Alle Jahre wieder: Die Medientage München, der selbst ernannte Gipfel der Branche. So kann man es freilich auch bezeichnen. Der Gipfel daran ist bestenfallfalls, dass man Jahr für Jahr mit einem neuen Motto herum scharwelzelt, welches den Ernst der Lage immerhin in Euphemismen umschreibt. Heuer lautete es in einer neuen Variation des ewig gleichen Leidens MUT (für “Medien und Transformation”), über das die Süddeutsche zurecht schreibt, dass man sich kein peinlicheres Motto hätte zulegen können. Mut kann man es auch nennen, wenn es sich ein ganzer Haufen hoch bezahlter Leute für drei Tage in einem kuscheligen Paralleluniversum bequem macht, wo einem noch die gebrateten Tauben in den Rachen fliegen und wo der Honig in Flüssen durch die Landschaft mäandert. Weitere Kennzeichen der gehobenen Freakshow:
Auch in Jahr 11 von Google nicht verstanden haben, wie man sich als Journalist und Verleger die Suchmaschine im eigenen Sinn zu nutze machen kann, wie Christoph Röck in seinem “Jurassic Park”-Vergleich treffend beschreibt.
Straflos Unsinn verbreiten, wo mehrfach erprobte und dabei mehrfach gescheiterte Konzepte wie “Paid Content” für den gemeinenen User als das Neue Testament verkündet werden. Siehe dazu Thomas Knüwer über den “Größenwahn”, der über den “Platz der Realität” fegt.
Ah, und noch ein ganz zentrales Kennzeichen: Das sich gegenseitig auf die Schulter-Klopfen, bei dem man sich geflissentlich versichert zu den Auserwählten zu zählen. Nirgends kommt dies deutlicher zum Ausdruck als bei der alljährlichen “Nacht der Medien”, bei der der Veranstalter auch keinen Zweifel aufkommen lässt:
Gesonderte Einladung direkt durch die Gastgeber und Sponsoren dieser Veranstaltung.
Billiger Trick, funktioniert immer: Künstliche Verknappung. Man läuft der Scheiße hinterher, weil man sie für Gold hält. Seit ich denken kann, gehen Wochen vor dem Event die Anfragen aus dem Netzwerk los: “Kannst Du mir helfen? Kommst Du noch an einer Karte ran oder kennst Du wen, der noch eine übrig hat?” Das Witzige daran: Es findet fast jeder noch sein begehrtes Billet in der dritten Windung, sofern er sich in der Amigo-Seilschaft nur tief genug abgebückt hat. Das Blöde daran: Dann hängt man so tief mit drin, dass man Teil des Problems geworden ist, aber nichts mehr zu seiner Lösung beitragen kann.
Soll konkret heißen: Ein Zirkel, der sich in seinem Elfenbeinturm selbst feiert und dabei systematisch frisches Blut ausperrt, klemmt sich in Wahrheit seine eigene Lebensader ab. Vergleich das mal mit Events im Silicon Valley wie dem “Web 2.0 Summit” oder der “Techcrunch 50″ (ohne gleichzeitig in den Reflex zu verfallen “dort ist alles besser”): Was diese Veranstaltungen, ja die ganze Kultur der Branche auszeichnet, lässt sich am besten mit dem Englischen Begriff “Inclusiveness” beschreiben. Dort käme keiner auf die dämliche Idee, einem zahlenden Event-Besucher den Zugang zu einer Abendparty zu verweigern. Er könnte zwar mit seinen 20 Jahren reichlich milchbärtig aussehen, Badeschlappen tragen, aber der nächste Mark Zuckerberg sein.
Von so einer Haltung ist man bei den Medientagen Galaxien entfernt. Alleine schon deswegen sollte man im nächsten Jahr einen “Gegen-Medientag” parallel zum Jurassic Park veranstalten: Offenes Format, Barcamp-ähnlich, abends noch ‘ne coole Party, kommt alle und bringt noch Eure smarten Freunde mit.
Wir sind einen weiten Weg gegangen in den – sagen wir - letzten 10 Jahren kommerzielles Internet. Aus ein paar bunten Online-Broschüren von allerlei Firmen haben wir eine E-Commerce Revolution erlebt, die Giganten wie Amazon oder eBay hervorgebracht hat. Isolierte Homepages von Privatpersonen haben sich vernetzt, das Phänomen „Blogging“ ist dabei hervor gegangen und trägt seinen Teil dazu bei, dem klassischen Journalismus das Wasser abzugraben. Eine Umdrehung auf dem Innovationsrad später kamen „Social Networks“ wie XING oder Facebook des Weges. Mit Twitter wiederum können wir unsere Freunde in maximal 140 Zeichen an für uns wichtigen Augenblicken teilhaben lassen.
So weit so gut, der Versuch einer Rückschau in einem Absatz. Wenn wir uns versuchen von der Hektik der täglichen „Announcements“ etwas zu lösen, wo Facebook die Welt in zwei Lager spaltet, ob der neue Newsfeed eine gute Idee gewesen ist oder den Untergang des Abendlandes bedeutet. Wenn wir versuchen in etwas größeren Linien nach vorne zu schauen, was die Zukunft der Internet bringen wird, dann können wir zu einer gedanklichen Reise ins Jahr 2014 antreten und mit dem Selbstbewusstsein von Zeitzeugen über das Geschehene der letzten 5 Jahre erzählen.
Bei der Gestaltung der Online-Zukunft kommt man zumindest in der kurzen Frist einmal mehr nicht an Google vorbei. Eric Schmidt hat sich dieser Tage auf einer Konferenz in Orlando über seine Sicht der nächsten 5 Jahre ausgelassen. Die Qualität solcher Prognosen durch den Google-Chef ist nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zum Metereologen, dessen Prognose dem Wetter im Hinblick auf Regen oder Sonnenschein total egal ist, haben entsprechende vorausschauende Aussagen wenigstens teilweise den Charakter einer „Self Fulfilling Prophecy“. Zum einen weil Google mit entsprechenden Produkten selbst diese Zukunft gestalten wird und zum anderen weil der „Eco-System“ wie zum Beispiel Publisher ihre eigene unternehmerische Aktivität darauf ausrichten werden.
Was hat Eric Schmidt nun für die kommenden 5 Jahre im Visier:
Auch wenn heute noch englischsprachige Inhalte das Web dominieren, so soll sich dies in 5 Jahren zu Gunsten von Chinesisch drehen.
Das Web von Applikationen: Dafür scheinen die Teenager von heute schon das beste „Anschauungsobjekt“ zu sein, wie man nahtlos von App zu App hüpft.
Was unsere Hardware angeht, so wird sie im Rahmen von „Moore’s Law“ immer leistungsfähiger, genau gesagt, verdoppelt sie sich alle zwei Jahre. In fünf Jahren sind unsere Rechner zehn mal so schnell wie heute.
Gleichzeitig hält die Zunahme von breitbandiger Übertragung an, so dass man sich keine Gedanken mehr machen muss, ob man gerade „statische“ HTML-Seiten „ansurft“ (der Begriff klingt heute schon museal), Musik herunterlädt oder sich Bewegtbild in bester Qualität streamen lässt. Schmidt erwähnt auch, dass YouTube wohl anfängt nennenswerte Umsätze einzufahren, insbesondere da sich Inhalte mehr und mehr in Richtung Bewegtbild verlagern.
Das Web in Echtzeit ist ein erkennbarer Makrotrend, gleichzeitig für Google eine der größten Herausforderungen wie man diese Information erfasst (das kriegt man wohl schon passabel hin) und im nächsten Schritt bei den Suchtreffern sinnvoll unter den „anderen Ergebnissen“ unterbringt. Erschwerend kommt hinzu, dass das „Real Time Web“ eine soziale Dimension hat, mit der sich die Suchergebnisse für jeden unterscheiden.
Eine konkrete Ankündigung war Schmidt dann doch noch zu entlocken: Google will in im nächsten Jahr ein eigenes Netbook mit dem Google OS (Operating System) und HTML 5 herausbringen, welches lokales Caching im Offline-Betrieb zulässt.
Auch wenn Mobile in dieser Aufzählung nicht explizite genannt war, dann versäumt es der Google CEO sonst bei keiner Gelegenheit, auf dessen strategische Bedeutung für sein Unternehmen und das ganze Internet hinzuweisen. Ein paar Überlegungen über die Zukunft von Mobile auch hier kürzlich auf unserem kleinen eLAB-Blog.
Kein Zweifel: Das Internet in 5 Jahren wird abermals ein völlig anderes sein als wir es heute kennen.
Also doch. Jack Wolfskin fährt die Krallen ein und verzichtet darauf, die Abmahngebühren durchzusetzen. Das klang kurz vorher noch ganz anders. Üblicherweise halte ich es für äußerst schlechten Stil in einer Situation des Einlenkens noch mal nachzutreten. In diesem speziellen Fall sei aber die Bemerkung gestattet, dass das Unternehmen nicht aus selbstbestimmter Einsicht zu dieser Erkenntnis gelangt ist, sondern weil die öffentliche Meinung langfristigen Schaden für die Marke anzurichten drohte. Nur ein paar Tage vorher, als die Welle der Empörung schon auf Jack Wolfskin einprasselte, aber noch nicht an der Schmerzgrenze angelangt war, hatte man noch so eine breitbeinige “Augen zu und durch”-Testosteron-Ansage von Stapel gelassen.
Plötzlich nun der Sinneswandel, als es gar nicht mehr anders ging. Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln, warum es einmal mehr so kommen musste. Am Ende starren großmäulige Manager bei der Pressekonfererenz wie die Schulbuben auf ihr Mineralwasserglas und erklären kleinlaut, dass sie gelernt hätten und künftig besser auf ihre Kunden hören wollen.
Ich frage mich nur, wie oft so eine Nummer noch passieren muss, wo das Management einer Firma den ganzen Eskalationszyklus durchläuft, am Ende klein beigeben muss und zwangsläufig von einem Imageschaden gerupft dabei heraus kommt. Keiner kann einem Management die Entscheidung und die damit einhergehende Verantwortung abnehmen, aus eigener Erfahrung kann es aber passieren, dass man sich von schlechten Juristen falsch beraten lässt.
Ein guter Jurist ist mehr ein Situationsgestalter als ein Paragraphenreiter, jemand der eine Lage im Hinblick auf ihre inhaltliche und menschliche Gemengenlage durchdringt und daraus eine rechtlich saubere Vorgehsweise formen kann. Manchmal wird ein guter Jurist - auch wenn man im Recht ist - dazu raten, den Ball flach zu halten. Ein schlechter Jurist kann im Examen Bestnoten abgestaubt haben, lässt er jedoch in einer Art Semi-Autismus jegliche Streetsmartness vermissen, kommen eben dämliche Strategien dabei heraus.
Freilich alles Spekulation in diesem speziellen Fall. Man kann sich nur wünschen, dass Manager und Rechtsanwälte endlich die Zeichen der Zeit erkennen, dass die Spatzen, auf die mit Kanonen geschossen werden, in der Zwischenzeit eine laute Lobby im Netz bekommen haben. Und dass der Schuss dann gewaltig nach hinten los geht.
Der bis dato kernig wirkende Outdoor-Ausstatter Jack Wolfskin schaufelt sich derzeit gerade sein Image-Grab, weiß es aber nur noch nicht. Hintergrund: Das Logo, die bekannte Pfote, ist markenrechtlich geschützt und darf von keinem anderen Unternehmen eingesetzt werden. Daran ist auch noch gar nichts auszusetzen. Aber: Einige Heim- und Haus-Handarbeiter haben naiverweise Taschen, Ohrenstecker und Spiegel produziert, auf denen eben irgendeine Pfote aufgebastelt war und die Ware auf der Plattform Dawanda zum Verkauf angeboten. Das wiederum hat Jack Wolfskin zum Anlass genommen, die Verkäufer abzumahnen. Wie man das eben so in Deutschland macht: kostenpflichtig, mit bis zu EUR 991 pro Fall. Den genauen Sachverhalt kann man sehr schön hier bei Spiegel Online nachlesen.
Eigentlich könnte man mit der Story einen neuen Wikipedia-Eintrag mit dem Titel “Mit Kanonen auf Spatzen schießen” aufmachen, oder auch “Schuss, der nach hinten losgeht”. Zumal der Laden offenbar überhaupt gar nichts verstanden hat, wie die Welt heute tickt. Da scheinen noch so ganz Altvordere am Drücker zu sein. Man gibt in den letzten Wochen geschätzt mehrere Millionen an Werbeetat für einen gar nicht schlechten Plakat-Flight in deutschen Städten aus, stellt sich gleichzeitig mit so einer Aggro-Nummer selbst ein Bein.
Das Grundproblem der Unternehmensleitung scheint die SED-artig erstarrte Denke zu sein, dass Kommunikation nur klassisch One-to-Many funktioniert. Dass man die Wahrnehmung des Images gegenüber “der Zielgruppe” über eben so eine Millionenkampagne steuert. Das Blöde ist halt nur, dass diese “Zielgruppe” dank Blogs, Twitter und Facebook plötzlich eine Stimme bekommen hat und sich frei artikuliert. Plötzlich geraten die mühsam erstellten Kommunikationspläne aus dem Ruder, weil keiner die durch das Netzwerk wandernde und sich durch das Netzwerk verstärkende Empörung von (potenziellen) Kunden auf der Uhr gehabt hat. Eine kleine Momentaufnahme bei Twitter über die Suche nach “Jack Wolfskin” illustriert das Stimmungsbild am besten, insbesondere in seiner engen zeitlichen Taktung:
Zum frontalen Protest gesellt sich inzwischen auch trotzige Häme à la “Nimm dies, Jack Wolfskin” Im Elfenbeinturm der Unternehmenszentrale scheinen die Glocken immer noch nicht zu läuten. Gestern, als der Wind schon aufgefrischt war, hat das Unternehmen offensichtlich seine selbst produzierten Windbreaker angelegt, klassisch gemauert, auf die Rechtslage verwiesen und bekräftigt, seine rechtmäßigen Ansprüche durchsetzen zu wollen.
Das erinnert mich ein wenig an die Beschreibung von Jassir Arafat in Bill Clinton’s Biografie “My Life”: “He never missed an opportunity to miss an opportunity.” Wäre eine gute Gelegenheit gewesen, wahre Größe zu zeigen, indem man die Abmahnkosten zurück nimmt, einräumt übers Ziel hinausgeschossen zu sein und gleichzeitig freilich in einem freundlichen Brief noch einmal auf die bestehende Rechtslage mit der Tatze verweist. Dies hat durchaus seinen Sinn, will man diesen schützenden Anspruch später gegenüber “echten Markenpiraten” nicht verwirkt haben.
Stattdessen weiter voll druff mit der juristischen Keule. Die gut bezahlten Entscheider werden schon wissen was sie tun, in ihrer silohaft separierten Welt von Massenmarketing einerseits und Rechtsabteilung andererseits. In Wahrheit dürfte die Botschaft in dieser einen integrierten Welt angekommen sein, um was für ein unfreundliches Unternehmen es sich bei Jack Wolfskin handelt. Schau mer mal, dann sehn mer schon, ob es die Rechthaber von Jack Wolfskin bei der nächsten G&V-Rechnung um die Ohren gehauen kriegen, wenn “die Zielgruppe” mit den Füßen abstimmt und dabei die Verkaufszahlen abrauchen.
In einem ordentlich sortierten Outdoor-Geschäft irgendwo in einer deutschen Fußgängerzone gibt es eine ganze Reihe von guten Produkten von anständigen Unternehmen. Blöd gelaufen, wenn die Kundschaft beim Kauf mit gutem Grund in Zukunft an der Marke Jack Wolfskin vorbeigreift.
Dieser Tage stolperte ich über diesen hervorragenden Denkanstoß aus dem McKinsey Quarterly “What will shape the wireless Internet?” (Gratis-Registrierung erforderlich) In der Tat die richtige Frage zum richtigen Moment. Vor nicht allzulanger Zeit im Jahr 2000 mit den UMTS-Versteigerungen und noch mehrfach zwischendrin kam man sich ja vor wie auf der Besuchertribüne von Cape Caneveral. Der Countdown läuft mit noch 30 Sekunden, 29, 28 … und wird dann wieder einmal abgebrochen. Die gefühlte Zuversicht “Jetzt muss es doch bald losgehen” zieht sich schon fast ein Jahrzehnt. Aber jetzt wirklich, die Zeichen mehren sich, jetzt geht’s los, jetzt geht’s los! :-)
Der Artikel wirft die relevanten Aspekte nacheinander auf:
Wird mobiles Internet der Ersatz fürs Kabel? Im Augenblick nutzen 90 % der mobilen User weniger als 2 GB pro Monat. Damit kommen die meisten per Kabel nicht wirklich weit. Daher ist diese Transformation bezogen aufs Datenvolumen noch Kaffeesatzleserei.
Kommt das mobile Internet von der Leistung an das fest Verkabelte heran? Im Augenblick noch nicht, wenn man sich so die mobilen 2 MBit/s im optimistischen Fall anschaut. Witzigerweise merken die Telcos, dass der Traffic aber so stark steigt, dass das nächste technische Upgrade für mehr Bandbreite bald angezeigt scheint.
Wo gehen die Nutzer für den besten Content und besten Applikationen hin? Darüber könnte man alleine schon ein paar Doktorarbeiten schreiben. Auf jeden Fall gehen sie nicht in den mobilen “Walled Garden”, den sich die Telcos seinerzeit bunt ausgemalt haben, der aber menschenleer geblieben ist. Obwohl das iPhone eines der lästigsten Probleme der mobilen Nutzung, nämlich sich Webseiten anzeigen zu lassen, halbwegs brauchbar gelöst hat, heben mobile Apps ab wie eine Rakete. Aber das Rennen ist mit den Aktivitäten von Nokia, Google und Microsoft noch alles andere als entschieden.
Über welche mobile Internet sprechen wir eigentlich? Gute Frage, so selbstverständlich wie “das von den Mobilfunkbetreibern” lautet die Antwort nicht. WiFi bekommt gerade durch das iPhone, aber auch andere Smartphones, erheblichen und unerwarteten Aufwind, wie Om Malik treffend beobachtet.
Wie sieht das Geschäftsmodell aus? In Sachen Zugang gibt es die klassischen Formen, auch in gemischter Ausprägung, Flat-Fee bzw. Datenvolumen. Das Modell “Flat” hängt wie auch im Kabelnetz immer bei den Extrem-Saugern durch, die weit überdurchschnittlich die Netze verstopfen, aber deswegen auch nicht mehr zahlen. Umgekehrt ist “Flat” ein prima Verkaufsargument, weil man ohne geistige Blockade mobil ins Internet geht. Datenvolumen kann auch richtig teuer werden, wie ich neulich in China durch selbst verschuldetes zügelloses Datensurfen zum Auslandstarif feststellen durfte. Paid Content ist der ewig tote Leichnam im Kabelnetz, scheint aber bei Applikationen für z.B. das iPhone eine gewisse Wiederauferstehung zu erleben. Medienzar Rupert Murdoch hat beispielsweise angekündigt, mobilen Zugang fürs iPhone und den Blackberry beim Wall Street Journal kostenpflichtig zu machen. Die Mischung aus Gratis-Apps und solchen zur Bezahlung ergibt ein neues Geschäft wo sich inzwischen auch schon sehr viele Developer tummeln.
Ein paar Fragen, mit denen man gerade mal an der Oberfläche kratzt. Freue mich über jeden gedanklichen Impuls.
Auf geht´s zur nächsten Verhandlung. Man hat sich wie immer optimal vorbereitet, d.h. all Sachfragen im Griff und die eigene Zielsetzung vor Augen. Was soll da noch schief gehen? Am Ende erreicht man ein wie auch immer gearteten Kompromiss nach dem Motto: „Nicht perfekt gelaufen, hätte aber schlimmer kommen können.“
So muss es nicht sein! Jeder Schauspieler ist sich nicht zu fein, vor seinem Auftritt zu proben. Manager hingegen vertrauen oft Ihrer Erfahrung und springen – aus Zeitmangel etc. – ungeübt ins kalte Wasser. Sie gehen ja dabei nicht unter, zugleich bleiben viele Potenziale eines möglichen Verhandlungsergebnisses unter Wasser.
Die Management-Literatur ist voll von Tipps und Tricks für das erfolgreiche Verhandeln. Unter ihnen der Klassiker „Das Harvard-Konzept“. Die Anwendung findet leider immer noch zu wenig statt, denn sie kann schon in den kleinsten Themen große Wirkung entfalten. Für den Neueinstieg oder zur Auffrischung die wesentlichen sechs Faktoren für erfolgreiches Verhandeln:
Kläre die Beziehung! Es gibt einen Unterschied zwischen Verhandlungssache und der Beziehung zum Verhandlungspartner. Das bedeutet zugleich, dass man Beziehungsprobleme erkennt, wahrnimmt und von der Sache trennt. Als Faustregel gilt: Wenn offensichtliche Probleme auf der Beziehungsebene vorliegen, kann man verhandeln wie man will, es kommt zu keiner zufriedenstellenden bzw. nachhaltigen Lösung.
Erforsche subjektive Wahrnehmungen! Jeder Mensch ist einzigartig und hat somit seine subjektive Sicht auf ein Thema. Klärung der unterschiedlichen und übereinstimmenden Wahrnehmungen spart sehr viel Zeit und Nachverhandlungen. Zu oft kommt kurz vor der Unterschrift das Argument „So war das aber nicht gemeint …“
Stelle Interessen in den Vordergrund! Hinter jeder Forderung oder Sachposition stehen Motive, Bedürfnisse, Ängste etc. Diese Interessen leiten bewusst oder unbewusst den Verlauf der Verhandlung. Wer seine Interessen kennt und die Interessen des Verhandlungspartners erforscht, der wird ganz neue Möglichkeiten jenseits von Positionen und Standpunkten auftun.
Trenne Lösungsoptionen von Bewertung und Entscheidung! Damit alle Interessen der Parteien gerecht behandelt und befriedigt werden können, bedarf es kreativer Ideenentwicklungen. Tools hierfür wie offene Fragestellungen etc. sind hinlänglich bekannt. Selbstkritisch hinterfragt: Wie viel Kreativität geht allein schon dadurch verloren, dass man sagt „Das geht nicht, denn …..“
Nutze „neutrale Kriterien“ für Lösung von Interessenkonflikte! Behauptungen wie „Das ist zu teuer.“ Lassen sich leicht aufstellen. Subjektive Wahrnehmung wird zu einer Position und die Verhandlung stockt. Es hilft dann, sich auf die Suche nach allgemein gültigen Werten und Normen zu machen, die als „neutrale Kriterien“ der subjektiven Empfindung gegenüberstellt werden können.
Habe einen Plan B! Ohne eine Alternative zu einem möglichen Verhandlungserfolg oder –Misserfolg fällt eine Bewertung des Ergebnisses schwer. Es macht Sinn, sich vor jeder Verhandlung damit ehrlich auseinanderzusetzen, welche Alternativen man zur Befriedigung seiner eigenen Interessen hat.