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Archiv der Kategorie 'Facebook'

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11. December 2009 | René Seifert

Farmville zieht alle Register von Social Gaming

So, mich hat’s auch erwischt. Und ich war immer das größte Lästermaul, was die debilen Feeds bei Facebook angeht à la “XYZ just dug up some delicious truffles with the help of their pig in FarmVille” verbunden mit meine Reaktion “ich nie”. Nun ja, “sag niemals nie”, lautet einmal mehr das Gebot der Stunde. Wie ein Strudel, dem man sich nicht entziehen kann, fixt das Spiel einen an und lässt auch so schnell nicht mehr los. In Zahlen: Farmville ist mit 70 Mio. aktiven Spielern die mit Abstand erfolgreichste Facebook-App, doppelt so viele Installationen wie die Nummer 2 (“Causes”) und vermutlich sogar Twitter zahlenmäßig überlegen. Bei 350 Mio. Facebook-Mitgliedern ist das also jeder Fünfte ein Bauer.

Hinter dem Spiel steht die Firma Zynga aus San Francisco, die in 4 Runden US-$ 54 Mio. an Finanzierung eingesammelt hat, um damit eine Reihe von browserbasierten Social Games zu entwickeln. Der Clou: Anstatt sich dem Problem auszusetzen, mit viel Marketing-Aufwand Kunden zu gewinnen, propfen sich Zyngas Spiele voll und ganz auf bestehende Social Networks wie MySpace oder eben Facebook auf. Eine ganze Reihe von Social Games wie Mafia Wars, FishVille sind dabei schon entstanden, das mit Abstand erfolgreichste Flaggschiff heißt FarmVille.

Farmville René Seifert

Ich kann nur jedem aus der Online-Branche empfehlen sich aus rein professionellen Gründen mal in den Strudel reinziehen zu lassen, weil was die Macher von FarmVille in der Spielemechanik an Tricks aus dem Hut zaubern, nötigt einem unbedingten Respekt ab:

  • Die Einstiegshürde ist ein Klick, um die App auf Facebook bei sich zuzulassen, dann ist man dabei, steht auf einem Acker mit 6 Parzellen, dessen Gemüse darauf wartet abgeerntet zu werden. Mit den Einnahmen pflügt man das Feld frisch um und sät neu an. Erstes Erfolgserlebnis.

  • Das Prinzip ist super-einfach und erschließt sich auf Anhieb: Säen, warten, ernten. Kapital akkumulieren, wachsen und wieder säen. Finde das Ding aus pädagogischen Gründen übrigens auch für Kinder durchaus geeignet, um ihnen ein paar Grundlagen des Wirtschaftens spielerisch zu vermitteln.

  • Weil man seine Ernte nicht vergammeln lassen will, kommt man halt doch immer wieder zurück. Wenn man irgendwann auch Tiere auf seiner Farm stehen hat, dann wollen auch die Kühe gemolken werden. Stichwort: Wiederkehrrate.

  • Damit man mit zunehmender Spielaktivität den linearen Effekt “mehr vom Gleichen” vermeidet, arbeitet man sich in mehreren Stufen nach oben, was einem Saatgut für neues Gemüse oder die Möglichkeit zum zusätzlichen Landerwerb eröffnet. Zwischendrin gibt’s auch positive Überraschungen, wie irgenwelche Auszeichnungen oder sponate Goldnuggets, die einem als kleine Belohnungen das Leben versüßen.

  • Man spielt FarmVille nicht kompetitiv gegen andere, sondern geradezu mit anderen. Erst in diesem sozialen Kontext macht das Spiel richtig Spaß, wenn man sich mit Gratis-Geschenken beschert oder sich gegenseitig den Acker düngt, wovon man selbst sowie der “Nachbar” im Spielverlauf profitiert. Irgendwie hat das Spiel auch was von sozialer Gleichheit: So düngt mir der CEO der indischen Niederlassung eines großen deutschen Automobilkonzerns regelmäßig den Acker und ist ansonsten auch ganz vorne dabei, täglich sein Feld in Schuss zu halten :-)

  • Dieser Effekt in Kombination mit zahlreichen Anlässe seine kleinen Errungenschaften und Hilferufe in die Community zu verbreiten, machen FarmVille in der Ausbreitung viraler als die Schweinegrippe. Kundengewinnungskosten für das Unternehmen quasi Null.

  • Geld verdient Zynga auf ganz räudig geschickte Art und Weise: Man kann das Spiel ewig und auf alle Zeiten umsonst spielen. Allerdings haben die Spielentwickler äußerst geschickt an verschiedenen Stellen kleine, unaufdringliche Schmerzpunkte eingebaut, zum Beispiel: Wird der Acker mal groß, dann ist es mühsam das Feld mit der Hand zu bestellen. Mit den akkumulierten Münzen aus dem Erntezyklus kann man sich zwar einen Traktor kaufen, aber um auf Dauer dessen Sprit zu bezahlen, bedarf es der äußerst knappen Parallelwährung “FV-Dollars”. Diese kann man ganz einfach unter Einsatz der Kreditkarte mit echtem Geld aufladen.

Ich geb’s zu: Ich hab’ meine Kreditkarte auch schon zwei mal mit insgesamt 26 “echten” Dollar gebügelt, um da schneller voran zu kommen. Hey, aber wenn man zu zweit für einen 90-Minuten Film ins Kino geht, hat man den Betrag auch schnell für mehr oder minder planloses Entertainment durchgebrannt. Virtuelle Güter, wir kommen!

Wie es im richtigen Leben so spielt, wachsen die Bedürfnisse nach Erfüllung der Subsistenzsicherung auf der Maslow’schen Bedürfnispyramide mehr und mehr in Richtung künstlerischer Selbstverwirklichung. Heißt bei FarmVille: Ist man nach der ersten Kapitalaufhäufung finanziell aus dem Gröbsten raus, dann kann man sich seine Farm mit Häusen, Schuppen, Bäumen, Schubkarren, Windmühlen und jetzt zur Weihnachtszeit mit saisonalem Firlefanz wie Schneekugeln ganz persönlich einrichten. Auch da gibt es einige Artikel, die man nur gegen die begehrten “FV-Dollar” nach dem Umtausch richtiger Kohle kaufen kann.

Farmville Weihnachts-Deko

Wenn ich mir die Farmen meiner “Nachbarn” (=Freunde), die ich besser kenne, näher anschaue, dann ist die Gestaltung ein nahezu perfekter Spiegel ihres Charakters. In einer kurzen Selbsteinschätzung zu mir und einem Screenshot meiner Farm oben: Sehr effizient, minimalistisch organisiert, auf Skalierung ausgerichtet. Ansonsten ein ästhetisch-gestalterischer Totalaufall.

Kuckt man sich hingegen diese Farm von meiner Nachbarin Philippa (“Mutti”) an, die das Verbrechen begangen hat, mich viral mit FarmVille zu infizieren, dann sieht man spielerische Kreativität, wo liebevolle Hege und Pflege von Flora und Fauna ein individuelles kleines landwirtschaftliches Paradies erschaffen haben.

Muttis Farm

Ja schee, gell. Wenn “Mutti” nicht die Gattin von einem meiner besten Kumpels wäre, dann wäre sie für mich im Rahmen von “Bauer sucht Frau” die ideale komplementäre Ergänzung … :-)

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29. October 2009 | René Seifert

Zukunft: Das Internet in 5 Jahren

Wir sind einen weiten Weg gegangen in den – sagen wir  – letzten 10 Jahren kommerzielles Internet. Aus ein paar bunten Online-Broschüren von allerlei Firmen haben wir eine E-Commerce Revolution erlebt, die Giganten wie Amazon oder eBay hervorgebracht hat. Isolierte Homepages von Privatpersonen haben sich vernetzt, das Phänomen „Blogging“ ist dabei hervor gegangen und trägt seinen Teil dazu bei, dem klassischen Journalismus das Wasser abzugraben. Eine Umdrehung auf dem Innovationsrad später kamen „Social Networks“ wie XING oder Facebook des Weges. Mit Twitter wiederum können wir unsere Freunde in maximal 140 Zeichen an für uns wichtigen Augenblicken teilhaben lassen.

So weit so gut, der Versuch einer Rückschau in einem Absatz. Wenn wir uns versuchen von der Hektik der täglichen „Announcements“ etwas zu lösen, wo Facebook die Welt in zwei Lager spaltet, ob der neue Newsfeed eine gute Idee gewesen ist oder den Untergang des Abendlandes bedeutet. Wenn wir versuchen in etwas größeren Linien nach vorne zu schauen, was die Zukunft der Internet bringen wird, dann können wir zu einer gedanklichen Reise ins Jahr 2014 antreten und mit dem Selbstbewusstsein von Zeitzeugen über das Geschehene der letzten 5 Jahre erzählen.

Bei der Gestaltung der Online-Zukunft kommt man zumindest in der kurzen Frist einmal mehr nicht an Google vorbei. Eric Schmidt hat sich dieser Tage auf einer Konferenz in Orlando über seine Sicht der nächsten 5 Jahre ausgelassen. Die Qualität solcher Prognosen durch den Google-Chef ist nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zum Metereologen, dessen Prognose dem Wetter im Hinblick auf Regen oder Sonnenschein total egal ist, haben entsprechende vorausschauende Aussagen wenigstens teilweise den Charakter einer „Self Fulfilling Prophecy“. Zum einen weil Google mit entsprechenden Produkten selbst diese Zukunft gestalten wird und zum anderen weil der „Eco-System“ wie zum Beispiel Publisher ihre eigene unternehmerische Aktivität darauf ausrichten werden.

Was hat Eric Schmidt nun für die kommenden 5 Jahre im Visier:

  • Auch wenn heute noch englischsprachige Inhalte das Web dominieren, so soll sich dies in 5 Jahren zu Gunsten von Chinesisch drehen.

  • Das Web von Applikationen: Dafür scheinen die Teenager von heute schon das beste „Anschauungsobjekt“ zu sein, wie man nahtlos von App zu App hüpft.

  • Was unsere Hardware angeht, so wird sie im Rahmen von „Moore’s Law“ immer leistungsfähiger, genau gesagt, verdoppelt sie sich alle zwei Jahre. In fünf Jahren sind unsere Rechner zehn mal so schnell wie heute.

  • Gleichzeitig hält die Zunahme von breitbandiger Übertragung an, so dass man sich keine Gedanken mehr machen muss, ob man gerade „statische“ HTML-Seiten „ansurft“ (der Begriff klingt heute schon museal), Musik herunterlädt oder sich Bewegtbild in bester Qualität streamen lässt. Schmidt erwähnt auch, dass YouTube wohl anfängt nennenswerte Umsätze einzufahren, insbesondere da sich Inhalte mehr und mehr in Richtung Bewegtbild verlagern.

  • Das Web in Echtzeit ist ein erkennbarer Makrotrend, gleichzeitig für Google eine der größten Herausforderungen wie man diese Information erfasst (das kriegt man wohl schon passabel hin) und im nächsten Schritt bei den Suchtreffern sinnvoll unter den „anderen Ergebnissen“ unterbringt. Erschwerend kommt hinzu, dass das „Real Time Web“ eine soziale Dimension hat, mit der sich die Suchergebnisse für jeden unterscheiden.

Eine konkrete Ankündigung war Schmidt dann doch noch zu entlocken: Google will in im nächsten Jahr ein eigenes Netbook mit dem Google OS (Operating System) und HTML 5 herausbringen, welches lokales Caching im Offline-Betrieb zulässt.

Auch wenn Mobile in dieser Aufzählung nicht explizite genannt war, dann versäumt es der Google CEO sonst bei keiner Gelegenheit, auf dessen strategische Bedeutung für sein Unternehmen und das ganze Internet hinzuweisen. Ein paar Überlegungen über die Zukunft von Mobile auch hier kürzlich auf unserem kleinen eLAB-Blog.

Kein Zweifel: Das Internet in 5 Jahren wird abermals ein völlig anderes sein als wir es heute kennen.

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15. July 2009 | René Seifert

Social Media: NetDoktor.de bloggt und twittert

Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, sich auch als Unternehmen mit Social Media (SM, no pun intended ;-)  zu beschäftigen. Und dann am besten richtig. Vodafone ist neulich in die SM-Offensive gegangen und hat nicht durchgängig Lob dafür eingeheimst.

NetDoktor.de (eine eLAB-Company) versucht das Thema behutsamer anzugehen und den langfristigen Aufbau von Beziehungen zu seinen Nutzern im Blick zu behalten. Dabei stehen Twitter bei NetDoktor.de (als @NetDoktorDE) und der kürzlich begonnene NetDoktor.de-Blog im Mittelpunkt des SM-Geschehens.

NetDoktor.de twittert @netdoktorde

Auf der „philosophischen Ebene“ gibt es für die richtige Haltung zum Thema bei Social Media die folgenden vier Punkte zu beachten:

  • Öffnung: Es spricht nicht mehr nur der Chef und sein Presse-Adlatus, sondern die Grenzen der Organisation fransen ganz von selbst aus, indem sich Mitarbeiter eh auf Twitter, Facebook und Blogs herum treiben. Die Unterscheidung von privat und dienstlich fällt dabei zunehmend schwer. Anstatt wie noch vor ein paar Jahren mit der rechtlichen Keule draufzuhauen, sollten Firmen das soziale Kapital ihrer Mitarbeiter in einen Vorteil für sich verwandeln. Bei NetDoktor.de können, sollen, „dürfen“ alle Mitarbeiter nach außen in Erscheinung treten.
  • Authentizität: Wenn ich heute eine dieser typischen Pressemitteilungen von Firmen in die Hände bekomme, wo aus einem einerseits limitierten anderseits seelenlosen Wortschatz standardisierte Nullaussagen abgesondert werden (à la „die Geschäftsleitung ist zuversichtlich, dass … bla“) muss ich würgen. Das Cluetrain Manifesto hat schon vor 10 Jahren mit erstaunlicher Weitsicht klargemacht, dass normale Menschen nicht als „Markt“ oder „Zielgruppe“ sondern eben wir normale Menschen angesprochen werden möchten. Im Rahmen von Social Media hat man in oftmals öffentlichen 1:1 Konversationen eine gute Gelegenheit, diesen neuen alten Stil wieder zu pflegen.
  • Netzwerk: Im Gegensatz zum – wie Klementine sagen würde – herkömmlichen Waschmittel namens Media-Spending wo man für eine mehr oder weniger gelungene Copy ein paar Millionen in einen „Channel“ einbucht, muss man sich sein Netzwerk bei Social Media quantitativ und qualitativ erarbeiten. Das geht nur über Zeit, indem man mit Ehrlichkeit und Herzblut organische Beziehungen zu anderen Menschen aufbaut. Der Lohn dafür: Wenn man etwas Interessantes zu sagen hat, sorgen die Kontakte dafür, dass die Nachricht durch das Netzwerk propagiert. Und das dann ganz ohne finanziellen Einsatz.
  • Loslassen: Da tun sich Unternehmen, die bisher größten Wert auf eine strenge Markenführung gelegt haben, am Schwersten. Aber in Zeiten wie diesen sollte es jedem Marketingchef dämmern, dass „die Leute“ sowieso das sagen, was sie von der Firma, ihrem Produkt oder Service halten. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass man alle seine Vorstellungen von Identität über Bord wirft (siehe auch Authentizität oben), sondern versucht seine Kunden bzw. Nutzer geschickt in den Gestaltungsprozess mit einzubeziehen. Stichwort: Co-Creation. myStarbucksIdea und Ford mit seiner Social Media Group machen es in dieser Hinsicht sehr gut vor. Auch bedeutet es, dass man als Unternehmen die Demut mitbringt, dorthin zu gehen wo die Konversation stattfindet, um sich je nach kulturellen Gepflogenheiten von Twitter bis Facebook ins Gespräch auf gleicher Augenhöhe einzuklinken.

myStarbucksIdea

Was man bei NetDoktor.de noch im besonderen beim Bloggen erwähnen kann: Als Medienunternehmen publiziert man sowieso die ganze Zeit. Genau darin besteht die Kernkompetenz. Was ist dann beim Bloggen anders?

NetDoktor.de Blog

Zum einen möchte NetDoktor.de mit dem Bloggen mehr Transparenz im Sinne von „Wir über uns“ schaffen, indem zum Beispiel CTO Dan Ackerson in seiner Muttersprache Englisch über die Technik beim kürzlich neu gelaunchten Gesundheitsportal-Privat räsoniert. Aus journalistischer Sicht bieten sich Ansätze, die einen persönlicheren Blickwinkel auf ein Thema zulassen als es das definierte Redaktionsformat erlaubt. Redakteur Fabian Seyfried zum Beispiel nimmt mit der nötigen Portion Ironie die wissenschaftliche Suchmaschine Wolfram Alpha als „automatischen Arzt“ unter die Lupe.

Das Spannende bei Social Media ist die Erkenntnis, dass sich so etwas wie “Best Practises” so schnell im Fluss befinden, dass man auf keine in Stein gemeißelten Weisheiten zurückgreifen kann. Daher gibt es mal wieder nichts besseres als man tut es, indem man sich seine Social Media Strategie Stück für Stück und emergent zusammen baut.

Wenn man bei allem guten Willen mal knapp daneben liegt, halb so wild, dann darf man getrost mit diesen beiden Sprüchen aus dem Englischen kontern: „The age of openness ist the age of forgiveness“ und „Better to beg forgiveness than to ask permission.“ :-)

Ja dann, munteres Zwitschern und so.

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12. June 2009 | René Seifert

Teufelszeug Facebook-Pinnwand

Machen wir’s konkret. Zwei beispielhafte Ereignisse in jüngster Zeit auf der Facebook-Pinnwand mit bemerkenswerten Auswirkungen auf die Konvergenz von vormals isolierten sozialen Netzwerken.

1.    Facebook-Profil männlich in fester Beziehung, Status-Update „Esse gerade leckere Austern.“ Kommentar dazu auf der Wall von einem seiner 600 Facebook-Kontakte, Geschlecht weiblich mit exotischem Namen und erkennbar schulterfreiem Profilfoto: „Ja super, habe auch heute bei mir in Irland Austern gegessen.“

2.    Facebook-Profi weiblich, die sich neulich das Bein gebrochen hat von einem weiblichen befreundeten Kontakt, die auf die Wall den Gruß loswird: „Na, humpels Du immer noch herum oder jagst Du schon wieder den Burschen hinterher?“

Öffentlicher Raum
In Beispiel 1 kann man sich an einer Hand abzählen, dass die Freundin, die gelegentlich auf den Wall ihres Freundes vorbeischnuppert, mit einem neugierigen Grinsen die Frage stellt: „Sag mal, wer is’n des?“ Ob es sich nur eine flüchtige Bekannte oder womöglich einen bisher verschwiegenen Hasen aus der Vergangenheit handelt, so oder so darf man sich plötzlich erklären. Der soziale Raum, den man bisher womöglich sorgfältig in separaten Silos erlebt hat, kollabiert auf der Wall zu einer einzigen durchsichtigen Rudelveranstaltung . Was durch die Schläfer-artige Existenz eines Kontaktes auf des Freundschafts-Liste bereits virulent angelegt ist, wird durch die Aktivität wie Kommentar oder alleine schon „Daumen hoch“ vollends zum Leben erweckt.

„Früher“ hätte man mit geringer Wahrscheinlichkeit beim Sonntagsspaziergang mit der Freundin dieser unbekannten Dritten über den Weg laufen müssen, um einen ähnlichen Effekt zu provozieren. Heute findet trifft man sich öfter nolens als volens in der gemeinsamen virtuellen Fußgängerzone.

Ironie kommt nie – ohne Kontext

Beispiel 2 illustriert die Bedeutung von Kontext in jeder Konversation. Die Dame, der die Pinnwand gehört, hat sich maßlos geärgert, die Nachricht umgehend gelöscht und der Pinnwandschreiberin per SMS ihren Unmut zur Kenntnis gebracht. Aber: Die identische Botschaft als 1:1-Nachricht hätte ohne jeden Zweifel für köstliches Amüsement bei eben der gleichen, ansonsten äußerst humorvollen Empfängerin gesorgt.

Wird die Nachricht jedoch in den öffentlichen Raum der Pinnwand gezerrt, in dem sich Geschäftspartner und vielleicht auch das eine oder andere Herzblatt tummeln, dann gefriert das Lachen mit einem Schlag zu einem frostigen Eisklotz. Die Metaebene von Ironie und Übertreibung, die bei einer privaten Nachricht die Botschaft unausgesprochen in den richtigen Kontext bringt, fehlt auf der Pinnwand gänzlich und führt zu ungewollten Missverständnissen. Um präzise zu sein: Es ist vielmehr Antizipation der Empfängerin, dass ihre anderen Kontakte auf Facebook nicht in der Lage sein werden, diese Metaebene von Übertreibung herzustellen und jedes Wort für bare Münze zu nehmen. (Die kleine diplomatische Verwerfung hast sich dann übrigens mit einem klassischen 1:1 Telefonat zügig aus der Welt räumen lassen.)

Zusätzliche Kommunikationsnormen
Was kann man sich davon an Grundsätzlichem abschneiden? Erstens, wer bei Facebook und ähnlichen Plattformen mitmacht, ist automatisch einer Reihe von kommunikativen Phänomenen ausgesetzt, die einen neuen Umgang mit der Materie erfordern. Es gibt plötzlich einen öffentlichen Raum für alle, in dem für eben alle nicht so einfach ein gemeinsamer Kontext herzustellen ist.

Fürs Konkrete heißt das in einer salomonischen Abwägung beider Seiten: Wer anderen auf die Pinnwand schreibt, sollte sich bewusst sein, dass die übertragene Nachricht weit über den bloßen (augenscheinlich belanglosen) Inhalt hinaus geht und sich fragen, ob damit nicht unbedachte Kollateralschäden entstehen. Diejenigen, auf deren Pinnwand geschrieben wird, sollten sich der neuerlichen Öffentlichkeit ihrer Person bewusst werden und sich alles in allem ein bisschen locker machen.

Ein wenig Zeit wird’s noch dauern, bis sich auch hier zu eine allgemein gültige Etikette eingeschwungen hat. Bis dahin lasst es uns mit der Weisheit von Jeff Jarvis halten: „The age of openness is the age of forgiveness.“

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27. May 2009 | René Seifert

Wolfram Alpha: Der “Google Killer” sieht anders aus

Kann mich nicht zurück halten, auch meine 50 Cent Hirn zu dem Thema abzusondern, nachdem Wolfram Alpha seit 10 Tagen live ist und das Projekt von vielen schlagzeilenträchtig mit “Google Killer” überschrieben worden ist  – wie man leicht rausbekommt wenn man ironischerweise nach “Wolfram Alpha Google Killer“, ähäm, googelt. 2,4 Mio. Treffer sind’s zur Stunde des Posts. Unter den Top 10 in deutscher Sprache finden sich unter anderem Chip und die FTD. Fairerweise gesagt kommen die beiden genannten Artikel in ihrer inhaltlichen Betrachtung zu keinen grundsätzlich falschen Bewertungen von Wolfram Alpha, ich frage mich nur wer jemals diesen Mist von “Google Killer” in die Welt gesetzt hat. Der Spiegel überschreibt seinen Artikel mit “Hype um den Wissenszwerg“, was dem Ganzen von Anfang an viel besser gerecht wird.

Nur am Rande auch hier eine kurze Bewertung der neuen Suchmachine. Wie ich Wolfram Alpha finde? Super. Als sublimer Mathe-Nerd könnte ich mich alleine schon den ganzen Tag damit rumspielen bei irgend welchen Funktionen die Variable zu verändern und zu staunen was bei den dazu gehörigen Graphen dabei passiert.

Picture 1

Aber darum geht’s nicht. Auch wenn man mal die nötige Zuspitzung von Schlagzeilen in Abzug bringt, so zeugt die leichtfertige Verwendung von “Google Killer” in den meisten Fällen von einem kolossalen Unverständnis dessen, was Google in den gut 10 Jahren seines Bestehens zum erfolgreichsten Unternehmen unserer Menschheitsgeschichte gemacht hat. In eine ähnliche Richtung geht die oft geäußerte Ambition von irgend welchen Start-Up Unternehmern wie z.B. “Wie werden das nächste Google im Entertainment”. Gähn und *Augen roll*.

Fangen wir mal makro-makro und auch ein bisschen doof an: Ob Googles Vorherrschaft in Zeiten von technologisch extrem beschleunigten und sich weiter beschleunigenden Technologie-Zyklen in Verbindung mit rasanter Verbreitung von Information durch soziale Netzwerke in x Jahren durchbrochen sein wird? Setzen wir x1 = 200. Vorausgesetzt, der Homo Sapiens hat sich bis dahin nicht seinen eigenen Untergang bereitet, würde ich mal mit einer probabilistischen Sicht sagen: Wahrscheinlich ja. Bei x2=100, wahrscheinlich auch noch. Bei x3=2, eher nein. Ok, was muss aber passieren dass irgendwann mein Prognosenpostulat auf Stammtisch-Niveau, der ohnehin die strikte Falsifizierbarkeit im Popper’schen Sinne fehlt, eintritt?

Das Verhalten der kollekten Internet-Nutzer müsste sich fundamental ändern. Was Google seit seinem Bestehen so stark gemacht hat war zunächst eine deutlich bessere Suche, die im Vergleich zu den damals operierenden Suchmaschinen deutlich relevantere Ergebnisse geliefert hat. Grund dafür war im Kern der PageRank-Algorithmus, der nur Rechnern eigenen Geschwindigkeit das gesamte Netz durchsucht hat. Wie andere Suchmachinen auch, hat Google dabei Volltext verschlagwortet. Neu war: Als Filter von Relevanz im Ranking wurde die zu grunde liegende Linkstruktur von Website zu Website genutzt. Die, und das ist so fundamental anders, von vernunftbegabten Menschen aufgrund ihrer Einschätzung von Relevanz gesetzt worden sind. Google hat also nichts anderes gemacht als den bestehenden Inhalt elegant zu organisieren und allen umsonst zugänglich zu machen. Alles nicht neu, aber in der jetzigen Debatte um Wolfram Alpha doch wieder mal wert, ins Gedächtnis zurück gerufen zu werden.

Vergleich das mal mit Wolfram Alpha. Woher die Daten kommen, weiß so recht keiner. Bei den wissenschaftlichen Funktionen, bei denen Wolfram Alpha so stark aufrumpft, wurden eher Verfahren und Methoden ins System programmiert und das kann dann für Oberflächenberechnung “Tetraeder” auch richtig was. Hut ab. Allerdings, wie groß ist im Marktvolumina betrachtet diese Art von Suche gegenüber “Last Minute Mallorca” oder “Bilder Britney Spears”? Genau …

Was Google vor allen Dingen geschafft hat ist bei einer weltweite Armanda von Publishern, von Großverlagen über Zierfisch-Ljiebhaber bis professionellen SEOs Momentum auf die Straße zu bringen, zu allem und jedem etwas zu schreiben, damit es von Google elegant organisiert und dann wieder auffindbar gemacht wird. Ich sehe das nicht bei Wolfram Alpha passieren, schon mal wegen des gänzlich anders gestrickten Produktprinzips. Der Anspruch, die Daten von Mitarbeitern in irgend einer Weise strukturiert ins System zu füttern, verbietet sich auch wirtschaftlichen Gründen vollkommen, wie das jähe Ende von Wikia neulich erst gezeigt hat.

Zwei weitere Gründe, weshalb “Google Killer” als Begriff so weit neben der Spur liegt: Neben der allseits bekannten Funktion von Google ist das Unternehmen auch DIE Infrastruktur-Company par excellence. Selbst wenn Wolfram Alpha kann was es kurz nach seinem Launch für eine handvoll Freaks kann: Skaliert das auch noch bei mehreren hundert Millionen Suchanfragen pro Tag, wie es bei Google der Fall ist? Alles andere als ein Kinderspiel, wie die vielen Downtimes beispielsweise bei Twitter im letzten Jahr belegen. Außerdem: Bei Wolfram Alpha dauert es schon ein bisschen bis sich so eine Ergebnisseite aufgebaut hat. Diese Usability-Erfahrung steht aber im diamentralen Gegensatz zu den User-Erwartungen von blitzschnellen Treffern, wo Google im Mikro-Sekunden Bereich optimiert, wie Produktchefin Marissa Meyer mal bei einer Präsentation erläutert hat.

Alles in allem wird der “Google Killer”, wenn er dann mal kommt, nicht versuchen dürfen frontal mit einer neuen Suche auf Google loszugehen. Bei dem Laden arbeiten die smartesten Köpfe der Welt, sich sich bei dem Thema rauf- und runter auskennen. Das heißt aber nicht, dass Google als Metapher für das dominierende Unternehmen im Netz nicht knackbar ist. Von Microsoft hätte es vor 10 Jahren auch niemand für möglich gehalten, bis eben Google kam und die Kategorie des Spiels völlig neu definiert hat. Genau das gleiche muss auch für den Google-Angreifer gelten. Eine neue Kategorie strategisch zu besetzen, vielleicht sogar neu zu schaffen, während Google damit beschäftigt bleibt die Cash Cow seines bestehenden Business zu melken. Vielleicht ist es ein Social Netzwerk à la Facebook. Oder ist es überhaupt “das Netz” in unserem heutigen Verständnis?

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29. April 2009 | René Seifert

Freiheitsbegriff bei Twitter vs. Facebooks Fanpage

Hab dieser Tage eine Präsentation über “Social Media fürs Unternehmen” entwickelt und dabei fiel mir ein grundlegender Unterschied zwischen Twitter und Facebook auf. Um es mit George Orwell zu beschreiben: Bei Twitter sind alle gleich, bei Facebook sind einige gleicher. Und zwar, was die zu Grunde liegende Architektur angeht.

Als Unternehmen hat man für die beiden genannten Plattformen zwei Formate: Bei Twitter ist man ein ganz nomaler User, bei Facebook kann man sich eine Fanpage anlegen.

Beispiel 1: Dell-Outlet in den USA twittert

Dell auf Twitter

Beispiel 2: Netdoktor.de Facebook-Fanpage
NetDoktor-Fanpage auf Facebook

Bei Twitter ergibt sich die (vermeintliche) Bedeutung aus der Anzahl anderer Twitterer, die einen followen. Dreht man diese Betrachtung weiter, dann hängt die Bedeutung dieser Follower wiederum von deren Followern ab und so ergibt sich ein in sich geschlossenes rekursives System. Der Herr PageRank Algorithmus lässt auch in diesem Mikrokosmos des weiten WorldWideWeb grüßen.

Dagegen beinhaltet die Architektur Facebook von vorne herein eine Asymmetrie – wie eigentlich schon der Begriff “Fanpage” suggeriert. Eine Asymmetrie von Stars wie Günther Jauch bis Barack Omaba, die Clay Shirky in seinem coolen Buch “Here comes Everybody” erläutert: Günther Jauch oder den U.S.-Präsidenten kennen sehr viel mehr Leute als umgekehrt, vor allem zerfällt auch nur die entferneste Möglichkeit, dass die Promis mit den “normalen Leuten” anhaltende 1:1 Konversationen, ganz zu schweigen Beziehungen unterhalten. (Was meiner Auffassung nach die klarste Definition von “Prominenz” ist.)

Facebooks Fanpages zementieren genau diesen Zustand von vorne herein in der Usability. Wer eine Fanpage aufgesetzt hat, steht von Anfang an auf einem erhöhten Podest, auf das die anderen hinaufblicken können/müssen sobald sich sich als Fan hinzugefügt haben. Eine Erwiderung dieser Liebe ist durch den Abgott gegenüber dem Fan ist erst gar nicht im System vorgesehen. Auch in Sachen Kommunikation spiegelt sich die Asymmetrie wieder: Die Fans können – sofern die Einstellungen durch den “Star” entsprechend liberal vorgenommen wurde – auf der Wall öffentlich herumpalavern, ein direkter 1:1 Zugang zum Tabernakel ist aber nicht vorgesehen. Dieser wiederum kann aber 1:n Updates an die Fans schicken, die jedoch in deren individueller Mailbox landen.

Twitter ist da anders. Jeder kann mit jedem die gleicher Art von Beziehungen eingehen und auf gleicher Augenhöhe kommunizieren. Betonung auf “kann”. Denn Dell folgt gerade mal 21 Nutzern, während Dell 418.000 Nutzer folgen. Dennoch ein in sich demokratisches System, wo sich Bedeutung durch das kollektive Verhalten aller Nutzer ex-post ergibt und nicht systemimmanent ex-ante Freiheitsgrade bewusst eliminiert.

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11. March 2009 | René Seifert

Riesen-Opportunity: Enterprise 2.0-Consulting

Für raue Zeiten wie diese muss man für neue Geschäftskonzepte sicherlich noch ein paar “Reality Checks” mehr durchlaufen, bevor man sich mit vollem Elan ins Getümmel der Umsetzung stürzt. Nach allem was ich in den letzten Monaten gelesen, auf Konferenzen gehört und im direkten Gespräch mit klugen Menschen aufgefangen habe, bedeutet die Krise für viele Unternehmen eine Zeitenwende im Umdenken, Umstrukturieren und organisatorisch ganz neu Aufsetzen. Aber alleine ohne erfahrene Hilfe schaffen sie es nicht. Und da tut sich ein Riesenpotenzial für a G’schäftle auf.

Gary Hamel: “The Future of Management”

Im Kern geht’s um ein Phänomen, das eigentlich so offensichtlich ist, aber dennoch so selten in unseren Wahrnehmungskreis gerät. Dazu fand ich das Buch von Gary Hamel „The Future of Management“ extrem erhellend und kann es jedem, der sich für Innovation und Unternehmensorganisation interessiert, wärmstens an Herz legen. Nämlich: Was haben wir in den letzten 100 Jahren an Innovation auf den Ebenen Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse erlebt. In ein Flugzeug steigen ist so selbstverständlich wie bei Amazon ein Buch bestellen, aus Firmensicht verschiedene Zahlungssysteme managen oder neuerdings aus einem Wust von Daten Analysen fahren und die Ergebnisse für viel Geld verkaufen.

Gary Hamel - The Future of Management

Aber was sich gar nicht geändert hat, ist die Art und Weise was die Architektur von Unternehmen im Innersten zusammenhält: Mit welcher Selbstverständlichkeit wir unter Management ein „oben“ und ein „unten“ in einer hierarchischen „Command & Control“-Struktur verstehen. Wo der, der an der Spitze steht, der vermeintlich Klügste ist und mit teils Sonnengott-ähnlicher Verehrung um ein Signal für den rechten Weg angebetet wird. Hamel darüber was passiert, wenn den Weg sich als der Falsche erweist:

Indeed, it often appears as if large companies have borrowed their change model from poorly governed third-world dictatorships, where the only way to change policy is to depose the despots.

Was auf der Strecke bleibt, ist ein unendlich hohes Maß an ungenutzter Kreativität, die Vernachlässigung des Wissens von den Leuten „an der Front” (=beim Kunden) und ein systematisches Abtöten von Leidenschaft bei Angestellten, die nur in ihrer eng definierten Jobbeschreibung funktionieren sollen.

Geschäft führen vs. Innovation forcieren

Das Problem für das Unternehmen wächst dann – wie Hamel anschaulich beschreibt – zu einem Existenziellen aus, wenn alle Kräfte in einem Unternehmen nur auf das Trimmen von Effizienz im bestehenden Kerngeschäft gerichtet. Dieses aber gerät irgendwann in den Abschwung des ganz normalen Produktlebenszyklus gerät, während parallel dazu nichts Neues, Starkes, Verteidigbares von unten nachwächst. Und dafür macht er die bestehende Praxis von Management verantwortlich, die eben nicht den Rang eines Naturgesetzes besitzt, sondern vielmehr auf das Resultat geistiger Trägheit zurück geht.

Als Beleg für Systeme, die aufgrund ihrer selbstorganisierten Struktur viel robuster und überlebensfähige sind, nennt er die Biologie für ihre Vielfalt („Darwian selection doesn’t need Senior Vice-Presidents“, geil was :-); Märkte für ihre Flexibilität, Demokratien für ihren Aktivismus, Glaube für seine Sinnstiftung und Städte für ihre kreative Kraft.

Internet-Branche als Katalysator für den Wandel

Warum ich glaube, dass wir Internet-Aktive im Besonderen geeignet sind, anderen diesen nötigen Wandel im Rahmen eines Beratungs-Geschäftsmodelles zu vermitteln? Weil wir durch die Art und Weise des Web 2.0 die Prinzipien verinnerlicht haben, wie eine netzwerkartige Form von Wertschöpfung funktioniert. Nach 250 Seiten kommt Hamel mit Hinweis auf die „architecture of participation“ zur Schlussfolgerung „The Web is the new technology of management“ und „The power of the internet lies in its capacity to facilitate coordination without the stultifying effects of hierarchy and bureaucracy.” Dafür nennt er folgende Kriterien:

•    Everyone has a voice.
•    The tools of creativity are widely distributed.
•    It’s cheap and easy to experiment.
•    Capability counts more than credentials and titles.
•    Commitment is voluntary.
•    Power is granted from below.
•    Authority is fluid and contingent on value-added.
•    The only authorities are “natural” hierarchies.
•    Communities are self-defining. Individuals are richly empowered with information.
•    Just about anything is decentralized.
•    Ideas compete on equal footing.
•    It’s easy for buyers and sellers to find each other.
•    Resources are free to follow opportunities.
•    Decisions are peer-based.

Klingt “uns” so einigermaßen vertraut, geh aber mal mit solchen Ideen zur Deutschen Bank, zu Siemens oder zum Daimler rein. Da weht noch ein ganz anderer Wind, wo man sicherlich Diskussionen ob Angestellte während der geheiligten Arbeitszeit Facebook verwenden dürfen, im Zweifelsfall mit „nein“ bescheidet. Gleichzeitig dämmert es solchen Firmen auch so langsam, dass sie etwas ändern müssen, sofern sie auch in Zukunft weiter vorne oder überhaupt mitspielen wollen.

Cisco macht’s vor

Eine Company, die zur Abwechslung den Schuss laut und deutlich gehört hat, ist Cisco. Neulich in Mumbai auf einer Konferenz erläuterte der äußerst dynamische CEO John Chambers, dass man es dank einer systematischen Kulturrevolution in Richtung Web 2.0 geschafft habe, die Anzahl von übergreifende Prioritäten zwischen 2001 und heute von 1, dann auf 2 und jetzt auf eine Schlagzahl von 26 zu erhöhen.

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Messen kann und soll man ja alles, und parallel dazu hat Chambers gezeigt wie sich die Anzahl von firmenrelevanten YouTube-Videos und Nutzern bei Cisco dazu verhält.

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Im konkreten Anwendungsfall für eine der 26 Prioritäten “Small Business Council” nennt er dabei folgende Bereiche, denen die Anwendung der neuen Prinzipien zu Gute kommt.

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Die Wissenschaft tickt in die gleiche Richtung

Aus einer zugegebenermaßen abstrakten Ebene erleben wir auch in der Wissenschaftstheorie einen Gleichklang dazu. In diesem spannenden TED-Video beschreibt der Physiker Lee Smolin, wie sich das Wesen der Erkenntnis von der Annahme eines Absoluten hin zu einer Betrachtung ausschließlich relativer Bezüge von Objekten zueinander verändert hat. Auch er zieht Parallelen zur systemischen Funktionsweise von Demokratien:

McKinsey darf auch nicht fehlen ;-)

Auch an McKinsey geht der Krug nicht vorbei, in diesen lesenswerten Aufsatz „Six ways to make Web 2.0 work“ hat die Unternehmensberatung mal ein wenig herumgefragt, was bei der Einführung dieser Konzepte und ihrer Tools (Wikis, Blogs, Foren, Twitter etc.) gut und nicht so gut lief und haben das in sechs Leitsätze eingedampft:

1. The transformation to a bottom-up culture needs help from the top.
2. The best uses come from users—but they require help to scale.
3. What’s in the workflow is what gets used.
4. Appeal to the participants’ egos and needs—not just their wallets.
5. The right solution comes from the right participants.
6. Balance the top-down and self-management of risk.

Geschäftsmodell Entreprise 2.0-Beratung

Ein Beratungsmodell für Kunden, die sich in diese Richtung wandeln müssen und wandeln möchten, sollte zweierlei mitbringen: Zum einen die Fähigkeit, tief greifend kulturell zu vermitteln worum es bei diesen Prinzipien geht, dabei die Glaubwürdkeit samt Autorität mitbringen bisher selbstverständliche und nie reflektierte Praktiken durch die ganze Organisation in Frage zu stellen. Zum anderen, im eindeutig nachgelagerten Schritt, die entsprechenden Tools zu empfehlen, zu implementieren und nachzujustieren, um das neue Management-Gerüst zu „enabeln“. Und wer schlau ist, baut noch eine Art „Meta-Layer“ als Dashboard über die eingesetzten Technologien, was dank Lizenzen einen wiederkehrenden Erlösstrom für ein skalierbares Geschäft ermöglicht.

Weswegen ich hier darüber schreibe, eLAB oder ich es nicht einfach selber machen? Bin dran :-) Allerdings: Der Markt ist riesig, wir stehen ganz am Anfang und zunächst muss noch das sprichwörtliche Problembewusstsein geschaffen werden.

Oder wie ein afrikanisches Sprichwort sagt: „If you want to go fast, go alone. – If you want to go far, go together.”

19:13 Comments 3 Kommentare » Trackback

2. December 2008 | René Seifert

Was Twitter so besonders macht

Twiitter LogoWas mir schon seit einiger Zeit dämmert, ist die subtile Vielschichtigkeit der Kommunikation im Rahmen von Web 2.0 Diensten. Zum Teil getrieben von Features, Default-Einstellungen, oft aber auch von Usern selbst "erfunden", bevor sich diese neuen Ideen rasch durchs ganze soziale Netzwerk verbreiten.

Beispiel: Was für einen Unterschied in der Wertschätzung es macht, ob man auf XING eine Kontaktanfrage einfach nur bestätigt oder ob man dies mit einer kurzen Nachricht begleitet. Oder Facebook: Immer öfter findet eine klassische 1:1-Kommunikation nicht übers private Nachrichtensystem statt, sondern auf der "Wall", was andere nicht nur zufällig daran teilhaben lässt, sondern über einen entsprechenden Feed der Person im eigenen Netzwerk mit der Nase förmlich draufstößt. 

Und in diesem Zusammenhang kommt man natürlich nicht an Twitter vorbei, welches im meinen Augen die Regeln für Kommunikation und die Auswirkungen auf die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen neu definiert. Siehe dazu auch einen super Post von Meister Tim O’Reilly. Auch bemerkenswert, wie Twitter in diesem Jahr laut Google Trends in Deutschland angezogen hat.

Twitter in Deutschland
Was macht Twitter so besonders?

  • Die Mitmachhürde liegt so verdammt niedrig. Wenn ein normales Blogpost nicht total irrelvant-trivial sein soll, dann sollte man sich irgendein Thema aus den Fingern saugen, sich überlegen was man in welcher Struktur sagen will und es dann auch noch halbwegs lesbar formulieren. Dieses Problem kennt Twtter nicht. Vom System her ist die Länge auf 140 Zeichen beschränkt.
  • Der Dienst ist ein Spiegel der augenblicklichen Gedanken eines Menschen und das Abbild seiner gegenwärtigen Aufmerksamkeit.
  • Twitter ist per Default ist ein Push-Kanal, den man einfach "followen" kann ohne vorher eine Kontaktanfrage zu stellen. Andereseits kann ein Nutzer seine Tweets auf "privat" stellen, um das "followen" vorher zu genehmigen.
  • Die User selbst haben durch ihr Nutzungsverhalten den Dienst reicher und anspruchsvoller gemacht. Was anfangs recht experimentell mit "Stehe gerade an der Bushaltestelle" oder "Saufe gerade Capuccino" begann, hat sich als Kanal für vielschichtige Kommunikation entwickelt.
  • Was ich mit der Vielschichtigkeit der Kommunikation meine:
    • Standard: Man twittert linear etwas in die Welt hinaus.
    • Verbreiterung: Man bezieht sich bei seinem Tweet mit der Syntax @[username] am Beginn der Nachricht auf ein anderes Mitglied. Sofern ein Dritter beide Mitglieder verfolgt, bekommt er die Nachricht auch in seine soziale Timeline.
    • Eins zu Eins: Die direkte Nachricht mit der Syntax d [username] geht nur an den einen Empfänger. Klassiker. Besonders hilfreiche Alternative aus meiner Erfahrung in den USA, wo man oft dank verschiedener Standards der Mobilfunkbetreiber nicht sicher sein kann, ob eine SMS auch ihr Ziel erreicht.
    • Retweeting: Man nimmt einen Tweet auf und "forwarded" ihn sozusagen in das eigene soziale Netzwerk, wobei man dem eigentlichen Urheber mit seinem Usernamen nennt und es den Leuten im eigenen sozialen Netzwerk leicht macht, ihn direkt zu "followen".
    • Shortlink: Dank Diensten wie Thwirl oder Tinyurl schaffen es Links, die selbst schon länger als die 140 Zeichen wären, als Verweis auch noch in den Tweet.

  • Mit Twitter verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben. Es gibt nur ein Leben. Authentizität entsteht nur, wenn man nicht krampfhaft versucht eine hohe Mauer dazwischen zu ziehen. So hab’ ich auf meinem Profil schon über die Eule auf meinem Fenster in Bangalore, die Lektüre vom Economist zu den Anschlägen in Mumbai als auch einen Hinweis auf einen Post auf diesem Blog getwittert.

Was mich abschließend an Twitter so anspricht ist das Gefühl am Leben von so vielen Menschen teilzuhaben, die mir etwas bedeuten. Auch wenn man sich längere Zeit nicht persönlich spricht, so ist man sehr viel schneller bei gemeinsamen Bezugspunkten ohne dass man erst die eingerostete Leier von "wie geht’s so" und "was hat sich bei Dir die letzte Zeit so getan" zum Warmwerden braucht.

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23. April 2008 | René Seifert

Web 2.0 Expo: Affiliates auf dem Weg zu Social Media

Mein Eindruck am zweiten Tag Web 2.0 Expo ist, dass es in diesem Jahr um Social Media geht. Wie die Wiwo neulich schrieb, handelt es sich bei Social Software um das heutige New Media. Auch beim Afflilate Marketing ist diese Botschaft angekommen und lässt die Branche neue Wege gehen. Im Gegensatz zu der sonst knallharten Performance-Messung empfehlen zahlreiche Affiliates ihre Kunden zunächst ein eigenes Standing in der Community aufzubauen. Jones Soda, eine Getränkemarke, hat sich langem einen Namen auf Twitter und Facebook gemacht. Auf Basis dieser Authentizität und Glaubwürdigkeit lassen sich immer wieder Links auf die eigene Seite oder einen zugehörigen Blog setzen, auf dem dann die übliche Affiliate-Mechanismen zur Lead-Generierung greifen. Die Affiliates sind aber auch selbst direkt bei Communities schwer unterwegs, Social Shopping wie Kaboodle sind wenig überraschend die naheliegendsten Kandidaten. Technisch erfordert diese längerfristige Strategie auch ein Umdenken: Galt das Cookie früher nur für eine Session, so kann eine Konvertierung schon mal 60 bis 90 Tage später einen entsprechenden Publisher belohnen.

Alles in allem sieht sich die Branche in den rezessionsgeplagten USA recht robust aufgestellt. Als distribuierte Vertriebsmannschaft zu geringen Fixkosten hält man sich dank der weiterhin stark leistungsorientierten Natur Anbieter und Nachfrager zusammenzubringen, für Sparmaßnahmen weiter hinten auf der Prioritätenliste.

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15. November 2007 | Andreas Goss

Facebook: Über Austauschstudenten und digitale Sammelbilder

Fremdsprachige User in einer Community

Mich hat es nun auch erwischt. Noch in Deutschland, war Facebook obwohl ich von anderen aus dem Ausland zurückkehrenden Kommilitonen gefragt wurde: „Kennst du Facebook, bist du da auch?“, ohne internationalen Freundeskreis nicht relevant. Seit August endlich selbst „Exchange Student“ in Frankreich und es wird klar, dass Facebook zunehmend Zuwachs von Usern haben wird, deren Muttersprache nicht Englisch ist und die sich zugleich noch im Studium befinden. Facebook bietet ihnen nämlich eine ideale Möglichkeit sich über verschiedene Nationalitäten hinweg auf einer Platform ausztauschen bzw. in Verbindung zu bleiben und dabei in einer Sprache zu kommunizieren die von allen Nationalitäten an einer nicht deutschsprachigen Hochschule überwiegend benutzt wird: Englisch.

Die Anzahl der deutschen Studierenden im Ausland für 2004 betrug 69.000 und steigt seit 1980 stetig. Daraus alleine resultiert sicherlich eine nennenswerte Zahl von Neuanmeldungen von deutschen Usern. Facebook wird nicht in der entsprechenden Muttersprache zum User gebracht, stattdessen finden fremdsprachige User zum Dienst und sind bereit in ihrer Nicht-Muttersprache zu kommunizieren.

Der "Ü-Ei Effekt"

Meine interessanteste Entdeckung im Facebook-Universum, sind die so genannten „Gifts“.

facebook gifts

Auf den Punkt gebracht handelt es sich um nichts weiter als „digitale Sammelbilder“, die sich die User gegenseitig oder selber innerhalb des Dienstes zusenden können und welche dann im Profil samt Widmung veröffentlicht werden. Hierfür berechnet Facebook 1 USD pro Bild. Für das Abrechnungsverfahren wird die Kreditkarte des Users benötigt.

Auf den ersten Blick mag man noch die Stirn runzeln. Beim zweiten Hinsehen wird einem aber eine kluge Idee vorgestellt, die neben dem klassischen Refinanzierungs-Instrument Werbung einen neuen Weg beschreitet. Kumuliert man alle als ausverkauft gekennzeichneten „Gifts“, ergibt sich eine Umsatz für „digitale Sammelbilder“ von: 2,5 Mio USD. Das sind wohlgemerkt nur die ausverkauften Bilder, also die „Renner der Saison“.

Facebook gibt Usern die Möglichkeit sich in einer Form gegenseitig zu beschenken, die ein hohes Maß an Wertschätzung genießt. Das erhaltene Geschenk ist dafür im Gegensatz zu den in anderen Communities verwendeten Verbal- und Grafikgoodies wirklich monetär bewertbar. Zusätzlich wird dieses digitale Gut künstlich verknappt, indem das Angebot der „Gifts“ limitiert und nur für eine bestimmte Zeit zur Verfügung gestellt wird. Zur Kaufunterstützung kann sich der User dann an Klassifizierungen wie: „Bestselling“ oder „Most rare“ orientieren. Es entsteht ein wahrer Ü-Ei Sammelcharakter. Verdammt coole Idee in einer Community Sammelbilder zu verkaufen.

Eine tolle Idee um die User an diesem Marktplatz profitieren zu lassen, wäre eine Sekundärmarkt für „Gifts“. Eine entsprechende Facebook Applikation, die einen solchen Handelsplatz kreiert würde dies ermöglichen. User könnten dann z.B. gekaufte „Gifts“ die durch die Klassifizierung „Most rare“ einen Sammelcharacter erlangt haben gewinnbringend zu einem höheren Preis weiterverkaufen. Auch einen Mengenrabatt gibt es bereits: 10 „Gifts“ credits (freie Wahl für „Gifts“) für 5 USD.

facebook buy in advance

Die „Gifts“ sind ausschließlich in USD zu erwerben. Der Kurs hierfür liegt zur Zeit bei EUR/USD = 1,46. Damit ließen sich schon für 2,74 EUR 4 „Gifts“ erstehen, auf die man dann wie an einer Börse spekulieren kann. Und weil’s so schön ist, ist der Wechselkurs als zusätzlicher Hebel nach oben wie unten auch dabei.

Andreas Goss hat in 2007 bei Holtzbrinck eLAB ein halbjähriges Praktikum absolviert und unterstützt jetzt als freier Mitarbeiter verschiedene Projekte.

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