Nachdem sich das “Mitmach-Internet” nun bin in den letzten Winkel dieser Welt breit gemacht hat, wo es wenigstens einen Online-Anschluss gibt, hat sich die Marketing-Beratung Universal McCann an ein paar spannende Fragen in diesem Dunstkreis heran gemacht. Im besonderen, wie das Internet unser Verhältnis zu “Unbekannten” verändert hat. In einer Studie von 17.000 Teilnehmern aus 29 Ländern kamen auch einige recht bemerkenswerte Erkenntnisse heraus. Die ganze Studie kann man sich direkt hier als PDF von der Agentur-Seite herunterladen oder ansonsten eleganter hier online bei Slideshare ansehen.
Am meisten ins Auge gestochen sind mir diese beiden Grafiken, die in absteigender Rangreihe darstellen wem wir vertrauen. (Sorry vorab, wenn man es schlecht lesen kann, bitte auf die Grafiken klicken, dann gehen sie in einer augenfreunlicheren Größe auf.)
bzw. wem wir eher weniger vertrauen (weiter hinten in der Skala):
Was einem da entgegenspringt:
Das eigene soziale Netzwerk hat immer noch die größte Relevanz.
Platz 5, 6 und 8 besetzen Seiten, denen entweder durch das “Wisdom of the Crowds”-Phänomen oder einen algorithmischen Vergleich Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird.
Old Media: Kommt im Mittelfeld, Zeitschriften und Zeitungen schneiden besser ab als die Glotze.
Einzelmeinungen von Unbekannten (Leserbriefe, Kommentare bei Blogs, persönliche Blogs) fallen in der Glaubwürdigkeit spürbar ab.
Werbung: Jo mei, wie wir in Bayern sagen, da magst am Liebsten davon laffa (=laufen).
Ganz am Ende der Nahrungskette stehen E-Mails von Firmen. Wer ist eigentlich nicht taub nach 10 Jahren Spam? Noch unglaubwürdiger schneiden nur noch Empfehlungen von Promis ab. Muss man sich bald Sorgen um das Einkommen von Kaiser Franz machen?!?
In der Studie wird weiterhin erläutert, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen Alter der Internet-Nutzer und ihrer Bereitschaft Fremden zu vertrauen. Es handelt sich also nicht um ein womöglich angenommenes “Generation Y“-Phänomen. Es gibt aber eine Korrelation zur Bildung, nämlich je höher die Bildung, desto mehr vertraut man Unbekannten.
Bei 29 Ländern im Panel gab’s auch Vergleiche zwischen verschiedenen Nationalitäten. Bei der Frage inwieweit Soziale Netzwerk-Dienste dazu dienen, neue Freunde kennenzulernen stehen Länder aus den “Emerging Markets” wie die Philippinen, Indien, Pakistan und Mexiko klar an der Spitze, bevor mit großem Abstand die so genannten “Entwickelte Welt” folgt.
Meine Erklärung dafür: So wie diese Länder das Festnetz-Telefon übersprungen haben und gleich mit dem Handy ihren Erstkontakt bei der Telefonie erlebt haben, so kamen Online-User in diesen Ländern nie mit dem drögen “Lese-Netz” in Berührung. Sie kannten nie etwas anderes als das Internet zum Mitmachen – das “Web 2.o”.
eLAB (René Seifert): SEOmetrie heißt jetzt Searchmetrics? Was steckt hinter dem Namenswechsel? Marcus Tober: Die Marke SEOmetrie war in Deutschland schon recht bekannt. Allerdings funktioniert das Wortspiel im Englischen nicht so gut, so dass wir uns für die geplante Internationalisierung einen neuen Namen verpasst haben. Dr. Horst Joepen: Außerdem engt uns „Searchmetrics“ nicht auf reine Suchmaschinenoptimierung ein, sondern deutet an, dass es um Suche im Ganzen geht.
eLAB: Marcus Tober als CTO hat das Unternehmen gegründet. Horst Joepen ist vor ein paar Monaten als erfahrener CEO aus der Branche dazugekommen. Wie sieht die Rollenverteilung bei Euch beiden aus? Tober: Ich sehe meine Rolle als CTO keineswegs als Abstieg, im Gegenteil: Endlich kann ich mich voll auf der technischen Ebene um das Produkt kümmern … Joepen: … während bei mir der „ganze Rest“ von Strategie, Vertrieb und Administration liegt. Bei anderen Paketen, die immer wieder auf den Tisch kommen, einigen wir uns schnell wer was macht. Vor allen Dingen wissen wir beide, was wir an einander haben.
Foto: Horst Joepen (links) und Marcus Tober
eLAB: Um ins Thema einzusteigen, kurz und knapp: Was macht Searchmetrics? Joepen: Im Mittelpunkt steht unsere weltweit führende Softwaresuite, die sich darin auszeichnet, die vielen isolierten Hilfsmittel für SEO in einer einzigen Lösung zu integrieren. Tober: Wir sehen uns insofern als Miterfinder des Searchanalytics-Marktes. Joepen: Unser Tool dient Firmen und Agenturen dazu, den Erfolg von Suchmaschinenoptimierung direkt zu messen und laufend nachzujustieren. Tober: Außerdem machen wir auch noch SEO-Beratung mit absolutem High-End Anspruch, woraus sich insbesondere Anregungen für unsere Produktentwicklung ergeben. Diese Beratungsleistung bieten wir als verlängerte Werkbank auch unseren Agenturpartnern für ihre Endkunden an. Zu erwähnen ist auch unserer Inhaltebereich, wo wir mit einer Redaktion von 10 festen und 50 freien Redakteuren hochwertigen Content erstellen.
eLAB: Euer neues Release Searchmetrics 4.0 ist am Start, was ist daran neu? Tober: Erstmals verknüpfen wir in der Version 4.0 die Daten von Google Analytics mit unseren eigenen Daten. Das führt dazu, dass wir mit mathematischen Modellen prognostizieren können, welchen Anstieg an Traffic man erzielen wird, wenn man sich um so und so viel Positionen im Ranking verbessert. Damit beenden wir den SEO-Blindflug. Joepen: Außerdem sind wir im nächsten Schritt in der Lage durch die Übergabe der Suchbegriffe der Nutzer gezielte Empfehlungen abzugeben, in welchen Bereichen des Long Tail man weiter Inhalte aufbauen sollte.
eLAB: Wem nützt Euer Tool bzw. wen sprecht ihr als Kunden an? Joepen: Alle, die mit ihrem Online-Portal substanzielles Geschäft machen. Das sind entweder Firmen wie T-Online, Pro7Sat1, Stepstone, Parship und Bild.de oder Agenturen bzw. Partner, von denen wir bisher 10 an der Zahl gewinnen konnten. Tober: Als Faustregel für die Größe eines Kunden: Das jährliche Online-Marketingbudget sollte im sechsstelligen Bereich liegen.
eLAB: Searchmetrics funktioniert erwartungsgemäß als „Software as a Service“, was kostet ein Abo bei Euch? Joepen: Im Basisumfang starten wir mit EUR 1.000 im Monat, das Pricing hängt maßgeblich von der Anzahl der Domains, beobachteten Keywords und frei geschalteten Funktionen ab.
eLAB: Ist Searchmetrics ganz und gar ein Selbstbedienungsladen oder kann man sich bei Euch oder Partnern von Euch Consultants und Zusatzdienstleistungen buchen? Tober: Wir empfehlen ausdrücklich zusätzliche Beratung in Anspruch zu nehmen, weil die Nutzung unserer Suite nicht bedeutet, dass man sein Gehirn ausschalten kann, um aus Schrott Gold zu machen. Wie in jedem Beruf gibt es für alles Spezialisten.
eLAB: Google hat in Deutschland 90 % Marktanteil, und Eure Software setzt maßgeblich auf den Treffern von Google auf. Welche wesentlichen Veränderungen im Google Algorithmus habt ihr in diesem Jahr verfolgen können? Tober: Google ist in diesem Jahr sehr viel dynamischer geworden, die Updates sind kürzer geworden, was wir mit unserer Suite gut nachvollziehen können. Damit konnten wir beispielsweise auch sofort erkennen, dass der Wettbewerber eines Kunden schmerzhaft in seinem Marktumfeld eingebrochen ist, bevor er sich wieder erholt hat. Ansonsten hat Google enorm am eigenen Produkt gearbeitet und integriert in den Ergebnissen auch regionale Treffer über Google Maps, bei populären Ergebnissen ebenso News und Blogposts.
eLAB: Wie wirkt sich die Abhängigkeit von Google für Euer Geschäft auf Euer Produktmanagement aus? Oder anders gefragt: Findet Google das was ihr macht gut oder schlecht? Joepen: Ich bin mir nicht sicher, ob uns Google überhaupt wahrnimmt. Aber wenn, dann sollte uns Google eigentlich gut finden. Denn mit unseren neuen Funktionalitäten beleuchten wir den Gesamtzusammenhang von SEO & SEM unterstützen Google dabei, den Bieterwettbewerb von den dominanten Keywords auf den weniger umkämpften „Long Tail“ zu verlagern.
eLAB: Mit dem Mut in die Glaskugel zu schauen: Was seht ihr Google in 2009 anders machen? Tober: 2009 wird mit Sicherheit ein spannendes Jahr. Mich würde nicht wundern, wenn Google seine eigene lokale Suche noch weiter ausbaut, so dass man z.B. bei einer Suche „Audi München“ direkt konkrete Ergebnisse von Angeboten der Autohäuser bekommt, was natürlich in das bestehende Geschäft von z.B. Autoscout eingreift. Video wird eine größere Bedeutung spielen und das große Fragezeichen steht bei der personalisierten Suche. Joepen: Dabei handelt es sich um die „Wikipedia-Funktion“, bei der man Ergebnisse noch oben bzw. unten voten und auch kommentieren kann. Die funktioniert natürlich nur, wenn man einen Google Account hat. Interessant wird dabei sein, wie sich diese gesammelten Ergebnisse auf die allgemeine Suche auswirken, vor allem bei dem Risiko dass jemand mit feindseligen Absichten über ein Bot-Netzwerk einen Wettbewerber nach unten ziehen will. Google wird daher sicherlich mit viel Vorsicht diese Daten in seine „Secret Sauce“ einbeziehen.
eLAB: Wie wollt ihr Euch als Unternehmen in 2009 strategisch weiter entwickeln? Joepen: Wir wollen zum einen den Lizenzumsatz aus Software steigern und wir gehen davon aus, dass der Bedarf danach wachsen wird. Das zweite große Thema ist die Internationalisierung. Wir haben in diesem Zusammenhang unsere Fühler schon in die USA ausgestreckt, für Europa haben wir UK, Frankreich, Österreich, Schweiz und Benelux im Visier.
eLAB: Die Krise speziell in unserer Branche hat verschiedene Gesichter: weniger Umsätze als erwartet, Schwierigkeiten im Fundraising. Wie habt ihr die Weichen für das Schmalhansjahr 2009 gestellt? Joepen: Wir investieren weiter, wenn auch kontrolliert, weil wir davon ausgehen dass in wirtschaftlich schwierigen Zyklen der Bedarf an Performance-Marketing steigt … Tober: … denn SEO ist immer noch die kostengünstigste Form sich langfristigen Traffic zu beschaffen, gerade für Firmen die nicht so viel für Marketing ausgeben können. Joepen: Gleichzeitig beobachten wir den Markt sehr genau und sind in der Lage -falls nötig – auf die Bremse zu treten. Alles in allem sind wir dennoch optimistisch, stellen auch im Januar drei neue Mitarbeiter ein, gerade auch weil wir mit unserem Abo-Modell wiederkehrende Umsatzströme erzielen.
eLAB: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute im Besonderen für das sicherlich spannende Jahr 2009.
Dr. Horst Joepen ist seit April 2008 zweiter Geschäftsführer und CEO von Searchmetrics, Marcus Tober hat das Unternehmen 2007 gegründet und konzentriert sich mit Joepens Eintritt in der Geschäftsführung auf die Rolle des CTO.
Aus unserer neuerdings immer wieder gern genommenen Episode Videointerview heute eins mit Vivek Bhargava, Gründer und CEO von Communicate 2 aus Mumbai (Indien), welches ich mit ihm am Rande der EO-University in Singapur geführt habe.
Communicate 2 ist der Marktführer in Indien für outgesourcte Online-Marketing Dienstleistungen. In dem 5:39-Minuten langen Interview beschreibt Vivek, was seine Firma genau macht, worin der Kostenvorteil von Indien liegt und ob der Service auch auf die deutsche Sprache übertragbar ist. Außerdem beschreibt er seine Erfahrungen mit Google als „Mind-Reading Machine“, die man sich als Unternehmen weit über die Funktion der Suche auch als Research-Tool für Produktentwicklung zu Nutze machen kann.
Publikumspreise sind was Schönes, gell. Statt eines präpotenten Jury wie bei DSDS fühlt man sich in einen basisdemokratischen Prozess eingebettet, als wäre man Teil der Kommune 1 und die fesche Uschi O. schenkt vor der Abstimmung jedem noch mal eine Tasse Tee ein :-)
Beim OnlineStar ‘08, dem sicherlich bekanntesten Publikumspreis in Deutschland in Sachen Internet, ist die Vorrunde vorüber und jetzt geht’s in der ehrlichen Hauptrunde um die Wurscht. Und siehe da, in den 15 Kategorien tummeln sich auf drei Ventures von eLAB, nämlich:
Vielleicht hat ja wer Bock bis 13. Oktober an der Abstimmung hier mitzumachen. Ich sag’s bloß so. Wenn man dann für die eLAB-Ventures abstimmt, hat keiner was dagegen. Fühlt Euch aber nicht verpflichtet; den Tee von Uschi O. gibt’s auch so :-)
Olé, olé, olé. Wer hätte das letzte Woche noch gedacht, dass wir uns nach dem Vorrundengekurke so wacker ins Halbfinale schlagen würden und mit etwas Glück und Verstand übermorgen Abend vielleicht sogar miteinander anheben können zum "Finale – oho – Finale – ohohoho!" :-) UEFA mit State-of-the-Art Webseite Nach wie vor ist freilich das Fernsehen das Leitmedium, wenn es darum geht sich "mittendrin-statt-nur-dabei" heiser zu schreien. Wobei der Spannungsbogen noch mal ungleich in die Länge gezogen wird, wo abermals die Glotze mit Vorberichterstattung bzw. Interviews nach dem Spiel die Dramaturgie in der Hand behält. Ansonsten sind auch die üblichen Verdächtigen bei den Internetseiten von Spiegel.de bis Kicker.de dieser Tage voll von unserem Lieblingsthema. Aber, und das kommt mir wenigstens bei einem Turnier dieser Größenordnung zum ersten mal so vor, bietet die offizielle Webseite Euro 2008 erstmals etwas wirklich Bahn brechendes. Zum einen in Ihrer Gestaltung, aber auch über die Vorwärtsintergration in die bisher den Fernsehsender vorbehalte Bildrechtevermarktung.
Hohe Komplexität, hoher Pflegeaufwand Was einem auf den ersten Blick auffällt, ist das die Seite in der Struktur und Umsetzung wirklich alle Register gezogen hat, die eine inhaltelastige Webseite im Jahr 2008 nur aufbieten kann. Im Einzelnen:
10 parallele Sprachversionen, darunter auch Chinesich, Koreanisch und Japanisch. Klar, die Ware eines europäischen Fußballturniers ist bis nach Fernost heiß, wo für Rechtehändler neuerdings lukrative Märkte liegen, wie ich neulich von einer Brancheninsiderin erfahren habe.
Intelligente Informationsarchitektur in der Seitengestaltung und Inhaltestruktur, wo alles vom Tunierverlauf, dem Spielplan, Mannschaften, Spielern, Statistiken, aber auch den Gastgebern und ihren Austragungsorten sowie der Geschichte der bisherigen Europameisterschaften zusammengetragen worden ist.
In einem Personalisierungsbereich kann man sich registrieren und dann "Meine Seite" zusammenstellen.
Prominente Einbindung der Sponsoren, die man sonst auch auf den Spielfeldbanden sieht, im Rahmen des Mediamix online.
Modernes zeitgemäßes Design, welches mit weißer Fläche arbeitet und Text- und Teaserboxen sauber mit den großflächigen Bildern ausbalanciert, um einen ansprechenden Erlebniswert zu erzeugen.
Einsatz von Flash bringt noch ein zusätzliches Maß an Interaktivität ins Spiel, wie man z.B. bei der Auswahl der Mannschaft auf der Europakarte sieht.
So weit schon alles recht beachtlich, weil die Seite ein Höchstmaß an Komplexität in der Struktur umsetzt hat und gleichzeitig einen Riesenaufwand treibt, um in der inhaltlichen Ausrichtung sowohl aktuell als auch "magazinig" zu wirken.
Pay TV-Kanal inklusive Der absolute Hammer kommt jedoch unter der Rubrik Video, wo man die Rechte-Entwicklung in der Bundesliga für die letzen beiden Jahren bei der UEFA für die EM 2008 zu Ende gedacht und geführt hat: Man hat einfach seinen eigenen Pay-per-View Kanal im Internet gegründet.
Zwei Möglichkeiten: Für ein Live-Streaming zahlt der Nutzer US-$ 5,99, fürs Nachkucken eines Spiels € 1,99. Mit noch schnelleren Bandbreiten wird sich das Internet bzw. das IP-Protokoll unvermeidbar in den nächsten Jahren zum mindestens ebenbürtigen Distributionskanal für Bewegtbild-Inhalte entwickeln. Einer Branche, die bisher über etliche Wertschöpfungsstufen Sportrechte für z.B. eine Fußballeuropameisterschaft vermarket hat, kann dann das gleiche blühen wir der Musikindustrie.
Das was im Englischen so schön „Disintermediation“ heißt, bedeutet dass der Rechteinhaber das direkte Geschäft mit den Verbrauchern/Nutzern/Zuschauern sucht. Klar ist auch, dass das nicht von einem Tag auf den anderen Tag passiert und es sicher Platz für eine Vielzahl von Modellen wie z.B. Werbefinanzierung nebeneinander gibt. Aber Holzauge sei wachsam, wenn die o.g. Registrierungsfunktion für beiläufige Personalisierungsfunktionen nicht mal der Anfang davon ist, dass die UEFA daraus eine direkte Kundenbeziehung für ein transaktionsbasiertes Geschäft aufbauen will. Hoher strategischer Stellenwert Auch wenn mir so ein Apparatschik-Verein wie die UEFA zutiefst suspekt bis geraderaus unsympathisch ist, so verdient die mediale Umsetzung der EM auf diese Art und Weise professionellen Respekt. Der unbestrittene Hinweis, dass die UEFA auf einem Sack voll Geld sitzt, um sich so einen Auftritt leisten zu können, reicht aus meiner Sicht nicht aus, um zu erklären, dass ein eher behäbiger Funktionärsapparat plötzlich im Begriff ist agil eine Branche mit hohem Saturationsgrad umzukrempeln. Voraussetzung dafür ist diese Initiatiative von "ganz oben" zur höchsten strategischen Priorität zu erklären, was im nächsten Schritt den Weg frei räumt, sich für die operative Umsetzung die besten Spezialisten zu holen und sie dann einfach machen zu lassen. Ob man das nun gut oder schlecht findet, sei für heute dahingestellt. Man muss aber anerkennen, dass das Vorhaben gelungen ist und sicher nicht der letzte Streich der UEFA gewesen ist.
Mein Eindruck am zweiten Tag Web 2.0 Expo ist, dass es in diesem Jahr um Social Media geht. Wie die Wiwo neulich schrieb, handelt es sich bei Social Software um das heutige New Media. Auch beim Afflilate Marketing ist diese Botschaft angekommen und lässt die Branche neue Wege gehen. Im Gegensatz zu der sonst knallharten Performance-Messung empfehlen zahlreiche Affiliates ihre Kunden zunächst ein eigenes Standing in der Community aufzubauen. Jones Soda, eine Getränkemarke, hat sich langem einen Namen auf Twitter und Facebook gemacht. Auf Basis dieser Authentizität und Glaubwürdigkeit lassen sich immer wieder Links auf die eigene Seite oder einen zugehörigen Blog setzen, auf dem dann die übliche Affiliate-Mechanismen zur Lead-Generierung greifen. Die Affiliates sind aber auch selbst direkt bei Communities schwer unterwegs, Social Shopping wie Kaboodle sind wenig überraschend die naheliegendsten Kandidaten. Technisch erfordert diese längerfristige Strategie auch ein Umdenken: Galt das Cookie früher nur für eine Session, so kann eine Konvertierung schon mal 60 bis 90 Tage später einen entsprechenden Publisher belohnen.
Alles in allem sieht sich die Branche in den rezessionsgeplagten USA recht robust aufgestellt. Als distribuierte Vertriebsmannschaft zu geringen Fixkosten hält man sich dank der weiterhin stark leistungsorientierten Natur Anbieter und Nachfrager zusammenzubringen, für Sparmaßnahmen weiter hinten auf der Prioritätenliste.
Die langen 12 Stunden Flug nach San Francisco haben sich schon gelohnt, denn der heutige Tag auf der Web 2.0 Expo ging gut los mit einer Veranstaltung zu SEO & SMO. SEO muss man sicher nicht mehr erklären, bei SMO dachte ich erst an einen Knick in der Optik, weil ich "SEM" erwartet hatte. Aber nix da, SMO hat sich inzwsichen als eigenständige Disziplin etabliert und steht für "Social Media Optimization". Dazu gab’s heute Morgen einen Klasse Vortrag von Muhammad Saleem. Ziel dieser neuen Kunstformen besteht darin, alle best-practises aus Social Media zu bündeln, um eine Seite mittelfristig populär zu machen. Was mir auf Anhieb dabei gefallen hat ist, im Gegensatz zu Black Hat-Techniken beim SEO hier der Grundsatz "Ehrlich währt am Längsten" über allem steht.
Ein konkretes Beispiel: Man setzt eine neue blogartige Seite über die besten Urlaubsziele für einen romantischen Pärchenurlaub auf und will diese so populär wie möglich machen. Wie kommt man mit SMO dahin? Entscheidend ist, dass man sich über jeden einzelnen Post Gedanken macht und seine SMO-Strategie auf dieser Ebene ansetzt. Hier 7 Tipps in einer Zusammenfassung.
10 Sekunden-Regel: Blogleser sind ungeduldig. Daher sollte der erste Eindruck in 10 Sekunden vermitteln worum es geht. Der Post sollte nicht mehr als 500-700 Worte beinhalten, eine knackige Headline, Absätze und Zwischenüberschriften machen in dieser kurzen Zeit klar, ob der Artikel für den Nutzer relavant ist. Ein oder zwei Bilder peppen die Sache zusätzlich auf.
Formel für die Headline: [Zahl] [Adjektiv] [Keyphrase], hat jemand was bei der Headline für diesen Post bemerkt? ;-) Der Hinweis, dass man z.B. für unser Beispiel "5 magische Plätze für Sonnenuntergänge (Bilder)" anbietet, entfaltet eine regelrechte Sogwirkung an Nutzern. Freilich muss man inhatlich auch halten, was man verspricht.
SMO-freundliches Design: Keine Inhalte hinter einer Registrierungsmauer, ebenso sollte man seine Seite weder mit Werbung noch mit Widgets zuscheißen, so dass man sich für das Erreichen des eigentlichen Inhalts einen Tennisarm scrollt.
Community-Pflege: Zum einen sollte man unbedingt identifizieren, wo sie eigene Zielgruppe zu finden ist und sich auf diese Nische konzentrieren. Am besten fängt man mit einem gewissen Vorlauf auf existierenden Seiten dieser Community an mitzudiskutieren und sich so authentische Glaubwürdigkeit aufbauen. Im Anschluss lassen sich viel leichter (auch) Inhalte der eigenen neuen Seite einstreuen. Unterm Strich sollte man wie bei guten Freundschaften immer mehr geben als man erwartet; gerade dann bekommt man wesentlich mehr zurück.
Seeding für Multiplikatoren: Wenn man einen Post publiziert und platziert hat, dann baut man gerade auf das Community-Momentum, welches man mit allen zur Verfügung stehenden Tools wie Tagging, Bookmarks und E-Mail Weiterleitung so einfach wie möglich macht. Möglichkeit zum RSS-Abonnement gehören dabei zum Grundhandwerkszeug.
Timing: Die rote Linie auf der Grafik (zugegebenermaßen aus den USA) zeigt, dass sich ein Posting Anfang der Woche mehr lohnt, weil die Community nach dem Wochenende mit frischen Elan an neue Posts herangeht und z.B. diggt was das Zeug hält oder Beiträge bei del.icio.us bookmarkt.
Danke – Bitte: Gehört zu (4) und zur Community-Pflege. Wenn man von einem Community-Mitglied besonders unterstützt worden ist, dann baut ein Wort der Anerkennung eine langfristig gute Beziehung auf. Wie im normalen Leben auch.
Wenn bei aller Thema-immanenter Unvorhersehbarkeit alles gut geht, so baut sich mittelfristig für die Marke der neuen Seite so viel gelernte Populariät auf, dass man den Druck dieser Einzelmaßnahmen ein schönes Stück zurückfahren kann. Außerdem – an der Kreuzung zwischen SMO und SEO – dürften die zahlreichen Backlinks, die man per SMO gesammelt hat, auch im SEO für eine gutes Ranking bei der Suche den entscheidenden Ausschlag geben.
Seit September 2007 ist das eLAB-Venture guut.de auf dem Markt. Die beiden Gründer des Live-Shopping Portals Robert Stephan und Peter Posztos mit einer Zwischenbilanz auf dem eLAB-Blog.
eLAB (René Seifert): Wie geht’s Euch? Jetzt sagt bloß das Richtige. Peter Posztos: Sehr guut, danke :-)
eLAB: Was gibt’s heute im Angebot? Robert Stephan: Einen LCD Fernseher von Samsung für sagenhafte 729 Euro. Mit Multimedia-Produkten haben wir von Anfang an sehr gute Erfahrungen gemacht.
eLAB: Ihr seid zu zweit hier. Wer muss auf wen aufpassen beziehungsweise wie sind die Rollen verteilt? Stephan: Wir sind inzwischen sogar sechs Leute, sehen unsere Organisation aber nicht hierarchisch, sondern nach Aufgaben und im Rahmen eines Teamspirits. Ich kümmere mich im Augenblick vor allem um strategische Kooperationen. Posztos: Meine Schwerpunkte liegen im Produktmanagement, Community, Vermarktung und Business Development.
eLAB: Eure Konkurrenz schläft vermutlich auch nicht. Wie sieht Euer Wettbewerb aus? Posztos: Als wir letztes Jahr im Spätsommer angefangen haben, gab es ein Duzend Anbieter, jetzt sind es schon doppelt so viele. Neben den Generalisten wie uns gibt es inzwischen auch vertikale Anbieter, die sich zum Beispiel rein auf Reise, Kunst oder Schmuck konzentrieren. Stephan: Auch wenn wir nicht die Ersten im Markt für Live Shopping in Deutschland waren, so sehen wir uns heute bezogen auf Umsatz und Besucher als Marktführer. Grund dafür ist aus meiner Sicht unsere sehr fokussierte Umsetzung, wo wir von Anfang an gemessen und gezählt haben was das Business hergab, um daraus ständig zu optimieren. Zum Teil haben wir in Nacht- und Wochenendarbeit kurzfristig von langer Hand geplante Produkte umgeschmissen und dafür aus unserer Erkenntnis Bessere ins Angebot gebracht.
eLAB: Ihr definiert Euren Markt als „Live Shopping“. Was ist das überhaupt? Stephan: Live Shopping bedeutet ein Produkt pro Tag, so lange bis es ausverkauft ist. Es ist sozusagen ‚aktionsgetriebener E-Commerce‘. Posztos: Ausnahmen machen wir nur zu bestimmten Aktionen wie dem „Guutrausch“ wo wir an einem Tag mehrere Produkte hintereinander anbieten. An unserem Spitzentag haben wir dabei über 40.000 Euro Umsatz eingefahren.
eLAB: E-Commerce gibt es fast so lange wie das Internet. Warum geht ein Käufer zu guut.de anstatt zu eBay oder zu einem der vielen anderen Online-Shops, wo es das gleiche Produkt und noch viele mehr gibt? Stephan: Zwei klare Gründe: Preis und Einkaufserlebnis. Nachdem wir uns auf ein Produkt konzentrieren und hohe Mengen bestellen, geben wir den Kostenvorteil an unsere Nutzer weiter und besetzen so an dem Tag unseres Angebots die Preisführerschaft im Netz. Zum anderen bieten wir ein Online-Shopping Erlebnis, welches im Internet sonst in weiten Teilen abhanden gekommen ist. Posztos: Zum Thema eBay ist es sogar so, wie die Wirtschaftswoche neulich schrieb, dass Live Shopping den Internet-Nutzern den Flair von Überraschung und Entertainment zurückgibt, für den eBay früher einmal gestanden hat. Ein Produkt pro Tag bis zum Ausverkauf ist zunächst erfrischend übersichtlich, befriedigt in der Regel keine Konsumbedürfnisse, sondern weckt diese erst. Dafür sorgen wir mit unterhaltsamen Produktbeschreibungen, ansprechenden Fotos und einer aktiven Community rund um das Einkaufserlebnis. Aber kein Zweifel, das haben wir schnell gelernt: Bei Live-Shopping zählt das Produkt.
eLAB: Wie lange plant Ihr Euer Verkaufssortiment üblicherweise im voraus? Posztos: Ein bis zwei Wochen, wir sind aber in der Lage schnell und flexibel anzupassen … Stephan: … insbesondere wenn uns die Conversation-Rate, gemessen als Sales geteilt durch die Besucher pro Tag, entsprechende Indikatoren aus dem Markt liefert.
eLAB: Im Grunde ist doch die Beschränkung der Stückzahl nichts anderes als eine künstliche Verknappung, um jeden Tag einen neuen Hype zu erzeugen. Stephan: Nicht unbedingt. Oft liefert uns der Hersteller auch keine größere Menge zu dem von uns angepeilten Preis. Aber in anderen Fällen, das stimmt, legen wir selbst die Menge fest. Wichtig ist dabei freilich ein Mittelweg zwischen die tatsächliche Nachfrage zu befriedigen und unser Live Shopping-Nutzenversprechen einzulösen.
eLAB: E-Commerce ist bekanntermaßen ein Geschäft mit hauchdünnen Margen, wo man bei den Kosten mit Prozessoptimierung eine Menge holen kann. Der Hebel liegt aber eindeutig in den Volumina. Wie verdient ihr Euer Geld, wenn Ihr behauptet auch noch die Billigsten für dieses Produkt zu sein? Stephan: Prozessoptimierung stimmt auf jeden Fall, damit haben wir immer noch alle Hände voll zu tun, speziell bei Retouren und Erstattungen. Richtig war, die komplette Logistik mit dem gesamten Fullfilment von Anfang an einen externen Partner auszulagern. Was uns auf der Beschaffungsseite stark geholfen hat, war die Einstellung eines ehemaligen Einkäufers vom RTL-Shop, von dessen Lieferantennetzwerk wir durch günstige Einkaufskonditionen profitieren. So schaffen wir es auch mit Tiefstpreisen immer noch Geld zu verdienen … Posztos: … was sich über Volumina im dreistelligen Bereich bei guut.de dann schon auszahlt. Bei den Margen fahren wir eine Mischkalkulation. Manchmal schieben wir innovative Produkte wie die Nintendo Wii ohne Aufschlag durch, bei anderen Produkten eher am Ende des Lebenszyklus verdient man dann eben etwas mehr.
eLAB: Nach welchen Kriterien wählt Ihr Eure Produkte aus und wie setzt Ihr sie über die Tage zusammen? Posztos: Im Gesamteindruck kommt es auf Vielfalt an, bei der es nicht am genannten Überraschungsmoment fehlen darf. Eine wichtige Kategorie für uns ist Multimedia heute mit dem LCD-Fernseher, ansonsten Lifestyle-Produkte aus den Bereichen Wellness, Wein, Erotik, Spielzeug und Mode.
eLAB: Wenn man auf das Tagesprodukt, aber auch auf abgelaufene Produkte schaut, fallen einem die recht zahlreichen Kommentare der User auf. Welchen Stellenwert hat die Community für guut.de? Stephan: Man kann die Bedeutung gar nicht hoch genug einstufen. Es geht vordergründig um Kommentare, die aber eine sehr viel breitere Funktion des Austausches und der Bewertung erfüllen. Wir haben im Schnitt 50-200 Kommentare pro Produkt. Bei unserer Aktion Guutrausch hatten wir sogar mal eine Spitze von 2.400 an einem Tag. Posztos: Wir haben auch absolut kein Problem mit einem negativen Kommentar. Mal hat der Nutzer Recht, ein anderes mal wird ihm von anderen Mitgliedern aus der Community widersprochen. So oder so, die Kommentare sind ein erstklassiger Conversion-Treiber. Mindestens genauso wichtig trägt die Community aber zur Unterhaltung rund um das ganze Einkaufserlebnis bei.
eLAB: Das klingt nach einer Menge Lernerfahrung für eine halbjährliche Unternehmensgeschichte. Was habt Ihr Euch für das nächste halbe Jahr vorgenommen? Stephan: Wir wollen den Guutrausch ein mal im Monat institutionalisieren, … Posztos: … wir wollen unseren Fokus bei der einen oder anderen Kategorie wie T-Shirts anpassen … Stephan: … und dann starten wir mit einem Whitelabel bei einem großen und reichweitenstarken Portal. Mehr wird aber erst Mitte des Jahres verraten.
eLAB: Dann danke ich fürs Gespräch und wünsche für die Zukunft, har-har, „alles Guute“ :-)
Im Nachklang zum DLD hatte ich gestern noch die Gelegenheit zu einem äußerst inspirierenden Frühstück mit Ralf Hirt, Vice President International von Glam Media, einem Shootingstar in Punkto innovativem Online-Advertising und -Publishing. Ralf, ein gebürtiger Stuttgarter, ist viel herumgekommen als er zuvor 9 Jahre für DoubleClick in Hong Kong, Sydney und London gelebt und gearbeitet hat. Heute ist sein Standort New York, dem Firmensitz von Glam Media, von wo aus er die aggressive Internationalisierung des Unternehmens voran treibt. Ansonsten, das fand ich mindestens genauso spannend wie seine Firma, hat er gerade ein Buch veröffentlicht, 8W8, welches sich im Genre "Faction" als eine Art Verlängerung von Thomas Friedmans "The World is Flat" versteht.
Was zeichnet Glam Media und den bemerkenswerten Erfolg aus:
Das Unternehmen konzentriert sich konsequent auf die Zielgruppe der Frauen im Internet, die man durch das Konzept von "distributed Media" erreicht.
Einerseits betreibt man das eigene Portal Glam.com, vor allem aber aggregiert man 400 Partner im "middle tail", die als Websites oder Blogs Lifestyle-Themen mit einem Qualitätsanspruch publizieren, aber gleichzeitig alleine zu unterkritisch wären mit großen Vermarktern zusammenzuarbeiten, geschweige denn sich direkt bei den großen Marken zu verkaufen.
Auf der anderen Seite der Gleichung stehen die Werbetreibenden, deren große Marken händeringend zusätzliche Umfelder suchen, in die man mit gutem Gewissen hineingehen möchte. Eine netzwerkweite Verspartung im Glam Netzwerk nach z.B. Beauty, Jewellery oder Home Decor hilft dabei, die Zielgruppe themenaffin noch besser einzugrenzen.
Was bleibt von einem Print-Titel wie Vogue übrig, wenn man ihn der Werbung berauben würde? Sehr wenig. Die Leser sehen die hochwertigen Inserate als wichtigen Bestandteil des Inhaltes an. Aus einem ähnlichen Blickwinkel nähert sich Glam Media seiner Philosophie ausschließlich gut gemachtes Display-Advertisement mit Branding-Wirkung einzusetzen.
Das Wachstum von Glam Media ist absolut atemberaubend. Nach Angaben von ComScore liegen die Unique Visitors bei 44,5 Millionen pro Monat, vor einem knappen Jahr waren es noch 8 Millionen. Damit ist man in den USA in der Kategorie "Women’s Properties" Marktführer.
Die Internationalisierung geht zügig voran, in den nächsten Wochen stehen Japan und Australien an, dann Deutschland und im dritten Quartal 08 Indien. Laut Ralf Hirt kann es bei der Markteintrittsstrategie auf eine "Build" oder "Buy"-Strategie hinauslaufen, wo man bei Letzterer eine geeignete Firma mit bestehender Traktion in der Zielgruppe akquiriert, um diesen Nukleus für das Konzept von Glam Media weiterzuentwickeln.
Exzellentes Managament: Gründer und CEO ist Samir Arora, der als Serial Entrepreneuer bereits verschiedene Unternehmen wie Netobjects und Emode/Tickle hochgezogen und verkauft hat und der sich für Glam Media ein entsprechend hochkarätiges Team an Bord geholt hat.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass eLAB vom Prinzip her ein ähnlich angelegtes Venture im Portfolio hat: Fantastic Zero, welches ebenso mit einer eigenen Seite eine Marke aufbaut, aber vor allem 14 Partner in der Zielgruppe der jungen Männer im Alter von 18-34 Jahren für die Vermarktung aggregiert.
Neulich am Frankfurter Flughafen fiel mir diese Plakat ins Auge, bei dem ich mir auf Anhieb dachte: "Auwei, irgendwas stimmt hier nicht".
Das Thema der beiden Herren auf dem Bild dreht sich offensichtlich um die Kontroverse der geplanten dritten Startbahn am Flughafen Frankfurt am Main. Kein Einwand, dass die Betreibergesellschaft ihre Position plakativ vertitt und auch eine eigene Webseite eingerichtet hat. Nur handwerklich sollte man es halt etwas geschickter anstellen.
Das Plakat ist der Klassiker für die "Bild-Text-Schere", wo das was auf dem Bild dargestellt wird und das, was inhaltlich dazu geschrieben ist, einfach nicht zueinander passen will. Der Gentleman links im Bild präsentiert sich als Gegner des Vorhabens indem er argumentiert: "Vom Flughafenausbau profitieren sowieso nur die Aktionäre der Fraport AG", sagt’s als vermeintliche Speerspitze der Antikapitalististen Rätefront, während die Financial Times gemütlich auf der Anzughose seines 1.000 Euro Zweireihers liegt. Nach dem kleinen intellektuellen Schlagabtausch mit dem Herrn in der rechten Ecke holt er sicher gleich das Handy hervor, um mit seinem Vermögensberater die tägliche Anpassung des Aktienportfolios zu erörtern. Die Fuchtel-Brille dann wieder konzentriert auf der Nase.
Ganz zu schweigen, dass die zu Grunde liegende Idee mit Rede und Widerrede abgesehen von dem genannten Defekt ziemlich ausgelutscht und plump daherkommt. Daumen runter.