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8. September 2009 |
René Seifert
Zum ausklingenden Sommerloch 2009 mal etwas abseits von unseren sonstigen Unternehmer- und Internetthemen. Bin neulich über diese sehr guten Artikel im Economist gestolpert “Still crazy after all these years“, der sich mit dem Wesen oder besser gesagt Unwesen von Verschwörungstheorien beschäftigt.
Im konkreten Fall geht’s im echt lesenswerten Artikel darum, dass sich die politischen Gegnern in den USA keiner haarsträubenden Behauptung zu schade sind, die Politik von Präsident Obama zu diskreditieren. Nichts gegen eine ordentlichen inhaltliche Auseinandersetzung, in der auch mal die eine oder andere polemische Zuspitzung erlaubt sein muss, sondern absurde, an den Haaren herbei gezogene, völlig haltlose Behauptungen. Noch dazu solche, die nicht eine drastische Meinung zum Ausdruck bringen, sondern den ernsthaften Anspruch erheben, endlich überfällige Fakten auf den Tisch zu legen.
Beispiel: Obama sei nicht in den USA geboren, er sei der in der Bibel angekündigte Anti-Christus, AIDS sei eine Laborerfindung um Schwarze zu dezimieren oder auch der immer wieder gern genommene Klassiker, die Bush-Regierung habe den 11. September mit Hilfe des CIA selbst inszeniert, damit die Cheney-Clique sich mit steigenden Ölpreisen die Taschen vollmacht. Ah, und dann hatten wir noch die Mondlandung, die in einem heimlichen Hollywood-Studio stattgefunden haben soll.
Ich hatte gerade zur “Theorie 11. September” auch schon “Diskussionen”, die man eigentlich gar nicht als solche bezeichnen darf, weil man vor vorne herein auf einem asymmetrischen Spielfeld unterwegs ist. Auf der einen Seite bemüht sich jemand, die Komplexität von intersubjektiv nachprüfbaren Tatsachen in ein Gesamtbild zusammenzuführen, welches freilich auch aus argumentativen Spannungen und vielleicht auch der einen oder anderen Widersprüchlichkeit geprägt ist. Auf der anderen Seite steht jemand, der mit süffisantem Lächeln von sich behauptet, er sehe durch all dies hindurch und das was einem “durch die Medien” vermittelt wird, sei Teil eines inszenierten Spiels höherer Mächte, denn in Wirklichkeit verhalte es sich ganz anders.
Dieses “ganz anders” besteht aus einer Aneinanderreihung echter Tatsachen (das ist die Tücke des Ganzen), vermischt mit Halbwahrheiten, Vermutungen sowie dem beliebten Rückgriff auf pseudoreligiöse apokalyptische Vorhersagen. Vor allem aber: Es klingt als G’schichterl immer sehr gut, überzeugend und klar. Da fällt mir der alte Taleb von “Black Swan” und so ein, der richtigerweise feststellt, wir Menschen hätten eine Affinität zu Erzählungen. Was im Kinderbett mit “Schneewittchen und den 7 Zwergen” anfängt und mit “Die Hard 1 bis 99″ aufhört, berührt zunächst die ästhetische Einzigartigkeit des menschlichen Geistes. In seiner Perversion – und genau das machen sich Verschwörungstheoretiker geschickt zu nutze – “glaubt” man diesem Dreck, weil er aus Basis einer existierenden Haltung wie “Ich finde Bush Scheiße” das Bedürfnis nach einer guten Story erfüllt. Allerdings bricht an dieser Stelle die Demarkationslinie von Fakten und Fiktion endgültig in sich zusammen.
Schlimmer noch: Versucht man die “Argumente” des Verschwörungstheoretikers durch Fakten zu widerlegen, zieht er regelmäßig den Schäbigsten seiner Trümpfe: Lehnt sich entspannt zurück, grinst noch süffisanter und behauptet in selbstreferenzieller Weise, dass ja gerade diese “Fakten” Teil der akribisch konstruierten Wirklichkeit der Verschwörer seien und gerade deswegen nur zusätzlich die Richtigkeit der “Theorie” unterstreichen. Außerdem sei er einer der Wenigen, die diese Kulissenschieberei durchschaut. Wer so ein argumentatorisches Perpetuum Mobile aufbaut, darf freilich auch einen allgemein gültigen Beweis für seinen Geistesmüll schuldig bleiben.
Richtig übel wird einem, wenn die Märchenstunde an Eigendynamik gewinnt. Man muss eine falsche Behauptung nur oft genug wiederholen, bis sie für bare Münze gehalten wird, hat Walter Ötsch schon in seinem “Haider light – Handbuch für Demagogen” festgestellt (Gott sei seiner Seele gnädig, der vom “Lebensmenschen“, meine ich ;-). Bei 12,6 Millionen Google-Treffern zu “9 11 Conspiracy” und einem stattlichen Wikipedia-Eintrag baut sich nach und nach eine parallele Wirklichkeit auf, bei der die Wahrheit zur Knetmasse der Beliebigkeit deformiert wird. Wenn der Anspruch auf Wahrheitsfindung zu so einer Gartenzaun-Plauderei à la “morgen scheint die Sonne – vielleicht regnet’s aber auch” verkommt, dann ersetzt der eigene Glaube an die bevorzugte Version das ehrliche Bemühen um die Ergründung des Geschehenen samt seiner wahren Zusammenhänge.
Nachdem jede “Diskussion” mit solchen Leuten zum Scheitern verurteilt sein muss, hilft es meiner Erfahrung nach nur, sich entschieden abzuwenden.
7. May 2009 |
René Seifert
Ungeschoren kommt durch diese Jahrhundertkrise keiner, und muss man sich nicht weiter wundern, dass auch oder gerade Luxusmarken und ihre Premienprodukte von der Depression betroffen sind, wie der Economist in diesem anschaulichen Artikel “Bling for a Budget” schreibt.
A dramatic estimate of the decline during the holiday season was made by SpendingPulse, part of the MasterCard credit group, which calculated that luxury-goods spending between November 1st and December 24th 2008 was down 34% year-on-year. Bain thinks the first half of this year will also look grim.
Was tun, wenn bei der kaufkräftigen Klientel der Markengeldbeutel nicht mehr so locker sitzt und man gleichzeitig seine Positionierung als Premium-Produkt nicht durch einfache Preissenkungen vor die Hunde gehen lassen will? Auch da macht Not erfinderisch, wie ich neuerdings in Angeboten in meinem E-Mail Fach erkennen kann. Im Großen und Ganzen sind es zwei Strategien, die in Variationen oder auch Mischformen zur Anwendung kommen:
1. Mehr zum gleichen Preis: Um die Hoheit über die Premiumpreise zu behalten und nicht wie der billige Jakob dazustehen, wird nicht à la Aldi über Preise argumentiert, sondern über mehr Leistung zum gleichen Preis. Oder auch wie die Angebote von der Morgans Hotelgruppe über ein Guthaben aus heiterem Himmel von $75, welches man sich auf den Preis anrechnen lassen kann.

Richtig einfühlsam bis geradezu empathisch kommen einem die Packages vom Ritz-Carlton entgegen, wo man die Ansprache um die Aussage à la “wir sitzen alle in einem Boot” anreichert.

2. Zeitlich eng begrenzte Specials: Wenn man über den Preis argumentieren muss, weil man wie Fluggesellschaften seine Leerkapzitäten sonst gar nicht los kriegt, muss man der Mangelverwaltung wenigstens den Anschein von gaaaanz außergewöhnlich und vor allem nur gaaaanz kurz erhältlich verpassen. Unter dem Titel “Lufthansa Indien wird 50″ werden derzeit starke Angebote zu Schleuderpreise rausgehauen (auch wenn das natürlich keiner so sagt, bei Lufthansa zumindest nicht).

So kommt man einschließlich Steuern und Gebühren für umgerechtet EUR 1500 in der Business Class von Indien nach Europa und wieder zurück, wofür man sonst mindestens EUR 2,200 hinblättern muss. Noch krasser fällt der Unterschied bei Reisen in die USA aus: Was sonst mindestens EUR 5,500 in der Business z.B. nach San Francisco kostet, geht für EUR 2,280 her, inklusiver voller Meilen. Allerdings, und da sind wir beim “Trick”: Das Angebot wurde gestern angekündigt und endet morgen (8. Mai) auch schon wieder – freilich auch mit dem obligatorischen Zusatz der “wenigen begrenzten Plätzen”.
Austrian Airlines hat neulich was ganz Ähnliches gemacht: Für immerhin einen Buchungsphase von 2 Wochen konnte man für EUR 999.- in der Business Class von Wien nach Peking, Delhi, New York oder Washington. Die Strecken müssen bis 15. September abgeflogen werden müssen. Allerdings was das Fenster zur Buchung zwischen 17. und 30. April auch nur ganz kurz geöffnet.
21. November 2008 |
René Seifert
Das ist so etwas, was ich "immer mal machen wollte". Hab jetzt endlich mal die Zeit und Muße dafür gefunden. Einmal in platter Selbstreferentialität so etwas wie eine eigene Positionsbestimmung, die sich in den zwei Jahren dieser Blogexistenz ergeben hat, zum anderen nach vorne gerichtet eine herzliche Einladung für interessierte Autoren.
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Der eLAB-Blog zielt auf Unternehmer bzw. Verantwortliche aus den Branchen Internet, Mobile und digitale Medien, die insbesondere einen auf den Endnutzer gerichteten Fokus verfolgen. Gleichzeitig schließt er den Blick über den Tellerrand in laterale Industrien mit Innovationswirkung für die eigene Kernausrichtung mit ein. Freilich nimmt er in einem gesunden Mix Produkte und Ereignisse aus dem Holtzbrinck eLAB-Kosmos mit einer gewissen inhaltlichen Distanz auf.
Inhaltlich verfolgt der Blog den Anspruch, aktuelle Entwicklungen, authentische Erfahrungen und Best-Practises in einem übergreifenden Kontext „von Unternehmern für Unternehmer“ zu verbinden. Der Blog versteht sich als offene Plattform für Beiträge von Autoren sowohl aus dem eLAB-Umfeld als auch von außen, deren Beiträge uns herzlich willkommen sind.
Aufgrund der Erfahrung zahlreicher Postings auf dem Blog, an ein paar Tipps für einen gelungenen Beitrag bei eLAB.
Gute Beispiele:
Positiv
- Thema klar definieren, welches von Anfang bis Ende mit einem roten Faden durchgezogen wird. Gerne im Vorfeld Rücksprache halten. Im Zweifelsfall Fokus eng halten.
- Nutzer/Leser im Auge behalten: Anspruchsvolle Zielgruppe von Machern und Verantwortlichen aus der Branche, denen man nicht die Abkürzung SEO erläutern muss.
- Authentizität: Aus eigener Erfahrung sprechen („Ich/Wir haben XYZ ausprobiert …“), Mut zu Blut und Tränen beweisen, gerade wenn etwas nicht so lief wie geplant.
- Leidenschaft und Feuer demonstrieren, die eigene Erfahrung mit anderen zu teilen. Dabei kommt es auch nicht auf den letzten pulitzerpreisverdächtigen Schliff in der Sprache an.
- Frontale, schnörkellose Sprache in lesbaren Satzlängen. Deutsch schreiben, Anglizismen sind bei der inhaltlichen Ausrichtung des Blogs unvermeidbar. Dennoch nicht inflationär verwenden, lieber von „Suche“ als von „Search“ sprechen.
- Gerne einen gut begründeten Standpunkt, auch einen kontroversen, vertreten.
- Reichlich auf andere Quellen/Blog-Posts zurückgreifen, zitieren und verlinken. Davon lebt das Intenet :-)
- Die eigene Firma bzw. Produkt darf freilich samt Link genannt werden, es wäre jedoch schön wenn das Unternehmen dabei in den Zusammenhang des Marktes eingeordnet wird und man bei der Häufigkeit der Erwähnung Bescheidenheit walten lässt.
- Zwischenüberschriften, Aufzählungen und Bulletpoints schaffen Übersichtlichkeit.
- Gerne Bilder und Grafiken verwenden, deren Rechtelage geklärt ist. Am besten per jpeg via Mail mitschicken. Gerne auch Einbetten von anderen Medienformen wie Video.
- Format des Textes zum Vesand per Mail: Word-Dokument oder Google Docs
- Länge: 400 bis 1000 Wörter
Negativ
- PR-Gewäsch (geht gar nicht!): Selbstbeweihräucherung und Suggestion einer perfekten Welt im eigenen Unternehmen und der bevorstehenden Weltmarktführerschaft haben auf dem eLAB-Blog nichts verloren.
- Bashing des Wettbewerbs oder einzelner Personen
- Gefälligkeiten durch vermeintlich objektive Erwähnung von Kunden, Partnern oder Unternehmen, bei denen z.B. durch einen nennenswerte Beteiligung (>5 %) ein eigenes Interesse besteht. In diesem Fall eine solche Überscheidung von Interessen im Text offenlegen. (Dies triff freilich nicht zu, wenn man wie in den o.g. Beispielen als namentlich genannter CEO von United Domains einen Expertenartikel zum Thema Domains verfasst.)
Kontakt
René Seifert, rene.seifert [at] gmail.com, Telefon: +49 171 973 33 10
Viel Spaß, und: Wer schreibt, der bleibt :-)
12. November 2008 |
René Seifert
Heute mal eine ganz andere Branche mit einem Vorzeigeunternehmen, von dessen Prinzipien man als Unternehmer allerhand lernen kann: Flughafenbetreiber und konkret der Changi Airport in Singapur, der in Rankings regelmäßig als bester Flughafen der Welt abschneidet. Als erster Flugfhafen der Welt begann er vor rund einem Jahr auch mit dem Linienbetrieb für den Airbus A380.

In Singapur läuft ohnehin von der Stadtplanung bis zu jedem Taxi alles wie am Schnürchen, insofern ordnet sich der Flughafen nahtlos in diese Reihe ein. Aber dennoch ist es wert, mit einem Blick hinter die Kulissen genau zu verstehen, worin der der Unterschied zu anderen Flughäfen liegt und vor allem wie das Management akribisch seine selbst gestellten Ziele verfolgt. Vor ein paar Tagen hatte ich die im Rahmen der EO University die Gelegenheit an einer Führung des Flughafenbetreibers teilzunehmen. Hier auch ein paar Bilder auf meinem Flickr-Account dazu.
Ein paar Rahmendaten, um den Markt und das Unternehmen besser einordnen zu können:
- Singapur hat rund 4,6 Millionen Einwohner, der Flughafen Changi jedoch ein jährliches Passagieraufkommen von 36,6 Millionen (2007).
- Im Wettbewerb sieht man sich zu Flughäfen wie Hong Kong, Bangkok und Dubai, die auf „Känguruh-Passagiere“ abzielen, also solche die auf einem Trip zwischen Asia/Pac und Europa bzw. USA umsteigen.
- Wenn diese erst einmal umsteigen, möchte man ihnen das Geldausgeben so einfach wie möglich machen, vor allem in den zahlreichen Läden. Das funktioniert inzwischen auch so gut, dass inzwischen 60 % des Umsatzes des Flughafens aus diesen „non-avionik“ Quellen stammt.

Als Leitbild für das Management dient unter anderem das lesenswerte Buch „The Experience Economy“, welche B. Joseph Pine II. und James H. Gilmore 1999 veröffentlicht haben. Damals gab es den Begriff der „User-Experience“ auf Webseiten noch gar nicht, den Anfang machte zunächst noch mal die „Customer Experience“, für die man im positiven Fall eine Extra-Prämie auf den Preis aufschlagen könne. Diese beschreibt der Flughafen selbst so:
To our passengers, the Changi Experience starts with fast and efficient processes in a hassle-free, easy to use and secure environment. It encompasses a welcoming friendly touch and a wide range of modern services and facilities. In this relaxing environment, passengers are pleasantly surprised with the unique, memorable and innovative offerings that exceed their expectations.
Dazu gehört auch dass man zunächst einmal die Grundlagen richtig hinbekommt, die jeder Passagier als Hygienefaktor erwartet. Im Fall eines Flughafens sind das die offensichtlich folgenden: Zufahrt, Parkplätze, effizienter Check-In, Wegbeschreibungen, kurze Wege zwischen den Gates, Gepäckwagen, saubere Toiletten, zügige Passkontrollen und Security, schnelle Gepäckabfertigung und –ausgabe.
Als nächste Ebene hat man in Changi das „Middling Element“ definiert, die im Gegensatz zu z.B. einem 5-Sterne Hotel mit einer klaren Ausrichtung auf gehobene Kaufkraft bei einem Flughafen keine triviale Übung darstellt. Als Zielgruppe hat man es nämlich mit „allen die fliegen“ zu tun, vom vermögenden First Class Passagier bis zum Last Minute-Backpacker. Und für alle Segmente möchte man im Bereich „F&B“ (=Food & Beverages“) und Shops etwas anbieten und zwar in der ganzen Breite des kulinarischen Angebote, lokalen und internationalen Marken sowie entsprechenden Preise. Aber, und das betonen die Flughafenbetreiber, man probiert auch immer wieder neue Konzepte aus, beobachtet sie eine Zeit lang und scheut sich auch nicht sie bei mangelnder Akzeptanz wieder einzustellen, wie es kürzlich bei einem Brauhaus der Fall gewesen ist.

Um den Passagieren für das Einkaufen ein so gutes Gefühl wie möglich zu geben, hat der Betreiber diese beiden Regeln eingeführt:
- Jeden gekauften Artikel kann man in einer gewissen Zeitspanne zurück geben und sich vom Händler den vollen Preis erstatten lassen.
- Wenn man irgendwo in Singapur ein Produkt billiger als am Flughafen findet, so muss der Händler nicht nur den Unterschied bezahlen, sondern gleich das Doppelte.
Singapur wäre nicht Singapur, wenn man diese Regeln nicht systematisch mit Testkäufern überprüfen und ggf. durch Strafen bei den Händlern durchsetzen würde, alleine schon wenn er verbotenerweise anfängt mit einem Kunden über eine Erstattung zu debattieren. So ist’s recht :-)
Als Tüpfelchen auf dem I hat Changi für sich eine Reihe von Maßnahmen definiert, mit denen sich der Flughafen sich von seinen Wettbewerbern absetzt: Top Service, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft an allen Ecken und Enden. Dazu ein Ambiente, bei dem man für alle Sinne von Optik, Akustik, Gerüchen, Farben, Licht und Kunst alle Register zieht. Und last but not least Zusatzangebote, von denen ich so an anderen Flughäfen dieser Welt noch nichts gehört habe: Kino umsonst, Fitnessstudio, Swimming-Pool, Gratis-Bustour mit Shopping-Gelegenheit durch Singapur wenn die Zeit beim Stop-Over reicht und sogar ein Swimming-Pool auf dem Flughafengelände. Von meiner eigenen Erfahrung von drei Durchläufen auf dem Flughafen in den letzten 15 Monaten kann ich die Einzigartigkeit des Erlebnisses nur voll und ganz bestätigen. Dazu gehört auch Gratis WiFi auf dem ganzen Flughafengelände und etliche Online-Computer überall zur freien und zeitlich unbeschränkten Nutzung. Stell sich das mal einer auf deutschen Flughäfen vor, die sich lieber von dem Preisdiktat der Telekom in Geiselhaft nehmen lassen …

Von nichts kommt aber nichts. Wenn man die Flughafenbetreiber fragt, wie sie auf diese Ergebnisse hinwirken bzw. überhaupt wissen, dass sie auf Kurs liegen, dann kann man die Antwort darauf zusammenfassen: ständige Feedbackschleifen, offene konstruktive Unternehmenskultur und laufende Verbesserungen. Feedback durch spontane Passagieräußerungen durch diverse Computerterminals und gezielte Umfragen von unabhängigen Markforschern. Dazu Exzellenz und Eindeutigkeit in der Umsetzung: Der outgesourcte Diensteister fürs Gepäckabladen beispielsweise muss durch KPIs (=Key Performance Indicators) sicher stellen, dass nachdem das Flugzeug am Gate angedockt hat spätestens 12 Minuten danach das erste und 29 Minuten danach das letze Gepäckstück vom Laufband rollt.

In manchen Fällen führt das Feedback sogar dazu, dass man Sachen selbst baut, die eigentlich gar nichts mit dem Flughafenbetrieb zu tun haben wie zum Beispiel bei den Gepäckwagen. Man hatte bei den alten Modellen beobachtet, dass die herkömmlichen Räder den Teppich um Flughafen schneller als nötig abwetzen und hat darauf reagiert. Aber noch besser: Der Handgriff zum Schieben des Wagens wurde von Metall auf Plastik ersetzt, nachdem das Feedback zu Tage geliefert hat, dass sich die Passagiere vorher nach elektostatischer Aufladung oft einen Schlag beim Hinfassen geholt hatten.
22. September 2008 |
René Seifert
Publikumspreise sind was Schönes, gell. Statt eines präpotenten Jury wie bei DSDS fühlt man sich in einen basisdemokratischen Prozess eingebettet, als wäre man Teil der Kommune 1 und die fesche Uschi O. schenkt vor der Abstimmung jedem noch mal eine Tasse Tee ein :-)
Beim OnlineStar ‘08, dem sicherlich bekanntesten Publikumspreis in Deutschland in Sachen Internet, ist die Vorrunde vorüber und jetzt geht’s in der ehrlichen Hauptrunde um die Wurscht. Und siehe da, in den 15 Kategorien tummeln sich auf drei Ventures von eLAB, nämlich:
- guut.de (Kategorie Shopping-Portale)
- golem.de (Kategorie Hard- und Softwarehersteller, sowie IT-Zeitungen und Zeitschriften)
- netdoktor.de (Kategorie Gesundheit und Wellness)
Vielleicht hat ja wer Bock bis 13. Oktober an der Abstimmung hier mitzumachen. Ich sag’s bloß so. Wenn man dann für die eLAB-Ventures abstimmt, hat keiner was dagegen. Fühlt Euch aber nicht verpflichtet; den Tee von Uschi O. gibt’s auch so :-)
22:54
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18. March 2008 |
René Seifert
Diskussionen mit Unternehmern über ihr eigenes Ventures verlaufen häufig sehr emotional und leidenschaftlich. Ohne Zweifel muss der Unternehmer für das Gelingen seines (neuen) Geschäfts mit dem letzten Tropfen Herzblut dahinterstehen. Dabei wird gleichzeitig deutlich, welchen schizophrenen Spagat er beherrschen muss.
Der Unternehmer hat nämlich die mehr oder weniger ehrenhafte Rolle, gleichzeitig Arbeitskraft und Investor für sein Unternehmen zu sein. Schafft man es gedanklich, diese beiden Rollen ein wenig auseinanderzudividieren, lassen sich Fehlentwicklungen frühzeitig verhindern. Ebenso behält man gegenüber den verschiedenen Share-und Stakeholdern einen kühlen Kopf, weil man sich besser in deren Rolle hineinversetzen kann.
Arbeitskraft
Setzt man sich den Hut der Arbeitskraft auf, liegen die Dinge noch einigermaßen auf der Hand: Man möchte eine unmittelbare Belohnung für die geleistete Arbeit. Am Ende eines jeden Monats und je mehr desto besser. Einfach.
Investor
Nachdem der Unternehmer per definitionem einen Anteil an seinem Unternehmen hält, findet er sich zwangsläufig auch in der Situation des Investors wieder. In der reinrassigen Ausprägung bedeutet dies, dass er das eingesetzte Kapital mit möglichst geringem Risiko bestmöglich verzinsen möchte. Und da steht sein Unternehmen als Option im Wettbewerb zum Sparkonto, einem Aktienfond oder einer „Private Equity“-Beteiligung bei einem Unternehmerspezl. Ebenso sollte der besonnene Unternehmer-Investor nicht der Illusion aufsitzen, nur weil er bei seinem eigenen Unternehmen die Zügel selbst in der Hand hat, sei das ganze Wagnis weniger riskant.
Institutioneller Investor bei der Kapitalbeschaffung
Die Rolle des Investors wird am drastischsten deutlich, wenn der Unternehmer sich im Gespräch mit institutionellen Investoren befindet, die das Venture als Investitionsobjekt rein aus einem finanziellen Blickwinkel sehen. Wie ich neulich bei einer Podiumsdiskussion in Bombay (Indien) sehr plastisch mitgenommen habe, ist für einen Investor der Faktor Kapital wie das Inventar im Einzelhandel, nämlich ein durchlaufenden Posten. Wesentlich ist jedoch das Verständnis für den Unterschied zwischen Preis und Wert. Ein Preis für den Kauf einer Beteiligung kann niedrig oder hoch sein, das ist dem durchlaufenden Posten Kapital aber zunächst egal.
Es kommt einzig und alleine auf den Wert an, der sich im Anschluss an die Beteiligung aufbauen lässt. Aus der Perspektive geht es einem institutionellen Investor zunächst nicht darum, den „Bang for the Buck“ zu maximieren, sondern den „Bang for the Time“. Die Zeit für die Auswahl des richtigen Investments, vor allem aber die Zeit während der Betreuung seines Portfolio-Unternehmens werden zur knappen Ressource, die diesen gewünschten Wert aufbauen soll – und somit auch sein eigener limitationaler Faktor.
Schizophrenes Dasein
Aber zurück zu unserem Unternehmer: Wie schwierig die strikte Trennung der beiden Hüte von Arbeitskraft und Investor aufrechtzuerhalten ist, zeigt sich spätestens, wenn man mit knapper Kapitalausstattung startet und auf eine marktübliches Gehalt der Arbeitskraft verzichtet. Ohne ein solches „Bootstrapping-Szenario“ hat man womöglich gar keine Chance, sein Unternehmen zum Laufen zu bringen. Umgekehrt: Läuft es ganz ok und man zahlt sich ein zu üppiges Gehalt aus, so kann einen dies bei einem Unternehmensverkauf teuer zu stehen kommen.
Ein einfaches Rechenbeispiel dazu: Bei einem Unternehmensverkauf wird für die Bepreisung gerne ein Vielfaches eines Jahresgewinns zu Grunde gelegt, sagen wir das 8-fache. Gönnt sich ein Unternehmer in seiner Rolle als Arbeitskraft pro Monat einen Tausender mehr, so macht er im Jahr entsprechend € 12.000 zusätzlich an Gehalt (brutto). Falls ihm bei einem Unternehmensverkauf jedoch noch z.B. 60 % am Unternehmen gehören, so rächt sich diese Maßnahme mit einer Einbuße von € 57.600 (=8*12*1000*60%) in seiner Rolle als Investor.
Mut zum Rollenwechsel
Extremismus zahlt sich im Leben selten aus, das Gleiche triff zu, wenn man einen der Hüte so exzessiv aufhat, dass man die Perspektive des anderen gar nicht mehr beherzigt. Ein Unternehmer, dessen Firma über einen längeren Zeitraum keine adäquate Rendite abwirft, sitzt auf Dauer dem Phänomen der Selbstausbeutung auf. Bezogen auf die geschilderte Logik, aber womöglich auch faktisch, wäre es für ihn als Arbeitskraft besser bestellt.
Auf der anderen Seite des Spektrums liegt der Unternehmer, dessen Business nicht nach Plan läuft, wo langfristig und ohne Aussicht auf Besserung mehr Geld hinaus- als hineinfließt, und wo er als Gegenmittel mehr und noch mehr Geld in das Unternehmen hineinsteckt. Nicht nur, dass er abseits jeglicher Portfolio-Vernunft alles auf eine Karte setzt, sondern er riskiert auch, „schlechtem Geld“ auch noch „gutes Geld“ hinterherzuwerfen.
Wechsel ins andere Lager?
Zum Abschluss noch diese eine Frage: Wer ist eigentlich der bessere institutionelle Investor? Einer der immer nur als reiner Investor Geld angelegt hat oder jener, der zuvor als Unternehmer gewohnt gewesen ist, selbst die Ärmel hochzukrempeln? Bei dem genannten Panel in Bombay berief sich einer der Teilnehmer auf eine angeblich empirische Studie, die das Pendel zu Gunsten des reinen Investors ausschlagen lässt. Begründung: „Entrepreneurs invest into companies they believe they can fix, investor invest into the right people who do the fixing.”
23. January 2008 |
René Seifert
Hut ab, ich hab’ noch nie ein sowohl so gutes als auch so gut organisiertes Event besucht, über dem außerdem eine persönliche, fast schon intime Atmosphäre schwebt. Gestern ging in München die vierte DLD Conference zu Ende und es zeichnet ein gutes Event aus, dass es sich in Zeiten von schnellen Veränderungen ebenso weiter entwickelt. Von DLD für "Digital Lifestyle Day" hat der Name heuer eine Evolution in Richtung DLD für "Digital Life Design" unter dem Motto "Uploading the 21st Century" erfahren, was das ambitionierte Programm inhaltlich voll eingelöst hat. Insofern ist ein solches Event nicht nur ein Spiegel der aktuellen Trends in den zum Teil recht breit verteilten "Disziplinen" wie Internet-Business, Genetik, Globalisierung, Städteplanung, Architektur, Kunst, Literatur, Extremsport und alternativen Kraftstoffen, sondern eben auch genau jenes explosive Gemisch, aus dem die Energie für innovative Geschäftskonzepte frei gesetzt wird. Auf solchen Plattformen, auf denen man Experten zuhört und anschließend sich und seine Visitenkarten auf Augenhöhe beim Kaffee austauscht, werden bestehende Grenzen zwischen Kategorien und Disziplinen geschliffen, während Neue erschaffen werden.

Bestes Beispiel dafür: Die Prinzipien von Web 2.0 sind inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen, vor allem das Phänomen, dass ein Dienst um so besser wird je mehr Nutzer ihn verwenden. Bisher erfordert der Dienst, dass die Nutzer sich dafür in der einen oder anderen Form betätigen, indem sie z.B. Bilder bei Flickr hochladen und betaggen bzw. ein virtuelles Sozialverhalten bei z.B. XING an den Tag legen. Auf der anderen Seite ist die Genetik schon seit Jahrzehten dran, den Code des Lebens zu dechiffrieren, was sich dank dem Einsatz von schnellen Rechnern deutlich beschleunigt hat. (Wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich das Buch "A Life Decoded – My Life, My Genome" von Craig Venter (auch ein Gast auf dem diesjährigen DLD)).
Beide bisher losgelösten "Disziplinen" haben Anne Wojcicki und Linda Avey mit ihrer Firma 23andMe in ein innovatives B2C-Start-Up zusammengebracht, dessen "Personal Genome Service" seit gestern auch auf dem deutschen Markt erhältlich ist. Für US-$ 999 schickt man seine Speichelprobe an 23andMe, anschließend wird die DNA dechiffriert, die man sich über den Log-In mit seinem Usernamen und Passwort anschauen kann. Das haut die wenigsten noch vom Hocker, sehr wohl aber eine probabilistische Aussage ob man aufgrund seiner Gene ein höheres Risiko für eine Krankheit (z.B. Diabetes Typ 1) besitzt. Dafür vergleicht der Dienst die Gene der Registrierten mit dem Genpool und der bisherigen Erkenntnissen der klinischen Forschung zu Thema insgesamt. Zweiter Anwendungsfall: Wenn sich eine ganze Famile bei dem Dienst anmeldet, zeigt ein Stammbaum wer vom wem welche prozentualen Anteile des Gencodes geerbt hat. (Die AGBs weisen vorher ausdrücklich darauf hin, dass sich z.B. bei der Vaterschaft – sagen wir – "Überraschungen" ergeben können …)

Das alleine für sich ist bestenfalls spielerisch, schlechtenfalls frustrierend. Der eigentliche Nutzen geht dahin, dass man durch die Information seine Ernährung sehr spezifisch umstellen kann, um das Risiko für den Ausbruch der genannten Krankheit wiederum zu reduzieren. Ebenso lassen sich Cluster von bestimmten gleichen Genkombinationen registrierter Nutzer bilden, die im Verdacht stehen Migräne hervorzurufen und deren Patienten auf ein Migränemittel nicht ansprechen. Daraus soll mittelfristig der Weg zu personalisierten Medikation geebnet werden, einer Zielsetzung die übrigens auch als das Geschäftsmodell der Zukunft für die Pharmaindustrie angesehen wird. Eine letzte Feedback-Schleife hat 23andMe noch, die durch strukturierte Angaben der Nutzer über ihren Gesundheitszustand dabei hilft, die Zusammenhänge zwischen Genen und Krankheiten besser zu verstehen. Dass der bayerische Gesundheitsminister Otmar Bernhard diesen Service ablehnt ist nicht weiter schlimm, ich habe keinen Zweifel dass sich in 15 Jahren nach Anpassungen und berechtigten Diskussionen so eine persönliche Typisierung in ähnlicher Form durchgesetzt haben wird wie das Handy oder ein Facebook-Profil heute.
Zum Abschluss des DLD gestern war es auch nur noch eine Randnotiz, dass Naomi Campbell zum Afrika-Panel nicht erschienen ist, bei dem sie über die digitale Kluft in Afrika im Rahmen ihres "sozialen Engagements" sprechen wollte. Das Panel war auch ohne Campbell eines der Highlights der Veranstaltung. Das Supermodel engagierte sich stattdessen im 100 Meter entfernten Hotel Bayerischer Hof auf ihre Weise sozial: Auch nachdem das Panel längst begonnen hatte, lief sie schreiend in ihrem Hotelzimmer auf und ab ihre Haare seien noch nicht in Form und vertagte ihre Ankunft im 15-Minuten Takt, bis Verleger Hubert Burda von sich aus dankend auf ihr Erscheinen verzichtete. Nachdem Campbell außer schön und verhaltensgestört inmitten der enorm vielen smarten Menschen auf dem Event eh nichts zu bieten gehabt hätte, war ihre Abwesenheit nicht der geringste Verlust für diese mega-inspirierende Veranstaltung.
22. December 2007 |
René Seifert
Nach einem aufregenden Jahr bei eLAB, wo wir aus einem neuen Büro ein paar spannende Projekte und Ventures auf den Weg gebracht haben, geht das eLAB-Team in ein paar ruhige Tage. Wir freuen uns auf ein ebenso aufregendes 2008 und wünschen allen ein Frohes Fest und einen guten Rutsch!
8. June 2007 |
René Seifert
Die Jagd nach Innovation, die entweder die Produkt-Pipeline eines etablierten Unternehmens prall gefüllt hält oder gleich die Gründung eines Start-Ups ermöglicht, setzt im ersten Schritt die richtige Denkschablone voraus. Neudeutsch: "Framework." Eines der besten Frameworks der letzten Jahre ist sicherlich die "
Blue Ocean Strategy", einem Buch der beiden
INSEAD-Professoren Kim Chang & Renée Mauborgne. Alles was man sonst recht pauschal schon mal mit "think out of the box" oder "querdenken" gehört hat, wird in diesem Konzept systematisch zusammengestellt. Es sei fairnesshalber erwähnt, dass die Autoren zusammen mit vielen Studenten über mehrere Jahre empirisch geforscht haben, bis schließlich dieses Buch daraus entstanden ist. Aus meiner Sicht besteht die zentrale Aussage in diesem Modell:

Es bezieht sich auf eine Wertkurve, die für vom Konsumenten wahrgenommene Faktoren eines Produktes oder eines Dienstes Wert-Punkte z.B. von 0 bis 10 vergibt. Anschließend macht man sich über den Status-Quo eines Angebotes her und überlegt sich, welche Faktoren könnte man ganz rausschmeißen, welche reduzieren bzw. erhöhen oder welche ganz Neuen mit ins Paket hineinnehmen. Im Ergebnis stellt man rückblickend bei vielen innovativen Produkten fest, dass dieses Konzept – oft auch ohne es zu wissen – sehr erfolgreich angewendet worden ist. Wenn man sich umgekeht in dieses Framework mit Beispielen hineindenkt, dann ist es auch gut als aktives Handwerkszeug für eigene Innovation einsetzbar. Oft stellt man fest, dass es keineswegs bedeutet das Rad neu zu erfinden. Beispiele:
- Eine Kaffeemaschine, inzwischen auch eine mit Espresso und Aufschäumerfunktion, gehört immer mehr zur Grundausstattung eines Büros von Welt. Modell bisher: Man kauft die Maschine als Produkt zum festen Preis, kauft die Bohnen wo auch immer und wenn das Gerät Wartung braucht, dann muss man zusehen wo man einen Service herbekommt. Nespresso hat das Modell einfach umgedreht: Man bekommt das Gerät für umsonst in die Kaffeeküche gestellt, hat regelmäßige Wartung inklusive und zahlt nutzungsabhängig "nur" € 0,30 für die Kaffekapseln (=1 Portion). Technisch würde man sagen: Bei den Kapseln handelt es sich um ein proprietäres Format, denn mit normalen Bohnen oder dem gemahlenen Kaffee lässt sich die Maschine nicht betreiben. Die Kapseln haben ihrerseits eine Art Erlebniswelt von 12 verschiedenen Sorten in unterschiedlichen Farben aufgebaut, was noch einmal zusätzlichen Wert stiftet oder wenigstens zusätzlichen Wert beim Konsumenten suggerieren soll. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet stellt man außerdem fest, dass "Kaffeetrinken im Büro" sich von einem Produkt in Richtung einer Dienstleistung verschoben hat und für Nescafé als Kaffeveredler eine prima Vorwärtsintegration auf der Wertschöpfungskette bedeutet.
- Chris Anderson erwähnt in seinem lesenswerten Buch "The Long Tail" den US-amerikanischen Küchengerätehersteller KitchenAid. Die machen in Mixer, Külschränke und alles was das Herz der gelehrigen Hausmannes sonst noch so begehrt. Womit sich KitchenAid jedoch von seinen Wettbewerbern im Einzelhandel am PoS (=Point of Sale) abhebt, ist ebenso genial wie einfach. Jede Einzelhandelskette bekommt z.B. einen MIxer in den typischen Farben weiß, beige und schwarz geliefert – und einer zusätzlichen exklusiven Farbe. Diese exklusive Farbe ist in der Regel schrill und atypisch, so dass sie regelmäßig die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zieht, die das Farbenkonzept auch insgesamt durchschaut haben. Somit halten die Kunden bereits aktiv Ausschau nach KitchenAid-Produkten in einer anderen Einzelhandelskette, weil sie sehen möchten mit welcher abgefahrenen Farbe dieser Laden beglückt worden ist. Ergebnis: Die schrillen Farben werden emsig gekauft, aber der Gag mit den Farben auch dazu geführt, dass er Absatz der herkömmlichen Farben spürbar gestiegen ist.
- Schließlich noch ein gelungener Fall von Blue Ocean Strategy, wo man ihn womöglich am wenigsten vermuten würde. Bei einem öffentlichen Unternehmen, der Münchner MVG, die in der bayerischen Landeshauptstadt Busse, U-Bahnen und die Tram (=Straßenbahn für Nicht-Münchner) betreibt. Dieses Angebot habe ich neulich in einer U-Bahn Station entdeckt:
Mussen gibt es in München viele, 24 an der Zahl und vor allem die Populärsten darunter hat die MVG nun bequem in eine einzige Buslinie gepackt. So wird das Kultur-Hopping zu einem logistischen Kinderspiel und als Stadt München hat man kommunikativ den alten Hut eines Museumsbesuch mit der innovativen Lösung "Wie komme ich hin und herum" neu besetzt. Wetten, dass deswegen auch wieder mehr Leute ins Museum gehen.
Insgesamt zeigen diese Beispiele, dass man mit einem soliden Verständnis von Kundenbedürfnissen und einer kreativen, oft gewitzten Wendung eines bestehenden Angebotes ein neues und erfolgreiches Produkt im Markt etablieren kann. Die Blue Ocean Strategy kann einem helfen, die Welt dafür durch die richtige Linse zu sehen.
31. May 2007 |
René Seifert
Heute früh hab’ ich nicht schlecht gestaunt als ich zu meiner morgentlichen "Zeitungslektüre" via "Google Reader" einen neuen Botton rechts oben "offline – new" entdeckt habe. Google Gears ist live und ermöglicht es, sich die Feeds im Online-Zustand auf die lokale Platte zu ziehen und später Offline zu lesen. Man muss sich dazu nur einmalig die Applikation Google Gears (vom Google Reader erreichbar) lokal installieren und kann dann mit einem Knopfdruck die Synchronisation einleiten. Man mag sich vielleicht wundern, ob das in einem zunehmend alltäglichen Szenarion von "always on" überhaupt relevant ist – außer man gibt einen auf Pseudo-Jetsetter, der sein halbes Leben auf Langstreckenflügen verbringt.
Damit ist es aber für Google sicherlich nicht getan. Read/Write Web zitiert Google CEO Eric Schmidt, der den Schritt wie folgt begründet:
"With Google Gears, we’re tackling the key limitation of the browser in order to make it a stronger platform for deploying all types of applications and enabling a better user experience."
Nachtigall, ich hör Dir … Der Google Reader ist sicherlich nur ein Anfang. Wenn man sich nämlich vor Augen führt, das Google mit Docs & Spreadsheets und demnächst auch Presentations etwas beisammen hat und für umsonst anbieten, was man sich bei Microsoft Office teuer zusammenlizensieren muss, dann ist eine universelle Offline-Plattform für den Frontalangriff auf den Riesen aus Redmond nur der nächste konsequente Schritt.
"Plattform" trifft es auch in jeder Hinsicht: Google Gears läuft unter jedem Browser: Internet Explorer auf Windows, Firefox auf Windows, Mac OS, Linux sowie auf dem Safari Mac OS Browser. Und, für Google eher sehr unüblich, Google Gears ist Open Source und lädt so eine Community an Entwicklern ein, möglichst viele Anwendungen dafür zu schreiben und so die Relevanz dieser Offline-Plattform kontinuierlich nach oben zu ziehen.
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