contentTop

Monatsarchiv für May 2009

Die Suche nach 'Monatsarchiv für May 2009' ergab 5 Treffer:


27. May 2009 | René Seifert

Wolfram Alpha: Der “Google Killer” sieht anders aus

Kann mich nicht zurück halten, auch meine 50 Cent Hirn zu dem Thema abzusondern, nachdem Wolfram Alpha seit 10 Tagen live ist und das Projekt von vielen schlagzeilenträchtig mit “Google Killer” überschrieben worden ist  – wie man leicht rausbekommt wenn man ironischerweise nach “Wolfram Alpha Google Killer“, ähäm, googelt. 2,4 Mio. Treffer sind’s zur Stunde des Posts. Unter den Top 10 in deutscher Sprache finden sich unter anderem Chip und die FTD. Fairerweise gesagt kommen die beiden genannten Artikel in ihrer inhaltlichen Betrachtung zu keinen grundsätzlich falschen Bewertungen von Wolfram Alpha, ich frage mich nur wer jemals diesen Mist von “Google Killer” in die Welt gesetzt hat. Der Spiegel überschreibt seinen Artikel mit “Hype um den Wissenszwerg“, was dem Ganzen von Anfang an viel besser gerecht wird.

Nur am Rande auch hier eine kurze Bewertung der neuen Suchmachine. Wie ich Wolfram Alpha finde? Super. Als sublimer Mathe-Nerd könnte ich mich alleine schon den ganzen Tag damit rumspielen bei irgend welchen Funktionen die Variable zu verändern und zu staunen was bei den dazu gehörigen Graphen dabei passiert.

Picture 1

Aber darum geht’s nicht. Auch wenn man mal die nötige Zuspitzung von Schlagzeilen in Abzug bringt, so zeugt die leichtfertige Verwendung von “Google Killer” in den meisten Fällen von einem kolossalen Unverständnis dessen, was Google in den gut 10 Jahren seines Bestehens zum erfolgreichsten Unternehmen unserer Menschheitsgeschichte gemacht hat. In eine ähnliche Richtung geht die oft geäußerte Ambition von irgend welchen Start-Up Unternehmern wie z.B. “Wie werden das nächste Google im Entertainment”. Gähn und *Augen roll*.

Fangen wir mal makro-makro und auch ein bisschen doof an: Ob Googles Vorherrschaft in Zeiten von technologisch extrem beschleunigten und sich weiter beschleunigenden Technologie-Zyklen in Verbindung mit rasanter Verbreitung von Information durch soziale Netzwerke in x Jahren durchbrochen sein wird? Setzen wir x1 = 200. Vorausgesetzt, der Homo Sapiens hat sich bis dahin nicht seinen eigenen Untergang bereitet, würde ich mal mit einer probabilistischen Sicht sagen: Wahrscheinlich ja. Bei x2=100, wahrscheinlich auch noch. Bei x3=2, eher nein. Ok, was muss aber passieren dass irgendwann mein Prognosenpostulat auf Stammtisch-Niveau, der ohnehin die strikte Falsifizierbarkeit im Popper’schen Sinne fehlt, eintritt?

Das Verhalten der kollekten Internet-Nutzer müsste sich fundamental ändern. Was Google seit seinem Bestehen so stark gemacht hat war zunächst eine deutlich bessere Suche, die im Vergleich zu den damals operierenden Suchmaschinen deutlich relevantere Ergebnisse geliefert hat. Grund dafür war im Kern der PageRank-Algorithmus, der nur Rechnern eigenen Geschwindigkeit das gesamte Netz durchsucht hat. Wie andere Suchmachinen auch, hat Google dabei Volltext verschlagwortet. Neu war: Als Filter von Relevanz im Ranking wurde die zu grunde liegende Linkstruktur von Website zu Website genutzt. Die, und das ist so fundamental anders, von vernunftbegabten Menschen aufgrund ihrer Einschätzung von Relevanz gesetzt worden sind. Google hat also nichts anderes gemacht als den bestehenden Inhalt elegant zu organisieren und allen umsonst zugänglich zu machen. Alles nicht neu, aber in der jetzigen Debatte um Wolfram Alpha doch wieder mal wert, ins Gedächtnis zurück gerufen zu werden.

Vergleich das mal mit Wolfram Alpha. Woher die Daten kommen, weiß so recht keiner. Bei den wissenschaftlichen Funktionen, bei denen Wolfram Alpha so stark aufrumpft, wurden eher Verfahren und Methoden ins System programmiert und das kann dann für Oberflächenberechnung “Tetraeder” auch richtig was. Hut ab. Allerdings, wie groß ist im Marktvolumina betrachtet diese Art von Suche gegenüber “Last Minute Mallorca” oder “Bilder Britney Spears”? Genau …

Was Google vor allen Dingen geschafft hat ist bei einer weltweite Armanda von Publishern, von Großverlagen über Zierfisch-Ljiebhaber bis professionellen SEOs Momentum auf die Straße zu bringen, zu allem und jedem etwas zu schreiben, damit es von Google elegant organisiert und dann wieder auffindbar gemacht wird. Ich sehe das nicht bei Wolfram Alpha passieren, schon mal wegen des gänzlich anders gestrickten Produktprinzips. Der Anspruch, die Daten von Mitarbeitern in irgend einer Weise strukturiert ins System zu füttern, verbietet sich auch wirtschaftlichen Gründen vollkommen, wie das jähe Ende von Wikia neulich erst gezeigt hat.

Zwei weitere Gründe, weshalb “Google Killer” als Begriff so weit neben der Spur liegt: Neben der allseits bekannten Funktion von Google ist das Unternehmen auch DIE Infrastruktur-Company par excellence. Selbst wenn Wolfram Alpha kann was es kurz nach seinem Launch für eine handvoll Freaks kann: Skaliert das auch noch bei mehreren hundert Millionen Suchanfragen pro Tag, wie es bei Google der Fall ist? Alles andere als ein Kinderspiel, wie die vielen Downtimes beispielsweise bei Twitter im letzten Jahr belegen. Außerdem: Bei Wolfram Alpha dauert es schon ein bisschen bis sich so eine Ergebnisseite aufgebaut hat. Diese Usability-Erfahrung steht aber im diamentralen Gegensatz zu den User-Erwartungen von blitzschnellen Treffern, wo Google im Mikro-Sekunden Bereich optimiert, wie Produktchefin Marissa Meyer mal bei einer Präsentation erläutert hat.

Alles in allem wird der “Google Killer”, wenn er dann mal kommt, nicht versuchen dürfen frontal mit einer neuen Suche auf Google loszugehen. Bei dem Laden arbeiten die smartesten Köpfe der Welt, sich sich bei dem Thema rauf- und runter auskennen. Das heißt aber nicht, dass Google als Metapher für das dominierende Unternehmen im Netz nicht knackbar ist. Von Microsoft hätte es vor 10 Jahren auch niemand für möglich gehalten, bis eben Google kam und die Kategorie des Spiels völlig neu definiert hat. Genau das gleiche muss auch für den Google-Angreifer gelten. Eine neue Kategorie strategisch zu besetzen, vielleicht sogar neu zu schaffen, während Google damit beschäftigt bleibt die Cash Cow seines bestehenden Business zu melken. Vielleicht ist es ein Social Netzwerk à la Facebook. Oder ist es überhaupt “das Netz” in unserem heutigen Verständnis?

09:29 Comments 1 Kommentar » Trackback

23. May 2009 | René Seifert

Silicon Valley-Unternehmer Konstantin Guericke im Video Interview

Konstantin Guericke ist ein deutscher Unternehmer, der seit 25 Jahren in den USA lebt und dort als Unternehmer unter anderem LinkedIn und in 2007 jaxtr (mit-)gegründet hat. Timo Heuer hat ihn auf der Next in Hamburg getroffen und in einem 10-minütigen Interview zu einer Reihe von spannenden Themen befragt:

  • Gründe für den weltweit einzigartigen Erfolg des Clusters Silicon Valley
  • Unternehmerstrategien für den Aufbau einer wirklich globalen Firma und Finanzierungsvoraussetzungen der großen US-amerikanischen VCs
  • Chancen von LinkedIn im deutschen Markt
  • Jaxtr als Mischung aus Internet- und Telekommunikationsunternehmen
  • Guerikes Motivation als Unternehmer und sein Appetit für nutzerzentriertes Internet, zunehmend aber auch Dienste, die per Sensoren Daten automatisch sammeln und daraus etwas Nützliches machen.

Voilà, hier das Interview in voller Länge:

Konstantin Guericke, LinkedIn/Jaxtr from Timo Heuer on Vimeo.

14:31 Comments 1 Kommentar » Trackback

15. May 2009 | René Seifert

Lufthansa twittert – und kapiert in Sachen Kommunikation gar nix

Man kann es so oder so machen, gut oder schlecht. Die Hotelkette Hyatt hat’s verstanden wohin die Reise geht. Wenn sie nämlich bezahlenderweise in ihre Betten führen soll, dann darf’s ein bisschen mehr sein, um die Gäste an sich zu binden. Indem man nämlich eine Community um das Thema Reisen und dabei zwangsläufig um die Übernachtungen strickt. Yatt’it heißt das Ding und kommt in der Internet-Anmutung voll “state of the art” daher.

Yatt.it Community

Echt smart gedacht und sauber gemacht: Wen fragt man üblicherweise wenn man in einem Hotel einer neuen Stadt absteigt, was man anschauen, wo man essen und clubbing gehen kann? Den Concierge. Der verfügt über unendlich viel Wissen und die Reputation, keinen Mist und manchmal sogar Geheimtipps zu empfehlen. Was läge näher, alle Hyatt-Concierges dieser Welt dazu zu bewegen, ihr Wissen in eine solche Community als Nukleus zu posten, dann der Community von Hyatt Gold Mitgliedern (kostenlose Registrierung) das Feld aufzumachen und noch weitere Inhalte von Frommers dazuzupacken. Vor allem macht man sich als Unternehmen Hyatt ansprechbar, nahbar und bereit zum Dialog mit dem Kunden. Ja schee, Respekt.

Harter Schnitt. Hält man dagegen mal die Deutsche Lufthansa, dann liegen zwischen den beiden Unternehmen Lichtjahre was das Verständnis und erst recht die Umsetzung der allenort stattfindenden Öffnung von Unternehmen angeht. Bestes Beispiel: Seit ein paar Tagen twittert Lufthansa (unter @lufthansa_de) , hier der Screenshot und kapiert dabei überhaupt gar nix.

Lufthansa Twitter

Alles was man zu sehen bekommt ist das typische Rausblasen von monodirektionalen Angeboten, dieses mal lediglich mit der Einschränkung von maximal 140 Zeichen. 1533 Follower hat man zur Stunde versammelt, findet es aber nicht für nötig auch nur einem einzigen zurück zu folgen. Der Klassiker: Das ganze Projekt ist an die Agentur Pixelpark outgesourct, wie medienhandbuch.de schreibt:

Pixelpark Agentur Köln hat für Lufthansa einen Kommunikationsplan erstellt und wird in den nächsten sechs Monaten die Twitter-Kommunikation für Lufthansa zentral steuern.

Das Reizwort “zentral” springt einem frontal ins Auge. Genau. Max Weber und seine Bürokratietheorie Ende des 19. Jahrhunderts lassen grüßen. Hier der Monolith, der aus dem Elfenbeinturm spricht und zwar so, wie man das auch schon immer gemacht hat, eine Agentur mit der Kommunikation betraut (nichts für ungut Pixelpark). Keine Spur von Bereitschaft in einen Dialog mit seinen Kunden einzutreten, und zwar authentisch als Lufthansa von innen heraus. Vielmehr das übliche streng kontrollierte Kommunikationsregime, bei dem Twitter halt einen weiteren “Kanal” im “Marketing-Mix” darstellt. Würg. Das überaus Amüsante: Der Start von Twitter sollte begleitet werden mit einer Auktion von weltweiten Flügen. Das System scheint dem Ansturm jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein, ging in die Knie so dass der Monolith kleinlaut eingestehen musste:

Picture 3

“Bled g’laffa”, wie wir in Bayern sagen. Aber “noch bleder”, wenn auch ganz normal, waren die Tweets unter dem Hashtag “Lufthansa” und “fail” (inzwischen der Klassiker) dazu. Ja, ja, liebe Lufthansa, so ist das wenn die vormals amorphe Masse plötzlich eine Stimme bekommt und selbst das Reden anfängt. Dann sollte man besser vom Modus Broadcast in den Modus Konversation wechseln, dort hingehen, wo die Kommunikation stattfindet und sich auf gleicher Augenhöhe einklinken.

Davon scheint man erst recht bei der innerbetrieblichen Organisation meilenweit entfernt zu sein. So als kleiner Schwank aus meinem Leben, in dem ich der Lufthansa mit ihrem Service auf dem Boden und in der Luft sogar außerordentlich gewogen bin. Neulich musste ich einen Flug umbuchen und als Vielflieger hab ich da so eine E-Mail Adresse und eine Telefonnummer, an die ich mich wenden kann. Wenn ich E-Mail schreibe, kriege ich – ahaa – eine E-Mail als Antwort zurück. Da ich’s eilig hatte, hab ich mich für den Anruf entschieden. Am Rohr hatte ich eine sehr freundliche Mitarbeiterin des Kranichs, die mir so weit helfen konnte wie sie konnte, musste aber noch eine interne Rückfrage stellen, die ein bisschen dauern würde. Passt schon, ganz normal. Auf meine Bitte: “Können Sie mir eine E-Mail zur Antwort schreiben, Sie haben ja meine Daten” kam zur “Leider nicht, Herr Seifert, ich in meiner Telefonabteilung kann Sie nur zurück rufen oder Systemmails verschicken. Nein, nein, Wir DÜRFEN hier keine Freitext-Mails schreiben. Das DÜRFEN nur die Kollegen aus dem E-Mail-Support”.

Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, hab mich dann aber noch sehr nett mit der Dame unterhalten mit dem Hinweis, dass diese Policy doch sicher nicht dem Bedürfnis des Kunden entspricht. Mit einem gewissen Maß an Resignation meinte sie noch zum Abschluss: “Sagen Sie mir ein großes Unternehmen, bei dem das so ist.” Wie wahr, wie traurig. So wird man vom Monolithen und seiner stumpfen Prozessridigität deformiert. Vor allem, weil die gute Frau aufrichtig hilfsbereit war, dass ich sie sofort für jede Customer Care-Rolle einstellen würde.

Oder noch besser: Man sollte sie an den neuen Lufthansa Twitter-Account setzen und einfach machen lassen.

10:53 Comments 14 Kommentare » Trackback

7. May 2009 | René Seifert

Zwei Krisenstrategien bei Premium-Produkten

Ungeschoren kommt  durch diese Jahrhundertkrise keiner, und muss man sich nicht weiter wundern, dass auch oder gerade Luxusmarken und ihre Premienprodukte von der Depression betroffen sind, wie der Economist in diesem anschaulichen Artikel “Bling for a Budget” schreibt.

A dramatic estimate of the decline during the holiday season was made by SpendingPulse, part of the MasterCard credit group, which calculated that luxury-goods spending between November 1st and December 24th 2008 was down 34% year-on-year. Bain thinks the first half of this year will also look grim.

Was tun, wenn bei der kaufkräftigen Klientel der Markengeldbeutel nicht mehr so locker sitzt und man gleichzeitig seine Positionierung als Premium-Produkt nicht durch einfache Preissenkungen vor die Hunde gehen lassen will? Auch da macht Not erfinderisch, wie ich neuerdings in Angeboten in meinem E-Mail Fach erkennen kann. Im Großen und Ganzen sind es zwei Strategien, die in Variationen oder auch Mischformen zur Anwendung kommen:

1. Mehr zum gleichen Preis: Um die Hoheit über die Premiumpreise zu behalten und nicht wie der billige Jakob dazustehen, wird nicht à la Aldi über Preise argumentiert, sondern über mehr Leistung zum gleichen Preis. Oder auch wie die Angebote von der Morgans Hotelgruppe über ein Guthaben aus heiterem Himmel von $75, welches man sich auf den Preis anrechnen lassen kann.

Morgans Group

Richtig einfühlsam bis geradezu empathisch kommen einem die Packages vom Ritz-Carlton entgegen, wo man die Ansprache um die Aussage à la “wir sitzen alle in einem Boot” anreichert.

Ritz Carlton

2. Zeitlich eng begrenzte Specials: Wenn man über den Preis argumentieren muss, weil man wie Fluggesellschaften seine Leerkapzitäten sonst gar nicht los kriegt, muss man der Mangelverwaltung wenigstens den Anschein von gaaaanz außergewöhnlich und vor allem nur gaaaanz kurz erhältlich verpassen. Unter dem Titel “Lufthansa Indien wird 50″ werden derzeit starke Angebote zu Schleuderpreise rausgehauen (auch wenn das natürlich keiner so sagt, bei Lufthansa zumindest nicht).

Lufthansa India

So kommt man einschließlich Steuern und Gebühren für umgerechtet EUR 1500 in der Business Class von Indien nach Europa und wieder zurück, wofür man sonst mindestens EUR 2,200 hinblättern muss. Noch krasser fällt der Unterschied bei Reisen in die USA aus: Was sonst mindestens EUR 5,500 in der Business z.B. nach San Francisco kostet, geht für EUR 2,280 her, inklusiver voller Meilen. Allerdings, und da sind wir beim “Trick”: Das Angebot wurde gestern angekündigt und endet morgen (8. Mai) auch schon wieder – freilich auch mit dem obligatorischen Zusatz der “wenigen begrenzten Plätzen”.

Austrian Airlines hat neulich was ganz Ähnliches gemacht: Für immerhin einen Buchungsphase von 2 Wochen konnte man für EUR 999.- in der Business Class von Wien nach Peking, Delhi, New York oder Washington. Die Strecken müssen bis 15. September abgeflogen werden müssen. Allerdings was das Fenster zur Buchung zwischen 17. und 30. April auch nur ganz kurz geöffnet.

23:24 Comments 0 Kommentare » Trackback

5. May 2009 | René Seifert

Buchtipp: What would Google do?

Mal wieder eine kleine Buchbesprechung an dieser Stelle, gerade auch weil Jeff Jarvis’s Buch “What would Google do” als Teil des Strategieprozesses für eine eLAB-Beteiligung dient. Die Übersetzung gibt’s unter “Was würde Google tun“.

Einen ganz guten Eindruck bekommt man, wenn man mal durch die Stichworte in der Präse von Jarvis hier durchflippt.

Im ersten Teil geht das Buch auf das grundsätzliche andere Erfolgskonzept von Google ein: Dem User eine weiße Seite mit einem Suchschlitz anbieten, hinter dem sich die komplexeste Technologie überhaupt verbirgt und die vor allen Dingen einfach nur funktioniert. Dazuhin für den Nutzer völlig umsonst ist, wobei es Google gelungen ist “durch die Seitentür” ein Geschäftsmodell drumherum zu stricken. Aber es geht auch über www.google.com als Dienst hinaus. Neue Prinzipien, die bestehende Paradigmen über Bord geschmissen haben.

Allen voran, die Weitsicht sich nicht an sein Produkt zu klammern, sondern an den richtigen Stellen distribuiert zu denken und zu handeln.(Im Gegensatz dazu bezeichnet Jarvis Yahoo! als die letzte Media Company nach altem Zuschnitt, die versucht allen Traffic zwanghaft im eigenen Portal zu halten. Google dagegen stellt seine Maps, Google Analytic, seine Suche auch zur Einbindung auf anderen Seiten gratis zur Verfügung, setzt damit einen Fuß in die Tür und findet bespielsweise durch AdSense eine äußert lukrative Form der Kommerzialisierung.

Im zweiten Teil geht es um die gesellschafspolitische Dimension, die mit der Transpararenz von Google aber auch mit der eleganten Organisation unserer sozialen Beziehungen dank Diensten wie Facebook einhergeht. Die Zeit von Privatheit sei vorbei – endgültig. Sehe ich ganz genau so und hab mich deswegen schon vor rund 4 Jahren entschieden, meine Online-Präsenz lieber selber offensiv in die Hand zu nehmen bevor es andere tun ;-) Ganz sympathisch fand ich in diesem Zusammenhang auch sein Zitat “The age of openness is the age of forgiveness.”

Im dritten Teil nimmt sich Jarvis eine Reihe von Branchen vor und wendet die Google-Prinzipien auf unter anderem die Luftfahrtindustrie, Banken, Automobil an. Der Aspekt, dass Intermediäre zum Untergang verdammt sind, weil direkte Beziehungen zwischen Produkt und Kunde immer besser seien, findet sich ebenso oft wie “wisdom of crowds” durch smarte statistische Datenanalyse. Die Erkenntnisse daraus ließen personalisierte Angebote zu ebenso wie weiterführende Erkenntnisse für den Kunden, was seine künftigen Kaufentscheidungen angeht.

Schließlich empfieht er jedem Dienst, die heimlichen Mauern zwischen den singulären Kundenbeziehungen zu Gunsten von Communities aufzugeben, die – wenn das Produkt stimmt-  zu regelrechtem Fanpotenzial entwickeln können (siehe Harley Davidson als Erfolgskonzept). Beeindruckend fand ich auch sein Kapitel über den Veränderungsdruck, den Parteien, Regierungen und ganze Staatsgebilder durch diese “Disitermediation” im Rahmen von Government 2.0 erfahren werden.

Ich würde dem Buch auf der 5-er Skala vier Punkte geben und kann die 240 Seiten mit gutem Gewissen empfehlen. Manchmal wirkt der Bogen zu Google etwas gewollt, liegt wohl am knackigen Titel und lässt bei allem Respekt vor Googles Leistung, die kollektive Errungenschaft der ganzen Internet-Community außer acht. Beim Internet kennt sich Jarvis zweifelsfrei sehr gut aus, wenn er sich dann aber Branche für Branche vornimmt, wirkt das eine oder andere ein wenig nach halbgarem Halbwissen. Alles in allem aber wie wir in Bayern sagen: “Basst scho”, vor allem auch weil Jarvis (ohne bestochen worden zu sein) Holtzbrinck eLAB als Erfolgsmodell für Innovation bezeichnet, die unabhängig vom bestehenden Geschäft des Stammhauses gewollt ist.

12:59 Comments 2 Kommentare » Trackback

RSS: FEED ABONNIEREN

ARCHIV