contentTop

Archiv der Kategorie 'Events'

Die Suche nach 'Archiv der Kategorie Events' ergab 57 Treffer:

« Vorherige Einträge
8. November 2009 | René Seifert

TED India: C.K. Prahalad über die Tücken des Erfolgs

Aus Mysore (Indien)

Nach 3 Tagen TED India fühlt man sich in Punkto Inspiration als hätte man von einem Feuerwehrhydranten gesoffen. Ein voll gepacktes Programm im Format der bekannten 18-minütigen TED Talks gepaart mit der Zufälligkeit zahlloser Gespräche mit schlauen Teilnehmern hinterlassen für den eigenen Horizont tiefe Spuren. Alleine schon der Ort der Veranstaltung, der hypermoderne Infosys Campus von Mysore, ist zwar sicherlich der “unindischste” Flecken Land in ganz Indien, beschert einem gleichzeitig das Gefühl einer Reise auf einen anderen Planeten. Die Architektur bringt eine kuriose Mischung mit sich, bei der man nicht so recht weiß, ob man gerade im Vatikan oder im Epcot Centre von Disney World steht.

TEDIndia: Day 2

Alle Bilder der TED India, wer mag, hier auf Flickr.

In eben dieser Kugel befindet sich das große Auditorium des Campus, in dem die Redner einer nach dem anderen fantastische Auftritte hingelegt haben. Etwas mehr von C.K. Prahalad, der als “Management-Lehrer” und Autor zahlreicher Bücher zwischenzeitlich zu Weltruhm gelangt ist.

TEDIndia: Day 3

Ansonsten Professor an der Universität von Michigan, sprach er über die Tücken des Erfolgs für jedes Unternehmen. Zitat:

Success has its own learning disabilities.

Soll konkret heißen, dass jene Rezepte die einen bis zum hiesigen Erfolg geführt haben, nicht notwendigerweise die gleichen sind, um einen zum zukünftigen Erfolg zu führen. Mit den bankrotten Giganten von General Motors und Lehman Brothers hat man gleich zwei Anschauungsstücke aus der jüngsten Vergangenheit.

Das Problem: Das was einen bisher erfolgreich gemacht hat, bringt bei der Strategie, Organisation und den Prozessen ein sich selbst verstärkendes Momentum mit sich. Das ist zwar bis zu einem Grad richtig um Systeme zu stabilisieren und das Business zu skalieren, steht aber oft einer womöglich seltsam anmutenden Notwendigkeit entgegen: Dem Vergessen.

TEDIndia: Day 3

Oder um Prahalad abermals zu zitieren:

The forgetting curve is flat in most organizations. Deeply embedded assumptions (the dominant logic) is a critical impediment.

In der konkreten Ausprägung wirkt sich das dann so aus:

TEDIndia: Day 3

beziehungsweise im Spannungsfeld zwischen einer Gefangenschaft in der Vergangenheit und dem Unvermögen die Zukunft zu gestalten so:

TEDIndia: Day 3

Nachdem man nun die Diagnose gestellt hat, wie sieht nun die Therapie für den maladen Unternehmensleib aus? Hilfe kommt, gar nicht so erstaunlich, aus “unserer Ecke”, dem was wir in den letzten paar Jahren mit den Begriffen von Web 2.0 oder auch Enterprise 2.0 (siehe hier auf unserem Blog) vor Augen geführt bekommen bzw. selbst mitgeformt haben. Im besonderen die Eigenschaft, dass einem die Struktur und Infrastruktur des Internet die Tools an die Hand gibt, bestehende Organisations- und Machtgefüge einzureißen.

Wenn nun alle miteinander verbunden sind und gleichzeitig Zugang zu kritischen Analyseinformationen haben, dann entfleucht man dem klassischen Orga-Silo und schafft die Grundlage für einen umfassenden Dialog. Konkret rät Prahalad zu diesen 6 Punkten:

  1. Elimieren oder zumindest Verminderung von Informationsasymmetrien durch Ränge, Geografien und Einkommensgruppen hindurch.
  2. Zugang zu Analysetools mit denen man aus Information kritische Erkenntnis erzeugt.
  3. Zugang zu dieser Information und Analysetools muss einfach und kostengünstig sein.
  4. Die Grenzen der Organisation werden ähnlich wie bei der Körperzelle “semi-permeabel”. Auch wenn man glaubt, dass man sich auf Interna wie die Glucke aufs Nest setzen muss, so kann das umgekehrt dazu führen, dass man wesentliche externe Impulse dadurch aussperrt.
  5. Fokus auf Dialog durch mehrere Unternehmensebenen hindurch.
  6. Fokus auf Wissensaufbau, im besonderen durch zusammen hängende Threads.

Heruntergebrochen kommt dabei die Demokratisierung des Lernens heraus:

TEDIndia: Day 3

Wichtig zu betonen war Prahalad die Notwendigkeit zu lernen wie man lernt. Das Lernen habe nur dann einen Sinn, wenn es im ersten Schritt einen Perspektivenwechsel entsteht, aus dem im folgenden Schritt eine erkennbare Änderung im Verhalten resultiert.

15:24 Comments 0 Kommentare » Trackback

30. October 2009 | René Seifert

Medientage München: Hochmut kommt vor dem Fall

Alle Jahre wieder: Die Medientage München, der selbst ernannte Gipfel der Branche. So kann man es freilich auch bezeichnen. Der Gipfel daran ist bestenfallfalls, dass man Jahr für Jahr mit einem neuen Motto herum scharwelzelt, welches den Ernst der Lage immerhin in Euphemismen umschreibt. Heuer lautete es in einer neuen Variation des ewig gleichen Leidens MUT (für “Medien und Transformation”), über das die Süddeutsche zurecht schreibt, dass man sich kein peinlicheres Motto hätte zulegen können. Mut kann man es auch nennen, wenn es sich ein ganzer Haufen hoch bezahlter Leute für drei Tage in einem kuscheligen Paralleluniversum bequem macht, wo einem noch die gebrateten Tauben in den Rachen fliegen und wo der Honig in Flüssen durch die Landschaft mäandert. Weitere Kennzeichen der gehobenen Freakshow:

  • Auch in Jahr 11 von Google nicht verstanden haben, wie man sich als Journalist und Verleger die Suchmaschine im eigenen Sinn zu nutze machen kann, wie Christoph Röck in seinem “Jurassic Park”-Vergleich treffend beschreibt.
  • Straflos Unsinn verbreiten, wo mehrfach erprobte und dabei mehrfach gescheiterte Konzepte wie “Paid Content” für den gemeinenen User als das Neue Testament verkündet werden. Siehe dazu Thomas Knüwer über den “Größenwahn”, der über den “Platz der Realität” fegt.

Ah, und noch ein ganz zentrales Kennzeichen: Das sich gegenseitig auf die Schulter-Klopfen, bei dem man sich geflissentlich versichert zu den Auserwählten zu zählen. Nirgends kommt dies deutlicher zum Ausdruck als bei der alljährlichen “Nacht der Medien”, bei der der Veranstalter auch keinen Zweifel aufkommen lässt:

Gesonderte Einladung direkt durch die Gastgeber und Sponsoren dieser Veranstaltung.

Billiger Trick, funktioniert immer: Künstliche Verknappung. Man läuft der Scheiße hinterher, weil man sie für Gold hält. Seit ich denken kann, gehen Wochen vor dem Event die Anfragen aus dem Netzwerk los: “Kannst Du mir helfen? Kommst Du noch an einer Karte ran oder kennst Du wen, der noch eine übrig hat?” Das Witzige daran: Es findet fast jeder noch sein begehrtes Billet in der dritten Windung, sofern er sich in der Amigo-Seilschaft nur tief genug abgebückt hat. Das Blöde daran: Dann hängt man so tief mit drin, dass man Teil des Problems geworden ist, aber nichts mehr zu seiner Lösung beitragen kann.

Soll konkret heißen: Ein Zirkel, der sich in seinem Elfenbeinturm selbst feiert und dabei systematisch frisches Blut ausperrt, klemmt sich in Wahrheit seine eigene Lebensader ab. Vergleich das mal mit Events im Silicon Valley wie dem “Web 2.0 Summit” oder der “Techcrunch 50″ (ohne gleichzeitig in den Reflex zu verfallen “dort ist alles besser”): Was diese Veranstaltungen, ja die ganze Kultur der Branche auszeichnet, lässt sich am besten mit dem Englischen Begriff “Inclusiveness” beschreiben. Dort käme keiner auf die dämliche Idee, einem zahlenden Event-Besucher den Zugang zu einer Abendparty zu verweigern. Er könnte zwar mit seinen 20 Jahren reichlich milchbärtig aussehen, Badeschlappen tragen, aber der nächste Mark Zuckerberg sein.

Von so einer Haltung ist man bei den Medientagen Galaxien entfernt. Alleine schon deswegen sollte man im nächsten Jahr einen “Gegen-Medientag” parallel zum Jurassic Park veranstalten: Offenes Format, Barcamp-ähnlich, abends noch ‘ne coole Party, kommt alle und bringt noch Eure smarten Freunde mit.

12:18 Comments 8 Kommentare » Trackback

16. August 2009 | René Seifert

Search Engine Strategies (SES) 2009: Das sind die Trends

Letzte Woche Search Engine Strategie (SES) in San Jose, wohl zum letzten mal, bevor das Flaggschiff der Konferenzreihe nächstes Jahr in das prestigeträchtigere Moscone Centre West wechselt. Für mich war’s das erste mal auf dem Event und hat voll den Erwartungen für eine konkrete, sehr Hand-On-getriebenen Wissensvermittlung entsprochen.

Deutscher Stammtisch
Der deutsche Stammtisch insbesondere aus dem eLAB bzw. Holtzbrinck-Umfeld durfte freilich nicht fehlen: Horst Joepen, Markus Tober und Jens Brechmann von Searchmetrics, Thomas Bindl von Refined Labs (sprach auch auf zwei Panels) und Andi Schwabe von The-Performance-Network. Die, die schon ein paar mal dabei gewesen waren meinten, dass es dieses Jahr deutlich leerer gewesen und der legendäre “Google Dance” im Googleplex krisenbedingt gestrichen worden sei.

Radiointerview
Nun aber zu den Inhalten. ARD-Journalist Marcus Schuler hat auf seinem Blog ein 8-Minuten Audio-Interview mit mir über die Schwerpunkte der Konferenz geführt. Darin erwähne ich auch die Tatsache, dass die Branche in der Allianz von Yahoo und Microsoft ein kleines Gegengewicht zur Google’schen Allmacht aufkommen sieht, siehe dazu auch diesen Artikel in der New York Times. Eine Keynote von Charlene Li war recht erhellend, wie man in Zukunft klassische Suche durch den Filter des eigenen sozialen Netzwerks jagt, um damit eine höhere Relevanz zu erzielen. Hier die Slides zum Durchklicken:

CPC to CPA: Wo Google hinwill
Auf einer amderem Keynote stellte AdWords-Director Nicholas Fox künftige Perspektiven vor, in der z.B. ein Klempter in San Francisco irgendwann nicht mehr selbst sein AdWords-Account mit Keywords füttern muss, sondern einfach zum Ausdruck bringt, welche Tätigkeiten er so ausführt, welchen Radius um die Stadt herum er gedenkt abzudecken und den Rest erledigt das System von alleine. Also letztlich das, wozu man heute noch eine SEM-Agentur beauftragt.

Auch sprach Fox davon, dass man versucht das Modell von CPC (=Cost per Click) in Richtung von CPA (=Cost per Acquisition) zu transformieren. Hat den Vorteil, dass man in einem skalierbaren Geschäft nicht mehr das Conversion-Risiko nach dem Klick tragen muss, sondern solange gerne zusätzliche Orders einfahren lässt so lange der CPA noch positiven Deckungsbeitrag abwirft.

Der letzte Klick gewinnt – noch
Viel diskutiert wurde außerdem über den Fluch von Performance Marketing, und der geht so: Früher gab’s bei klassischer Werbung den geflügelten Spruch “Die Hälfte von meinem Werbebudget ist rausgeschmissenes Geld – ich weiß nur nicht welche”. In Zeiten von Performance Marketing heißt es: “Jetzt weiß ich, welche Hälfte was bringt, nur keiner würdigt den Beitrag der anderen.” Im Augenblick kriegt der letzte Klick die ganze Ehre und alles was keinen Klick einbringt wird radikal wegoptimiert, allerdings mit dem Ergebnis dass dabei die die Gesamtzahl der Klicks und vor allem Transaktionen zurück geht.

Ein bezahlter Klick auf das Keyword der Brand mag zwar nicht unmittelbar eine Transaktion ausgelöst haben, war aber wichtig um ein Informationsbedürfnis des Kunden zu befriedigen. Gerade bei längeren Verkaufszyklen kommt es vor, dass der Kunde erst beim zweiten oder dritten Klick die eigentliche Transaktion tätigt. Bedeutet aber nicht, dass deswegen die Klicks vorher ohne Wert gewesen sind. Das Phänomen wird in Branchenkreisen allgemein mit “Attribution-Problem” beschrieben und man versucht mit Cookie-basierten Systemen den ganzen Werdegang besser nachzuvollziehen und vorherigen Klicks ihren fairen Anteil am Zustandekommen eines Transaktion zuzuschreiben.

Zahlengetriebene Unternehmenskultur
Last, but not least fand ich ein Panel sehr aufschlussreich, in dem es darum ging, wie man Organisationen eine verstärkt datengetriebene Denke einhaucht. Ein Panel-Teilnehmer brachte es sehr gut auf den Punkt: “Wir brauchen weniger Meinungen und mehr Hypothesen.” Ersteres ist meist politisch gefärbtes Bla, zweiteres eine Behauptung, die man einem messbaren Experiment untezieht. Darin bestätigt oder widerlegt sich die Behauptung und man ist ein schönes Stück schlauer.

Ansonsten fand ich dieses Slide noch recht aufschlussreich:

SES San Jose 2009

Alles in allem eine gute Konferenz, wenn man wirklich bis zu den Ellenbogen im Thema steckt oder beabsichtigt dort hinzukommen. Wer nicht so weit reisen mag: Die SES findet Ende November auch in Berlin statt.

18:46 Comments 0 Kommentare » Trackback

12. August 2009 | René Seifert

6 Tipps für virale Verbreitung von Videos

Aus San Jose, Kalifornien (U.S.A.)

Tag 2 auf der SES in San Jose, und der Tag started mit einer coolen Session “How to ignite your viral Campaign”. Am Anfang jeder viralen Kampagne sollte so etwas wie ein Ziel stehen gegen das man das tatsächliche Ergebnis vermisst, dann ist in der Umsetzung wie immer der Content King. Dazu haben sich nach wie vor am besten bewährt: Humor, Tipps & Tricks, Bestenlisten und Breaking Info.

Nachdem sich Video immer mehr zu einem festen Teil unserer Internet-Nutzung und -Produktion etabliert hat und nicht zuletzt Google mit seiner Universal Search diesem Faktor bei den Suchergebnissen Rechnung trägt, ist es höchste Zeit sich mal näher mit der Spezialität viraler Verbreitung rein von Videos zu befassen. Dazu stellte soeben Mathew Liu von YouTube ein paar Best Practises aus dem Auge des Orkans vor.

Grundsätzlich unterschied er zwischen Videos, die subtil einen werblichen Absender tragen (“Guerilla”) vs. solchen, die von vorne herein als Marketing erkennbar sind.

P1020795

Um erfolgreich bei YouTube bzw. bei der Firmenmutter Google indexiert und gerankt zu werden empfiehlt er diese fünf Tipps, wie man das Momentum einer viralen Verbreitung ins Rollen bringt und dabei vor allem Google das richtige Suchmaschinenfutter zum Fraß vorwirft:

  1. Title: Sollte treffend und beschreibend den Inhalt des Videos illustrieren.
  2. Description: Eindeutige und einzigartige Beschreibung, idealerweise in ganzen Sätzen.
  3. Tags: Pointiert und inhaltlich schlüssig zum Title und Description passend. Keyword-Stuffing vermeiden, sonst gibt’s von Google auch hier eine Abstrafung.
  4. Community: Videos mit der Community teilen. Mit Annotationen, Video-Antworten und Thumbnails experimentieren. Allerdings vermeiden, andere User mit dem Video zu spammen oder versuchen, das eigene Video zu bewerten.
  5. Embedden: Im Sinne der Distributed Content, das Video auf anderen Webseiten streuen.
  6. Paid Listings: Um dem viralen Moment einen ersten Anschub zu liefern, kann es sich lohnen ein “Sponsored Video” (rechte Leiste) bei YouTube zur “Paid Discovery” zu buchen. Funktioniert ähnlich wie die Paid Search, wo man auf Suchbegriffe innerhalb von YouTube bietet.

Last but not least, unterliegt man “Kampagnenmanagment” keinem Blindflug, sondern bekommt mit YouTube Insight einen detaillierten Überblick wann das Video von wem (soziodemografische Daten) und von wo angekuckt worden ist.

P1020797

Und ansonsten mehrfach die gute alte Feedbackschleife durchlaufen: Testen, Messen und Optimieren. Na dann, Film ab :-)

19:50 Comments 1 Kommentar » Trackback

5. July 2009 | René Seifert

Global India Business Meeting in München

Ein paar Zeilen wollte ich noch von einem ersklassigen Event Anfang der Woche in München nachtragen: Das Global India Business Meeting in München, veranstaltet von Frank Richter, der sich nach seiner Zeit als Director für Asien beim World Economic Forum mit seiner Firma Horasis 2005 selbständig gemacht hat.

Frank Richter, CEO Horasis and Host

Mit über 200 Teilnehmern aus Indien, der indischen Diaspora, dem nahen Osten und Europa ging es um den Stand der Weltwirtschaftskrise, Globalisierung und Opportunities für Unternehmer im Kontext Indien. (Alle Bilder vom Event hier bei Flickr.)

Der indische Wirtschaftsminister Anand Sharma verwies in seiner Dinner Speech darauf, dass Indien nicht zuletzt dank einer restriktiven monetären Politik von dem direkten Effekt der Finanzkrise weitgehend verschont geblieben sei. Bei den Exporten habe das Land jedoch sehr wohl die zurück gehende Nachfrage zu spüren bekommen. Alles in allem sei man dank eines starken Binnenmarktes optimistisch, in diesem Jahr ein Wachstum von 6 bis 7 % zu erzielen. Mit einem frischen Mandat nach den Neuwahlen in Indien, aus denen die Regierung gestärkt hervor gegangen ist, müsse man vor allen Dingen ein “inklusives Wachstum” der 70 % auf dem Land lebenden Bevölkerung gewährleisten.

Gerhard Cromme, Aufsichtsratchef von Siemens und ThyssenKrupp, sprach über die Erfolgsfaktoren aus seiner langjährigen Management Erfahrung:

G V Krishna Reddy & Gerhard Cromme

  • Lokale Präsenz: Indien kann man nicht aus dem Ausland “fernsteuern”, man muss sich vor Ort auf das Land einlassen und schnell Netzwerke aufbauen.
  • Lokale Mitarbeiter: Eine rein aus Expats bestehende Führungsmannschaft beißt auf Granit, frühzeitig sollte man indisches Personal einstellen und in Punkto Karrierechancen systematisch zu höheren Aufgaben entwickeln.
  • Geduld: Schnell geht in Indien gar nichts, manchmal steht alles still, und plötzlich passiert’s dann doch ganz schnell wenn man am wenigsten damit gerechnet hat.

Deckt sich nach über 5 Jahren Indien voll und ganz mit meiner Erfahrung. In einem anderen der äußerst intimen “Boardroom Dialogues” frage ich die CEOs von der beiden indischen IT-Riesen Infosys Kris Gopalakrishnan (links im Bild) und von Wipro Girish Paranjpe (rechts), welche Art von Dienstleistung ihre Unternehmen wohl in 5 Jahren anbieten würden. Vor allem getrieben durch technologischer Innovation, wo Informatiker heute mit Hilfe von Open Source Stacks und Frameworks wie Ruby on Rails um ein Vielfaches effizienter Software entwickeln können sind als noch vor einigen Jahren.

Board Room Conversation

Die Antwort war wirklich sehr interessant: Bisher arbeiten indische IT-Outsourcing-Firmen als reine Dienstleister auf Time- und Material-Basis in der Programmierung. Die beiden CEOs sehen die nächsten Schritte auf der Wertschöpfungskette in den Betrieb ganzer Business Anwendungen (z.B. in der Cloud) für einen Kunden. Dies kann sogar eine Beteiligung an Transaktionen zu den Kunden des Kunden bei diesen Anwendungen mit sich bringen. Insofern wäre der Integrationsgrad der indischen Firmen ein deutlich höherer, sie würden das Entwicklungsrisiko vorneweg mittragen, um anschließend direkt am Erfolg zu partizipieren. Beide waren sich aber einig, dass eine solche Transformation nicht von heute auf morgen geschieht und alte und neue Modelle über lange Zeit co-existieren werden.

Außerdem: Kam das Geschäft für die indischen Outsources bisher vor allem aus den USA, Großbritannien und noch ein bisschen aus Kontinentaleuropa, so sehen die Firmen wie Infosys und Wipro ihr Wachstum in neuen Märkten wie China, Südamerika und sogar Afrika. Die Anforderungen an Funktionen und Features seien dort sicherlich rudimentärer als bei Kunden in reiferen Märkten, aber in Punkto Volumen scheint sich dort eine große Opportunity aufzutun.

Klingt nach dem nächsten Kapitel Globalisierung, zu dem einem das Global India Business Meeting einen sehr kompakten Eindruck in hochkarätiger Besetzung verschafft hat.

20:04 Comments 0 Kommentare » Trackback

7. April 2009 | René Seifert

Sören Stamer von Coremedia im Interview: Die Kunst loszulassen

Web 2.0 Expo in San Francisco ist vorbei, eine spannende Konferenz war’s inmitten der großen Krise, was sich unzweifelhaft sowohl auf die Stimmung als auch die möglichen Vorwärtsstrategien auf dem Event niedergeschlagen hat.

Unter dem Konferenzmotto “The Power of Less” ging es um alle denkbaren Ansätze Erfolg schneller messbar zu machen und vor allen Dingen die bestehenden Ressourcen besser auszuschöpfen. Sören Stamer, deutscher Unternehmer aus Hamburg, Gründer und CEO von Coremedia, beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit den Prinzipien Unternehmen anders aufzusetzen und hat vor ein paar Tagen sein Buch “Enterprise 2.0 – The Art of Letting go” (deutscher Titel: “Enterprise 2.0 – Die Kunst loszulassen” veröffentlicht. Zentrale Aussage: Man kann sich sehr effektiv und effizient organisieren, und das noch besser als mit den klassischen organisatorischen Prinzipien von Managements, wenn man einen radikalen netzwerkartigen Ansatz wählt.

Am Rande der Konferenz hab’ ich mit ihm über sein Buch, seine Erfahrungen als CEO und die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA gesprochen.

Sören hat außerdem eine geniale Präsentation auf der Konferenz gehalten, rundherum eine “Präsentation 2.0″, wo das Storytelling durch den Vortragenden durch starke Slides im Hintergrund unterstützt wird und bei der man auch im nachhinein durch das reine Anschauen noch jede Menge rausziehen kann. Voilà:

08:47 Comments 0 Kommentare » Trackback

2. April 2009 | René Seifert

Web 2.0 Expo Launchpad: DubMeNow als virtueller Visitenkartenaustausch

Ein indischer Start-Up Gründer mit der Rarität eines Anzugs auf der Bühne vom Launchpad macht sich an das real existierende Problem von der Flut an Visitenkarten nach z.B. Konferenzen heran. Man bekommt einen Stapel und der verstaubt dann im Büro.

Seine Firma Dubmenow baut eine virtuelle Visitenkarte für mobile Endgerät. Man kann sich also Visitenkarten virtuell austauschen, der Service speichert automatisch Tag, Uhrzeit und Ort des Austausches. Auch kann man noch Notizen hinzufügen.

Dubmenow ist asynchron, das heißt nicht beide Partner müssen bei dem Dienst dabei sein. Nur wenn man seine Visitenkarten verschicken will, muss man angemeldet sein. Das System verknüpft sich außerdem auf Wunsch mit Diensten wie Salesforce.

Nun ja, das Problem ist nicht neu, Große wie Plaxo haben sich auch schon daran versucht und die Lösung klingt mir eher nach einem Feature, aber nicht nach einer Company, die von einem funktionierenden Business-Modell getragen wird.  Außerdem findet man heute Leute so schnell über XING, Facebook oder auch Google, so dass man sich nicht wirklich mit der Kleinigkeit des historischen Umstandes eines Visitenkartenaustauschs herumschlagen muss.

22:52 Comments 0 Kommentare » Trackback

9. December 2008 | René Seifert

LeWeb 08: Trends in der Krise

Man macht sich nichts vor, dass wir in einer Krise stecken auf der LeWeb in Paris. Mit wem man auch immer spricht, so hört man meistens eine Aussage à la: "Es ist jetzt schon schwierig genug, aber wer weiß wie schwierig s noch kommen wird." "Schwierig" lässt sich für unsere Branche in folgende Kategorien einordnen:

  • Das junge Unternehmen liegt bei den geplanten Umsätzen zurück, defizitär ist es ohnehin.
  • Deswegen beschleunigt sich der Bedarf an einer Nachfolgefinanzierung, die wiederum aufgrund der Klammheit der Investoren schwieriger verfügbar ist.
  • Neue Start-Ups drehen Schleife um Schleife und sammeln statt Geld nur Körbe ein.
  • Wenn es Finanzierung gibt, dann zu spürbar niedrigeren Bewertungen.
  • Investoren kriegen Absagen von ihren Limited Partnern, nachdem der Wert deren Portfolios durch den Börsencrash verfallen ist so dass sie sich an jeden Euro Liquidität klammern.

Marc Samwer nimmt vom European Founders Fund kein Blatt vor den Mund: "Die meisten Unternehmen haben noch nicht begriffen, wie tief greifend die Krise ist und haben vor allem auf ihrer Kostenseite adäquat darauf reagiert." Die VCs auf dem Panel sind sich ziemlich einig wie man durch die geschätzten harten nächsten 12-18 Monate kommt.

  • Business Model: Im Augenblick hat man schlechte Karten, wenn man mit einem Konzept daher kommt, welches einen Usernutzen hat, skaliert, aber jede Perspektive vermissen lässt, wie man jemals damit Geld verdienen will. Also ist Monetarisierung wichtiger denn je. 
  • Bessenheit mit Kostenkontrolle.
  • Glaube an was Du tust und kämpfe, denn Du spielst um zu gewinnen.

Ein paar Besonderheiten gebe es dabei für Europe: Zum einen auf der Soll-Seite das kulturelle Stigma des Scheiterns sowie kleinere Märkte und auf der Haben-Seite die gelernte Fähigkeit in verschiedenen Sprachen und Kulturen unterwegs zu sein, die Stärke in Mobile und staatliche Förderprogramme.

Was inhaltliche Trends ausgeht, so steht die "Facebookization" oder auch "Feedization" ganz oben, wo sich die Online-Welt in diversesten Feeds abspielt, vor allem auch ihre Interoperabilität mit z.B. der mobilen Welt. Mark Butcher von Techcrunch UK hat dazu dieses Slide aufgelegt:

Vielleicht dient das ein wenig zu Orientierung in Zeiten wie diesen.

Will wahrlich nicht mit Platitüden trösten, dass nach Regen Sonnenschein kommt. Aber ich glaube fest daran, dass die klugen Köpfe nicht blöder geworden sind, dass Leidenschaft der Motor für Erfolg ist und dass längst noch nicht alles was man erfinden kann schon erfunden worden ist.

18:43 Comments 1 Kommentar » Trackback

9. December 2008 | René Seifert

LeWeb in Paris: Nikesh Aurora von Google und auch sonst

LeWeb in Paris, nach einer kleinen Odysee durch die Stadt gut am Veranstaltungsort angekommen. Jetzt sitzt Nikesh Aurora, Head of Google Europe auf der Bühne, interviewt vom Gastgeber Loic LeMeur.

"In den letzten Jahren hatten wir eine Party, und die ist jetzt sicher vorbei", beschreibt Aurora die Krise. Es sei aber für Google eine gute Gelegenheit sich noch enger am Nutzer zu orientieren. Mit den gegenwärtigen Maßnahmen der Regierungen tue man das Menschemögliche und nach Auffassung von Aurora würden die USA schneller aus der Krise heraus kommen als Europa.

Auf die Frage, wo das "nächste Google" herkommt, ist sich der Google Manager sicher: "Von zwei Jungs aus einer Garage." Als Markt sollte man versuchen etwas zu entwickeln, welches theoretisch die 1,4 Milliarden Internet-Nutzer auf der Welt erreichen kann. Also zumindest eine Strategie für Internationalisierung von Anfang an.

Auch wenn USA nach wie vor Internet-Innovation dominieren, so sieht Aurora auch den "Rest der Welt" stärker am Drücker, im besonderen Europa, zumal der Zugang zu Start-Up Kapital zunehmend auch dort erhältlich ist.

Als eine der großen Zukunftsvision sieht Aurora ein computer-getriebendes Niederreißen von Sprachbarrieren. Usecase: Eine Deutscher und ein Spanier telefonieren in ihrer Muttersprache miteinander und mehr oder weniger in Echtzeit übersetzt "die Cloud" das Gesagte.

Wie wird man von Google gekauft. Aurora: "Man wird von Google nicht akquiriert, wenn eine Company nur gründet um von Google akquiriert zu werden." Man soll sich vielmehr auf einen echten Usernutzen konzentrieren.

Abschließende Bemerkung Auroras: "Wenn man die nächsten 12-18 Monate in Europa durchsteht, wird man noch stärker als vorher daraus hervorgehen."

11:18 Comments 0 Kommentare » Trackback

22. September 2008 | René Seifert

OnlineStar ‘08: Drei eLAB-Ventures in der Endrunde

Publikumspreise sind was Schönes, gell. Statt eines präpotenten Jury wie bei DSDS fühlt man sich in einen basisdemokratischen Prozess eingebettet, als wäre man Teil der Kommune 1 und die fesche Uschi O. schenkt vor der Abstimmung jedem noch mal eine Tasse Tee ein :-)

Beim OnlineStar ‘08, dem sicherlich bekanntesten Publikumspreis in Deutschland in Sachen Internet, ist die Vorrunde vorüber und jetzt geht’s in der ehrlichen Hauptrunde um die Wurscht. Und siehe da, in den 15 Kategorien tummeln sich auf drei Ventures von eLAB, nämlich:

  • guut.de (Kategorie Shopping-Portale)
  • golem.de (Kategorie Hard- und Softwarehersteller, sowie IT-Zeitungen und Zeitschriften)
  • netdoktor.de (Kategorie Gesundheit und Wellness)

Vielleicht hat ja wer Bock bis 13. Oktober an der Abstimmung hier mitzumachen. Ich sag’s bloß so. Wenn man dann für die eLAB-Ventures abstimmt, hat keiner was dagegen. Fühlt Euch aber nicht verpflichtet; den Tee von Uschi O. gibt’s auch so :-)

 

22:54 Comments 0 Kommentare » Trackback

« Vorherige Einträge

RSS: FEED ABONNIEREN

ARCHIV