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Archiv der Kategorie 'Analyse'

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18. January 2010 | Sascha Schmidt

Entscheidungshilfe: 5 Faktoren für Mut zum Entscheiden

„Es ist nicht zu glauben, wie schlau und erfinderisch die Menschen sind, um Entscheidungen aus dem Weg zu gehen“. (Sören Kierkegaard)

Die Nachwirkungen der Finanzkrise sowie der weitere strukturelle Umbruch in der Medienlandschaft werden in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Entscheidungen von Managern und Gesellschaftern abverlangen. Oft werden die Entscheidungen auf Basis von Daten und Fakten sowie offenen und versteckten Interessen getroffen. Gründer und Inhaber eines Start-Ups stehen jedoch teilweise alleine vor der großen Entscheidungsfindung: Wie geht es weiter?

Psychologie Heute (Heft 02/2010) listet in der Titelgeschichte „Ja oder nein oder weder noch?“
fünf Aspekte auf, die helfen, eine bewusste Entscheidung in komplexen Situationen zu finden:

  1. Überwindung der Verlustangst: Dan Ariely ist Verhaltensökonom am Massachusetts Institute of Technology. Auf Basis seiner wissenschaftlichen Arbeit kommt er zu der Aussage: „Unsere Abneigung gegen einen Verlust ist ein starkes Gefühl und führt dazu, dass wir falsche Entscheidungen treffen.“ Aus diesem Grunde neigen Manager dazu, sich so viele Optionen wir möglich offenzuhalten. Die Aufmerksamkeit und Prüfung von Möglichkeiten richtet sich auf Vermeidung von Verlust durch eine Entscheidung. Sie richtet sich hingegen nicht auf das, was für das Unternehmens- oder Lebensziel zukünftig wichtig ist.

  2. Fokussierung auf Zukunft: Wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellt, dann halten viele trotzdem an ihr fest, denn zu viel an Geld und Ressourcen sind bereits in diesen Weg geflossen. Die berühmten „sunk costs“, die man nicht wahrhaben will bzw. rechtfertigen muss. Hier gilt es sich ehrlich zusagen: Das Geld ist weg! Entscheidungen betreffen immer die Zukunft und nicht die Vergangenheit. Es gibt viele „Zauberformeln“ für eine zukunftsorientierte Entscheidungsfindung. Gerade aktuell ist das 10-10-10-Modell von Suzy Welch. Es lautet verkürzt: Welche Auswirkung hat die Entscheidung in 10 Minuten, in 10 Monaten und in 10 Jahren?

  3. Berücksichtigung der Intuition: Je komplexer eine Entscheidungsfindung ist, umso mehr wird empfohlen, der unbewussten Informationsverarbeitung zu vertrauen. Viele wissenschaftlichen Bücher und populäre Ratgeber beschäftigen sich mit der Rolle der Intuition bzw. des Bauchgefühls beim Entscheidungsprozess. Wichtig ist: Unser gefühlsmäßige und unbewusste Gedächtnis von gemachten Erfahrungen spielt eine Rolle und sollte neben dem Verstand berücksichtigt werden. Es gibt genug Beispiel von Unternehmern, die „den richtigen Riecher haben“, und sich gegenüber rein rational geführten Management-Organisationen erfolgreich behaupten.

  4. Mythos der „richtigen“ Entscheidung: Wenn Google morgen mit einem Schlag seinen Algorithmus ändert, dann werden so einige SEO-fokussierte Start-Ups vor der Frage stehen: Was nun? Im Nachhinein könnte sich die Entscheidung, am Tropf von Google zu hängen, als falsch herausstellen. Im hier und jetzt ist die Entscheidung hingegen „richtig“. Das bedeutet, dass jede Entscheidung das Risiko beinhaltet, sich als „falsch“ herauszustellen. Hilfreich für so ein Szenario ist Frage: „Was wäre, wenn sich meine Entscheidung in der Zukunft als falsch herausstellt?“ – Gerade wer eine soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern trägt, sollte sich seinen unternehmerischen Plan B genau überlegen.

  5. Kunst der Geduld: Gerade das digitale Geschäft lebt von Geschwindigkeit. Zugleich gilt für unternehmerische Entscheidungen eine analoge Weisheit: „Alles hat seine Zeit.“ Die Gefahren bei schnellen Entscheidungen sind:
    • Nur der Verstand wurde angehört. Emotionen und Intuition haben keine Chance. Das kann gut gehen. Wenn es schief geht, dann ist es für viele belastend, gegen die eigene innere Stimme gehandelt zu haben.
    • Es wird aus Gewohnheit und Routine entscheiden. Was einmal gut war muss doch auch ein zweites Mal gut sein – kann sein, muss aber nicht!
    • Das bestehende Korsett an Regeln und Normen verhindert den Blick über den Tellerrand. Die Frage: „Was, wenn ich es einmal anders machen würde?“ stellt sich nicht. Mögliche Innovationen sind somit nicht in Sicht.

Last but not least möchte ich noch auf ein interessantes Interview mit Elke Weber vom Zentrum für Entscheidungswissenschaften am New Yorker Columbia University
hinweisen (gleiche Heftausgabe). Sie geht hier am Beispiel der Finanzkrise der Frage nach, warum Manager in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sich oft falsch entscheiden. Eine Antwort von ihr: „Das Kurzzeitgedächtnis ist viel zu stark beteiligt, das Langzeitgedächtnis viel zu wenig.“ D.h. in ungewissen Situationen entscheiden wir gerne auf Basis von Erfahrungen, die erst vor Kurzem gemacht wurden. Wie viel vom Platzen der ersten New Economy-Blase ist noch in unserem Gedächtnis?

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Kategorie: Analyse, Innovation
11. December 2009 | René Seifert

Farmville zieht alle Register von Social Gaming

So, mich hat’s auch erwischt. Und ich war immer das größte Lästermaul, was die debilen Feeds bei Facebook angeht à la “XYZ just dug up some delicious truffles with the help of their pig in FarmVille” verbunden mit meine Reaktion “ich nie”. Nun ja, “sag niemals nie”, lautet einmal mehr das Gebot der Stunde. Wie ein Strudel, dem man sich nicht entziehen kann, fixt das Spiel einen an und lässt auch so schnell nicht mehr los. In Zahlen: Farmville ist mit 70 Mio. aktiven Spielern die mit Abstand erfolgreichste Facebook-App, doppelt so viele Installationen wie die Nummer 2 (“Causes”) und vermutlich sogar Twitter zahlenmäßig überlegen. Bei 350 Mio. Facebook-Mitgliedern ist das also jeder Fünfte ein Bauer.

Hinter dem Spiel steht die Firma Zynga aus San Francisco, die in 4 Runden US-$ 54 Mio. an Finanzierung eingesammelt hat, um damit eine Reihe von browserbasierten Social Games zu entwickeln. Der Clou: Anstatt sich dem Problem auszusetzen, mit viel Marketing-Aufwand Kunden zu gewinnen, propfen sich Zyngas Spiele voll und ganz auf bestehende Social Networks wie MySpace oder eben Facebook auf. Eine ganze Reihe von Social Games wie Mafia Wars, FishVille sind dabei schon entstanden, das mit Abstand erfolgreichste Flaggschiff heißt FarmVille.

Farmville René Seifert

Ich kann nur jedem aus der Online-Branche empfehlen sich aus rein professionellen Gründen mal in den Strudel reinziehen zu lassen, weil was die Macher von FarmVille in der Spielemechanik an Tricks aus dem Hut zaubern, nötigt einem unbedingten Respekt ab:

  • Die Einstiegshürde ist ein Klick, um die App auf Facebook bei sich zuzulassen, dann ist man dabei, steht auf einem Acker mit 6 Parzellen, dessen Gemüse darauf wartet abgeerntet zu werden. Mit den Einnahmen pflügt man das Feld frisch um und sät neu an. Erstes Erfolgserlebnis.

  • Das Prinzip ist super-einfach und erschließt sich auf Anhieb: Säen, warten, ernten. Kapital akkumulieren, wachsen und wieder säen. Finde das Ding aus pädagogischen Gründen übrigens auch für Kinder durchaus geeignet, um ihnen ein paar Grundlagen des Wirtschaftens spielerisch zu vermitteln.

  • Weil man seine Ernte nicht vergammeln lassen will, kommt man halt doch immer wieder zurück. Wenn man irgendwann auch Tiere auf seiner Farm stehen hat, dann wollen auch die Kühe gemolken werden. Stichwort: Wiederkehrrate.

  • Damit man mit zunehmender Spielaktivität den linearen Effekt “mehr vom Gleichen” vermeidet, arbeitet man sich in mehreren Stufen nach oben, was einem Saatgut für neues Gemüse oder die Möglichkeit zum zusätzlichen Landerwerb eröffnet. Zwischendrin gibt’s auch positive Überraschungen, wie irgenwelche Auszeichnungen oder sponate Goldnuggets, die einem als kleine Belohnungen das Leben versüßen.

  • Man spielt FarmVille nicht kompetitiv gegen andere, sondern geradezu mit anderen. Erst in diesem sozialen Kontext macht das Spiel richtig Spaß, wenn man sich mit Gratis-Geschenken beschert oder sich gegenseitig den Acker düngt, wovon man selbst sowie der “Nachbar” im Spielverlauf profitiert. Irgendwie hat das Spiel auch was von sozialer Gleichheit: So düngt mir der CEO der indischen Niederlassung eines großen deutschen Automobilkonzerns regelmäßig den Acker und ist ansonsten auch ganz vorne dabei, täglich sein Feld in Schuss zu halten :-)

  • Dieser Effekt in Kombination mit zahlreichen Anlässe seine kleinen Errungenschaften und Hilferufe in die Community zu verbreiten, machen FarmVille in der Ausbreitung viraler als die Schweinegrippe. Kundengewinnungskosten für das Unternehmen quasi Null.

  • Geld verdient Zynga auf ganz räudig geschickte Art und Weise: Man kann das Spiel ewig und auf alle Zeiten umsonst spielen. Allerdings haben die Spielentwickler äußerst geschickt an verschiedenen Stellen kleine, unaufdringliche Schmerzpunkte eingebaut, zum Beispiel: Wird der Acker mal groß, dann ist es mühsam das Feld mit der Hand zu bestellen. Mit den akkumulierten Münzen aus dem Erntezyklus kann man sich zwar einen Traktor kaufen, aber um auf Dauer dessen Sprit zu bezahlen, bedarf es der äußerst knappen Parallelwährung “FV-Dollars”. Diese kann man ganz einfach unter Einsatz der Kreditkarte mit echtem Geld aufladen.

Ich geb’s zu: Ich hab’ meine Kreditkarte auch schon zwei mal mit insgesamt 26 “echten” Dollar gebügelt, um da schneller voran zu kommen. Hey, aber wenn man zu zweit für einen 90-Minuten Film ins Kino geht, hat man den Betrag auch schnell für mehr oder minder planloses Entertainment durchgebrannt. Virtuelle Güter, wir kommen!

Wie es im richtigen Leben so spielt, wachsen die Bedürfnisse nach Erfüllung der Subsistenzsicherung auf der Maslow’schen Bedürfnispyramide mehr und mehr in Richtung künstlerischer Selbstverwirklichung. Heißt bei FarmVille: Ist man nach der ersten Kapitalaufhäufung finanziell aus dem Gröbsten raus, dann kann man sich seine Farm mit Häusen, Schuppen, Bäumen, Schubkarren, Windmühlen und jetzt zur Weihnachtszeit mit saisonalem Firlefanz wie Schneekugeln ganz persönlich einrichten. Auch da gibt es einige Artikel, die man nur gegen die begehrten “FV-Dollar” nach dem Umtausch richtiger Kohle kaufen kann.

Farmville Weihnachts-Deko

Wenn ich mir die Farmen meiner “Nachbarn” (=Freunde), die ich besser kenne, näher anschaue, dann ist die Gestaltung ein nahezu perfekter Spiegel ihres Charakters. In einer kurzen Selbsteinschätzung zu mir und einem Screenshot meiner Farm oben: Sehr effizient, minimalistisch organisiert, auf Skalierung ausgerichtet. Ansonsten ein ästhetisch-gestalterischer Totalaufall.

Kuckt man sich hingegen diese Farm von meiner Nachbarin Philippa (“Mutti”) an, die das Verbrechen begangen hat, mich viral mit FarmVille zu infizieren, dann sieht man spielerische Kreativität, wo liebevolle Hege und Pflege von Flora und Fauna ein individuelles kleines landwirtschaftliches Paradies erschaffen haben.

Muttis Farm

Ja schee, gell. Wenn “Mutti” nicht die Gattin von einem meiner besten Kumpels wäre, dann wäre sie für mich im Rahmen von “Bauer sucht Frau” die ideale komplementäre Ergänzung … :-)

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1. December 2009 | René Seifert

Bedeutung von Wachstum für ein Unternehmen

Eine der Fragen, die sich intuitiv am wenigsten erschließen: Warum muss ein Unternehmen dauernd wachsen? Man könnte ja auch so argumentieren: Passt doch, macht doch Gewinn. Heißt die Mitarbeiter können bezahlt werden und das Kapital wird auch verzinst. Aber so tickt das Leben nicht. Warum?

Zum einen bedeutet Stillstand Zurückfallen, weil sich die Wettbewerber auf einem Markt im Gegensatz zu gescheiterten Planwirtschaften nicht alle so lethargisch verhalten, sondern immer einen Anreiz haben werden, durch Innovation besser zu werden, dadurch ihren Marktanteil zu erhöhen und mithin zu wachsen. Dieses Wachstum geht dann eben freilich zu Lasten von all jenen, die gemütlich die Hände in den Schoß gelegt haben. Diese Art von “kreativer Zerstörung”, um den alten Schumpeter mal wieder zu bemühen, ist die Triebfeder schlechhtin für unsere von Wettbewerb geprägte Marktwirtschaft. Bedeutet auch, dass sich jedes Unternehmen auf Teufel komm raus um Wachstum bemühen muss. Ausweiten von Marktanteilen im Kerngeschäft, Innovation in neue Produkte für organische Wachstum sowie Unternehmens-Zukäufe bilden dazu das gängige Instrumentarium.

Dass das so bleibt, stellen gerade bei börsennotierten Firmen die Aktionäre sicher, die befeuert von Analysten-Erkenntisse jedem Vorstand die gelbe Karte zeigen, wenn das Wachstum nicht dem entspricht, was man vermeint in dem augenblicklichen Marktgefüge erreichen zu können. (Dass in diesem System nicht alles Gold ist was glänzt, haben wir in den letzten 18 Monate globaler Krise hinlänglich erleben dürfen. Aber darum soll es heute nicht gehen :-)

Eine ganz spannende Perspektive zum Thema bietet dieses viereinhalb minütige Video von McKinsey, welches das Thema Wachstum aus der CEO-Perspektive von einem Großunternehmen zu beleuchten. Die Quintessenz: Dank besserer Analytics-Tools kann man die Quellen des Wachstums genauer ausleuchten, um es mit entsprechenden Investitionen bzw. Ressourcen-Reallokationen zu realisieren. Das Wachstum steht somit weiterhin ganz oben auf der Liste der CEO-Prioritäten, sei es in im Controlling, der Planung oder Mitarbeitergesprächen.

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27. November 2009 | René Seifert

(Online)-Gutscheine in der Krise immer beliebter

Manche Trends schwappen eben doch noch von den USA von uns. In Amerika machen bereits 81 % der Bevölkerung regelmäßigen Gebrauch von Gutscheinen, denn drüben blickt man auf eine alte Tradition aus dem 19. Jahrhundert zurück. Wenn man in den USA unterwegs ist, dann bekommt man an allen Ecken und Enden neben einem Flyer oder Prospekt gleich einen Coupon dazugesteckt, mit dem man einen ordentlichen Rabatt in X Prozent einheimsen kann. Häufig aber heißt es in der Ansprache “Buy 1 – get one for free” oder so.

In diesem recht zahlenintensiven Artikel von Money CNN wird unter Berufung PR Newswire die massive Größenordnung des Marktes beleuchtet: 231 Milliarden Gutscheine sind in diesem Jahr in den USA Umlauf, vor allem konnte man mit Einsetzen der Krise förmlich zusehen, wie sich aus gemeinen Käufern sparbewusste Schnäppchenjäger geworden sind. Alleine in den ersten 9 Monaten diesen Jahres wuchs die Ersparnis durch solche Coupons um 30 %, oder in absoluten Zahlen auf dem US-Markt um 600 Millionen Dollar, gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr zuvor.

Dieser Trend scheint auch an Deutschland nicht spurlos vorbei zu gehen. Als im August 2001 das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung gekippt wurden, war schon mal die nötige gesetzliche Grundlage geschaffen. Immerhin bieten laut einer Mediastudie dieser Tage die Hälfte der Händler bereits in der einen oder anderen Form Gutscheine an, 12 % planen derartige Maßnahmen. In den meisten Fällen zahlt man als Händler beim ersten Verkauf über einen Coupon zwar drauf, aber diese Kundengewinnungskosten amortisieren sich leicht über den Customer Lifetime Value, wenn man mit dem Kunden von da an eine erfolgreiche Geschäfsbeziehung aufbaut.

Wie man es auch für diesen Sektor nicht anders erwarten würde, verlagert sich ein Großteil des Geschehens derzeit vom Papiergutschein zum Abschnibbeln hin zum virtuellen Gutschein zum Anklicken, wie es zum Beispiel das Angebot von www.paperball.de/gutscheine vormacht. In den USA wuchsen Online-Coupons noch schneller als der Gesamtmarkt, nämlich in den ersten 9 Monaten mit 41 % gegenüber dem Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. In Deutschland kommen sogar schon die Hälfte der eingelösten Gutscheine aus dem Internet.

Das Prinzip läuft online nach ähnlichem Muster: Diverse Services wie zum Beispiel www.gutschein-arena.de aggregieren die laufenden Angebote von den bedeutendsten Anbietern, die pro Firma oft zeitlich oder inhaltlich (auf bestimmte Produktkategorien) begrenzt sind. Ein Beispiel von einem bekannten Einzelhändler:

Details zum Neckermann Gutscheincode:
Gutschein Code: “XMAS” – hier klicken
Gutschein-Betrag: 10 Euro
Gültig bis: 13.12.2009
Mindestbestellwert: 25 Euro

Gibt man den Code am Ende der Bestellung im Online-Shop ein, so werden die 10 Euro automatisch gutgeschrieben.

Die wachsende Bedeutung des Internet lässt sich auch ein wenig am steigenden Suchvolumen für Gutscheine ablesen.

Gutscheine Suchvolumen

oder hier der Double-Key mit “Otto Gutschein“, der übers Jahr ein stetiges Wachstum hingelegt hat.

Otto Gutschein Suchvolumen

Gutscheine scheinen – im wahrsten Sinne des Wortes – ein krisensicheres Papier zu sein, welches sich gerade als nächstes zu seinem Siegeszug durch das Internet anschickt. Meine Progonose ist, dass wir demnächst noch extrem spannende Anwendungen in der Verbindung von Mobile, aktuellem Standort, Brick-and-Mortar Läden, dem eigenen Profil und dem Sozialen Netzwerk erleben werden.

Usecase: Ich lauf am Starbucks vorbei und mein PDA meldet mir: “Dein Kumpel Schorschi ist grad alleine drin, gesell Dich dazu. Starbucks gibt Dir 20 % Rabatt auf Dein Lieblingsgetränk Caffe Latte Venti.”

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12. November 2009 | Markus Wölflick

Gutefrage.net launcht Computer-Plattform

Vor wenigen Wochen hat die gutefrage.net GmbH ihre inzwischen sechste Themenplattform gelauncht: www.computerfrage.net, die sich auf alle Ratgeberfragen rund um das Thema Computer konzentriert. Bereits nach vier Wochen haben sich die Visits in den vierstelligen Bereich hochgekämpft. Speziell die organic visits über Google steigen kontinuierlich, was für eine sehr schnelle Indizierung des Portals spricht. Heute gibt es auf computerfrage.net bereits über 1000 Stammuser.

Computerfrage.net Homepage

Das Themenspektrum auf computerfrage.net ist bewusst sehr weit gefasst, um möglichst viele User zu erreichen. Während die Nutzer in der Anfangsphase vor allem Rat zu alltäglichen PC-Problemen etwa mit diversen Office-Anwendungen suchten, wird die Plattform nun auch mehr und mehr von Hardcore-Tekkies in Anspruch genommen, die sich zu php, java oder anderen Programmiersprachen austauschen.

Eine ähnliche Erfahrung konnten wir bereits mit unserem Sport-Portal machen: Obwohl sich auch diese Themenplattform dezidiert von der breit aufgestellten gutefrage.net abgrenzt, empfiehlt es sich, die inhaltliche Ausrichtung einer Website nicht zu eng zu fassen. Diesen Grundsatz beherzigen wir auch bei unseren anderen Themenportalen – und der Erfolg gibt uns recht.

So hat sich in Zeiten von Wirtschafts- und Bankenkrise finanzfrage.net zu unserer momentan wachstumsstärksten Plattform gemausert. Der Grund: Die User können sich dort zu sehr speziellen Geldanlagen wie Derivaten oder Zertifikaten genauso austauschen wie zu den eher existenziellen Fragen rund ums Thema Geld – mittlerweile gehören daher auch Keywords wie „Hartz IV“ oder „Finanzkrise“ zu den am häufigsten nachgefragten Themen auf finanzfrage.net.

Auch auf unserer Reise-Website bewegt sich inzwischen nicht nur der deutsche Durchschnittstourist. Seniorenreisen sind inzwischen ebenso ein Thema wie Familien- oder Singlereisen. Die Reiseziele reichen von Deutschland oder Österreich bis hin zu Afrika oder Mikronesien. Die Userin KaeptnKoC hat sich beispielsweise auf Kreuzfahrten spezialisiert, wohingegen demosthenes lieber mit seinem Motorrad auf eigene Faust Asien erkundet.

Unser Portal zu Gesundheit und Medizin ist inzwischen thematisch ebenfalls sehr breit aufgestellt. Die unterschiedlichen Meinungen zu Homöopathie und klassischer Schulmedizin spiegeln sich auch in den Beiträgen der User wieder und führen nicht selten zu spannenden Diskussionen. So gibt es sowohl Tipps zu Behandlungen mit Globoli als auch Informationen zu gängigen schulmedizinischen Therapien.

In diesem Sinne freuen wir uns, computerfrage.net in der Familie unserer Themenportale willkommen zu heißen und ihr beim hoffentlich schnellen Wachsen zuzusehen.

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30. October 2009 | René Seifert

Medientage München: Hochmut kommt vor dem Fall

Alle Jahre wieder: Die Medientage München, der selbst ernannte Gipfel der Branche. So kann man es freilich auch bezeichnen. Der Gipfel daran ist bestenfallfalls, dass man Jahr für Jahr mit einem neuen Motto herum scharwelzelt, welches den Ernst der Lage immerhin in Euphemismen umschreibt. Heuer lautete es in einer neuen Variation des ewig gleichen Leidens MUT (für “Medien und Transformation”), über das die Süddeutsche zurecht schreibt, dass man sich kein peinlicheres Motto hätte zulegen können. Mut kann man es auch nennen, wenn es sich ein ganzer Haufen hoch bezahlter Leute für drei Tage in einem kuscheligen Paralleluniversum bequem macht, wo einem noch die gebrateten Tauben in den Rachen fliegen und wo der Honig in Flüssen durch die Landschaft mäandert. Weitere Kennzeichen der gehobenen Freakshow:

  • Auch in Jahr 11 von Google nicht verstanden haben, wie man sich als Journalist und Verleger die Suchmaschine im eigenen Sinn zu nutze machen kann, wie Christoph Röck in seinem “Jurassic Park”-Vergleich treffend beschreibt.
  • Straflos Unsinn verbreiten, wo mehrfach erprobte und dabei mehrfach gescheiterte Konzepte wie “Paid Content” für den gemeinenen User als das Neue Testament verkündet werden. Siehe dazu Thomas Knüwer über den “Größenwahn”, der über den “Platz der Realität” fegt.

Ah, und noch ein ganz zentrales Kennzeichen: Das sich gegenseitig auf die Schulter-Klopfen, bei dem man sich geflissentlich versichert zu den Auserwählten zu zählen. Nirgends kommt dies deutlicher zum Ausdruck als bei der alljährlichen “Nacht der Medien”, bei der der Veranstalter auch keinen Zweifel aufkommen lässt:

Gesonderte Einladung direkt durch die Gastgeber und Sponsoren dieser Veranstaltung.

Billiger Trick, funktioniert immer: Künstliche Verknappung. Man läuft der Scheiße hinterher, weil man sie für Gold hält. Seit ich denken kann, gehen Wochen vor dem Event die Anfragen aus dem Netzwerk los: “Kannst Du mir helfen? Kommst Du noch an einer Karte ran oder kennst Du wen, der noch eine übrig hat?” Das Witzige daran: Es findet fast jeder noch sein begehrtes Billet in der dritten Windung, sofern er sich in der Amigo-Seilschaft nur tief genug abgebückt hat. Das Blöde daran: Dann hängt man so tief mit drin, dass man Teil des Problems geworden ist, aber nichts mehr zu seiner Lösung beitragen kann.

Soll konkret heißen: Ein Zirkel, der sich in seinem Elfenbeinturm selbst feiert und dabei systematisch frisches Blut ausperrt, klemmt sich in Wahrheit seine eigene Lebensader ab. Vergleich das mal mit Events im Silicon Valley wie dem “Web 2.0 Summit” oder der “Techcrunch 50″ (ohne gleichzeitig in den Reflex zu verfallen “dort ist alles besser”): Was diese Veranstaltungen, ja die ganze Kultur der Branche auszeichnet, lässt sich am besten mit dem Englischen Begriff “Inclusiveness” beschreiben. Dort käme keiner auf die dämliche Idee, einem zahlenden Event-Besucher den Zugang zu einer Abendparty zu verweigern. Er könnte zwar mit seinen 20 Jahren reichlich milchbärtig aussehen, Badeschlappen tragen, aber der nächste Mark Zuckerberg sein.

Von so einer Haltung ist man bei den Medientagen Galaxien entfernt. Alleine schon deswegen sollte man im nächsten Jahr einen “Gegen-Medientag” parallel zum Jurassic Park veranstalten: Offenes Format, Barcamp-ähnlich, abends noch ‘ne coole Party, kommt alle und bringt noch Eure smarten Freunde mit.

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29. October 2009 | René Seifert

Zukunft: Das Internet in 5 Jahren

Wir sind einen weiten Weg gegangen in den – sagen wir  – letzten 10 Jahren kommerzielles Internet. Aus ein paar bunten Online-Broschüren von allerlei Firmen haben wir eine E-Commerce Revolution erlebt, die Giganten wie Amazon oder eBay hervorgebracht hat. Isolierte Homepages von Privatpersonen haben sich vernetzt, das Phänomen „Blogging“ ist dabei hervor gegangen und trägt seinen Teil dazu bei, dem klassischen Journalismus das Wasser abzugraben. Eine Umdrehung auf dem Innovationsrad später kamen „Social Networks“ wie XING oder Facebook des Weges. Mit Twitter wiederum können wir unsere Freunde in maximal 140 Zeichen an für uns wichtigen Augenblicken teilhaben lassen.

So weit so gut, der Versuch einer Rückschau in einem Absatz. Wenn wir uns versuchen von der Hektik der täglichen „Announcements“ etwas zu lösen, wo Facebook die Welt in zwei Lager spaltet, ob der neue Newsfeed eine gute Idee gewesen ist oder den Untergang des Abendlandes bedeutet. Wenn wir versuchen in etwas größeren Linien nach vorne zu schauen, was die Zukunft der Internet bringen wird, dann können wir zu einer gedanklichen Reise ins Jahr 2014 antreten und mit dem Selbstbewusstsein von Zeitzeugen über das Geschehene der letzten 5 Jahre erzählen.

Bei der Gestaltung der Online-Zukunft kommt man zumindest in der kurzen Frist einmal mehr nicht an Google vorbei. Eric Schmidt hat sich dieser Tage auf einer Konferenz in Orlando über seine Sicht der nächsten 5 Jahre ausgelassen. Die Qualität solcher Prognosen durch den Google-Chef ist nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zum Metereologen, dessen Prognose dem Wetter im Hinblick auf Regen oder Sonnenschein total egal ist, haben entsprechende vorausschauende Aussagen wenigstens teilweise den Charakter einer „Self Fulfilling Prophecy“. Zum einen weil Google mit entsprechenden Produkten selbst diese Zukunft gestalten wird und zum anderen weil der „Eco-System“ wie zum Beispiel Publisher ihre eigene unternehmerische Aktivität darauf ausrichten werden.

Was hat Eric Schmidt nun für die kommenden 5 Jahre im Visier:

  • Auch wenn heute noch englischsprachige Inhalte das Web dominieren, so soll sich dies in 5 Jahren zu Gunsten von Chinesisch drehen.

  • Das Web von Applikationen: Dafür scheinen die Teenager von heute schon das beste „Anschauungsobjekt“ zu sein, wie man nahtlos von App zu App hüpft.

  • Was unsere Hardware angeht, so wird sie im Rahmen von „Moore’s Law“ immer leistungsfähiger, genau gesagt, verdoppelt sie sich alle zwei Jahre. In fünf Jahren sind unsere Rechner zehn mal so schnell wie heute.

  • Gleichzeitig hält die Zunahme von breitbandiger Übertragung an, so dass man sich keine Gedanken mehr machen muss, ob man gerade „statische“ HTML-Seiten „ansurft“ (der Begriff klingt heute schon museal), Musik herunterlädt oder sich Bewegtbild in bester Qualität streamen lässt. Schmidt erwähnt auch, dass YouTube wohl anfängt nennenswerte Umsätze einzufahren, insbesondere da sich Inhalte mehr und mehr in Richtung Bewegtbild verlagern.

  • Das Web in Echtzeit ist ein erkennbarer Makrotrend, gleichzeitig für Google eine der größten Herausforderungen wie man diese Information erfasst (das kriegt man wohl schon passabel hin) und im nächsten Schritt bei den Suchtreffern sinnvoll unter den „anderen Ergebnissen“ unterbringt. Erschwerend kommt hinzu, dass das „Real Time Web“ eine soziale Dimension hat, mit der sich die Suchergebnisse für jeden unterscheiden.

Eine konkrete Ankündigung war Schmidt dann doch noch zu entlocken: Google will in im nächsten Jahr ein eigenes Netbook mit dem Google OS (Operating System) und HTML 5 herausbringen, welches lokales Caching im Offline-Betrieb zulässt.

Auch wenn Mobile in dieser Aufzählung nicht explizite genannt war, dann versäumt es der Google CEO sonst bei keiner Gelegenheit, auf dessen strategische Bedeutung für sein Unternehmen und das ganze Internet hinzuweisen. Ein paar Überlegungen über die Zukunft von Mobile auch hier kürzlich auf unserem kleinen eLAB-Blog.

Kein Zweifel: Das Internet in 5 Jahren wird abermals ein völlig anderes sein als wir es heute kennen.

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21. October 2009 | René Seifert

Image-GAU: Jack Wolfskin mahnt Amateur-Verkäufer ab

Der bis dato kernig wirkende Outdoor-Ausstatter Jack Wolfskin schaufelt sich derzeit gerade sein Image-Grab, weiß es aber nur noch nicht. Hintergrund: Das Logo, die bekannte Pfote, ist markenrechtlich geschützt und darf von keinem anderen Unternehmen eingesetzt werden. Daran ist auch noch gar nichts auszusetzen. Aber: Einige Heim- und Haus-Handarbeiter haben naiverweise Taschen, Ohrenstecker und Spiegel produziert, auf denen eben irgendeine Pfote aufgebastelt war und die Ware auf der Plattform Dawanda zum Verkauf angeboten. Das wiederum hat Jack Wolfskin zum Anlass genommen, die Verkäufer abzumahnen. Wie man das eben so in Deutschland macht: kostenpflichtig, mit bis zu EUR 991 pro Fall. Den genauen Sachverhalt kann man sehr schön hier bei Spiegel Online nachlesen.

Eigentlich könnte man mit der Story einen neuen Wikipedia-Eintrag mit dem Titel “Mit Kanonen auf Spatzen schießen” aufmachen, oder auch “Schuss, der nach hinten losgeht”. Zumal der Laden offenbar überhaupt gar nichts verstanden hat, wie die Welt heute tickt. Da scheinen noch so ganz Altvordere am Drücker zu sein. Man gibt in den letzten Wochen geschätzt mehrere Millionen an Werbeetat für einen gar nicht schlechten Plakat-Flight in deutschen Städten aus, stellt sich gleichzeitig mit so einer Aggro-Nummer selbst ein Bein.

Das Grundproblem der Unternehmensleitung scheint die SED-artig erstarrte Denke zu sein, dass Kommunikation nur klassisch One-to-Many funktioniert. Dass man die Wahrnehmung des Images gegenüber “der Zielgruppe” über eben so eine Millionenkampagne steuert. Das Blöde ist halt nur, dass diese “Zielgruppe” dank Blogs, Twitter und Facebook plötzlich eine Stimme bekommen hat und sich frei artikuliert. Plötzlich geraten die mühsam erstellten Kommunikationspläne aus dem Ruder, weil keiner die durch das Netzwerk wandernde und sich durch das Netzwerk verstärkende Empörung von (potenziellen) Kunden auf der Uhr gehabt hat. Eine kleine Momentaufnahme bei Twitter über die Suche nach “Jack Wolfskin” illustriert das Stimmungsbild am besten, insbesondere in seiner engen zeitlichen Taktung:

Twitter Search 21.10.09 zu Jack Wolfskin

Zum frontalen Protest gesellt sich inzwischen auch trotzige Häme à la “Nimm dies, Jack Wolfskin” Im Elfenbeinturm der Unternehmenszentrale scheinen die Glocken immer noch nicht zu läuten. Gestern, als der Wind schon aufgefrischt war, hat das Unternehmen offensichtlich seine selbst produzierten Windbreaker angelegt, klassisch gemauert, auf die Rechtslage verwiesen und bekräftigt, seine rechtmäßigen Ansprüche durchsetzen zu wollen.

Das erinnert mich ein wenig an die Beschreibung von Jassir Arafat in Bill Clinton’s Biografie “My Life”: “He never missed an opportunity to miss an opportunity.” Wäre eine gute Gelegenheit gewesen, wahre Größe zu zeigen, indem man die Abmahnkosten zurück nimmt, einräumt übers Ziel hinausgeschossen zu sein und gleichzeitig freilich in einem freundlichen Brief noch einmal auf die bestehende Rechtslage mit der Tatze verweist. Dies hat durchaus seinen Sinn, will man diesen schützenden Anspruch später gegenüber “echten Markenpiraten” nicht verwirkt haben.

Stattdessen weiter voll druff mit der juristischen Keule. Die gut bezahlten Entscheider werden schon wissen was sie tun, in ihrer silohaft separierten Welt von Massenmarketing einerseits und Rechtsabteilung andererseits. In Wahrheit dürfte die Botschaft in dieser einen integrierten Welt angekommen sein, um was für ein unfreundliches Unternehmen es sich bei Jack Wolfskin handelt. Schau mer mal, dann sehn mer schon, ob es die Rechthaber von Jack Wolfskin bei der nächsten G&V-Rechnung um die Ohren gehauen kriegen, wenn “die Zielgruppe” mit den Füßen abstimmt und dabei die Verkaufszahlen abrauchen.

In einem ordentlich sortierten Outdoor-Geschäft irgendwo in einer deutschen Fußgängerzone gibt es eine ganze Reihe von guten Produkten von anständigen Unternehmen. Blöd gelaufen, wenn die Kundschaft beim Kauf mit gutem Grund in Zukunft an der Marke Jack Wolfskin vorbeigreift.

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9. October 2009 | René Seifert

5 Fragen: Wie sieht mobiles Internet aus?

Dieser Tage stolperte ich über diesen hervorragenden Denkanstoß aus dem McKinsey Quarterly “What will shape the wireless Internet?(Gratis-Registrierung erforderlich) In der Tat die richtige Frage zum richtigen Moment. Vor nicht allzulanger Zeit im Jahr 2000 mit den UMTS-Versteigerungen und noch mehrfach zwischendrin kam man sich ja vor wie auf der Besuchertribüne von Cape Caneveral. Der Countdown läuft mit noch 30 Sekunden, 29, 28 … und wird dann wieder einmal abgebrochen. Die gefühlte Zuversicht “Jetzt muss es doch bald losgehen” zieht sich schon fast ein Jahrzehnt. Aber jetzt wirklich, die Zeichen mehren sich,  jetzt geht’s los, jetzt geht’s los! :-)

Der Artikel wirft die relevanten Aspekte nacheinander auf:

  1. Wird mobiles Internet der Ersatz fürs Kabel? Im Augenblick nutzen 90 % der mobilen User weniger als 2 GB pro Monat. Damit kommen die meisten per Kabel nicht wirklich weit. Daher ist diese Transformation bezogen aufs Datenvolumen noch Kaffeesatzleserei.

  2. Kommt das mobile Internet von der Leistung an das fest Verkabelte heran? Im Augenblick noch nicht, wenn man sich so die mobilen 2 MBit/s im optimistischen Fall anschaut. Witzigerweise merken die Telcos, dass der Traffic aber so stark steigt, dass das nächste technische Upgrade für mehr Bandbreite bald angezeigt scheint.

  3. Wo gehen die Nutzer für den besten Content und besten Applikationen hin? Darüber könnte man alleine schon ein paar Doktorarbeiten schreiben. Auf jeden Fall gehen sie nicht in den mobilen “Walled Garden”, den sich die Telcos seinerzeit bunt ausgemalt haben, der aber menschenleer geblieben ist. Obwohl das iPhone eines der lästigsten Probleme der mobilen Nutzung, nämlich sich Webseiten anzeigen zu lassen, halbwegs brauchbar gelöst hat, heben mobile Apps ab wie eine Rakete. Aber das Rennen ist mit den Aktivitäten von Nokia, Google und Microsoft noch alles andere als entschieden.

  4. Über welche mobile Internet sprechen wir eigentlich? Gute Frage, so selbstverständlich wie “das von den Mobilfunkbetreibern” lautet die Antwort nicht. WiFi bekommt gerade durch das iPhone, aber auch andere Smartphones, erheblichen und unerwarteten Aufwind, wie Om Malik treffend beobachtet.

  5. Wie sieht das Geschäftsmodell aus? In Sachen Zugang gibt es die klassischen Formen, auch in gemischter Ausprägung, Flat-Fee bzw. Datenvolumen. Das Modell “Flat” hängt wie auch im Kabelnetz immer bei den Extrem-Saugern durch, die weit überdurchschnittlich die Netze verstopfen, aber deswegen auch nicht mehr zahlen. Umgekehrt ist “Flat” ein prima Verkaufsargument, weil man ohne geistige Blockade mobil ins Internet geht. Datenvolumen kann auch richtig teuer werden, wie ich neulich in China durch selbst verschuldetes zügelloses Datensurfen zum Auslandstarif feststellen durfte. Paid Content ist der ewig tote Leichnam im Kabelnetz, scheint aber bei Applikationen für z.B. das iPhone eine gewisse Wiederauferstehung zu erleben. Medienzar Rupert Murdoch hat beispielsweise angekündigt, mobilen Zugang fürs iPhone und den Blackberry beim Wall Street Journal kostenpflichtig zu machen. Die Mischung aus Gratis-Apps und solchen zur Bezahlung ergibt ein neues Geschäft wo sich inzwischen auch schon sehr viele Developer tummeln.

Ein paar Fragen, mit denen man gerade mal an der Oberfläche kratzt. Freue mich über jeden gedanklichen Impuls.

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8. September 2009 | René Seifert

Verschwörungstheorien und die Deppen dahinter

Zum ausklingenden Sommerloch 2009 mal etwas abseits von unseren sonstigen Unternehmer- und Internetthemen. Bin neulich über diese sehr guten Artikel im Economist gestolpert “Still crazy after all these years“, der sich mit dem Wesen oder besser gesagt Unwesen von Verschwörungstheorien beschäftigt.

Im konkreten Fall geht’s im echt lesenswerten Artikel darum, dass sich die politischen Gegnern in den USA keiner haarsträubenden Behauptung zu schade sind, die Politik von Präsident Obama zu diskreditieren. Nichts gegen eine ordentlichen inhaltliche Auseinandersetzung, in der auch mal die eine oder andere polemische Zuspitzung erlaubt sein muss, sondern absurde, an den Haaren herbei gezogene, völlig haltlose Behauptungen. Noch dazu solche, die nicht eine drastische Meinung zum Ausdruck bringen, sondern den ernsthaften Anspruch erheben, endlich überfällige Fakten auf den Tisch zu legen.

Beispiel: Obama sei nicht in den USA geboren, er sei der in der Bibel angekündigte Anti-Christus, AIDS sei eine Laborerfindung um Schwarze zu dezimieren oder auch der immer wieder gern genommene Klassiker, die Bush-Regierung habe den 11. September mit Hilfe des CIA selbst inszeniert, damit die Cheney-Clique sich mit steigenden Ölpreisen die Taschen vollmacht. Ah, und dann hatten wir noch die Mondlandung, die in einem heimlichen Hollywood-Studio stattgefunden haben soll.

Ich hatte gerade zur “Theorie 11. September” auch schon “Diskussionen”, die man eigentlich gar nicht als solche bezeichnen darf, weil man vor vorne herein auf einem asymmetrischen Spielfeld unterwegs ist. Auf der einen Seite bemüht sich jemand, die Komplexität von intersubjektiv nachprüfbaren Tatsachen in ein Gesamtbild zusammenzuführen, welches freilich auch aus argumentativen Spannungen und vielleicht auch der einen oder anderen Widersprüchlichkeit geprägt ist. Auf der anderen Seite steht jemand, der mit süffisantem Lächeln von sich behauptet, er sehe durch all dies hindurch und das was einem “durch die Medien” vermittelt wird, sei Teil eines inszenierten Spiels höherer Mächte, denn in Wirklichkeit verhalte es sich ganz anders.

Dieses “ganz anders” besteht aus einer Aneinanderreihung echter Tatsachen (das ist die Tücke des Ganzen), vermischt mit Halbwahrheiten, Vermutungen sowie dem beliebten Rückgriff auf pseudoreligiöse apokalyptische Vorhersagen. Vor allem aber: Es klingt als G’schichterl immer sehr gut, überzeugend und klar. Da fällt mir der alte Taleb von “Black Swan” und so ein, der richtigerweise feststellt, wir Menschen hätten eine Affinität zu Erzählungen. Was im Kinderbett mit “Schneewittchen und den 7 Zwergen” anfängt und mit “Die Hard 1 bis 99″ aufhört, berührt zunächst die ästhetische Einzigartigkeit des menschlichen Geistes. In seiner Perversion – und genau das machen sich Verschwörungstheoretiker geschickt zu nutze – “glaubt” man diesem Dreck, weil er aus Basis einer existierenden Haltung wie “Ich finde Bush Scheiße” das Bedürfnis nach einer guten Story erfüllt. Allerdings bricht an dieser Stelle die Demarkationslinie von Fakten und Fiktion endgültig in sich zusammen.

Schlimmer noch: Versucht man die “Argumente” des Verschwörungstheoretikers durch Fakten zu widerlegen, zieht er regelmäßig den Schäbigsten seiner Trümpfe: Lehnt sich entspannt zurück, grinst noch süffisanter und behauptet in selbstreferenzieller Weise, dass ja gerade diese “Fakten” Teil der akribisch konstruierten Wirklichkeit der Verschwörer seien und gerade deswegen nur zusätzlich die Richtigkeit der “Theorie” unterstreichen. Außerdem sei er einer der Wenigen, die diese Kulissenschieberei durchschaut. Wer so ein argumentatorisches Perpetuum Mobile aufbaut, darf freilich auch einen allgemein gültigen Beweis für seinen Geistesmüll schuldig bleiben.

Richtig übel wird einem, wenn die Märchenstunde an Eigendynamik gewinnt. Man muss eine falsche Behauptung nur oft genug wiederholen, bis sie für bare Münze gehalten wird, hat Walter Ötsch schon in seinem “Haider light – Handbuch für Demagogen” festgestellt (Gott sei seiner Seele gnädig, der vom “Lebensmenschen“, meine ich ;-). Bei 12,6 Millionen Google-Treffern zu “9 11 Conspiracy” und einem stattlichen Wikipedia-Eintrag baut sich nach und nach eine parallele Wirklichkeit auf, bei der die Wahrheit zur Knetmasse der Beliebigkeit deformiert wird. Wenn der Anspruch auf Wahrheitsfindung zu so einer Gartenzaun-Plauderei à la “morgen scheint die Sonne – vielleicht regnet’s aber auch” verkommt, dann ersetzt der eigene Glaube an die bevorzugte Version das ehrliche Bemühen um die Ergründung des Geschehenen samt seiner wahren Zusammenhänge.

Nachdem jede “Diskussion” mit solchen Leuten zum Scheitern verurteilt sein muss, hilft es meiner Erfahrung nach nur, sich entschieden abzuwenden.

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Kategorie: Analyse, Sonstiges
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