start-Up kommt es immer anders, und dann noch als man denkt. Annahmen gehen nicht auf, der Markt hat sich gedreht, die Umsetzung dauert länger als angenommen - die ganz normalen kleinen und großen Katastrophen in einem Start-Up. Und da kommt es auf die richtigen Leute mit den entsprechenden Sensoren fürs Geschehen sowie der Flexibilität für die rasche Anpassung an. Nachdem ein erfahrener VC vor der Finanzierung weiß, dass es nach der Finanzierung genau so kommen wird, will er die Unternehmer so gut wie möglich kennen und ihr Umsetzungspotenzial verstehen.

Und das deckt sich wiederum mit der erwähnten Studie aus Maryland, die systematisch den Zusammenhang zwischen einem (guten) Business Plan und einer erfolgreichen Finanzierung in 700 Fällen erforscht hat. Ergebnis: Es gibt keinen. Vielmehr spielte eine viel großere Rolle, ob der VC den oder die Unternehmer kannte. Wenn nicht persönlich, dann in Zeiten der “Reputation Economy” zumindest durch eine vertrauensvolle Empfehlung. Falls dies nicht der Fall war, dann überzeugte den VC ein erster Kunde oder eine iniitierte wichtige Partnerschaft ebenso nachhaltiger als eben die Vorlage des perfekten Business Plans. Ganz interessant: Diese akademische Aussage ist nicht so weit entfernt von den Ratschlägen aus der Praxis. In diesem TED-Talk hat Serial Entrepreneur und Pate des Angel Investment David S. Rose 10 Tipps parat, worauf es bei einem Pitch vor einem VC ankommt.

Wer keinen Bock hat, die 10 Minuten Video durchzukucken, hier auch einfach die Slides daraus:

Ja nu? Heißt das, dass man sich den Business Plan komplett schenken kann? Nicht ganz, denn zum guten Eindruck zur Person des Gründers gehört auch, dass er weiß wovon er beim Pitch spricht, also Markt, Produkt und Geschäftsmodell vermitteln kann. Somit schadet es nicht, wenn man sich eben dies im Rahmen einer niedergeschriebenen Skizze zunächst mal selbst erklärt.

Allerdings kann man die Studie in Punkto “news to use” so interpretieren: In der Abwägung zwischen Seite 17 des Business Plans noch weiter aufsexen vs. sich aktiv in die Investment-Community reinwanzen oder einen ersten Kunden von der Idee überzeugen, sollte das Pendel eindeutig in Richtung Letzteren ausschlagen.

06:57 Comments 3 Kommentare » Trackback

7. April 2009 | René Seifert

Sören Stamer von Coremedia im Interview: Die Kunst loszulassen

Web 2.0 Expo in San Francisco ist vorbei, eine spannende Konferenz war’s inmitten der großen Krise, was sich unzweifelhaft sowohl auf die Stimmung als auch die möglichen Vorwärtsstrategien auf dem Event niedergeschlagen hat.

Unter dem Konferenzmotto “The Power of Less” ging es um alle denkbaren Ansätze Erfolg schneller messbar zu machen und vor allen Dingen die bestehenden Ressourcen besser auszuschöpfen. Sören Stamer, deutscher Unternehmer aus Hamburg, Gründer und CEO von Coremedia, beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit den Prinzipien Unternehmen anders aufzusetzen und hat vor ein paar Tagen sein Buch “Enterprise 2.0 - The Art of Letting go” (deutscher Titel: “Enterprise 2.0 - Die Kunst loszulassen” veröffentlicht. Zentrale Aussage: Man kann sich sehr effektiv und effizient organisieren, und das noch besser als mit den klassischen organisatorischen Prinzipien von Managements, wenn man einen radikalen netzwerkartigen Ansatz wählt.

Am Rande der Konferenz hab’ ich mit ihm über sein Buch, seine Erfahrungen als CEO und die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA gesprochen.

Sören hat außerdem eine geniale Präsentation auf der Konferenz gehalten, rundherum eine “Präsentation 2.0″, wo das Storytelling durch den Vortragenden durch starke Slides im Hintergrund unterstützt wird und bei der man auch im nachhinein durch das reine Anschauen noch jede Menge rausziehen kann. Voilà:

08:47 Comments 0 Kommentare » Trackback

2. April 2009 | René Seifert

Web 2.0 Expo: Zealog misst was es zu messen gibt

Last, but not least, der Fünfte im Bunde auf dem heutigen Launchpad auf der Web 2. Expo. Ganz cooler Gründer auf der Bühne, der mit Zealog (Claim “Keep track. Measure up.”) einen Dienst gelaunch hat, der kollektives Messen 2.0 organisiert. “Messen” als sehr generische Legosteine, für alles was man quantatativ tracken und abbilden kann. Die Hauptanwendung kommt dabei zum Thema abnehmen: Dabei zeigt der Gründer ein Bild, wo er noch fett im Saft stand und über ein diszipliniertes Messen und Eintragen seines Gewichtes ordentlich abgespeckt hat. Andere Anwendungen sind “Wie viele Tage ohne Alkohol”, “Anzahl von Liegestütze pro Tag” etc.

zealog

Vom Design schön umgesetzt, trifft der Dienst auf ein Problem dass wenn man theoretisch alles messen kann, man am Ende nix damit macht. Zudem kritisiert die Jury, dass wir uns eher in ein Zeitalter von passivem Datensammeln bewegen, wo man irgendwann durch die aktive Eingabe schnell die Lust verliert, was dem Dienst wiederum Luft aus den Segeln nimmt.

23:16 Comments 0 Kommentare » Trackback

2. April 2009 | René Seifert

Web 2.0 Expo Launchpad: DubMeNow als virtueller Visitenkartenaustausch

Ein indischer Start-Up Gründer mit der Rarität eines Anzugs auf der Bühne vom Launchpad macht sich an das real existierende Problem von der Flut an Visitenkarten nach z.B. Konferenzen heran. Man bekommt einen Stapel und der verstaubt dann im Büro.

Seine Firma Dubmenow baut eine virtuelle Visitenkarte für mobile Endgerät. Man kann sich also Visitenkarten virtuell austauschen, der Service speichert automatisch Tag, Uhrzeit und Ort des Austausches. Auch kann man noch Notizen hinzufügen.

Dubmenow ist asynchron, das heißt nicht beide Partner müssen bei dem Dienst dabei sein. Nur wenn man seine Visitenkarten verschicken will, muss man angemeldet sein. Das System verknüpft sich außerdem auf Wunsch mit Diensten wie Salesforce.

Nun ja, das Problem ist nicht neu, Große wie Plaxo haben sich auch schon daran versucht und die Lösung klingt mir eher nach einem Feature, aber nicht nach einer Company, die von einem funktionierenden Business-Modell getragen wird.  Außerdem findet man heute Leute so schnell über XING, Facebook oder auch Google, so dass man sich nicht wirklich mit der Kleinigkeit des historischen Umstandes eines Visitenkartenaustauschs herumschlagen muss.

22:52 Comments 0 Kommentare » Trackback

2. April 2009 | René Seifert

Launchpad auf Web 2.0 Expo: 80 Legs

Aus San Francisco

In diesem Format stellen sich ein paar vorselektierte Start-Ups vor. Es gibt also auch noch ermutigenderweise noch Start-Ups, die sich mit einem neuen Online-Service vcrsuchen

80 Legs ist eine Plattform, die das Entwickeln von neuen Webservices erleichtert und zwar solchen, die andere Webdienste verwenden. Es handelt sich um Software as a Service (Saas), der “in der Cloud” sitzt und das Internet seinerseits als Plattform verwendet. Sonit kann man die Aufgabe von Webseiten-Crawlen oder die Bildersuche durch das ganze Netz durch diese Applikation outsourcen. Beispielsweise zu einem Preis von 2 Dollar für 1 Million gecrawle Webseiten. Das löst alle möglichen Probleme bei der Infrastruktur für Start-Ups, die ansonsten aufgrund von zu hohen Kosten so eine Idee überhaupr erst gar nicht realsieren könnten.

Die hochkarätige Jury ist positiv gestimmt, allerdings etwas besorgt, dass jemand wie Amazon mit ihrer EC2 bald etwas ähnliches launchen und 80 Legs damit aus dem Rennen schmeißen. Die Gründer halten dagegen, dass der Dienst zwar auf der Cloud aufsetzt, aber eine Menge eigener IP oben drauf sitzen hat.

22:31 Comments 0 Kommentare » Trackback

1. April 2009 | René Seifert

Prinzipien für Design von Social Software

Aus San Francisco

Gestern erster entspannter Warmstart für die Web 2.0 Expo mit je zwei dreistündigen Workshops, einer davon am Nachmittag wirklich sehr bestechend von Christina Wodtke zum Thema “Design von Social Software”.

Vor dem Handwerklichen beschrieb sie eine ganze Reihe von Grunsätzlichem, warum Menschen sich überhaupt auf solchen Diensten herumtreiben. Maslow und seine Pyramide ließen auch da mal wieder grüßen, wo sich die Bedürnisse zur Teilnahme so zwischen Liebe und Selbstbestätigung bewegten.

P1010295

Mit gewissen Anleihen aus der klassischen Architektur wie man Räume beschreibt, entwickelte Wodtke dann die Prinpien für die Erzeugung von “Social Spaces” im Internet, die auf den drei Säulen Identität, Beziehungen und Aktivität ruhen.

P1010348

Diese wiederum ließen sich in in je drei Unterpunkte zerlegen.

Identätät

  • Profil: Wer bin ich durch mein “Handle”, meinen Usernamen.
  • Präsenz: Wie weiß man wann ich online bin bzw. wann ich mich das letzte mal betätigt habe (”Timestamp”, Tag & Uhrzeit des letzten Posts etc.)
  • Reputation: Wie findet meine Community, was ich mache (z.B. durch “Daumen hoch/runter meiner Beiträge oder durch einen formellen Rang, den ich mir erarbeitet habe)

Beziehungen

  • Kontakte: Wer sind meine “Freunde”, in welcher Relation stehe ich zu ihnen im “Social Graph” und durch welche Instrumente kann ich sie in die Community einladen.
  • Aufmerksamkeit: Wie weiß ich was meine Freunde treiben bzw. wie kann ich mich bei ihnen bemerkbar machen (z.B. Feeds bei Facebook oder Twitter)
  • Gruppen: Wie bringt man Mitglieder zu bestimmten Themen zusammen bzw. gibt den Mitglieder nur die T0ols an die Hand, damit sie diese Themen selbst definieren und sich drumherum organisieren

Aktivität

  • Teilen: Wie kann man Mitglieder in die Lage versetzen, einfach etwas mit anderen zu teilen (”Share”-Button), und um welche “Sozialen Objekte” (Events, Videos, Links) geht es überhaupt.
  • Konversation: Wie kommunizieren Mitglieder miteinander:
  • Kollaboration: Wie können sie gemeinsam etwas erzeugen (z.B. Wikis)

Setzt man die Einzelteile dieses Konstruktes für die Art von Social Software, die man bauen möchte, richtig zusammen, dann klappt’s auch mit den Usern, von denen Wodkte folgende Formel aufstellt:

B = f(P + E)

Das Verhalten (B: Behaviour) ist eine Funktion einer Person P und ihrer Umgebung (E: Environment).

19:45 Comments 2 Kommentare » Trackback

Kategorie: Uncategorized

RSS: FEED ABONNIEREN

ARCHIV