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Archiv der Kategorie 'Deutschland'

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27. November 2009 | René Seifert

(Online)-Gutscheine in der Krise immer beliebter

Manche Trends schwappen eben doch noch von den USA von uns. In Amerika machen bereits 81 % der Bevölkerung regelmäßigen Gebrauch von Gutscheinen, denn drüben blickt man auf eine alte Tradition aus dem 19. Jahrhundert zurück. Wenn man in den USA unterwegs ist, dann bekommt man an allen Ecken und Enden neben einem Flyer oder Prospekt gleich einen Coupon dazugesteckt, mit dem man einen ordentlichen Rabatt in X Prozent einheimsen kann. Häufig aber heißt es in der Ansprache “Buy 1 - get one for free” oder so.

In diesem recht zahlenintensiven Artikel von Money CNN wird unter Berufung PR Newswire die massive Größenordnung des Marktes beleuchtet: 231 Milliarden Gutscheine sind in diesem Jahr in den USA Umlauf, vor allem konnte man mit Einsetzen der Krise förmlich zusehen, wie sich aus gemeinen Käufern sparbewusste Schnäppchenjäger geworden sind. Alleine in den ersten 9 Monaten diesen Jahres wuchs die Ersparnis durch solche Coupons um 30 %, oder in absoluten Zahlen auf dem US-Markt um 600 Millionen Dollar, gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr zuvor.

Dieser Trend scheint auch an Deutschland nicht spurlos vorbei zu gehen. Als im August 2001 das Rabattgesetz und die Zugabeverordnung gekippt wurden, war schon mal die nötige gesetzliche Grundlage geschaffen. Immerhin bieten laut einer Mediastudie dieser Tage die Hälfte der Händler bereits in der einen oder anderen Form Gutscheine an, 12 % planen derartige Maßnahmen. In den meisten Fällen zahlt man als Händler beim ersten Verkauf über einen Coupon zwar drauf, aber diese Kundengewinnungskosten amortisieren sich leicht über den Customer Lifetime Value, wenn man mit dem Kunden von da an eine erfolgreiche Geschäfsbeziehung aufbaut.

Wie man es auch für diesen Sektor nicht anders erwarten würde, verlagert sich ein Großteil des Geschehens derzeit vom Papiergutschein zum Abschnibbeln hin zum virtuellen Gutschein zum Anklicken, wie es zum Beispiel das Angebot von www.paperball.de/gutscheine vormacht. In den USA wuchsen Online-Coupons noch schneller als der Gesamtmarkt, nämlich in den ersten 9 Monaten mit 41 % gegenüber dem Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. In Deutschland kommen sogar schon die Hälfte der eingelösten Gutscheine aus dem Internet.

Das Prinzip läuft online nach ähnlichem Muster: Diverse Services wie zum Beispiel www.gutschein-arena.de aggregieren die laufenden Angebote von den bedeutendsten Anbietern, die pro Firma oft zeitlich oder inhaltlich (auf bestimmte Produktkategorien) begrenzt sind. Ein Beispiel von einem bekannten Einzelhändler:

Details zum Neckermann Gutscheincode:
Gutschein Code: “XMAS” – hier klicken
Gutschein-Betrag: 10 Euro
Gültig bis: 13.12.2009
Mindestbestellwert: 25 Euro

Gibt man den Code am Ende der Bestellung im Online-Shop ein, so werden die 10 Euro automatisch gutgeschrieben.

Die wachsende Bedeutung des Internet lässt sich auch ein wenig am steigenden Suchvolumen für Gutscheine ablesen.

Gutscheine Suchvolumen

oder hier der Double-Key mit “Otto Gutschein“, der übers Jahr ein stetiges Wachstum hingelegt hat.

Otto Gutschein Suchvolumen

Gutscheine scheinen - im wahrsten Sinne des Wortes - ein krisensicheres Papier zu sein, welches sich gerade als nächstes zu seinem Siegeszug durch das Internet anschickt. Meine Progonose ist, dass wir demnächst noch extrem spannende Anwendungen in der Verbindung von Mobile, aktuellem Standort, Brick-and-Mortar Läden, dem eigenen Profil und dem Sozialen Netzwerk erleben werden.

Usecase: Ich lauf am Starbucks vorbei und mein PDA meldet mir: “Dein Kumpel Schorschi ist grad alleine drin, gesell Dich dazu. Starbucks gibt Dir 20 % Rabatt auf Dein Lieblingsgetränk Caffe Latte Venti.”

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12. November 2009 | Markus Wölflick

Gutefrage.net launcht Computer-Plattform

Vor wenigen Wochen hat die gutefrage.net GmbH ihre inzwischen sechste Themenplattform gelauncht: www.computerfrage.net, die sich auf alle Ratgeberfragen rund um das Thema Computer konzentriert. Bereits nach vier Wochen haben sich die Visits in den vierstelligen Bereich hochgekämpft. Speziell die organic visits über Google steigen kontinuierlich, was für eine sehr schnelle Indizierung des Portals spricht. Heute gibt es auf computerfrage.net bereits über 1000 Stammuser.

Computerfrage.net Homepage

Das Themenspektrum auf computerfrage.net ist bewusst sehr weit gefasst, um möglichst viele User zu erreichen. Während die Nutzer in der Anfangsphase vor allem Rat zu alltäglichen PC-Problemen etwa mit diversen Office-Anwendungen suchten, wird die Plattform nun auch mehr und mehr von Hardcore-Tekkies in Anspruch genommen, die sich zu php, java oder anderen Programmiersprachen austauschen.

Eine ähnliche Erfahrung konnten wir bereits mit unserem Sport-Portal machen: Obwohl sich auch diese Themenplattform dezidiert von der breit aufgestellten gutefrage.net abgrenzt, empfiehlt es sich, die inhaltliche Ausrichtung einer Website nicht zu eng zu fassen. Diesen Grundsatz beherzigen wir auch bei unseren anderen Themenportalen - und der Erfolg gibt uns recht.

So hat sich in Zeiten von Wirtschafts- und Bankenkrise finanzfrage.net zu unserer momentan wachstumsstärksten Plattform gemausert. Der Grund: Die User können sich dort zu sehr speziellen Geldanlagen wie Derivaten oder Zertifikaten genauso austauschen wie zu den eher existenziellen Fragen rund ums Thema Geld – mittlerweile gehören daher auch Keywords wie „Hartz IV“ oder „Finanzkrise“ zu den am häufigsten nachgefragten Themen auf finanzfrage.net.

Auch auf unserer Reise-Website bewegt sich inzwischen nicht nur der deutsche Durchschnittstourist. Seniorenreisen sind inzwischen ebenso ein Thema wie Familien- oder Singlereisen. Die Reiseziele reichen von Deutschland oder Österreich bis hin zu Afrika oder Mikronesien. Die Userin KaeptnKoC hat sich beispielsweise auf Kreuzfahrten spezialisiert, wohingegen demosthenes lieber mit seinem Motorrad auf eigene Faust Asien erkundet.

Unser Portal zu Gesundheit und Medizin ist inzwischen thematisch ebenfalls sehr breit aufgestellt. Die unterschiedlichen Meinungen zu Homöopathie und klassischer Schulmedizin spiegeln sich auch in den Beiträgen der User wieder und führen nicht selten zu spannenden Diskussionen. So gibt es sowohl Tipps zu Behandlungen mit Globoli als auch Informationen zu gängigen schulmedizinischen Therapien.

In diesem Sinne freuen wir uns, computerfrage.net in der Familie unserer Themenportale willkommen zu heißen und ihr beim hoffentlich schnellen Wachsen zuzusehen.

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30. October 2009 | René Seifert

Medientage München: Hochmut kommt vor dem Fall

Alle Jahre wieder: Die Medientage München, der selbst ernannte Gipfel der Branche. So kann man es freilich auch bezeichnen. Der Gipfel daran ist bestenfallfalls, dass man Jahr für Jahr mit einem neuen Motto herum scharwelzelt, welches den Ernst der Lage immerhin in Euphemismen umschreibt. Heuer lautete es in einer neuen Variation des ewig gleichen Leidens MUT (für “Medien und Transformation”), über das die Süddeutsche zurecht schreibt, dass man sich kein peinlicheres Motto hätte zulegen können. Mut kann man es auch nennen, wenn es sich ein ganzer Haufen hoch bezahlter Leute für drei Tage in einem kuscheligen Paralleluniversum bequem macht, wo einem noch die gebrateten Tauben in den Rachen fliegen und wo der Honig in Flüssen durch die Landschaft mäandert. Weitere Kennzeichen der gehobenen Freakshow:

  • Auch in Jahr 11 von Google nicht verstanden haben, wie man sich als Journalist und Verleger die Suchmaschine im eigenen Sinn zu nutze machen kann, wie Christoph Röck in seinem “Jurassic Park”-Vergleich treffend beschreibt.
  • Straflos Unsinn verbreiten, wo mehrfach erprobte und dabei mehrfach gescheiterte Konzepte wie “Paid Content” für den gemeinenen User als das Neue Testament verkündet werden. Siehe dazu Thomas Knüwer über den “Größenwahn”, der über den “Platz der Realität” fegt.

Ah, und noch ein ganz zentrales Kennzeichen: Das sich gegenseitig auf die Schulter-Klopfen, bei dem man sich geflissentlich versichert zu den Auserwählten zu zählen. Nirgends kommt dies deutlicher zum Ausdruck als bei der alljährlichen “Nacht der Medien”, bei der der Veranstalter auch keinen Zweifel aufkommen lässt:

Gesonderte Einladung direkt durch die Gastgeber und Sponsoren dieser Veranstaltung.

Billiger Trick, funktioniert immer: Künstliche Verknappung. Man läuft der Scheiße hinterher, weil man sie für Gold hält. Seit ich denken kann, gehen Wochen vor dem Event die Anfragen aus dem Netzwerk los: “Kannst Du mir helfen? Kommst Du noch an einer Karte ran oder kennst Du wen, der noch eine übrig hat?” Das Witzige daran: Es findet fast jeder noch sein begehrtes Billet in der dritten Windung, sofern er sich in der Amigo-Seilschaft nur tief genug abgebückt hat. Das Blöde daran: Dann hängt man so tief mit drin, dass man Teil des Problems geworden ist, aber nichts mehr zu seiner Lösung beitragen kann.

Soll konkret heißen: Ein Zirkel, der sich in seinem Elfenbeinturm selbst feiert und dabei systematisch frisches Blut ausperrt, klemmt sich in Wahrheit seine eigene Lebensader ab. Vergleich das mal mit Events im Silicon Valley wie dem “Web 2.0 Summit” oder der “Techcrunch 50″ (ohne gleichzeitig in den Reflex zu verfallen “dort ist alles besser”): Was diese Veranstaltungen, ja die ganze Kultur der Branche auszeichnet, lässt sich am besten mit dem Englischen Begriff “Inclusiveness” beschreiben. Dort käme keiner auf die dämliche Idee, einem zahlenden Event-Besucher den Zugang zu einer Abendparty zu verweigern. Er könnte zwar mit seinen 20 Jahren reichlich milchbärtig aussehen, Badeschlappen tragen, aber der nächste Mark Zuckerberg sein.

Von so einer Haltung ist man bei den Medientagen Galaxien entfernt. Alleine schon deswegen sollte man im nächsten Jahr einen “Gegen-Medientag” parallel zum Jurassic Park veranstalten: Offenes Format, Barcamp-ähnlich, abends noch ‘ne coole Party, kommt alle und bringt noch Eure smarten Freunde mit.

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24. October 2009 | René Seifert

Späte Einsicht: Jack Wolfskin lenkt ein

Also doch. Jack Wolfskin fährt die Krallen ein und verzichtet darauf, die Abmahngebühren durchzusetzen. Das klang kurz vorher noch ganz anders. Üblicherweise halte ich es für äußerst schlechten Stil in einer Situation des Einlenkens noch mal nachzutreten. In diesem speziellen Fall sei aber die Bemerkung gestattet, dass das Unternehmen nicht aus selbstbestimmter Einsicht zu dieser Erkenntnis gelangt ist, sondern weil die öffentliche Meinung langfristigen Schaden für die Marke anzurichten drohte. Nur ein paar Tage vorher, als die Welle der Empörung schon auf Jack Wolfskin einprasselte, aber noch nicht an der Schmerzgrenze angelangt war, hatte man noch so eine breitbeinige “Augen zu und durch”-Testosteron-Ansage von Stapel gelassen.

Plötzlich nun der Sinneswandel, als es gar nicht mehr anders ging. Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln, warum es einmal mehr so kommen musste. Am Ende starren großmäulige Manager bei der Pressekonfererenz wie die Schulbuben auf ihr Mineralwasserglas und erklären kleinlaut, dass sie gelernt hätten und künftig besser auf ihre Kunden hören wollen.

Ich frage mich nur, wie oft so eine Nummer noch passieren muss, wo das Management einer Firma den ganzen Eskalationszyklus durchläuft, am Ende klein beigeben muss und zwangsläufig von einem Imageschaden gerupft dabei heraus kommt. Keiner kann einem Management die Entscheidung und die damit einhergehende Verantwortung abnehmen, aus eigener Erfahrung kann es aber passieren, dass man sich von schlechten Juristen falsch beraten lässt.

Ein guter Jurist ist mehr ein Situationsgestalter als ein Paragraphenreiter, jemand der eine Lage im Hinblick auf ihre inhaltliche und menschliche Gemengenlage durchdringt und daraus eine rechtlich saubere Vorgehsweise formen kann. Manchmal wird ein guter Jurist - auch wenn man im Recht ist - dazu raten, den Ball flach zu halten. Ein schlechter Jurist kann im Examen Bestnoten abgestaubt haben, lässt er jedoch in einer Art Semi-Autismus jegliche Streetsmartness vermissen, kommen eben dämliche Strategien dabei heraus.

Freilich alles Spekulation in diesem speziellen Fall. Man kann sich nur wünschen, dass Manager und Rechtsanwälte endlich die Zeichen der Zeit erkennen, dass die Spatzen, auf die mit Kanonen geschossen werden, in der Zwischenzeit eine laute Lobby im Netz bekommen haben. Und dass der Schuss dann gewaltig nach hinten los geht.

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21. October 2009 | René Seifert

Image-GAU: Jack Wolfskin mahnt Amateur-Verkäufer ab

Der bis dato kernig wirkende Outdoor-Ausstatter Jack Wolfskin schaufelt sich derzeit gerade sein Image-Grab, weiß es aber nur noch nicht. Hintergrund: Das Logo, die bekannte Pfote, ist markenrechtlich geschützt und darf von keinem anderen Unternehmen eingesetzt werden. Daran ist auch noch gar nichts auszusetzen. Aber: Einige Heim- und Haus-Handarbeiter haben naiverweise Taschen, Ohrenstecker und Spiegel produziert, auf denen eben irgendeine Pfote aufgebastelt war und die Ware auf der Plattform Dawanda zum Verkauf angeboten. Das wiederum hat Jack Wolfskin zum Anlass genommen, die Verkäufer abzumahnen. Wie man das eben so in Deutschland macht: kostenpflichtig, mit bis zu EUR 991 pro Fall. Den genauen Sachverhalt kann man sehr schön hier bei Spiegel Online nachlesen.

Eigentlich könnte man mit der Story einen neuen Wikipedia-Eintrag mit dem Titel “Mit Kanonen auf Spatzen schießen” aufmachen, oder auch “Schuss, der nach hinten losgeht”. Zumal der Laden offenbar überhaupt gar nichts verstanden hat, wie die Welt heute tickt. Da scheinen noch so ganz Altvordere am Drücker zu sein. Man gibt in den letzten Wochen geschätzt mehrere Millionen an Werbeetat für einen gar nicht schlechten Plakat-Flight in deutschen Städten aus, stellt sich gleichzeitig mit so einer Aggro-Nummer selbst ein Bein.

Das Grundproblem der Unternehmensleitung scheint die SED-artig erstarrte Denke zu sein, dass Kommunikation nur klassisch One-to-Many funktioniert. Dass man die Wahrnehmung des Images gegenüber “der Zielgruppe” über eben so eine Millionenkampagne steuert. Das Blöde ist halt nur, dass diese “Zielgruppe” dank Blogs, Twitter und Facebook plötzlich eine Stimme bekommen hat und sich frei artikuliert. Plötzlich geraten die mühsam erstellten Kommunikationspläne aus dem Ruder, weil keiner die durch das Netzwerk wandernde und sich durch das Netzwerk verstärkende Empörung von (potenziellen) Kunden auf der Uhr gehabt hat. Eine kleine Momentaufnahme bei Twitter über die Suche nach “Jack Wolfskin” illustriert das Stimmungsbild am besten, insbesondere in seiner engen zeitlichen Taktung:

Twitter Search 21.10.09 zu Jack Wolfskin

Zum frontalen Protest gesellt sich inzwischen auch trotzige Häme à la “Nimm dies, Jack Wolfskin” Im Elfenbeinturm der Unternehmenszentrale scheinen die Glocken immer noch nicht zu läuten. Gestern, als der Wind schon aufgefrischt war, hat das Unternehmen offensichtlich seine selbst produzierten Windbreaker angelegt, klassisch gemauert, auf die Rechtslage verwiesen und bekräftigt, seine rechtmäßigen Ansprüche durchsetzen zu wollen.

Das erinnert mich ein wenig an die Beschreibung von Jassir Arafat in Bill Clinton’s Biografie “My Life”: “He never missed an opportunity to miss an opportunity.” Wäre eine gute Gelegenheit gewesen, wahre Größe zu zeigen, indem man die Abmahnkosten zurück nimmt, einräumt übers Ziel hinausgeschossen zu sein und gleichzeitig freilich in einem freundlichen Brief noch einmal auf die bestehende Rechtslage mit der Tatze verweist. Dies hat durchaus seinen Sinn, will man diesen schützenden Anspruch später gegenüber “echten Markenpiraten” nicht verwirkt haben.

Stattdessen weiter voll druff mit der juristischen Keule. Die gut bezahlten Entscheider werden schon wissen was sie tun, in ihrer silohaft separierten Welt von Massenmarketing einerseits und Rechtsabteilung andererseits. In Wahrheit dürfte die Botschaft in dieser einen integrierten Welt angekommen sein, um was für ein unfreundliches Unternehmen es sich bei Jack Wolfskin handelt. Schau mer mal, dann sehn mer schon, ob es die Rechthaber von Jack Wolfskin bei der nächsten G&V-Rechnung um die Ohren gehauen kriegen, wenn “die Zielgruppe” mit den Füßen abstimmt und dabei die Verkaufszahlen abrauchen.

In einem ordentlich sortierten Outdoor-Geschäft irgendwo in einer deutschen Fußgängerzone gibt es eine ganze Reihe von guten Produkten von anständigen Unternehmen. Blöd gelaufen, wenn die Kundschaft beim Kauf mit gutem Grund in Zukunft an der Marke Jack Wolfskin vorbeigreift.

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9. October 2009 | René Seifert

5 Fragen: Wie sieht mobiles Internet aus?

Dieser Tage stolperte ich über diesen hervorragenden Denkanstoß aus dem McKinsey Quarterly “What will shape the wireless Internet?(Gratis-Registrierung erforderlich) In der Tat die richtige Frage zum richtigen Moment. Vor nicht allzulanger Zeit im Jahr 2000 mit den UMTS-Versteigerungen und noch mehrfach zwischendrin kam man sich ja vor wie auf der Besuchertribüne von Cape Caneveral. Der Countdown läuft mit noch 30 Sekunden, 29, 28 … und wird dann wieder einmal abgebrochen. Die gefühlte Zuversicht “Jetzt muss es doch bald losgehen” zieht sich schon fast ein Jahrzehnt. Aber jetzt wirklich, die Zeichen mehren sich,  jetzt geht’s los, jetzt geht’s los! :-)

Der Artikel wirft die relevanten Aspekte nacheinander auf:

  1. Wird mobiles Internet der Ersatz fürs Kabel? Im Augenblick nutzen 90 % der mobilen User weniger als 2 GB pro Monat. Damit kommen die meisten per Kabel nicht wirklich weit. Daher ist diese Transformation bezogen aufs Datenvolumen noch Kaffeesatzleserei.

  2. Kommt das mobile Internet von der Leistung an das fest Verkabelte heran? Im Augenblick noch nicht, wenn man sich so die mobilen 2 MBit/s im optimistischen Fall anschaut. Witzigerweise merken die Telcos, dass der Traffic aber so stark steigt, dass das nächste technische Upgrade für mehr Bandbreite bald angezeigt scheint.

  3. Wo gehen die Nutzer für den besten Content und besten Applikationen hin? Darüber könnte man alleine schon ein paar Doktorarbeiten schreiben. Auf jeden Fall gehen sie nicht in den mobilen “Walled Garden”, den sich die Telcos seinerzeit bunt ausgemalt haben, der aber menschenleer geblieben ist. Obwohl das iPhone eines der lästigsten Probleme der mobilen Nutzung, nämlich sich Webseiten anzeigen zu lassen, halbwegs brauchbar gelöst hat, heben mobile Apps ab wie eine Rakete. Aber das Rennen ist mit den Aktivitäten von Nokia, Google und Microsoft noch alles andere als entschieden.

  4. Über welche mobile Internet sprechen wir eigentlich? Gute Frage, so selbstverständlich wie “das von den Mobilfunkbetreibern” lautet die Antwort nicht. WiFi bekommt gerade durch das iPhone, aber auch andere Smartphones, erheblichen und unerwarteten Aufwind, wie Om Malik treffend beobachtet.

  5. Wie sieht das Geschäftsmodell aus? In Sachen Zugang gibt es die klassischen Formen, auch in gemischter Ausprägung, Flat-Fee bzw. Datenvolumen. Das Modell “Flat” hängt wie auch im Kabelnetz immer bei den Extrem-Saugern durch, die weit überdurchschnittlich die Netze verstopfen, aber deswegen auch nicht mehr zahlen. Umgekehrt ist “Flat” ein prima Verkaufsargument, weil man ohne geistige Blockade mobil ins Internet geht. Datenvolumen kann auch richtig teuer werden, wie ich neulich in China durch selbst verschuldetes zügelloses Datensurfen zum Auslandstarif feststellen durfte. Paid Content ist der ewig tote Leichnam im Kabelnetz, scheint aber bei Applikationen für z.B. das iPhone eine gewisse Wiederauferstehung zu erleben. Medienzar Rupert Murdoch hat beispielsweise angekündigt, mobilen Zugang fürs iPhone und den Blackberry beim Wall Street Journal kostenpflichtig zu machen. Die Mischung aus Gratis-Apps und solchen zur Bezahlung ergibt ein neues Geschäft wo sich inzwischen auch schon sehr viele Developer tummeln.

Ein paar Fragen, mit denen man gerade mal an der Oberfläche kratzt. Freue mich über jeden gedanklichen Impuls.

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7. August 2009 | René Seifert

Krise: Was passiert mit den alten Werbespendings?

Es mehren sich die Signale, dass das Schlimmste hinter uns liegen könnte. Neulich hab ich dazu den lustigen Spruch von einem Bankanalysten mit typisch trockenem britischen Humor gehört: “Die Krise war so schlimm, dass sogar jemand das Licht am Ende des Tunnels ausgeknipst hat. Jetzt ist es immerhin wieder an.”

Besonders stark sind die positiven Signale in Asien, wo zum Beispiel Singapur im 2. Quartal 2009 einen Rebound von +20 % gegenüber dem Q2/2008 beim Bruttosozialprodukt hingelegt hat. (Es sei nicht verschwiegen, dass es dafür zwischen Q4/2008 vs. Q4/2007 ganz gepflegt 18 % in der Keller ging). Wenn nix fieses nachkommt, könnte dieser Trend auf eine V-förmige Erholung hinaus laufen. Ähnlich positiv haben sich China (+18 %) und Südkorea (+10%) in Q2/2009 zurück gemeldet. In Deutschland hat, wie heute berichtet wird, der Konkunkturmotor Export im Juni wie schon seit drei Jahren nicht mehr angezogen. Andere Indikatoren wie Insolvenzen, Konsum und Arbeitsmarkt lassen indes noch auf sich warten bzw. reagieren mit zeitlicher Verzögerung auf den Einbruch.

Die gute Werbebranche ist traditionell als erste betroffen, wenn es um Kürzungen geht und traditionell die letze, der man wieder “a  Göid” gibt, wenn sich die Konjunktur zu erholen anschickt. Dieser Economist-Artikel “Nothing to shout about” beschreibt die Lage recht treffend. Demnach werden laut Nielsen die Werbeausgaben in diesem Jahr in den USA um 14,5 % fallen, sicherlich auch aufgrund der “Sondereffekte” wie General Motors- und Chrysler-Pleiten. Bei näherer Betrachtung sind die einzelnen Medien sehr unterschiedlich vom Abschwung betroffen: Während beispielsweise Zeitungen mit minus 26,5 % ein verheerendes Jahr erleben, gehen die Budgets im Internet um 3 % noch ziemlich moderat zurück.

Die Nielsen Zahlen in Deutschland sehen ein bisschen besser aus. Während in Q2/2009 Publikumszeitschriften von allen Medien mit -17 % am meisten gerupft wurden, konnte das Internet mit +3 % zulegen. Innerhalb der Internet-Spendings sind nicht alle werbetreibenden Branchen gleich. “Gesundheit & Pharma” zeigte mit +110 % bei Online-Etats nach oben, ein Zeichen dafür das dieses eher traditionell-konservative Klientel mittlerweile den Schuss gehört hat und anfängt ins Netz umzuschichten.

Die übergeordnete Frage stellen sich freilich alle, ob wir jemals wieder zu den alten Verhältnissen im Werbekuchen zwischen den Mediengattungen zurück kehren werden oder ob diese aktuelle Krise strukturelle Verschiebungen hinterlassen wird. Ich glaube letzteres, da mir der Trend zu stärkerer Rechenschaftslegung über Performance-Marketing unumkehrbar erscheint. Der Werbetreibende will zunehmend wissen “Was kost’s” und “Was bringt’s” und sich weniger mit Heilsversprechen von Agenturkreativen in schwarzen Anzügen und viereckigen Pappen einlullen lassen. In diesem Zusammenhang fällt auch auf, dass man durch Codes in Printanzeigen oder spezielle URLs bei Fernsehspots versucht, über den Medienbruch hinweg Werbewirkung so gut es halt geht zu messen.

Nächste Woche bin ich in San Jose auf der SES und werde freilich hier auf unserem kleinen Blog darüber berichten, was sich so Neues bei Analytics-getriebenem Marketing tut.

Wünsche ein schönes Wochenende allerseits.

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30. July 2009 | Sascha Schmidt

Konfliktlösungen: Mediation in Unternehmen

Zwei Personen streiten sich um eine Orange. Beide behaupten, dass sie die ganze Frucht für ihr jeweiliges Vorhaben benötigen. Ein Teilen der Orange kommt nicht in Frage! Das ist eine klare Position von beiden Seiten. Und so geht die Diskussion endlos hin und her, bis endlich gefragt wird, wofür die Orange  gebraucht wird. Als Antwort kommt heraus, dass Person A nur das Fruchtfleisch will und Person B die Schale benötigt. Eine Lösung zeichnet sich ab ….

Das Beispiel ist ein Klassiker innerhalb der Mediationsbranche um Sinn und Zweck einer interessengesteuerten Konfliktbeilegung zu verdeutlichen. In vielen Konflikten werden hingegen nur Standpunkte und Argumente  ausgetauscht. Es fehlt Raum, Zeit und Geduld, sich mit den Interessen des Verhandlungspartners zu beschäftigen. Und: Oft sind die eigenen Interessen noch nicht richtig erforscht und bewusst, so dass Lösungen jenseits des geforderten Standpunktes als nicht denkbar erscheinen.

Ziel einer Mediation ist es, Interessen und Absichten beider Parteien offenzulegen und zu befriedigen. Dies ist die Basis, um weitere Werte aus dem Streit zu schöpfen, anstatt Werte zu zerstören. Bei der Wirtschaftsmediation gibt es neben der Wertschöpfung im kapitalistischen Sinne noch andere Werte wie zum Beispiel „gesunde“ und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen oder innerbetrieblicher Frieden, die gewonnen werden können.

Vier typische Konfliktarten
Konflikte zwischen und innerhalb von Gründungen, Start-Ups und etablierten Firmen können in unterschiedlichsten Formen auftreten. Vier häufige Konfliktarten sind:

  • Verteilungskonflikte - “Wir wollen mindestens dasselbe haben wie ihr”: Hier geht es darum, von einem „Stück Kuchen“ (z.B. Firmenanteile) so viel wie möglich für sich zu beanspruchen.
  • Zielkonflikte - “Wir wollen etwas anders als ihr erreichen“: Klassisches Konfliktfeld von Gesellschaftern, die sich über die Ausrichtung und zukünftige Entwicklung ihrer Beteiligungen nicht einig sind.
  • Strategiekonflikte - “Wir haben das gleiche Ziel, aber wollen unterschiedliche Wege gehen“ – Wenn operative Geschäftsführer sich nicht einig sind über die zu treffenden Maßnahmen, dann kann dies gesamte Projekte und Unternehmen gefährden.
  • Rollenkonflikte - “Ich muss mehrere Rollen zugleich ausfüllen“: Gesellschafter und Geschäftsführer in Personalunion erleben diesen Konflikt immer wieder.

Die Verteilungskonflikte werden oft offen ausgetragen. Die anderen Konfliktarten sind den Beteiligten häufig nicht bekannt oder bewusst. Hinter so manchem Verteilungskonflikt schlummern noch andere Varianten.

Wann ist Mediation sinnvoll?

Nicht alle Konflikte lassen sich durch eine Mediation lösen. Es gibt fünf typische Merkmale innerhalb von Verhandlungen und Konflikten, die den Einsatz von Mediation begünstigen:

  • Nichtrechtliche Interessen stehen bei den Parteien im Vordergrund.
  • Der Konflikt beinhaltet emotionale Betroffenheit der Beteiligten.
  • Nachhaltige und zukunftsorientierte Lösungen werden gesucht.
  • Eine schnelle Konfliktlösung soll erreicht werden.
  • Es besteht ein großer Wunsch nach Vertraulichkeit der Verhandlungen.

Ablauf einer Wirtschaftsmediation
Mediation durch einen neutralen Dritten zeichnet sich dadurch aus, dass die Interessen der Parteien und nicht deren Positionen oder Rechtsansprüche im Fokus stehen. Der Mediator muss unabhängig sein und zugleich von beiden Parteien akzeptiert werden. Weder empfiehlt noch trifft er Entscheidungen. Seine Aufgabe besteht „rein“ darin, die gemeinsame Lösungsfindung zu leiten und zu moderieren. Eine Wirtschaftsmediation erstreckt sich normalerweise über fünf Phasen, die voneinander abhängig sind:

1.    Begrüßung und Vereinbarung der “Spielregeln” für die Verhandlung
2.    Schilderung des Sachverhaltes aus den unterschiedlichen Perspektiven
3.    Erforschen der Interessen hinter den Sachverhalten und Positionen
4.    Gemeinsames Entwickeln und Bewerten von Lösungsoptionen
5.    Abschluss mit einem Mediationsvergleich oder dessen Eckpunkten

Wie finden Sie einen geeigneten Mediator und was wird es kosten?
Grundvoraussetzung für eine Mediation ist die Neutralität der Person, die als Mediator tätig wird. Daher ist es sinnvoll, dass beide Parteien sich auf eine Person verständigen, die mit keinen der Parteien bereits in beruflichen, privaten oder persönlichen Kontakt steht. Ansonsten laufen Sie immer Gefahr, dass die Neutralität innerhalb der Mediation angezweifelt wird.

Wenn ein Mediator gesucht wird, dann empfiehlt es sich, bei den entsprechenden Ausbildungsinstituten nach einer Liste von möglichen Kandidaten zu fragen. Ich selber habe meine Ausbildung am Centrum für Verhandlungen und Mediation an der LMU in München (CVM) absolviert, welches beispielsweise entsprechende Namen von potenziellen Mediatoren nennen kann. Weiterhin gilt das Prinzip der persönlichen Empfehlungen, d.h. fragen Sie in Ihrem Businesskreis nach Erfahrungen mit Mediation.

Die Kosten einer Mediation hängen von den entsprechenden Honorarsätzen des Mediators ab. Als Kalkulationsbasis hat sich etabliert, dass neben den Zeitkosten für die Mediation noch einmal die gleiche Vorbereitungszeit durch den Mediator eingerechnet werden sollten. Zusätzlich entsprechende Spesen für einen neutralen Tagungsraum und eventueller Reisekosten. Grundsätzlich tragen beide Parteien die Kosten zu je 50 Prozent.
Last but not least: Es lohnt sich, den vielleicht anfänglich hoch erscheinenden Mediationskosten eine Prozesskosten- und Prozessrisikoanalyse gegenüberzustellen. Vor Gericht ist es wie auf hoher See – you never know what is next …

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5. July 2009 | René Seifert

Global India Business Meeting in München

Ein paar Zeilen wollte ich noch von einem ersklassigen Event Anfang der Woche in München nachtragen: Das Global India Business Meeting in München, veranstaltet von Frank Richter, der sich nach seiner Zeit als Director für Asien beim World Economic Forum mit seiner Firma Horasis 2005 selbständig gemacht hat.

Frank Richter, CEO Horasis and Host

Mit über 200 Teilnehmern aus Indien, der indischen Diaspora, dem nahen Osten und Europa ging es um den Stand der Weltwirtschaftskrise, Globalisierung und Opportunities für Unternehmer im Kontext Indien. (Alle Bilder vom Event hier bei Flickr.)

Der indische Wirtschaftsminister Anand Sharma verwies in seiner Dinner Speech darauf, dass Indien nicht zuletzt dank einer restriktiven monetären Politik von dem direkten Effekt der Finanzkrise weitgehend verschont geblieben sei. Bei den Exporten habe das Land jedoch sehr wohl die zurück gehende Nachfrage zu spüren bekommen. Alles in allem sei man dank eines starken Binnenmarktes optimistisch, in diesem Jahr ein Wachstum von 6 bis 7 % zu erzielen. Mit einem frischen Mandat nach den Neuwahlen in Indien, aus denen die Regierung gestärkt hervor gegangen ist, müsse man vor allen Dingen ein “inklusives Wachstum” der 70 % auf dem Land lebenden Bevölkerung gewährleisten.

Gerhard Cromme, Aufsichtsratchef von Siemens und ThyssenKrupp, sprach über die Erfolgsfaktoren aus seiner langjährigen Management Erfahrung:

G V Krishna Reddy & Gerhard Cromme

  • Lokale Präsenz: Indien kann man nicht aus dem Ausland “fernsteuern”, man muss sich vor Ort auf das Land einlassen und schnell Netzwerke aufbauen.
  • Lokale Mitarbeiter: Eine rein aus Expats bestehende Führungsmannschaft beißt auf Granit, frühzeitig sollte man indisches Personal einstellen und in Punkto Karrierechancen systematisch zu höheren Aufgaben entwickeln.
  • Geduld: Schnell geht in Indien gar nichts, manchmal steht alles still, und plötzlich passiert’s dann doch ganz schnell wenn man am wenigsten damit gerechnet hat.

Deckt sich nach über 5 Jahren Indien voll und ganz mit meiner Erfahrung. In einem anderen der äußerst intimen “Boardroom Dialogues” frage ich die CEOs von der beiden indischen IT-Riesen Infosys Kris Gopalakrishnan (links im Bild) und von Wipro Girish Paranjpe (rechts), welche Art von Dienstleistung ihre Unternehmen wohl in 5 Jahren anbieten würden. Vor allem getrieben durch technologischer Innovation, wo Informatiker heute mit Hilfe von Open Source Stacks und Frameworks wie Ruby on Rails um ein Vielfaches effizienter Software entwickeln können sind als noch vor einigen Jahren.

Board Room Conversation

Die Antwort war wirklich sehr interessant: Bisher arbeiten indische IT-Outsourcing-Firmen als reine Dienstleister auf Time- und Material-Basis in der Programmierung. Die beiden CEOs sehen die nächsten Schritte auf der Wertschöpfungskette in den Betrieb ganzer Business Anwendungen (z.B. in der Cloud) für einen Kunden. Dies kann sogar eine Beteiligung an Transaktionen zu den Kunden des Kunden bei diesen Anwendungen mit sich bringen. Insofern wäre der Integrationsgrad der indischen Firmen ein deutlich höherer, sie würden das Entwicklungsrisiko vorneweg mittragen, um anschließend direkt am Erfolg zu partizipieren. Beide waren sich aber einig, dass eine solche Transformation nicht von heute auf morgen geschieht und alte und neue Modelle über lange Zeit co-existieren werden.

Außerdem: Kam das Geschäft für die indischen Outsources bisher vor allem aus den USA, Großbritannien und noch ein bisschen aus Kontinentaleuropa, so sehen die Firmen wie Infosys und Wipro ihr Wachstum in neuen Märkten wie China, Südamerika und sogar Afrika. Die Anforderungen an Funktionen und Features seien dort sicherlich rudimentärer als bei Kunden in reiferen Märkten, aber in Punkto Volumen scheint sich dort eine große Opportunity aufzutun.

Klingt nach dem nächsten Kapitel Globalisierung, zu dem einem das Global India Business Meeting einen sehr kompakten Eindruck in hochkarätiger Besetzung verschafft hat.

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26. June 2009 | René Seifert

IVW schafft Page Impressions 2010 ab: Zeit wird’s

Lesenswerter Artikel von Jens Schröder bei Meedia.de über das Ende der Page Impression (PI)-Zählung durch die IVW ab kommendem Jahr. Wurde aber auch wirklich höchste Eisenbahn, dass die PIs als Währung gegenüber den Werbetreibenden auf dem Müllhaufen der Geschichte landen. Denn diese Währung hat in den letzten Jahren enorm abgewirtschaftet, ist in einem Ballon von Inflation aufgegangen und bedarf so wie Deutschland 1948 einer grundlegenden Währungsreform.

Aus der eLAB-Erfahrung gab’s auch schon Fälle, wo man sich über einen plötzlichen Anstieg von PIs bei einem Wettbewerber gewundert hat. Bei näherer Betrachtung war die Seite nicht plötzlich neu oder besser, sondern der Hund lag tatsächlich bei so Maßnahmen der Liga “Klickgalerien mit Hunderten Teilen und Sudoku-Spiele” begraben. Bodenlos. Nicht dass wir deswegen in larmoyanter Weise Mitleid verdient hätten, denn der Wettbewerber bewegte sich damit durchaus im Rahmen des Zulässigen. Derartigen Schlonz ratz-fatz nachzubauen, um zum Konkurrenten aufzuschließen, ist intellektuell und technisch ein totaler “No Brainer”.

Nur: Halten wir fest, was es bisher bedeutet, dass man pro Zahleneintrag bei z.B. Sudoko eine PI erzeugt. Es bedeutet irgendwo implizit für die Werbeplanung, dass man jede dieser PIs auch mit einer oder mehreren Ad-Impressions belegen kann, die dem zahlenden Kunden irgendwas bringen. Lachplatte. Wer ein Sudoku-Rätsel löst, hat sonst Augen für nix anderes. Würde mich wundern wenn die Wahrnehmung, ganz zu schweigen die Click-Through Rate über der nackten Null überhaupt messbar sind.

Demnach ist die Reform dieser Farce überfällig. In der neuen Zählung sollen “nur noch die Klicks auf potenziell werbeführende Seiten berücksichtigt werden”, wie die IVW ankündigt. Ich würde in der Relativierung der Entscheidung nicht so weit gehen wir Jens, wenn er schreibt:

Wer kann aber ausschließen, dass in einem solchen Fall die Websites umprogrammiert werden, auf einmal alle PIs vermarktungsrelevant sind und das Spielchen wieder von vorn beginnt?

Kann schon sein, ausschließen kann man nie nichts. Zumindest zeigt die Entscheidung aber, dass die IVW sich des Problems annimmt und bereit ist, das Schlimmste der Geschwüre herauszupräparieren. Das Problem liegt meiner Auffassung nach eher in einer Asymmetrie bei den unterschiedlichen Zeithorizonten. Während das künstliche Hochtreiben von “offiziellen” Leistungswerten mitunter mit recht innovativen Tricks und vor allem zügig vonstatten geht, lebt der ganze Gedanke der IVW von möglichst hoher Stabilität (Stichwort “Planungssicherheit” für die Agenturen). In diesem Spannungsfeld wird mit der Zeit ein vormals relevanter Parameter nach und nach ad absurdum geführt.

Will die IVW künftig enger am Ball bleiben will, so muss sie im Verbund mit den Agenturen eine höhere Schlagzahl beim Mut zu Neuregulierung an den Tag legen. Wenn wir uns mal die Frage des gleichnamigen Buches von Jeff Jarvis “What would Google do” stellen, dann vor allem dass letztlich die verschiedenen Einzelsysteme sehr wohl in einem Gesamtzusammenhang aufgehen: Was gut ist für den User, ist auch gut für die Werbetreibenden und darauf sollte man seine Leistungswerte hin laufend nachjustieren.

In diesem Sinne sollten Seitenbetreiber sich eher damit beschäftigen, ihren Dienst für den User attraktiver machen anstatt ihre Energie damit zu verschwenden, mit dumpfen Methoden die PIs künstlich nach oben zu pimpen. Immerhin ein kleiner Lichtblick für nächstes Jahr.

15:41 Comments 1 Kommentar » Trackback

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