„Es ist nicht zu glauben, wie schlau und erfinderisch die Menschen sind, um Entscheidungen aus dem Weg zu gehen“. (Sören Kierkegaard)
Die Nachwirkungen der Finanzkrise sowie der weitere strukturelle Umbruch in der Medienlandschaft werden in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Entscheidungen von Managern und Gesellschaftern abverlangen. Oft werden die Entscheidungen auf Basis von Daten und Fakten sowie offenen und versteckten Interessen getroffen. Gründer und Inhaber eines Start-Ups stehen jedoch teilweise alleine vor der großen Entscheidungsfindung: Wie geht es weiter?
Überwindung der Verlustangst: Dan Ariely ist Verhaltensökonom am Massachusetts Institute of Technology. Auf Basis seiner wissenschaftlichen Arbeit kommt er zu der Aussage: „Unsere Abneigung gegen einen Verlust ist ein starkes Gefühl und führt dazu, dass wir falsche Entscheidungen treffen.“ Aus diesem Grunde neigen Manager dazu, sich so viele Optionen wir möglich offenzuhalten. Die Aufmerksamkeit und Prüfung von Möglichkeiten richtet sich auf Vermeidung von Verlust durch eine Entscheidung. Sie richtet sich hingegen nicht auf das, was für das Unternehmens- oder Lebensziel zukünftig wichtig ist.
Fokussierung auf Zukunft: Wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellt, dann halten viele trotzdem an ihr fest, denn zu viel an Geld und Ressourcen sind bereits in diesen Weg geflossen. Die berühmten „sunk costs“, die man nicht wahrhaben will bzw. rechtfertigen muss. Hier gilt es sich ehrlich zusagen: Das Geld ist weg! Entscheidungen betreffen immer die Zukunft und nicht die Vergangenheit. Es gibt viele „Zauberformeln“ für eine zukunftsorientierte Entscheidungsfindung. Gerade aktuell ist das 10-10-10-Modell von Suzy Welch. Es lautet verkürzt: Welche Auswirkung hat die Entscheidung in 10 Minuten, in 10 Monaten und in 10 Jahren?
Berücksichtigung der Intuition: Je komplexer eine Entscheidungsfindung ist, umso mehr wird empfohlen, der unbewussten Informationsverarbeitung zu vertrauen. Viele wissenschaftlichen Bücher und populäre Ratgeber beschäftigen sich mit der Rolle der Intuition bzw. des Bauchgefühls beim Entscheidungsprozess. Wichtig ist: Unser gefühlsmäßige und unbewusste Gedächtnis von gemachten Erfahrungen spielt eine Rolle und sollte neben dem Verstand berücksichtigt werden. Es gibt genug Beispiel von Unternehmern, die „den richtigen Riecher haben“, und sich gegenüber rein rational geführten Management-Organisationen erfolgreich behaupten.
Mythos der „richtigen“ Entscheidung: Wenn Google morgen mit einem Schlag seinen Algorithmus ändert, dann werden so einige SEO-fokussierte Start-Ups vor der Frage stehen: Was nun? Im Nachhinein könnte sich die Entscheidung, am Tropf von Google zu hängen, als falsch herausstellen. Im hier und jetzt ist die Entscheidung hingegen „richtig“. Das bedeutet, dass jede Entscheidung das Risiko beinhaltet, sich als „falsch“ herauszustellen. Hilfreich für so ein Szenario ist Frage: „Was wäre, wenn sich meine Entscheidung in der Zukunft als falsch herausstellt?“ – Gerade wer eine soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern trägt, sollte sich seinen unternehmerischen Plan B genau überlegen.
Kunst der Geduld: Gerade das digitale Geschäft lebt von Geschwindigkeit. Zugleich gilt für unternehmerische Entscheidungen eine analoge Weisheit: „Alles hat seine Zeit.“ Die Gefahren bei schnellen Entscheidungen sind:
Nur der Verstand wurde angehört. Emotionen und Intuition haben keine Chance. Das kann gut gehen. Wenn es schief geht, dann ist es für viele belastend, gegen die eigene innere Stimme gehandelt zu haben.
Es wird aus Gewohnheit und Routine entscheiden. Was einmal gut war muss doch auch ein zweites Mal gut sein – kann sein, muss aber nicht!
Das bestehende Korsett an Regeln und Normen verhindert den Blick über den Tellerrand. Die Frage: „Was, wenn ich es einmal anders machen würde?“ stellt sich nicht. Mögliche Innovationen sind somit nicht in Sicht.
Last but not least möchte ich noch auf ein interessantes Interview mit Elke Weber vom Zentrum für Entscheidungswissenschaften am New Yorker Columbia University
hinweisen (gleiche Heftausgabe). Sie geht hier am Beispiel der Finanzkrise der Frage nach, warum Manager in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sich oft falsch entscheiden. Eine Antwort von ihr: „Das Kurzzeitgedächtnis ist viel zu stark beteiligt, das Langzeitgedächtnis viel zu wenig.“ D.h. in ungewissen Situationen entscheiden wir gerne auf Basis von Erfahrungen, die erst vor Kurzem gemacht wurden. Wie viel vom Platzen der ersten New Economy-Blase ist noch in unserem Gedächtnis?
So, mich hat’s auch erwischt. Und ich war immer das größte Lästermaul, was die debilen Feeds bei Facebook angeht à la “XYZ just dug up some delicious truffles with the help of their pig in FarmVille” verbunden mit meine Reaktion “ich nie”. Nun ja, “sag niemals nie”, lautet einmal mehr das Gebot der Stunde. Wie ein Strudel, dem man sich nicht entziehen kann, fixt das Spiel einen an und lässt auch so schnell nicht mehr los. In Zahlen: Farmville ist mit 70 Mio. aktiven Spielern die mit Abstand erfolgreichste Facebook-App, doppelt so viele Installationen wie die Nummer 2 (“Causes”) und vermutlich sogar Twitter zahlenmäßig überlegen. Bei 350 Mio. Facebook-Mitgliedern ist das also jeder Fünfte ein Bauer.
Hinter dem Spiel steht die Firma Zynga aus San Francisco, die in 4 Runden US-$ 54 Mio. an Finanzierung eingesammelt hat, um damit eine Reihe von browserbasierten Social Games zu entwickeln. Der Clou: Anstatt sich dem Problem auszusetzen, mit viel Marketing-Aufwand Kunden zu gewinnen, propfen sich Zyngas Spiele voll und ganz auf bestehende Social Networks wie MySpace oder eben Facebook auf. Eine ganze Reihe von Social Games wie Mafia Wars, FishVille sind dabei schon entstanden, das mit Abstand erfolgreichste Flaggschiff heißt FarmVille.
Ich kann nur jedem aus der Online-Branche empfehlen sich aus rein professionellen Gründen mal in den Strudel reinziehen zu lassen, weil was die Macher von FarmVille in der Spielemechanik an Tricks aus dem Hut zaubern, nötigt einem unbedingten Respekt ab:
Die Einstiegshürde ist ein Klick, um die App auf Facebook bei sich zuzulassen, dann ist man dabei, steht auf einem Acker mit 6 Parzellen, dessen Gemüse darauf wartet abgeerntet zu werden. Mit den Einnahmen pflügt man das Feld frisch um und sät neu an. Erstes Erfolgserlebnis.
Das Prinzip ist super-einfach und erschließt sich auf Anhieb: Säen, warten, ernten. Kapital akkumulieren, wachsen und wieder säen. Finde das Ding aus pädagogischen Gründen übrigens auch für Kinder durchaus geeignet, um ihnen ein paar Grundlagen des Wirtschaftens spielerisch zu vermitteln.
Weil man seine Ernte nicht vergammeln lassen will, kommt man halt doch immer wieder zurück. Wenn man irgendwann auch Tiere auf seiner Farm stehen hat, dann wollen auch die Kühe gemolken werden. Stichwort: Wiederkehrrate.
Damit man mit zunehmender Spielaktivität den linearen Effekt “mehr vom Gleichen” vermeidet, arbeitet man sich in mehreren Stufen nach oben, was einem Saatgut für neues Gemüse oder die Möglichkeit zum zusätzlichen Landerwerb eröffnet. Zwischendrin gibt’s auch positive Überraschungen, wie irgenwelche Auszeichnungen oder sponate Goldnuggets, die einem als kleine Belohnungen das Leben versüßen.
Man spielt FarmVille nicht kompetitiv gegen andere, sondern geradezu mit anderen. Erst in diesem sozialen Kontext macht das Spiel richtig Spaß, wenn man sich mit Gratis-Geschenken beschert oder sich gegenseitig den Acker düngt, wovon man selbst sowie der “Nachbar” im Spielverlauf profitiert. Irgendwie hat das Spiel auch was von sozialer Gleichheit: So düngt mir der CEO der indischen Niederlassung eines großen deutschen Automobilkonzerns regelmäßig den Acker und ist ansonsten auch ganz vorne dabei, täglich sein Feld in Schuss zu halten :-)
Dieser Effekt in Kombination mit zahlreichen Anlässe seine kleinen Errungenschaften und Hilferufe in die Community zu verbreiten, machen FarmVille in der Ausbreitung viraler als die Schweinegrippe. Kundengewinnungskosten für das Unternehmen quasi Null.
Geld verdient Zynga auf ganz räudig geschickte Art und Weise: Man kann das Spiel ewig und auf alle Zeiten umsonst spielen. Allerdings haben die Spielentwickler äußerst geschickt an verschiedenen Stellen kleine, unaufdringliche Schmerzpunkte eingebaut, zum Beispiel: Wird der Acker mal groß, dann ist es mühsam das Feld mit der Hand zu bestellen. Mit den akkumulierten Münzen aus dem Erntezyklus kann man sich zwar einen Traktor kaufen, aber um auf Dauer dessen Sprit zu bezahlen, bedarf es der äußerst knappen Parallelwährung “FV-Dollars”. Diese kann man ganz einfach unter Einsatz der Kreditkarte mit echtem Geld aufladen.
Ich geb’s zu: Ich hab’ meine Kreditkarte auch schon zwei mal mit insgesamt 26 “echten” Dollar gebügelt, um da schneller voran zu kommen. Hey, aber wenn man zu zweit für einen 90-Minuten Film ins Kino geht, hat man den Betrag auch schnell für mehr oder minder planloses Entertainment durchgebrannt. Virtuelle Güter, wir kommen!
Wie es im richtigen Leben so spielt, wachsen die Bedürfnisse nach Erfüllung der Subsistenzsicherung auf der Maslow’schen Bedürfnispyramide mehr und mehr in Richtung künstlerischer Selbstverwirklichung. Heißt bei FarmVille: Ist man nach der ersten Kapitalaufhäufung finanziell aus dem Gröbsten raus, dann kann man sich seine Farm mit Häusen, Schuppen, Bäumen, Schubkarren, Windmühlen und jetzt zur Weihnachtszeit mit saisonalem Firlefanz wie Schneekugeln ganz persönlich einrichten. Auch da gibt es einige Artikel, die man nur gegen die begehrten “FV-Dollar” nach dem Umtausch richtiger Kohle kaufen kann.
Wenn ich mir die Farmen meiner “Nachbarn” (=Freunde), die ich besser kenne, näher anschaue, dann ist die Gestaltung ein nahezu perfekter Spiegel ihres Charakters. In einer kurzen Selbsteinschätzung zu mir und einem Screenshot meiner Farm oben: Sehr effizient, minimalistisch organisiert, auf Skalierung ausgerichtet. Ansonsten ein ästhetisch-gestalterischer Totalaufall.
Kuckt man sich hingegen diese Farm von meiner Nachbarin Philippa (“Mutti”) an, die das Verbrechen begangen hat, mich viral mit FarmVille zu infizieren, dann sieht man spielerische Kreativität, wo liebevolle Hege und Pflege von Flora und Fauna ein individuelles kleines landwirtschaftliches Paradies erschaffen haben.
Ja schee, gell. Wenn “Mutti” nicht die Gattin von einem meiner besten Kumpels wäre, dann wäre sie für mich im Rahmen von “Bauer sucht Frau” die ideale komplementäre Ergänzung … :-)
Eine der Fragen, die sich intuitiv am wenigsten erschließen: Warum muss ein Unternehmen dauernd wachsen? Man könnte ja auch so argumentieren: Passt doch, macht doch Gewinn. Heißt die Mitarbeiter können bezahlt werden und das Kapital wird auch verzinst. Aber so tickt das Leben nicht. Warum?
Zum einen bedeutet Stillstand Zurückfallen, weil sich die Wettbewerber auf einem Markt im Gegensatz zu gescheiterten Planwirtschaften nicht alle so lethargisch verhalten, sondern immer einen Anreiz haben werden, durch Innovation besser zu werden, dadurch ihren Marktanteil zu erhöhen und mithin zu wachsen. Dieses Wachstum geht dann eben freilich zu Lasten von all jenen, die gemütlich die Hände in den Schoß gelegt haben. Diese Art von “kreativer Zerstörung”, um den alten Schumpeter mal wieder zu bemühen, ist die Triebfeder schlechhtin für unsere von Wettbewerb geprägte Marktwirtschaft. Bedeutet auch, dass sich jedes Unternehmen auf Teufel komm raus um Wachstum bemühen muss. Ausweiten von Marktanteilen im Kerngeschäft, Innovation in neue Produkte für organische Wachstum sowie Unternehmens-Zukäufe bilden dazu das gängige Instrumentarium.
Dass das so bleibt, stellen gerade bei börsennotierten Firmen die Aktionäre sicher, die befeuert von Analysten-Erkenntisse jedem Vorstand die gelbe Karte zeigen, wenn das Wachstum nicht dem entspricht, was man vermeint in dem augenblicklichen Marktgefüge erreichen zu können. (Dass in diesem System nicht alles Gold ist was glänzt, haben wir in den letzten 18 Monate globaler Krise hinlänglich erleben dürfen. Aber darum soll es heute nicht gehen :-)
Eine ganz spannende Perspektive zum Thema bietet dieses viereinhalb minütige Video von McKinsey, welches das Thema Wachstum aus der CEO-Perspektive von einem Großunternehmen zu beleuchten. Die Quintessenz: Dank besserer Analytics-Tools kann man die Quellen des Wachstums genauer ausleuchten, um es mit entsprechenden Investitionen bzw. Ressourcen-Reallokationen zu realisieren. Das Wachstum steht somit weiterhin ganz oben auf der Liste der CEO-Prioritäten, sei es in im Controlling, der Planung oder Mitarbeitergesprächen.
Nach 3 Tagen TED India fühlt man sich in Punkto Inspiration als hätte man von einem Feuerwehrhydranten gesoffen. Ein voll gepacktes Programm im Format der bekannten 18-minütigen TED Talks gepaart mit der Zufälligkeit zahlloser Gespräche mit schlauen Teilnehmern hinterlassen für den eigenen Horizont tiefe Spuren. Alleine schon der Ort der Veranstaltung, der hypermoderne Infosys Campus von Mysore, ist zwar sicherlich der “unindischste” Flecken Land in ganz Indien, beschert einem gleichzeitig das Gefühl einer Reise auf einen anderen Planeten. Die Architektur bringt eine kuriose Mischung mit sich, bei der man nicht so recht weiß, ob man gerade im Vatikan oder im Epcot Centre von Disney World steht.
In eben dieser Kugel befindet sich das große Auditorium des Campus, in dem die Redner einer nach dem anderen fantastische Auftritte hingelegt haben. Etwas mehr von C.K. Prahalad, der als “Management-Lehrer” und Autor zahlreicher Bücher zwischenzeitlich zu Weltruhm gelangt ist.
Ansonsten Professor an der Universität von Michigan, sprach er über die Tücken des Erfolgs für jedes Unternehmen. Zitat:
Success has its own learning disabilities.
Soll konkret heißen, dass jene Rezepte die einen bis zum hiesigen Erfolg geführt haben, nicht notwendigerweise die gleichen sind, um einen zum zukünftigen Erfolg zu führen. Mit den bankrotten Giganten von General Motors und Lehman Brothers hat man gleich zwei Anschauungsstücke aus der jüngsten Vergangenheit.
Das Problem: Das was einen bisher erfolgreich gemacht hat, bringt bei der Strategie, Organisation und den Prozessen ein sich selbst verstärkendes Momentum mit sich. Das ist zwar bis zu einem Grad richtig um Systeme zu stabilisieren und das Business zu skalieren, steht aber oft einer womöglich seltsam anmutenden Notwendigkeit entgegen: Dem Vergessen.
Oder um Prahalad abermals zu zitieren:
The forgetting curve is flat in most organizations. Deeply embedded assumptions (the dominant logic) is a critical impediment.
In der konkreten Ausprägung wirkt sich das dann so aus:
beziehungsweise im Spannungsfeld zwischen einer Gefangenschaft in der Vergangenheit und dem Unvermögen die Zukunft zu gestalten so:
Nachdem man nun die Diagnose gestellt hat, wie sieht nun die Therapie für den maladen Unternehmensleib aus? Hilfe kommt, gar nicht so erstaunlich, aus “unserer Ecke”, dem was wir in den letzten paar Jahren mit den Begriffen von Web 2.0 oder auch Enterprise 2.0 (siehe hier auf unserem Blog) vor Augen geführt bekommen bzw. selbst mitgeformt haben. Im besonderen die Eigenschaft, dass einem die Struktur und Infrastruktur des Internet die Tools an die Hand gibt, bestehende Organisations- und Machtgefüge einzureißen.
Wenn nun alle miteinander verbunden sind und gleichzeitig Zugang zu kritischen Analyseinformationen haben, dann entfleucht man dem klassischen Orga-Silo und schafft die Grundlage für einen umfassenden Dialog. Konkret rät Prahalad zu diesen 6 Punkten:
Elimieren oder zumindest Verminderung von Informationsasymmetrien durch Ränge, Geografien und Einkommensgruppen hindurch.
Zugang zu Analysetools mit denen man aus Information kritische Erkenntnis erzeugt.
Zugang zu dieser Information und Analysetools muss einfach und kostengünstig sein.
Die Grenzen der Organisation werden ähnlich wie bei der Körperzelle “semi-permeabel”. Auch wenn man glaubt, dass man sich auf Interna wie die Glucke aufs Nest setzen muss, so kann das umgekehrt dazu führen, dass man wesentliche externe Impulse dadurch aussperrt.
Fokus auf Dialog durch mehrere Unternehmensebenen hindurch.
Fokus auf Wissensaufbau, im besonderen durch zusammen hängende Threads.
Heruntergebrochen kommt dabei die Demokratisierung des Lernens heraus:
Wichtig zu betonen war Prahalad die Notwendigkeit zu lernen wie man lernt. Das Lernen habe nur dann einen Sinn, wenn es im ersten Schritt einen Perspektivenwechsel entsteht, aus dem im folgenden Schritt eine erkennbare Änderung im Verhalten resultiert.
Wir sind einen weiten Weg gegangen in den – sagen wir – letzten 10 Jahren kommerzielles Internet. Aus ein paar bunten Online-Broschüren von allerlei Firmen haben wir eine E-Commerce Revolution erlebt, die Giganten wie Amazon oder eBay hervorgebracht hat. Isolierte Homepages von Privatpersonen haben sich vernetzt, das Phänomen „Blogging“ ist dabei hervor gegangen und trägt seinen Teil dazu bei, dem klassischen Journalismus das Wasser abzugraben. Eine Umdrehung auf dem Innovationsrad später kamen „Social Networks“ wie XING oder Facebook des Weges. Mit Twitter wiederum können wir unsere Freunde in maximal 140 Zeichen an für uns wichtigen Augenblicken teilhaben lassen.
So weit so gut, der Versuch einer Rückschau in einem Absatz. Wenn wir uns versuchen von der Hektik der täglichen „Announcements“ etwas zu lösen, wo Facebook die Welt in zwei Lager spaltet, ob der neue Newsfeed eine gute Idee gewesen ist oder den Untergang des Abendlandes bedeutet. Wenn wir versuchen in etwas größeren Linien nach vorne zu schauen, was die Zukunft der Internet bringen wird, dann können wir zu einer gedanklichen Reise ins Jahr 2014 antreten und mit dem Selbstbewusstsein von Zeitzeugen über das Geschehene der letzten 5 Jahre erzählen.
Bei der Gestaltung der Online-Zukunft kommt man zumindest in der kurzen Frist einmal mehr nicht an Google vorbei. Eric Schmidt hat sich dieser Tage auf einer Konferenz in Orlando über seine Sicht der nächsten 5 Jahre ausgelassen. Die Qualität solcher Prognosen durch den Google-Chef ist nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zum Metereologen, dessen Prognose dem Wetter im Hinblick auf Regen oder Sonnenschein total egal ist, haben entsprechende vorausschauende Aussagen wenigstens teilweise den Charakter einer „Self Fulfilling Prophecy“. Zum einen weil Google mit entsprechenden Produkten selbst diese Zukunft gestalten wird und zum anderen weil der „Eco-System“ wie zum Beispiel Publisher ihre eigene unternehmerische Aktivität darauf ausrichten werden.
Was hat Eric Schmidt nun für die kommenden 5 Jahre im Visier:
Auch wenn heute noch englischsprachige Inhalte das Web dominieren, so soll sich dies in 5 Jahren zu Gunsten von Chinesisch drehen.
Das Web von Applikationen: Dafür scheinen die Teenager von heute schon das beste „Anschauungsobjekt“ zu sein, wie man nahtlos von App zu App hüpft.
Was unsere Hardware angeht, so wird sie im Rahmen von „Moore’s Law“ immer leistungsfähiger, genau gesagt, verdoppelt sie sich alle zwei Jahre. In fünf Jahren sind unsere Rechner zehn mal so schnell wie heute.
Gleichzeitig hält die Zunahme von breitbandiger Übertragung an, so dass man sich keine Gedanken mehr machen muss, ob man gerade „statische“ HTML-Seiten „ansurft“ (der Begriff klingt heute schon museal), Musik herunterlädt oder sich Bewegtbild in bester Qualität streamen lässt. Schmidt erwähnt auch, dass YouTube wohl anfängt nennenswerte Umsätze einzufahren, insbesondere da sich Inhalte mehr und mehr in Richtung Bewegtbild verlagern.
Das Web in Echtzeit ist ein erkennbarer Makrotrend, gleichzeitig für Google eine der größten Herausforderungen wie man diese Information erfasst (das kriegt man wohl schon passabel hin) und im nächsten Schritt bei den Suchtreffern sinnvoll unter den „anderen Ergebnissen“ unterbringt. Erschwerend kommt hinzu, dass das „Real Time Web“ eine soziale Dimension hat, mit der sich die Suchergebnisse für jeden unterscheiden.
Eine konkrete Ankündigung war Schmidt dann doch noch zu entlocken: Google will in im nächsten Jahr ein eigenes Netbook mit dem Google OS (Operating System) und HTML 5 herausbringen, welches lokales Caching im Offline-Betrieb zulässt.
Auch wenn Mobile in dieser Aufzählung nicht explizite genannt war, dann versäumt es der Google CEO sonst bei keiner Gelegenheit, auf dessen strategische Bedeutung für sein Unternehmen und das ganze Internet hinzuweisen. Ein paar Überlegungen über die Zukunft von Mobile auch hier kürzlich auf unserem kleinen eLAB-Blog.
Kein Zweifel: Das Internet in 5 Jahren wird abermals ein völlig anderes sein als wir es heute kennen.
Dieser Tage stolperte ich über diesen hervorragenden Denkanstoß aus dem McKinsey Quarterly “What will shape the wireless Internet?” (Gratis-Registrierung erforderlich) In der Tat die richtige Frage zum richtigen Moment. Vor nicht allzulanger Zeit im Jahr 2000 mit den UMTS-Versteigerungen und noch mehrfach zwischendrin kam man sich ja vor wie auf der Besuchertribüne von Cape Caneveral. Der Countdown läuft mit noch 30 Sekunden, 29, 28 … und wird dann wieder einmal abgebrochen. Die gefühlte Zuversicht “Jetzt muss es doch bald losgehen” zieht sich schon fast ein Jahrzehnt. Aber jetzt wirklich, die Zeichen mehren sich, jetzt geht’s los, jetzt geht’s los! :-)
Der Artikel wirft die relevanten Aspekte nacheinander auf:
Wird mobiles Internet der Ersatz fürs Kabel? Im Augenblick nutzen 90 % der mobilen User weniger als 2 GB pro Monat. Damit kommen die meisten per Kabel nicht wirklich weit. Daher ist diese Transformation bezogen aufs Datenvolumen noch Kaffeesatzleserei.
Kommt das mobile Internet von der Leistung an das fest Verkabelte heran? Im Augenblick noch nicht, wenn man sich so die mobilen 2 MBit/s im optimistischen Fall anschaut. Witzigerweise merken die Telcos, dass der Traffic aber so stark steigt, dass das nächste technische Upgrade für mehr Bandbreite bald angezeigt scheint.
Wo gehen die Nutzer für den besten Content und besten Applikationen hin? Darüber könnte man alleine schon ein paar Doktorarbeiten schreiben. Auf jeden Fall gehen sie nicht in den mobilen “Walled Garden”, den sich die Telcos seinerzeit bunt ausgemalt haben, der aber menschenleer geblieben ist. Obwohl das iPhone eines der lästigsten Probleme der mobilen Nutzung, nämlich sich Webseiten anzeigen zu lassen, halbwegs brauchbar gelöst hat, heben mobile Apps ab wie eine Rakete. Aber das Rennen ist mit den Aktivitäten von Nokia, Google und Microsoft noch alles andere als entschieden.
Über welche mobile Internet sprechen wir eigentlich? Gute Frage, so selbstverständlich wie “das von den Mobilfunkbetreibern” lautet die Antwort nicht. WiFi bekommt gerade durch das iPhone, aber auch andere Smartphones, erheblichen und unerwarteten Aufwind, wie Om Malik treffend beobachtet.
Wie sieht das Geschäftsmodell aus? In Sachen Zugang gibt es die klassischen Formen, auch in gemischter Ausprägung, Flat-Fee bzw. Datenvolumen. Das Modell “Flat” hängt wie auch im Kabelnetz immer bei den Extrem-Saugern durch, die weit überdurchschnittlich die Netze verstopfen, aber deswegen auch nicht mehr zahlen. Umgekehrt ist “Flat” ein prima Verkaufsargument, weil man ohne geistige Blockade mobil ins Internet geht. Datenvolumen kann auch richtig teuer werden, wie ich neulich in China durch selbst verschuldetes zügelloses Datensurfen zum Auslandstarif feststellen durfte. Paid Content ist der ewig tote Leichnam im Kabelnetz, scheint aber bei Applikationen für z.B. das iPhone eine gewisse Wiederauferstehung zu erleben. Medienzar Rupert Murdoch hat beispielsweise angekündigt, mobilen Zugang fürs iPhone und den Blackberry beim Wall Street Journal kostenpflichtig zu machen. Die Mischung aus Gratis-Apps und solchen zur Bezahlung ergibt ein neues Geschäft wo sich inzwischen auch schon sehr viele Developer tummeln.
Ein paar Fragen, mit denen man gerade mal an der Oberfläche kratzt. Freue mich über jeden gedanklichen Impuls.
Der aktuelle Anlass von zwei Firmengründungen gab einen guten Anstoß, sich mal wieder grundlegende Gedanken zur Organisation eines virtuellen Unternehmens zu machen. Damit meine ich eine Organisation, die nicht “herkömmlich” morgens in ein Firmentor reingeht, die gesamte Infrastruktur proprietär vorfindet, und abend wieder geht. Vielmehr ein verteiltes Team, welches an verschiedenen Orten zeitlich meist unabhängig voneinander ein Unternehmen aufbaut, aber über die nötige Infrastruktur miteinander verbunden ist.
ANFORDERUNGEN
Für so eine Start-Up Umgebung kommt irgendwann zusammen:
Die Tools müssen sinnvoll, nützlich und einfach sein. Es gibt nicht schlimmeres als wenn man anfängt banale Prozesse zwanghaft auf ein Tool abzubilden, was jeder irgendwann genervt links liegen lässt.
Die Daten sollen sicher vor Verlust and Angriffen sein.
Kollaborativ: Jeder soll darauf zugreifen, mitarbeiten und im Idealfall nach seiner Perspektive/Aufgaben filtern könnne.
Im Start-Up Umfeld sind alle gleich berechtigt, es bedarf also keiner ausgefeilten Zugriffs- und Bearbeitungsrechte.
Wie das digitale Leben so spielt, werden für alles am Ende Nullen und Einsen herumgeschoben, in Punkto vorgelagerter Tools, ihrer Ansätze bzw. Strukturierungsgrade ergeben sich für den Anfang meiner Erfahrung nach diese drei Themenfelder:
Zugriff auf gemeinsame Dateien
Kollektiver Workspace für Entwicklung von Ideen, Konzepten, Agendas etc.
Überblick über Projekt-Management
DATEIEN
Eine der besten Entdeckungen dazu:Dropbox, ein System welches ich ohne Übertreibung als “genial” bezeichnen würde.
Man installiert sich einen unaufälligen Client auf dem Rechner und legt ansonsten ganz normal ein hierarchisches Dateiverzeichnis bei sich lokal an, schiebt Dateien rein, so wie man das eben kennt. Dropbox sychronisiert die Daten im Hintergrund mit einem Server. Schließlich kann man bestimmte Verzeichnisse (oder auch die ganze Wurzel) mit anderen Teammitgliedern teilen. Wenn diese auch Dropbox installiert haben, replizieren sich die Daten auf deren lokale Platte. Alle haben Zugriff auf die gleichen Daten, Änderungen werden sofort bei allen nachvollzogen, Versionskontrollen haben das Problem von paralleler Bearbeitung hinreichend gut im Griff, das Backup ist per Konzept auch integriert. Das Schöne: Bis 2 GB Daten total umsonst. Volle Empfehlung von meiner Seite.
WORKSPACE
Als kollektives Tool hat sich nach wie vor das gute alte Socialtext als Wiki bewährt. Wieso, weshalb? Wie ein tattriger, eitler Professor kann ich dazu auf meine alten “Veröffentlichungen” verweisen ;-), siehe dazu mein Blog-Post “Fallstudie: Enterprise 2.0 bei helpster” von vor zwei Jahren.
PROJEKTMANAGEMENT
Oh je. Was hab ich mir da den Wolf gesucht, Tools ausprobiert und rausgekommen ist, …, dazu gleich. Danke übrigens für die vielen Empfehlungen, die ich nach meiner Bitte um Hilfe über Twitter und Facebook bekommen habe.
Die Anforderung war eigentlich ganz einfach: Ein Tool welches einem mit strukturierten Daten folgendes ermöglichen soll:
Definition von Tasks, deren Deadline, Verantwortlichkeit und Priorität (1-3 langt)
Anlegen von Überthemen oder wenn man so will Unterprojekten wie “SEO”, “Finanzen”, “Admin” etc.
Überblick für alle auf den Stand der Dinge
Idealerweise filtern nach Personen, um daraus für jeden die individuellen To-Dos zu extrahieren
Früher hab ich viel mit MS Project gearbeitet, ohne freilich im Gantt-Diagramm jede Abhängigkeit im Detail mit Ressourcen und Kosten zu kombinieren. Das Tool jetzt sollte Web-basiert sein und gerne auch eine Nummer “leichter”. Daher hab ich den Gantter schnell verworfen.
Weiterhin hab ich unter anderem phpCollab und Pivotal Tracker inspiziert, können sicher beide was, aber zu fett für unsere bescheidenen Ansprüche, eher für die mächtigen Bedüfnisse bei Software-Entwicklung ausgerichtet. 5pmweb fand ich “seltsam”, zu überladen, konnte nix damit anfangen, Liquid Planner könnte was gewesen sein, war aber mit US-$35 pro Monat irgendwie überzogen.
In einem Fall haben wir uns dann mit Actionmethod eingelassen. Man muss den Machern lassen, dass sie sich klug mit dem Thema Projekt und Aufgaben auseinander gesetzt haben und etwas heraus gekommen ist, was leicht zu bedienen ist.
Leider hat das Ding keine gemeinsame Übersicht für alle, so dass wir das Tool für unsere Zwecke so deformiert haben: Jeder loggt sich nicht mit seinem eigenem Namen, sondern mit einem zentralen “Company-Master” ein. Verantwortlichkeiten haben wir über die Farben der so genannten Action-Steps gelöst. Ich bin nicht sicher, ob das Tool bei uns noch lange am Leben bleibt …
Noch ein Wort zum meist empfohlenen, hoch gelobten, Preis gekrönten Basecamp: Bin nicht warm geworden damit, zu wenig fokussiert, zu kompliziert, wusste nichts damit anzufangen. Irgendwie hat sich mir der Grundnutzen nach intensivem Ausprobieren für den genannten Zweck nicht erschlossen.
Und was kam am Ende wirklich heraus, mit dem man bestens Arbeiten kann? Der Klassiker, ein selbst gebautes einfach Excel-Blatt mit diesem einfachen Zuschnitt.
Touché und a Ruh’ is’ :-) Liegt in der Dropbox in einem Ordner “Projekt”, wird einmal die Woche aktualisiert und reicht für diese Phase völlig aus. So viel zur Suche nach dem perfekten Projektmanagement-Tool im großen weiten World Wide Web …
ABSCHLIESSENDER EINDRUCK
Viele Tools versuchen, die eierlegende Wollmilchsau zu sein. Mein Anspruch bestand nie darin, das eine Schweizer Messer für alle Anforderungen zu finden, sondern verschiedene einfache “Spezialisten”, die emergent durch lebhaftes Verlinken zu einer unternehmerischen Wissens- und Organisationsplattform zusammen wachsen. Mit diesen drei genannten Tools im Verbund mit der alten Hippe E-Mail und Skype für Voice ist der Grundstein für die ersten Monate in jedem Fall gelegt.
Letzte Woche Search Engine Strategie (SES) in San Jose, wohl zum letzten mal, bevor das Flaggschiff der Konferenzreihe nächstes Jahr in das prestigeträchtigere Moscone Centre West wechselt. Für mich war’s das erste mal auf dem Event und hat voll den Erwartungen für eine konkrete, sehr Hand-On-getriebenen Wissensvermittlung entsprochen.
Deutscher Stammtisch
Der deutsche Stammtisch insbesondere aus dem eLAB bzw. Holtzbrinck-Umfeld durfte freilich nicht fehlen: Horst Joepen, Markus Tober und Jens Brechmann von Searchmetrics, Thomas Bindl von Refined Labs (sprach auch auf zwei Panels) und Andi Schwabe von The-Performance-Network. Die, die schon ein paar mal dabei gewesen waren meinten, dass es dieses Jahr deutlich leerer gewesen und der legendäre “Google Dance” im Googleplex krisenbedingt gestrichen worden sei.
Radiointerview
Nun aber zu den Inhalten. ARD-Journalist Marcus Schuler hat auf seinem Blog ein 8-Minuten Audio-Interview mit mir über die Schwerpunkte der Konferenz geführt. Darin erwähne ich auch die Tatsache, dass die Branche in der Allianz von Yahoo und Microsoft ein kleines Gegengewicht zur Google’schen Allmacht aufkommen sieht, siehe dazu auch diesen Artikel in der New York Times. Eine Keynote von Charlene Li war recht erhellend, wie man in Zukunft klassische Suche durch den Filter des eigenen sozialen Netzwerks jagt, um damit eine höhere Relevanz zu erzielen. Hier die Slides zum Durchklicken:
CPC to CPA: Wo Google hinwill
Auf einer amderem Keynote stellte AdWords-Director Nicholas Fox künftige Perspektiven vor, in der z.B. ein Klempter in San Francisco irgendwann nicht mehr selbst sein AdWords-Account mit Keywords füttern muss, sondern einfach zum Ausdruck bringt, welche Tätigkeiten er so ausführt, welchen Radius um die Stadt herum er gedenkt abzudecken und den Rest erledigt das System von alleine. Also letztlich das, wozu man heute noch eine SEM-Agentur beauftragt.
Auch sprach Fox davon, dass man versucht das Modell von CPC (=Cost per Click) in Richtung von CPA (=Cost per Acquisition) zu transformieren. Hat den Vorteil, dass man in einem skalierbaren Geschäft nicht mehr das Conversion-Risiko nach dem Klick tragen muss, sondern solange gerne zusätzliche Orders einfahren lässt so lange der CPA noch positiven Deckungsbeitrag abwirft.
Der letzte Klick gewinnt – noch
Viel diskutiert wurde außerdem über den Fluch von Performance Marketing, und der geht so: Früher gab’s bei klassischer Werbung den geflügelten Spruch “Die Hälfte von meinem Werbebudget ist rausgeschmissenes Geld – ich weiß nur nicht welche”. In Zeiten von Performance Marketing heißt es: “Jetzt weiß ich, welche Hälfte was bringt, nur keiner würdigt den Beitrag der anderen.” Im Augenblick kriegt der letzte Klick die ganze Ehre und alles was keinen Klick einbringt wird radikal wegoptimiert, allerdings mit dem Ergebnis dass dabei die die Gesamtzahl der Klicks und vor allem Transaktionen zurück geht.
Ein bezahlter Klick auf das Keyword der Brand mag zwar nicht unmittelbar eine Transaktion ausgelöst haben, war aber wichtig um ein Informationsbedürfnis des Kunden zu befriedigen. Gerade bei längeren Verkaufszyklen kommt es vor, dass der Kunde erst beim zweiten oder dritten Klick die eigentliche Transaktion tätigt. Bedeutet aber nicht, dass deswegen die Klicks vorher ohne Wert gewesen sind. Das Phänomen wird in Branchenkreisen allgemein mit “Attribution-Problem” beschrieben und man versucht mit Cookie-basierten Systemen den ganzen Werdegang besser nachzuvollziehen und vorherigen Klicks ihren fairen Anteil am Zustandekommen eines Transaktion zuzuschreiben.
Zahlengetriebene Unternehmenskultur
Last, but not least fand ich ein Panel sehr aufschlussreich, in dem es darum ging, wie man Organisationen eine verstärkt datengetriebene Denke einhaucht. Ein Panel-Teilnehmer brachte es sehr gut auf den Punkt: “Wir brauchen weniger Meinungen und mehr Hypothesen.” Ersteres ist meist politisch gefärbtes Bla, zweiteres eine Behauptung, die man einem messbaren Experiment untezieht. Darin bestätigt oder widerlegt sich die Behauptung und man ist ein schönes Stück schlauer.
Ansonsten fand ich dieses Slide noch recht aufschlussreich:
Alles in allem eine gute Konferenz, wenn man wirklich bis zu den Ellenbogen im Thema steckt oder beabsichtigt dort hinzukommen. Wer nicht so weit reisen mag: Die SES findet Ende November auch in Berlin statt.
Tag 2 auf der SES in San Jose, und der Tag started mit einer coolen Session “How to ignite your viral Campaign”. Am Anfang jeder viralen Kampagne sollte so etwas wie ein Ziel stehen gegen das man das tatsächliche Ergebnis vermisst, dann ist in der Umsetzung wie immer der Content King. Dazu haben sich nach wie vor am besten bewährt: Humor, Tipps & Tricks, Bestenlisten und Breaking Info.
Nachdem sich Video immer mehr zu einem festen Teil unserer Internet-Nutzung und -Produktion etabliert hat und nicht zuletzt Google mit seiner Universal Search diesem Faktor bei den Suchergebnissen Rechnung trägt, ist es höchste Zeit sich mal näher mit der Spezialität viraler Verbreitung rein von Videos zu befassen. Dazu stellte soeben Mathew Liu von YouTube ein paar Best Practises aus dem Auge des Orkans vor.
Grundsätzlich unterschied er zwischen Videos, die subtil einen werblichen Absender tragen (“Guerilla”) vs. solchen, die von vorne herein als Marketing erkennbar sind.
Um erfolgreich bei YouTube bzw. bei der Firmenmutter Google indexiert und gerankt zu werden empfiehlt er diese fünf Tipps, wie man das Momentum einer viralen Verbreitung ins Rollen bringt und dabei vor allem Google das richtige Suchmaschinenfutter zum Fraß vorwirft:
Title: Sollte treffend und beschreibend den Inhalt des Videos illustrieren.
Description: Eindeutige und einzigartige Beschreibung, idealerweise in ganzen Sätzen.
Tags: Pointiert und inhaltlich schlüssig zum Title und Description passend. Keyword-Stuffing vermeiden, sonst gibt’s von Google auch hier eine Abstrafung.
Community: Videos mit der Community teilen. Mit Annotationen, Video-Antworten und Thumbnails experimentieren. Allerdings vermeiden, andere User mit dem Video zu spammen oder versuchen, das eigene Video zu bewerten.
Embedden: Im Sinne der Distributed Content, das Video auf anderen Webseiten streuen.
Paid Listings: Um dem viralen Moment einen ersten Anschub zu liefern, kann es sich lohnen ein “Sponsored Video” (rechte Leiste) bei YouTube zur “Paid Discovery” zu buchen. Funktioniert ähnlich wie die Paid Search, wo man auf Suchbegriffe innerhalb von YouTube bietet.
Last but not least, unterliegt man “Kampagnenmanagment” keinem Blindflug, sondern bekommt mit YouTube Insight einen detaillierten Überblick wann das Video von wem (soziodemografische Daten) und von wo angekuckt worden ist.
Und ansonsten mehrfach die gute alte Feedbackschleife durchlaufen: Testen, Messen und Optimieren. Na dann, Film ab :-)
Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, sich auch als Unternehmen mit Social Media (SM, no pun intended ;-) zu beschäftigen. Und dann am besten richtig. Vodafone ist neulich in die SM-Offensive gegangen und hat nicht durchgängig Lob dafür eingeheimst.
NetDoktor.de (eine eLAB-Company) versucht das Thema behutsamer anzugehen und den langfristigen Aufbau von Beziehungen zu seinen Nutzern im Blick zu behalten. Dabei stehen Twitter bei NetDoktor.de (als @NetDoktorDE) und der kürzlich begonnene NetDoktor.de-Blog im Mittelpunkt des SM-Geschehens.
Auf der „philosophischen Ebene“ gibt es für die richtige Haltung zum Thema bei Social Media die folgenden vier Punkte zu beachten:
Öffnung: Es spricht nicht mehr nur der Chef und sein Presse-Adlatus, sondern die Grenzen der Organisation fransen ganz von selbst aus, indem sich Mitarbeiter eh auf Twitter, Facebook und Blogs herum treiben. Die Unterscheidung von privat und dienstlich fällt dabei zunehmend schwer. Anstatt wie noch vor ein paar Jahren mit der rechtlichen Keule draufzuhauen, sollten Firmen das soziale Kapital ihrer Mitarbeiter in einen Vorteil für sich verwandeln. Bei NetDoktor.de können, sollen, „dürfen“ alle Mitarbeiter nach außen in Erscheinung treten.
Authentizität: Wenn ich heute eine dieser typischen Pressemitteilungen von Firmen in die Hände bekomme, wo aus einem einerseits limitierten anderseits seelenlosen Wortschatz standardisierte Nullaussagen abgesondert werden (à la „die Geschäftsleitung ist zuversichtlich, dass … bla“) muss ich würgen. Das Cluetrain Manifesto hat schon vor 10 Jahren mit erstaunlicher Weitsicht klargemacht, dass normale Menschen nicht als „Markt“ oder „Zielgruppe“ sondern eben wir normale Menschen angesprochen werden möchten. Im Rahmen von Social Media hat man in oftmals öffentlichen 1:1 Konversationen eine gute Gelegenheit, diesen neuen alten Stil wieder zu pflegen.
Netzwerk: Im Gegensatz zum – wie Klementine sagen würde – herkömmlichen Waschmittel namens Media-Spending wo man für eine mehr oder weniger gelungene Copy ein paar Millionen in einen „Channel“ einbucht, muss man sich sein Netzwerk bei Social Media quantitativ und qualitativ erarbeiten. Das geht nur über Zeit, indem man mit Ehrlichkeit und Herzblut organische Beziehungen zu anderen Menschen aufbaut. Der Lohn dafür: Wenn man etwas Interessantes zu sagen hat, sorgen die Kontakte dafür, dass die Nachricht durch das Netzwerk propagiert. Und das dann ganz ohne finanziellen Einsatz.
Loslassen: Da tun sich Unternehmen, die bisher größten Wert auf eine strenge Markenführung gelegt haben, am Schwersten. Aber in Zeiten wie diesen sollte es jedem Marketingchef dämmern, dass „die Leute“ sowieso das sagen, was sie von der Firma, ihrem Produkt oder Service halten. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass man alle seine Vorstellungen von Identität über Bord wirft (siehe auch Authentizität oben), sondern versucht seine Kunden bzw. Nutzer geschickt in den Gestaltungsprozess mit einzubeziehen. Stichwort: Co-Creation. myStarbucksIdea und Ford mit seiner Social Media Group machen es in dieser Hinsicht sehr gut vor. Auch bedeutet es, dass man als Unternehmen die Demut mitbringt, dorthin zu gehen wo die Konversation stattfindet, um sich je nach kulturellen Gepflogenheiten von Twitter bis Facebook ins Gespräch auf gleicher Augenhöhe einzuklinken.
Was man bei NetDoktor.de noch im besonderen beim Bloggen erwähnen kann: Als Medienunternehmen publiziert man sowieso die ganze Zeit. Genau darin besteht die Kernkompetenz. Was ist dann beim Bloggen anders?
Zum einen möchte NetDoktor.de mit dem Bloggen mehr Transparenz im Sinne von „Wir über uns“ schaffen, indem zum Beispiel CTO Dan Ackerson in seiner Muttersprache Englisch über die Technik beim kürzlich neu gelaunchten Gesundheitsportal-Privat räsoniert. Aus journalistischer Sicht bieten sich Ansätze, die einen persönlicheren Blickwinkel auf ein Thema zulassen als es das definierte Redaktionsformat erlaubt. Redakteur Fabian Seyfried zum Beispiel nimmt mit der nötigen Portion Ironie die wissenschaftliche Suchmaschine Wolfram Alpha als „automatischen Arzt“ unter die Lupe.
Das Spannende bei Social Media ist die Erkenntnis, dass sich so etwas wie “Best Practises” so schnell im Fluss befinden, dass man auf keine in Stein gemeißelten Weisheiten zurückgreifen kann. Daher gibt es mal wieder nichts besseres als man tut es, indem man sich seine Social Media Strategie Stück für Stück und emergent zusammen baut.
Wenn man bei allem guten Willen mal knapp daneben liegt, halb so wild, dann darf man getrost mit diesen beiden Sprüchen aus dem Englischen kontern: „The age of openness ist the age of forgiveness“ und „Better to beg forgiveness than to ask permission.“ :-)