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Archiv der Kategorie 'Social Networks'

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3. March 2009 | Timo Heuer

Digital Natives: Weshalb man auf sie hören sollte…

“Digital Natives” sind diejenigen Jugendlichen, die von kleinauf den Umgang mit dem Computer und den Neuen Medien gewohnt sind. Für sie ist die ständige Vernetzung und der permanente Austausch mit ihren Mitmenschen über Messenger, Social Network und Handy normal — und sie brauchen ihn.

Für die digitalen Eingeborenen ist das Tauschen von digitalen Gütern Normalität. Sie verstehen nicht, weshalb sie Werke nicht teilen dürfen und von ihren Lieblingsliedern keine Remixe anfertigen dürfen. Die heute geltenden Urheberrechtsbestimmungen werden von dem Gros der im Internet aktiven Jugendlichen umgangen. Urheberrecht besteht in ihren Köpfen nicht. Eine Studie hat herausgefunden, dass (australische) “Digital Natives” im Durchschnitt 800 illegale Songs auf ihren MP3-Playern haben. Problematisch wird das etwa, wenn in der Schule Plagiate, beispielsweise ein aus der Wikipedia ausgedruckter Text, als Eigenleistung abgegeben werden.

Die Krise der Musik- und Filmindustrie ist jedoch meiner Meinung nach nicht nur auf das fehlende Urheberrechtsbewusstsein für digitale Güter zurückzuführen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, sind heutige Musikhörer vor allem Individualhörer, die sich ihren Musikgeschmack nicht mehr vorkauen lassen, sondern ihn individuell durch die Möglichkeiten des Netzes auf sich abstimmen.

Das Handy ist für “Digital Natives” enorm wichtig und immer dabei. Es geht dabei um ständige Erreichbarkeit und das Gefühl, etwas Wichtiges verpassen zu können. Auch hier findet sich die Tauschkultur wieder: Über Bluetooth und ähnliche Technologien tauschen die “Digital Natives” Musikstücke und Fotos mit ihren Freunden. Das stärkt den Zusammenhalt und ist ein Akt der wortlosen Kommunikation.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass die meisten Jugendlichen im Bereich bis 20 (jedenfalls in meinem Umfeld) keine Datenflatrate haben und somit mobile Social Networks speziell für Jugendliche wenig Sinn machen. Sinnvoller sind meiner Meinung nach SMS-Dienste, so langweilig das klingen mag. Ich sage beispielsweise voraus, dass SchülerVZ und StudiVZ durch eine SMS-Integration in ihren Microblogging-Dienst (den man unter “Meine Freunde” finden kann) punkten könnten.

Ihr Handy ist für die Jugendlichen ein mobiler Alleskönner, bei dem die Telefonfunktion nicht an erster Stelle steht. Ob Musik hören, Fotos machen oder SMS tippen: für die Jugendlichen muss ein Handy genau das auch können.

Oft wird gesagt, “Digital Natives” würden keine E-Mails benutzen. Das stimmt in großen Teilen, denn mit ihren Freunden kommunizieren sie per Instant Messenger oder Social Network. Doch zur Registrierung wird in ebendiesen eine E-Mail-Adresse benötigt. Doch die meiste Kommunikation erfolgt über ungezwungenere Quasi-Echtzeit-Systeme wie SMS oder IM.

Capgemini hat herausgefunden, dass die “Generation Internet” Fernsehwerbung zu zwei Dritteln ignoriert und stattdessen auf die Meinung und die Ratschläge der Freunde verlässt. Einen Weg zu finden, diese Freunde zu Evangelisten für die eigene Marke zu machen (Stichwort: Virales Marketing) ist sehr wichtig, um bei den Jugendlichen anzukommen.

Die “Digital Natives” von heute sind die Kunden von morgen. Wenn man ein Produkt für die jüngere Zielgruppe plant, sollte man sich mit ihren oben gezeigten Eigenschaften und ihrem veränderten Konsumverhalten auseinandersetzen. Gute Ansatzpunkte bieten etwa die Bücher “Generation Internet” (Urs Gasser & John Palfrey) oder “Grown Up Digital” (Don Tapscott), sowie meine eigene Linksammlung.

Bald werden die heutigen “Digital Natives” ins Berufsleben einsteigen — oder sie sind es zum Teil schon. Dort werden sie oft auf strenge Hierarchien und für sie veraltete Arbeitsmethoden treffen. Doch ihre Arbeitgeber sollten sie anhören. Viele Digital Natives sind das viel gepriesene “Enterprise 2.0″ von kleinauf gewohnt. Und wie sagt Sören Stamer, der Gründer der CoreMedia AG: “Die Zukunftstechnologie ist in den Händen der Jugend — das ist eine schöne Situation für die Welt”.


Timo Heuer arbeitet als Journalist für das Printmagazin T3N und bloggt unter www.timoheuer.com. Mehr Informationen zum Thema Manifest der Digital Natives” finden Sie in dem Buch DNAdigital – Wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen.

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9. February 2009 | René Seifert

Music 2.0 mit iTunes, Last.FM & Spotify: Wir sind noch lange nicht am Ende

Es gibt vielleicht außer Sex kaum etwas, das uns emotional so unter die Haut geht wie Musik. Inzwischen beschäftigen sich selbst Evolutionsforscher mit dem Ursprung dieser eigentümlich-menschlichen Gestaltungsfähigkeit und ihrer magischen Anziehungskraft auf sowohl Gehör als auch Groopies.  A G’schäftle lässt sich damit sowieso machen, 2005 wurden weltweit rund 12 Mrd. US-Dollar damit umgesetzt.

Über Jahrzehnte war die Welt für das Oligopol der Plattenfirmen in bester Ordnung, bis das Internet und vor allem Napster den Plattenbossen einen fetten Strich durch die Rechnung machten. Fast 10 Jahre hat man dabei vertandelt, bis man vor lauter Bollwerkmentalität eine halbwegs brauchbare und dabei für den Nutzer legale Lösung im Netz entwickelt hat. Wo stehen wir heute?

Relevanz-Revolution

Der Begriff geisterte neulich auf dem DLD im Zusammenhang mit Video im Internet herum, ist aber schon so alt wie Google einem Such-Treffer aus einem gut gefüllten Content-Pool aus dem Netz liefert. John Battelle setzt in seinem Buch “The Search” zwei nachvollziehbare Suchstrategien gegenüber: “Information Recovery” vs. “Information Discovery”. Heißt am Beispiel: Will ich wissen, wie die Hauptstadt von Liberia heißt, bin ich zufrieden sobald ich die Antwort “Monrovia” kenne. Im anderen Fall suche ich nach Blondinenwitzen, und es ist leicht möglich dass ich nach 10 Minuten kehligem Lachen und ein bisserl Herumnavigieren bei Österreicherwitzen gelandet bin (und als Bayer a Riesengaudi hab’ :-). In letzerem Fall reicht ein gerichtetes Interesse, welches man sich mit möglichst vielen passenden Überraschungen füllen lässt.

Auf Musik übertragen existiert das gleiche Phänomen, allerdings in potenzierter Form. Grund dafür ist der Umstand dass Musik über weite Strecken nebenbei gehört wird. Man merkt sehr schnell wenn man einen Song oder ein ganzes Genre zum Kotzen findet; wenn es aber irgendwie passt, dann nimmt man den Schallteppich im Hintergrund billigend in Kauf. Frag mal warum das gute alte Radio immer noch nicht totzukriegen ist, bei dem ich 10 Jahre lang als Moderator anschaffen gegangen bin.

Konkret haben sich im Web vom Ursprung her zwei Konzepte entwickelt, die im üblichen Internet-Tempo flott aufeinanderzukonvergieren.

iTunes

Schlaues Übertragen des alten Modells: Man kauft genau die Songs, die man möchte, aber nicht die Katze im Sack. Jeden Titel kann man gratis 30 Sekunden vorhören. Außerdem muss man sich seit iTunes auch keine ganze Kuh (=Album) kaufen, wenn man mal ein Glas Milch (=Song) trinken will, auch bekannt in der Branche als “Unbundling”. Das war zum Preis von 99 Cent zugegebenermaßen sensationell, bedarf allerdings eines recht aktiven Zutuns des Nutzers (=Käufers).

iTunes_Store

Freilich hat dem Konzept zum Durchbruch verholfen, dass Apple von Anfang an das ganze Eco-System verstanden und mit seinem disruptiven Geschäftsmodell neu besetzt hat: Mit einem coolen Player ließen sich die alten MP3 geschmeidig importieren und dank Sync mit dem iPod hatte man einen ganzen Plattenschrank in der Hosentasche dabei.

Last.FM und Pandora

Einen anderen Weg haben diese beiden Dienste eingeschlagen: Man gibt einen Künstler ein, den man gerne hört und Last.FM liefert einem irgend einen Song aus dessen Repertoire und anschließend Songs von Bands, die vom Genre ähnlich liegen. Dies “Ähnlichkeit” bestimmt sich vor allen Dingen aus dem “Collaborative Filtering” über andere Nutzer des Dienstes hinweg. Indem man Songs alleine schon durch den Button “Love” bzw. “Dismiss” qualifiziert, “lernt” das System zunehmend den eigenen Geschmack und dudelt einem ohne viel eigenes Zutun stets einen passablen Klangteppich vor.

Gleichzeitig werden einem andere Nutzer mit ähnlichem Geschmack als Nachbarn empfohlen, in deren virtueller Plattenkiste man für seine eigene Playlist wildern darf. Das Geschäftsmodell beruht auf “Freemium“: Zum Anfixen kann man sich an den ganzen Umfang gewöhnen, bis der auf ein paar Grundfunktionen zurück fällt und man für € 2,50 im Monat wieder die ganze Pracht genießen darf.

Last.FM_client

Der wesentliche Unterschied besteht in der lizenzrechtlichen Ausgestaltung von Last.FM im Gegensatz zu z.B. iTunes, wo einem die Songs “gehören”. Last.FM ist graduell – wie der Name schon suggeriert – wie ein personalisiertes Radio, wo man aber nicht den exakten Zeitpunkt und die Reihenfolge seiner Songs bestimmen kann. Hintergrund sind anders geartete Rechteübertragungen der Plattenfirmen, die bei Pandora sogar dazu geführt haben, dass der Dienst technisch nur für die U.S.A. beschränkt ist. (Auch noch so ein übles Relikt aus der analogen Zeit, wo Medien-Rechte nach Regionen vergeben worden sind und welches dringend geschliffen gehört.)

So gut Last.FM funktioniert, so grottenschlecht finde ich die Usabilty umgesetzt, die es versäumt einmal im Leben genau zu vermitteln, worin der Unterschied zwischen “My Recommendations”, “My Radio Station” und “Neighbourhood” (siehe Screenshot oben) besteht. Gleichzeitig werden inkonsistente Bezeichnungen zwischen Webseite und Download-Client für z.B. “Playlist” verwendet. Vor allem wird einem nie erläutert, was man genau tun muss um die Mucke in diesen einzelnen Kanälen für den eigenen Geschmack zu optimieren. Zum Abschluss des kleinen Bashings noch der Eindruck, dass sich Last.FM mit Featuritis überladen hat und der Grundnutzen nur noch mit der Machete im Funktionalitäten-Dschungel auszumachen ist.

Spotify

Kein Wunder, dass ein neuer Dienst wie Spotify die Gelegenheit erkennt und mit einem mega-einfachen Konzept auffährt und dabei versucht, das beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Man lädt sich einen angenehm schlichten Client herunter und dank Lizenzvereinbarungen mit den großen Labels hat man so gut wie den ganzen Katalog der Musik zur Verfügung. Jetzt kann man eher im iTunes-Modus Songs in beliebig vielen Playlisten nach exakt eigenem Gusto und Reihenfolge zusammen stellen. Allerdings “gehören” einem die Titel nicht, sondern werden aus dem Netz in bester Qualität gestreamt. Macht eigentlich nix, wo einem die “Cloud” eh den Job der Datenspeicherung besser und sicherer abnimmt als man es je selber hinbekommt, während man in einem “Always On”-Szenario Zugriff auf seine digitalen Schätze hat.

Das Geschäftsmodell versucht den Nutzer auf die € 9.99 pro Monat zu treiben, bei dem man den ganzen Katalog zur Verfügung hat, zum Testen für einen Tag kostet’s € 0,99. Ziemlich spektakulär: In einigen Ländern wie der Heimat der Gründer Schweden, aber auch Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich und Spanien gibt’s auch eine Gratis-Version, bei der einem pro halbe Stunde 1 Minute Werbung zugespielt wird. In den anderen Ländern arbeite man noch an diesem Angebot.

spotify

Umgekehrt ist Spotify was relevante Empfehlungen à la Last.FM angeht, noch ziemlich schwach auf der Brust. Es gibt zwar die Funktion “Radio”, die einem zwar schick aufgemacht, nach Genre und Jahrzehnt Songs zusammenstellt. Leider sind die, um in der Sprache der alten Vinyl zu bleiben, eher in der Güte der B-Seite zur eigentlichen Hit-Single. Fairerweise ist der Dienst mit ein paar Monaten noch recht jung und hat sich zu Recht den Fokus zunächst auf das größere Problem gelegt, nämlich die Rechte für ein Abo-Modell für On-Demand im ganzen Musik-Universum zu klären. Das andere kann man im Produktmanagement leichter nachziehen.

Der Heilige Gral der “Playlist”

Ganz im Einklang mit einer der tragenden Säulen von Web 2.o, nämlich “Data is the Intel Inside“, balgen sich alle Beteiligten um ein Stück von der Playlist des geneigten Users, um ihn durch maßgeschneiderte Angeboten an sich zu binden. Last.FM, das muss man ihnen lassen, haben  früh erkannt, dass man sich nicht nur auf die Betätigung auf dem eigenen Dienst verlassen sollte, sondern ebenfalls andere dafür anzapfen kann. Wozu haben wir eigentlich das Netz als Plattform? :-) Mit dem Opt-In durch den User werden beispielsweise die Hörgewohnheiten von iTunes in die Empfehlungen von Last.FM verbraten (“Scrobble“).

Aber das Imperium schlägt bekanntlich zurück. Seit kurzen bietet iTunes sein eigenes Konzept “Genius” an, bei dem man einen Song anklickt und das System offeriert einem nach Wunsch 25, 50 oder 100 ähnliche Songs für die Playlist. Selbstverständlich wird einem auch im iTunes-Store daraus eine passende Einkaufsliste auf dem Silbertablett präsentiert.

Viel zu viel Macht in der Hand von einigen wenigen, die nur das eigene kommerzielle Interesse im Auge haben, schreit die Open Source-Community und hält mit Songbird dagegen, der als “Firefox unter den Media Playern” positioniert wird.

songbird

Eine “nette Idee”, in der ganzen Bedeutungsbreite des Ausdrucks. Schau mer mal, dann seh mer schon, wo das Konzept in zwei Jahren landet.

Eine ideale Music 2.0-Welt

Ein großer Schritt mit Siebenmeilenstiefeln wäre getan, wenn man dem besten der einzelnen Lösungen abzüglich ihrer Defekte eine Rakete der augenblicklichen technischen Beschleuniger unter den Hintern klemmt. Im einzelnen:

  • Spotify mit der Community von Last.FM, sauber und einfach umgesetzt würde “song recovery” und “song discovery” miteinander verheiraten. iTunes müsste sich warm anziehen.
  • Ein schnittstellenoffenere Open-Source Player, der dem Nutzer dezentral die Kontrolle über seine Playlisten ermöglicht und gleichzeitig dem berechtigten Interesse nach Urheberrechteschutz der Labels nachkommt.
  • Ein Client, den man sich auf alle gängigen Mobilplattformen (iPhone, Android, Windows Mobile und Symbian) installieren kann und über den man unterwegs per WLan oder dank UMTS-Flatrate seine Songs gestreamt bekommt. Vor allem eine klug integrierte Verzahnung des Fat Client auf dem Desktop, wo man alles mögliche machen, einstellen und vorbereiten kann, was einem der einfachere Thin Client für unterwegs vor allem abspielt.
  • Zur Krönung auch die Speicherung der Liebling-Playlist auf dem mobilen Device à la iPod, falls man wirklich nicht online sein sollte.

Das wäre so weit man die “no brainer” im Sinne einer inkrementellen Innovation. Aber wer weiß, was sich gerade ein paar schlaue Jungs in einer Garage irgendwo auf dieser Welt an wirklich bahnbrechend Neuem ausdenken.

Was Musik im Internet angeht, sind wir noch lange nicht am Ende.

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14. January 2009 | René Seifert

Jogmap-Gründer Werner Bogula im TV-Interview

Morgenstund halt Gold im Mund, und so hat unser Werner Bogula von Jogmap keine Antrengungen gescheut um sich früh morgens in die Maske zu setzen, die Nase pudern zu lassen und um 7.10 h telegen on-air zu gehen. Zum Interview im “Frühcafé” beim Hamburger Lokalsender Hamburg 1.

Als Gründer und Geschäftsführer von Jogmap spricht er in dem 5-Minuten Interview wie alles anfing, was Jogmap kann und bringt, wie einen der Schweinehundalarm den Couchpotato auf die Laufstrecke treibt, Laufgruppen, Ligas zwischen verschiedenen Städten und wie er für sein Unternehmen optimistisch in der Krise bleibt. Motto: “Gelaufen wird immer.” Und geglotzt auch. Somit Vorhang auf und Film ab für Werner :-)

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12. January 2009 | René Seifert

Globale-Studie: Wie wir online Unbekannten vertrauen

Nachdem sich das “Mitmach-Internet” nun bin in den letzten Winkel dieser Welt breit gemacht hat, wo es wenigstens einen Online-Anschluss gibt, hat sich die Marketing-Beratung Universal McCann an ein paar spannende Fragen in diesem Dunstkreis heran gemacht. Im besonderen, wie das Internet unser Verhältnis zu “Unbekannten” verändert hat. In einer Studie von 17.000 Teilnehmern aus 29 Ländern kamen auch einige recht bemerkenswerte Erkenntnisse heraus. Die ganze Studie kann man sich direkt hier als PDF von der Agentur-Seite herunterladen oder ansonsten eleganter hier online bei Slideshare ansehen.

Am meisten ins Auge gestochen sind mir diese beiden Grafiken, die in absteigender Rangreihe darstellen wem wir vertrauen. (Sorry vorab, wenn man es schlecht lesen kann, bitte auf die Grafiken klicken, dann gehen sie in einer augenfreunlicheren Größe auf.)

Wem wir vertrauen 1

bzw. wem wir eher weniger vertrauen (weiter hinten in der Skala):

Wem wir vertrauen 2

Was einem da entgegenspringt:

  • Das eigene soziale Netzwerk hat immer noch die größte Relevanz.
  • Platz 5, 6 und 8 besetzen Seiten, denen entweder durch das “Wisdom of the Crowds”-Phänomen oder einen algorithmischen Vergleich Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird.
  • Old Media: Kommt im Mittelfeld, Zeitschriften und Zeitungen schneiden besser ab als die Glotze.
  • Einzelmeinungen von Unbekannten (Leserbriefe, Kommentare bei Blogs, persönliche Blogs) fallen in der Glaubwürdigkeit spürbar ab.
  • Werbung: Jo mei, wie wir in Bayern sagen, da magst am Liebsten davon laffa (=laufen).
  • Ganz am Ende der Nahrungskette stehen E-Mails von Firmen. Wer ist eigentlich nicht taub nach 10 Jahren Spam? Noch unglaubwürdiger schneiden nur noch Empfehlungen von Promis ab. Muss man sich bald Sorgen um das Einkommen von Kaiser Franz machen?!?

In der Studie wird weiterhin erläutert, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen Alter der Internet-Nutzer und ihrer Bereitschaft Fremden zu vertrauen. Es handelt sich also nicht um ein womöglich angenommenes “Generation Y“-Phänomen. Es gibt aber eine Korrelation zur Bildung, nämlich je höher die Bildung, desto mehr vertraut man Unbekannten.

Bei 29 Ländern im Panel gab’s auch Vergleiche zwischen verschiedenen Nationalitäten. Bei der Frage inwieweit Soziale Netzwerk-Dienste dazu dienen, neue Freunde kennenzulernen stehen Länder aus den “Emerging Markets” wie die Philippinen, Indien, Pakistan und Mexiko klar an der Spitze, bevor mit großem Abstand die so genannten “Entwickelte Welt” folgt.

Meine Erklärung dafür: So wie diese Länder das Festnetz-Telefon übersprungen haben und gleich mit dem Handy ihren Erstkontakt bei der Telefonie erlebt haben, so kamen Online-User in diesen Ländern nie mit dem drögen “Lese-Netz” in Berührung. Sie kannten nie etwas anderes als das Internet zum Mitmachen – das “Web 2.o”.

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9. December 2008 | René Seifert

LeWeb 08: Trends in der Krise

Man macht sich nichts vor, dass wir in einer Krise stecken auf der LeWeb in Paris. Mit wem man auch immer spricht, so hört man meistens eine Aussage à la: "Es ist jetzt schon schwierig genug, aber wer weiß wie schwierig s noch kommen wird." "Schwierig" lässt sich für unsere Branche in folgende Kategorien einordnen:

  • Das junge Unternehmen liegt bei den geplanten Umsätzen zurück, defizitär ist es ohnehin.
  • Deswegen beschleunigt sich der Bedarf an einer Nachfolgefinanzierung, die wiederum aufgrund der Klammheit der Investoren schwieriger verfügbar ist.
  • Neue Start-Ups drehen Schleife um Schleife und sammeln statt Geld nur Körbe ein.
  • Wenn es Finanzierung gibt, dann zu spürbar niedrigeren Bewertungen.
  • Investoren kriegen Absagen von ihren Limited Partnern, nachdem der Wert deren Portfolios durch den Börsencrash verfallen ist so dass sie sich an jeden Euro Liquidität klammern.

Marc Samwer nimmt vom European Founders Fund kein Blatt vor den Mund: "Die meisten Unternehmen haben noch nicht begriffen, wie tief greifend die Krise ist und haben vor allem auf ihrer Kostenseite adäquat darauf reagiert." Die VCs auf dem Panel sind sich ziemlich einig wie man durch die geschätzten harten nächsten 12-18 Monate kommt.

  • Business Model: Im Augenblick hat man schlechte Karten, wenn man mit einem Konzept daher kommt, welches einen Usernutzen hat, skaliert, aber jede Perspektive vermissen lässt, wie man jemals damit Geld verdienen will. Also ist Monetarisierung wichtiger denn je. 
  • Bessenheit mit Kostenkontrolle.
  • Glaube an was Du tust und kämpfe, denn Du spielst um zu gewinnen.

Ein paar Besonderheiten gebe es dabei für Europe: Zum einen auf der Soll-Seite das kulturelle Stigma des Scheiterns sowie kleinere Märkte und auf der Haben-Seite die gelernte Fähigkeit in verschiedenen Sprachen und Kulturen unterwegs zu sein, die Stärke in Mobile und staatliche Förderprogramme.

Was inhaltliche Trends ausgeht, so steht die "Facebookization" oder auch "Feedization" ganz oben, wo sich die Online-Welt in diversesten Feeds abspielt, vor allem auch ihre Interoperabilität mit z.B. der mobilen Welt. Mark Butcher von Techcrunch UK hat dazu dieses Slide aufgelegt:

Vielleicht dient das ein wenig zu Orientierung in Zeiten wie diesen.

Will wahrlich nicht mit Platitüden trösten, dass nach Regen Sonnenschein kommt. Aber ich glaube fest daran, dass die klugen Köpfe nicht blöder geworden sind, dass Leidenschaft der Motor für Erfolg ist und dass längst noch nicht alles was man erfinden kann schon erfunden worden ist.

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2. December 2008 | René Seifert

Was Twitter so besonders macht

Twiitter LogoWas mir schon seit einiger Zeit dämmert, ist die subtile Vielschichtigkeit der Kommunikation im Rahmen von Web 2.0 Diensten. Zum Teil getrieben von Features, Default-Einstellungen, oft aber auch von Usern selbst "erfunden", bevor sich diese neuen Ideen rasch durchs ganze soziale Netzwerk verbreiten.

Beispiel: Was für einen Unterschied in der Wertschätzung es macht, ob man auf XING eine Kontaktanfrage einfach nur bestätigt oder ob man dies mit einer kurzen Nachricht begleitet. Oder Facebook: Immer öfter findet eine klassische 1:1-Kommunikation nicht übers private Nachrichtensystem statt, sondern auf der "Wall", was andere nicht nur zufällig daran teilhaben lässt, sondern über einen entsprechenden Feed der Person im eigenen Netzwerk mit der Nase förmlich draufstößt. 

Und in diesem Zusammenhang kommt man natürlich nicht an Twitter vorbei, welches im meinen Augen die Regeln für Kommunikation und die Auswirkungen auf die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen neu definiert. Siehe dazu auch einen super Post von Meister Tim O’Reilly. Auch bemerkenswert, wie Twitter in diesem Jahr laut Google Trends in Deutschland angezogen hat.

Twitter in Deutschland
Was macht Twitter so besonders?

  • Die Mitmachhürde liegt so verdammt niedrig. Wenn ein normales Blogpost nicht total irrelvant-trivial sein soll, dann sollte man sich irgendein Thema aus den Fingern saugen, sich überlegen was man in welcher Struktur sagen will und es dann auch noch halbwegs lesbar formulieren. Dieses Problem kennt Twtter nicht. Vom System her ist die Länge auf 140 Zeichen beschränkt.
  • Der Dienst ist ein Spiegel der augenblicklichen Gedanken eines Menschen und das Abbild seiner gegenwärtigen Aufmerksamkeit.
  • Twitter ist per Default ist ein Push-Kanal, den man einfach "followen" kann ohne vorher eine Kontaktanfrage zu stellen. Andereseits kann ein Nutzer seine Tweets auf "privat" stellen, um das "followen" vorher zu genehmigen.
  • Die User selbst haben durch ihr Nutzungsverhalten den Dienst reicher und anspruchsvoller gemacht. Was anfangs recht experimentell mit "Stehe gerade an der Bushaltestelle" oder "Saufe gerade Capuccino" begann, hat sich als Kanal für vielschichtige Kommunikation entwickelt.
  • Was ich mit der Vielschichtigkeit der Kommunikation meine:
    • Standard: Man twittert linear etwas in die Welt hinaus.
    • Verbreiterung: Man bezieht sich bei seinem Tweet mit der Syntax @[username] am Beginn der Nachricht auf ein anderes Mitglied. Sofern ein Dritter beide Mitglieder verfolgt, bekommt er die Nachricht auch in seine soziale Timeline.
    • Eins zu Eins: Die direkte Nachricht mit der Syntax d [username] geht nur an den einen Empfänger. Klassiker. Besonders hilfreiche Alternative aus meiner Erfahrung in den USA, wo man oft dank verschiedener Standards der Mobilfunkbetreiber nicht sicher sein kann, ob eine SMS auch ihr Ziel erreicht.
    • Retweeting: Man nimmt einen Tweet auf und "forwarded" ihn sozusagen in das eigene soziale Netzwerk, wobei man dem eigentlichen Urheber mit seinem Usernamen nennt und es den Leuten im eigenen sozialen Netzwerk leicht macht, ihn direkt zu "followen".
    • Shortlink: Dank Diensten wie Thwirl oder Tinyurl schaffen es Links, die selbst schon länger als die 140 Zeichen wären, als Verweis auch noch in den Tweet.

  • Mit Twitter verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben. Es gibt nur ein Leben. Authentizität entsteht nur, wenn man nicht krampfhaft versucht eine hohe Mauer dazwischen zu ziehen. So hab’ ich auf meinem Profil schon über die Eule auf meinem Fenster in Bangalore, die Lektüre vom Economist zu den Anschlägen in Mumbai als auch einen Hinweis auf einen Post auf diesem Blog getwittert.

Was mich abschließend an Twitter so anspricht ist das Gefühl am Leben von so vielen Menschen teilzuhaben, die mir etwas bedeuten. Auch wenn man sich längere Zeit nicht persönlich spricht, so ist man sehr viel schneller bei gemeinsamen Bezugspunkten ohne dass man erst die eingerostete Leier von "wie geht’s so" und "was hat sich bei Dir die letzte Zeit so getan" zum Warmwerden braucht.

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24. October 2008 | René Seifert

Dienstleistungen aus Indien rund um Social Media

Dieser Tage bin ich wieder "daheim" in Bangalore und verfolge recht aufmerksam, in welche Richtung sich die IT-Service Industrie bewegt. Indien mit Software-Entwicklung oder mit Call-Centern in Verbinung zu bringen, dürfte zwischenzeitlich den meisten geläufig sein. Die wesentliche Motivation für ein derartiges Outsourcing ist sicherlich nach wie vor der Kostenvorteil. Aus Sicht der Firmen wird das aber ein recht mühsames Geschäft, wenn man letzlich nur über den Preis miteinander im Wettbewerb steht. Daher lautet das Mantra der Branche sich zunehmend in Software-Produkte zu bewegen, wie diese Initiative des Branchenverbandes NASSCOM zeigt. Produkte skalieren besser und erlauben über ihre Alleinstellung eine Prämie bei der Bepreisung.

Oder man denkt sich auf der Service-Seite neue innovative Dienste aus, schafft sich ein gewisses Maß an Expertise und hofft darauf, dass einen der Wettbewerb nicht so schnell kopiert. In diesem unseren Sektor von "Social Media" treiben die Dienstleistungen recht witzige Früchte, wie dieser Artikel bei WebGuild zeigt.

Als Beispiele wird CAPCHAs lösen für Blog-Kommentare genannt (US-$ 2 für 1000 Stück), Freundesanfragen bei MySpace verschicken (wo es die Mitglieder mit dem Begriff "Freund" traditionell nicht so eng sehen), Listings für Craigslist erstellen, GMail Einladungen versenden und selbst Tweets für Twitter in die Welt hinauszwitschern. Also überall dort, wo man noch nicht voll automatisieren kann, sondern noch die eine oder andere "human interference" benötigt, wie es in der Branche gerne heißt.

Weiter oben auf der Wertschöpfungskette stehen Firmen, die Grafiken erstellen, Widgets bauen bzw. ganze Performance Marketing Kampagnen für einen Kunden im Westen aus Indien heraus fahren. An der Stelle hat man es oft mit einem klug aufgesetzten Mix aus technischer Plattform, Prozessen und gut ausgebildeten Arbeitskräften zu tun.

Oder wie Radjdeep Sahrawat, Vice President bei Nasscom sagt: "Anything that can be outsourced is being outsourced today in India."

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2. September 2008 | Mirjam Mieschendahl

Volle Hütte letzten Samstag: Erstes Barcamp für Frauen

Am Samstag Punkt 10 Uhr versammelten sich circa 50 Frauen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich in den eLab/Holtzbrinck Räumlichkeiten in der Sonnenstrasse zum ersten Barcamp für Frauen. Die Stimmung war super, relaxed und kommunikativ, vielleicht auch weil es sofort losging mit einem leckeren Frühstück und entspannten Gesprächen. Auf das Essen bezogen meinte einer der Teilnehmerinnen: ‘eLab/Holtzbrick’ weiß, wie man Frauen verwöhnt:)

Barcamps haben ja die Eigenschaft, dass alle gefordert sind sich einzubringen, es gibt nur Teilnehmerinnen und keine Zuschauerinnen, so wird die Tagesagenda erst am Morgen gemeinsam erarbeitet, das war der erste Wachmacher und führte auch gleich zu lebhaften Diskussionen unter den Teilnehmerinnen. Bei über 40 vorgeschlagenen Themen konnte natürlich nur ein Bruchteil tatsächlich in die nähere Auswahl kommen. Die Themen, die am meisten Interessentinnen angezogen haben, waren: Communitybuilding und Nutzeraktivierung, KPI’s Social Media, User generated Content vs. Content, Verlage im Spannungsfeld zwischen Print und Online, Frauen als Zielgruppe von SN’s, aber auch Rhetorik, E-Learning und mobile Trends wurden diskutiert. Einige Sessionaufnahmen sind hier zu finden.

Das ganze Barcamp wurde begleitet von einem "Twitter Gewitter", die Vortragenden vorne hielten ihre Beiträge und auf den Notebooks und im eLab Foyer konnte man zeitgleich die Kommentare der Zuhörerinnen in Form von Tweets verfolgen. Auch einige Externe haben sich auf diese Weise in die Diskussion eingeklinkt. Ein paar neue Wortschöpfungen sind so entstanden, zum Beispiel, wissen wir jetzt, dass man sich ‘versingeln’ kann, dass es online Darwinismus gibt und auf die gleiche Weise wurden auch Scharen von Frauen auf die Holtzbrinck Herren Toilette getrieben, in einem Tweet hieß es, da gibt es etwas zu sehen:). Was genau es da zu sehen gab und die anderen Tweets kann man hier nachlesen.

Die häufigste Frage, die ich im Vorfeld von Journalisten gestellt bekommen hatte war, warum so wenig Frauen generell bei Branchenveranstaltungen/Barcamps anwesend sind. Ich habe darüber mit vielen Teilnehmerinnen gesprochen und es liegt sicher nicht an Desinteresse Seitens der Frauen. Als Hauptgrund wurde genannt, dass die wenigsten Frauen mitbekommen, dass ein Barcamp geplant ist. Meistens würden sie zu spät davon erfahren. Deshalb wurde auch der Vorschlag gemacht, einen zentralen Newsletter einzurichten, der über solche Events informiert, wir werden diese Idee in irgendeiner Form sicher aufgreifen. Andere Gründe, die genannt wurden, Frauen müssen anders abgeholt werden, also durch persönlichere Einladungen, die Themenauswahl,interessante Zusammensetzung der Teilnehmer.

Uns hat natürlich gefreut, dass wir gefragt wurden, wann wir das nächste Barcamp veranstalten, ein schöneres Kompliment gibt es nicht. Wir sind sicher, dies war erst der Anfang. Um auf den Laufenden zu bleiben, was in Zukunft geplant ist, einfach in dieser Gruppe eintragen.

Unser Dank geht vor allem an die Teilnehmerinnen, aber auch an die Mannschaft von Groops.de, Danke auch an das gutefrage.net Team für Ihren Einsatz und natürlich an den Sponsor, der all das ermöglicht hat: eLab/Holtzbrinck

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30. August 2008 | Sascha Schmidt

Social Communities: Vier philosophische Ansätze

Im Rahmen der diesjährigen Games Convention in Leipzig erhielt ich durch einen Vortrag von Prof. Gunther Rehfeld den Tipp, einmal bei Nietzsche nachzuschlagen – und siehe da, schon 1878 verfasste Friedrich Nietzsche in „Menschliches, Allzumenschliches – Ein Buch für freie Geister“ die Urprinzipien des neudeutschen Community-Buildings. Abschnitt 98 des ersten Bandes ist überschrieben mit „Lust und socialer Instinct“. Was lässt sich lernen:

  1. Beziehungen zu anderen Menschen machen „Lust“ und zwar mehr, als wenn man alleine unterwegs wäre. – Das ist nicht neu. Jede Community lebt davon, u.a. dem Mitglied zu zeigen, dass andere Mitglieder online sind. Je größer die Masse umso attraktiver das Mitmachen.
  2. Gemeinsames „Lustempfinden“ macht den Menschen „besser“, d.h. durch die Gemeinschaft löst sich Misstrauen gegenüber dem Anderen. -  Als ob Nietzsche den mancherorts vorhandenen Seelenstriptee vorausgeahnt hätte. Wo die Lust am Kennenlernen von neuen Freunden und Wiederfinden alter Bekanntschaften  „regiert“, da hat Nachdenken über Datenschutz etc. kein Platz im Kopf der Nutzer.
  3. Das gleichzeitige Erleben und Äußern der Lust vermitteln ein Gefühl der Gemeinschaft.  -Mein Profil bei xy bedeutet, ich bin dabei (Wie oft als Karteileiche und wie oft aktiv ist eine andere Frage.). Wer die Kommunikation innerhalb von StudiVZ und Co nicht nutzt, ist auch in der realen Welt gefährdet, bei z.B. Partys ausgeschlossen zu sein.
  4. „Unlust“ wird gemeinsam abgewehrt. Aua, denn sobald versucht wird, die Mitglieder einer Community zu kommerzialisieren entsteht bei denen „Unlust“. Ob AGB-Änderungen, Targeting oder sonstige Versuche – alle stoßen auf Skepsis bei den Nutzern. Wirtschaftlich blöd, aber philosophisch gesehen klar: Das bringt mir keinen Spaß!

Warum kaufen Medienhäuser Communities und schaffen es kaum, eigene aufzubauen? Ich erlebe oft bei Community-Projekten, dass sofort und fast nur an wirtschaftliche Aspekte gedacht wird – absolut legitim, aber „unlustig“ für das gewollte Mitglied. Communities leben durch ihre Macher und zwar nicht weil man das Projekt jetzt mal bekommen hat, sondern weil man mit Herzblut an das Thema und die Gemeinschaft glaubt – Spass an der Freude hat … Fazit von Nietzsche: „Und so wächst der sociale Instinct aus der Lust heraus.“

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8. August 2008 | René Seifert

Buchtipp Clay Shirky: “Here comes Everybody”

Clay Shirky - Here comes Everybody (Buchtitel)Clay Shirky hat’s drauf einem die neue Welt zu erklären, Vergleiche zur Arbeitsplatzbedrohung der schreibenden Mönche mit Einführung von Gutenbergs Buchdruck zu ziehen oder aus dem ewigen Wirtschftsklassiker von Adam Smith “The Wealth of Nations” zu zitieren, ohne dabei klugscheißerisch zu wirken. Vor allem dabei mit "Here comes Everybody" ein Buch herauszubringen, welches den Dingen richtig auf den Grund geht und dank seiner lockeren Schreibe selbst als Strandlektüre seine Daseinsberechtigung behält.

Ja, er schreibt auch jede Menge über das was wir schon seit geraumer Zeit als „Web 2.0“ kennen und lieben gelernt haben. Er bezieht zu dem Thema jedoch verschiedene Perspektiven aus der Geschichte, Soziologie, Psychologie und Ökonomie, was dazu führt, dass er brillant das Neue mit dem Alten erklärt. Dieses Neue, was uns neuerdings im Alltag begegnet, heißt beispielsweise Wikipedia. Wäre vor 10 Jahren so ein Konzept vorgestellt worden, hätten die allermeisten es als unmöglich ins Reich der Utopie verwiesen: Die größte Enzyklopädie der Welt, von Freiwilligen in ihrer Freizeit ohne Bezahlung erstellt und kostenlos in der Nutzung. Dabei in Punkto Richtigkeit fast genau so gut wie die ewige Messlatte namens „Encyclopaedia Britannica“. Uff.

Reduzierte Transaktionskosten
Möglich macht so ein Phänomen freilich „das Internet“, aber was dem Ganzen zu Grunde liegt ist die Fähigkeit hoch komplexe und hoch skalierende Projekte zu organisieren, ohne sich dabei der klassischen Instrumente einer Organisation zu bedienen. Spannend ist dabei nicht nur der offensichtliche Unterschied zwischen den Kosten, die der z.B. Verlag der Encyclopaedia Britannica für Autoren zu bezahlen hat, sondern vor allem jene, um überhaupt so ein Unternehmen organisatorisch am Laufen halten: Büros, Middle-Management, Betriebsfeier. Das erledigt Wikipedia als Plattform und Produkt in einem ganz áutomatisch auch noch. Aber was Menschen in ihrem Innersten dazu antreibt, bringt Shirky für die treffende Erklärung auf Höchtform: „Promise – Tool – Bargain“.

  1. Promise: Neben Wikipedia ist sicherlich Linux das andere große Vorbild der Open Source-Bewegung. Und dabei begann alles ganz harmlos und klein, als Linus Torvalds 1991 in einem Forum postete, er würde als Feierabendprojekt ein Umsonst-Betriebssystem programmieren und gefragt hat welche Features sich die Leute wünschen. Außerdem könne man ihm ja gerne auch gleich beim Coden helfen. Es muss also ein wie auch immer klares, sofort eingängiges Nutzenversprechen am Anfang stehen. (Auch ein guter Tipp für den legendären "Aufzugpitch", der den "reason why" für ein neues Produkt auf den Punkt bringt.)
  2. Tool: Das sind letztlich „wie als Macher“ gefragt, den Nutzern das richtige Werkzeug an die Hand zu geben, damit man aus der sinnstiftenden „Promise“ überhaupt in zielgerichtete Aktion treten kann. Alles, was man über Features und Usability mal gelernt hat, kann man dabei entlang des Nutzenversprechens zum Einsatz bringen. Das ist für ein Open Source Projekt mit einer gewissen Nachhaltigkeit sicher etwas anderes als für einen Flashmob, den man ad hoc per Twitter zusammen trommelt.

  3. Bargain: Worin besteht der “Deal“ für die Teilnehmer, wenn er nicht pekuniärer Natur ist? Bei Wikipedia lautet er zum Beispiel, dass ich jeden Text editieren kann und jeder im Gegenzug meinen Text editieren kann. Diese über Prozesse gesteuerte Breitendemokratie macht Wikipedia zudem robust gegen Vandalismus, der üblicherweise innerhalb weniger Minuten repariert wird.

Beispiele für Veränderung
Das Buch geht über viele Kapital weit über das hinaus, was da irgendwie isoliert im Internet geschieht, sondern beschreibt vielmehr die treibende Kraft des Internet für „collaborative action“, wo sich „der kleine Mann“ für eine Sache organisieren und sich plötzlich bei "denen da oben“ Gehör verschaffen kann. Als Beispiele nennt er eine Passagier-Initiative gegen heftige Flugverspätungen, die schließlich ein neues verbraucherfreundliches Gesetz bewirkte. Ebenso Voice of the Faithful (VOTC), die sich in der Gegend von Boston organisierten, um erfolgreich die Verschleierung von Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche durch US-amerikanische Pfarrer aufzudecken. Im Ergebnis sah sich auch Papst Benedikt XVI. gezwungen, während seiner jüngsten USA-Reise mit deutlichen Worten auf die Verbrechen einzugehen.

"Medienkompetenz": Leitfaden für Eltern
„Here comes Everybody“ dürfte für die meisten Nutzer dieses Blogs aus professioneller Sicht ein inhaltlicher Zugewinn sein. Ich könnte das Buch aber auch allen Eltern empfehlen, deren Kinder fast schon per definitionem nie etwas anderes gekannt haben als das Internet. Das was man früher mal mit „Medienkompetenz“ beschrieben hat, also was darf das Kind wann in der Glotze anschauen und wie hilft man ihm in der Einordnung der Flimmerbilder, hat sich mit dem Internet gänzlich verschoben. Alleine schon dadurch, dass jeder „Rezipient“ im Internet auch „Produzent“ ist und sich mit anderen Gleichgesinnten zu Themen austauschen, organisieren oder zu konzertierter Aktion zusammenschließen kann. Viele Eltern breits in der Altersklasse 30-40, die selbst nicht ständig online sind, haben meinem Eindruck nach oft den Anschluss über diese neue Dimension verpasst. Clay Shirky schildert in kurzweiligem Stil, wie die Kinder von heute ticken.

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