Kann mich nicht zurück halten, auch meine 50 Cent Hirn zu dem Thema abzusondern, nachdem Wolfram Alpha seit 10 Tagen live ist und das Projekt von vielen schlagzeilenträchtig mit “Google Killer” überschrieben worden ist – wie man leicht rausbekommt wenn man ironischerweise nach “Wolfram Alpha Google Killer“, ähäm, googelt. 2,4 Mio. Treffer sind’s zur Stunde des Posts. Unter den Top 10 in deutscher Sprache finden sich unter anderem Chip und die FTD. Fairerweise gesagt kommen die beiden genannten Artikel in ihrer inhaltlichen Betrachtung zu keinen grundsätzlich falschen Bewertungen von Wolfram Alpha, ich frage mich nur wer jemals diesen Mist von “Google Killer” in die Welt gesetzt hat. Der Spiegel überschreibt seinen Artikel mit “Hype um den Wissenszwerg“, was dem Ganzen von Anfang an viel besser gerecht wird.
Nur am Rande auch hier eine kurze Bewertung der neuen Suchmachine. Wie ich Wolfram Alpha finde? Super. Als sublimer Mathe-Nerd könnte ich mich alleine schon den ganzen Tag damit rumspielen bei irgend welchen Funktionen die Variable zu verändern und zu staunen was bei den dazu gehörigen Graphen dabei passiert.
Aber darum geht’s nicht. Auch wenn man mal die nötige Zuspitzung von Schlagzeilen in Abzug bringt, so zeugt die leichtfertige Verwendung von “Google Killer” in den meisten Fällen von einem kolossalen Unverständnis dessen, was Google in den gut 10 Jahren seines Bestehens zum erfolgreichsten Unternehmen unserer Menschheitsgeschichte gemacht hat. In eine ähnliche Richtung geht die oft geäußerte Ambition von irgend welchen Start-Up Unternehmern wie z.B. “Wie werden das nächste Google im Entertainment”. Gähn und *Augen roll*.
Fangen wir mal makro-makro und auch ein bisschen doof an: Ob Googles Vorherrschaft in Zeiten von technologisch extrem beschleunigten und sich weiter beschleunigenden Technologie-Zyklen in Verbindung mit rasanter Verbreitung von Information durch soziale Netzwerke in x Jahren durchbrochen sein wird? Setzen wir x1 = 200. Vorausgesetzt, der Homo Sapiens hat sich bis dahin nicht seinen eigenen Untergang bereitet, würde ich mal mit einer probabilistischen Sicht sagen: Wahrscheinlich ja. Bei x2=100, wahrscheinlich auch noch. Bei x3=2, eher nein. Ok, was muss aber passieren dass irgendwann mein Prognosenpostulat auf Stammtisch-Niveau, der ohnehin die strikte Falsifizierbarkeit im Popper’schen Sinne fehlt, eintritt?
Das Verhalten der kollekten Internet-Nutzer müsste sich fundamental ändern. Was Google seit seinem Bestehen so stark gemacht hat war zunächst eine deutlich bessere Suche, die im Vergleich zu den damals operierenden Suchmaschinen deutlich relevantere Ergebnisse geliefert hat. Grund dafür war im Kern der PageRank-Algorithmus, der nur Rechnern eigenen Geschwindigkeit das gesamte Netz durchsucht hat. Wie andere Suchmachinen auch, hat Google dabei Volltext verschlagwortet. Neu war: Als Filter von Relevanz im Ranking wurde die zu grunde liegende Linkstruktur von Website zu Website genutzt. Die, und das ist so fundamental anders, von vernunftbegabten Menschen aufgrund ihrer Einschätzung von Relevanz gesetzt worden sind. Google hat also nichts anderes gemacht als den bestehenden Inhalt elegant zu organisieren und allen umsonst zugänglich zu machen. Alles nicht neu, aber in der jetzigen Debatte um Wolfram Alpha doch wieder mal wert, ins Gedächtnis zurück gerufen zu werden.
Vergleich das mal mit Wolfram Alpha. Woher die Daten kommen, weiß so recht keiner. Bei den wissenschaftlichen Funktionen, bei denen Wolfram Alpha so stark aufrumpft, wurden eher Verfahren und Methoden ins System programmiert und das kann dann für Oberflächenberechnung “Tetraeder” auch richtig was. Hut ab. Allerdings, wie groß ist im Marktvolumina betrachtet diese Art von Suche gegenüber “Last Minute Mallorca” oder “Bilder Britney Spears”? Genau …
Was Google vor allen Dingen geschafft hat ist bei einer weltweite Armanda von Publishern, von Großverlagen über Zierfisch-Ljiebhaber bis professionellen SEOs Momentum auf die Straße zu bringen, zu allem und jedem etwas zu schreiben, damit es von Google elegant organisiert und dann wieder auffindbar gemacht wird. Ich sehe das nicht bei Wolfram Alpha passieren, schon mal wegen des gänzlich anders gestrickten Produktprinzips. Der Anspruch, die Daten von Mitarbeitern in irgend einer Weise strukturiert ins System zu füttern, verbietet sich auch wirtschaftlichen Gründen vollkommen, wie das jähe Ende von Wikia neulich erst gezeigt hat.
Zwei weitere Gründe, weshalb “Google Killer” als Begriff so weit neben der Spur liegt: Neben der allseits bekannten Funktion von Google ist das Unternehmen auch DIE Infrastruktur-Company par excellence. Selbst wenn Wolfram Alpha kann was es kurz nach seinem Launch für eine handvoll Freaks kann: Skaliert das auch noch bei mehreren hundert Millionen Suchanfragen pro Tag, wie es bei Google der Fall ist? Alles andere als ein Kinderspiel, wie die vielen Downtimes beispielsweise bei Twitter im letzten Jahr belegen. Außerdem: Bei Wolfram Alpha dauert es schon ein bisschen bis sich so eine Ergebnisseite aufgebaut hat. Diese Usability-Erfahrung steht aber im diamentralen Gegensatz zu den User-Erwartungen von blitzschnellen Treffern, wo Google im Mikro-Sekunden Bereich optimiert, wie Produktchefin Marissa Meyer mal bei einer Präsentation erläutert hat.
Alles in allem wird der “Google Killer”, wenn er dann mal kommt, nicht versuchen dürfen frontal mit einer neuen Suche auf Google loszugehen. Bei dem Laden arbeiten die smartesten Köpfe der Welt, sich sich bei dem Thema rauf- und runter auskennen. Das heißt aber nicht, dass Google als Metapher für das dominierende Unternehmen im Netz nicht knackbar ist. Von Microsoft hätte es vor 10 Jahren auch niemand für möglich gehalten, bis eben Google kam und die Kategorie des Spiels völlig neu definiert hat. Genau das gleiche muss auch für den Google-Angreifer gelten. Eine neue Kategorie strategisch zu besetzen, vielleicht sogar neu zu schaffen, während Google damit beschäftigt bleibt die Cash Cow seines bestehenden Business zu melken. Vielleicht ist es ein Social Netzwerk à la Facebook. Oder ist es überhaupt “das Netz” in unserem heutigen Verständnis?
Ok, ok, die Headline geht schon ein bisschen in Richtung Bild-Zeitung. Aber wenn wir jetzt schon mal im Gespräch sind, dann können wir uns auch etwas differenzierter darüber unterhalten. Und so ganz falsch ist es nicht, wie Prof. David Kirsch von der Universität Maryland vom Lehrstuhl für Management und Entrepreneurship in seiner Studie rausgefunden hat. Die Sache ist nämlich die: Fragt man VCs nach dem Hauptkriterium weswegen sie in ein Start-Up investieren, dann kommt so gut wie immer zur Antwort: Der Gründer bzw. sein Team. Denn bei einem Start-Up kommt es immer anders, und dann noch als man denkt. Annahmen gehen nicht auf, der Markt hat sich gedreht, die Umsetzung dauert länger als angenommen – die ganz normalen kleinen und großen Katastrophen in einem Start-Up. Und da kommt es auf die richtigen Leute mit den entsprechenden Sensoren fürs Geschehen sowie der Flexibilität für die rasche Anpassung an. Nachdem ein erfahrener VC vor der Finanzierung weiß, dass es nach der Finanzierung genau so kommen wird, will er die Unternehmer so gut wie möglich kennen und ihr Umsetzungspotenzial verstehen.
Und das deckt sich wiederum mit der erwähnten Studie aus Maryland, die systematisch den Zusammenhang zwischen einem (guten) Business Plan und einer erfolgreichen Finanzierung in 700 Fällen erforscht hat. Ergebnis: Es gibt keinen. Vielmehr spielte eine viel großere Rolle, ob der VC den oder die Unternehmer kannte. Wenn nicht persönlich, dann in Zeiten der “Reputation Economy” zumindest durch eine vertrauensvolle Empfehlung. Falls dies nicht der Fall war, dann überzeugte den VC ein erster Kunde oder eine iniitierte wichtige Partnerschaft ebenso nachhaltiger als eben die Vorlage des perfekten Business Plans. Ganz interessant: Diese akademische Aussage ist nicht so weit entfernt von den Ratschlägen aus der Praxis. In diesem TED-Talk hat Serial Entrepreneur und Pate des Angel Investment David S. Rose 10 Tipps parat, worauf es bei einem Pitch vor einem VC ankommt.
Wer keinen Bock hat, die 10 Minuten Video durchzukucken, hier auch einfach die Slides daraus:
Ja nu? Heißt das, dass man sich den Business Plan komplett schenken kann? Nicht ganz, denn zum guten Eindruck zur Person des Gründers gehört auch, dass er weiß wovon er beim Pitch spricht, also Markt, Produkt und Geschäftsmodell vermitteln kann. Somit schadet es nicht, wenn man sich eben dies im Rahmen einer niedergeschriebenen Skizze zunächst mal selbst erklärt.
Allerdings kann man die Studie in Punkto “news to use” so interpretieren: In der Abwägung zwischen Seite 17 des Business Plans noch weiter aufsexen vs. sich aktiv in die Investment-Community reinwanzen oder einen ersten Kunden von der Idee überzeugen, sollte das Pendel eindeutig in Richtung Letzteren ausschlagen.
Last, but not least, der Fünfte im Bunde auf dem heutigen Launchpad auf der Web 2. Expo. Ganz cooler Gründer auf der Bühne, der mit Zealog (Claim “Keep track. Measure up.”) einen Dienst gelaunch hat, der kollektives Messen 2.0 organisiert. “Messen” als sehr generische Legosteine, für alles was man quantatativ tracken und abbilden kann. Die Hauptanwendung kommt dabei zum Thema abnehmen: Dabei zeigt der Gründer ein Bild, wo er noch fett im Saft stand und über ein diszipliniertes Messen und Eintragen seines Gewichtes ordentlich abgespeckt hat. Andere Anwendungen sind “Wie viele Tage ohne Alkohol”, “Anzahl von Liegestütze pro Tag” etc.
Vom Design schön umgesetzt, trifft der Dienst auf ein Problem dass wenn man theoretisch alles messen kann, man am Ende nix damit macht. Zudem kritisiert die Jury, dass wir uns eher in ein Zeitalter von passivem Datensammeln bewegen, wo man irgendwann durch die aktive Eingabe schnell die Lust verliert, was dem Dienst wiederum Luft aus den Segeln nimmt.
Ein indischer Start-Up Gründer mit der Rarität eines Anzugs auf der Bühne vom Launchpad macht sich an das real existierende Problem von der Flut an Visitenkarten nach z.B. Konferenzen heran. Man bekommt einen Stapel und der verstaubt dann im Büro.
Seine Firma Dubmenow baut eine virtuelle Visitenkarte für mobile Endgerät. Man kann sich also Visitenkarten virtuell austauschen, der Service speichert automatisch Tag, Uhrzeit und Ort des Austausches. Auch kann man noch Notizen hinzufügen.
Dubmenow ist asynchron, das heißt nicht beide Partner müssen bei dem Dienst dabei sein. Nur wenn man seine Visitenkarten verschicken will, muss man angemeldet sein. Das System verknüpft sich außerdem auf Wunsch mit Diensten wie Salesforce.
Nun ja, das Problem ist nicht neu, Große wie Plaxo haben sich auch schon daran versucht und die Lösung klingt mir eher nach einem Feature, aber nicht nach einer Company, die von einem funktionierenden Business-Modell getragen wird. Außerdem findet man heute Leute so schnell über XING, Facebook oder auch Google, so dass man sich nicht wirklich mit der Kleinigkeit des historischen Umstandes eines Visitenkartenaustauschs herumschlagen muss.
In diesem Format stellen sich ein paar vorselektierte Start-Ups vor. Es gibt also auch noch ermutigenderweise noch Start-Ups, die sich mit einem neuen Online-Service vcrsuchen
80 Legs ist eine Plattform, die das Entwickeln von neuen Webservices erleichtert und zwar solchen, die andere Webdienste verwenden. Es handelt sich um Software as a Service (Saas), der “in der Cloud” sitzt und das Internet seinerseits als Plattform verwendet. Sonit kann man die Aufgabe von Webseiten-Crawlen oder die Bildersuche durch das ganze Netz durch diese Applikation outsourcen. Beispielsweise zu einem Preis von 2 Dollar für 1 Million gecrawle Webseiten. Das löst alle möglichen Probleme bei der Infrastruktur für Start-Ups, die ansonsten aufgrund von zu hohen Kosten so eine Idee überhaupr erst gar nicht realsieren könnten.
Die hochkarätige Jury ist positiv gestimmt, allerdings etwas besorgt, dass jemand wie Amazon mit ihrer EC2 bald etwas ähnliches launchen und 80 Legs damit aus dem Rennen schmeißen. Die Gründer halten dagegen, dass der Dienst zwar auf der Cloud aufsetzt, aber eine Menge eigener IP oben drauf sitzen hat.
Wonach Kapitalgeber erst recht in rauen Zeiten am meisten Ausschau halten, ist entgegen der landläufigen Meinung nicht “die Idee”. Bei aller Liebe zu “Ideen”, ist das wohl einer der am häufigsten missbrauchten Begriffe wenn es um Firmengründungen geht. Wenn jemand eine Würschtelbudel aufmacht, die anschließend sogar anständig läuft, so klopft dem fleißigen Bratling hinterm Grill auf vier Rädern auch keiner auf die Schulter und sagt: “Da haste aber ‘ne tolle Idee jehabt, wa. Ansonsten einmal Pommes Schranke, bitte.” Was seinen Laden erfolgreich macht, ist dass es sein Ding einfach ordentlich durchzieht, jeden Tag morgens zur Großmarkthalle fährt, frisch verschweißte Nürnberger einkauft, tagsüber vom Schnitzelwenden bis zum Abkassieren den Allrounder gibt und abends als Letzter nach dem Putzen den Verschlag runterklappt. Respekt.
Worum es geht, ist gute Exekution, wo im Zweifelsfall eine mittelmäßige Idee exzellent umgesetzt mehr wert ist als die umgekehrte Kombination. Übertragen wir das mal auf “unsere Branche”, also Online, digitale Medien usw., so liegen die Dinge in der Regel etwas komplexer als bei unserer Würschtelbuden – deswegen in vielen Fällen noch lange nicht profitabler. (Somit erst recht kein Grund zum Hochmut.) Aber die Komplexität in der Umsetzung erfordert im ersten Schritt, wenn es um das Aufnehmen von Risikokapital geht etwas, was den eigentlichen Grundstein zum Erfolg legen soll. Freilich ist das “Konzept” oder “Produkt” (schon mal der 1000-mal bessere weil konkretere Begriffe als die flüchtige “Idee”) wichtig, wenn ein VC einen Business Plan bewertet. Aber vor allen Dingen sind es die handelnden Personen. Jeder VC wird einem bestätigen, dass es auf das Team ankommt, welches gedenkt einen Stapel geduldiges Papier in die Tat umzusetzen.
Teams werden in der Regel immer lieber gesehen als Einzelpersonen. Warum ist das so? Im Kern liegt das Geschäftsmodell von Risikokapitalgebern, die nur dann erfolgreich operieren, wenn ein finanziertes Unternehmen zumindest das Potenzial aufweist, überdurchschnittliche Rendite über einen Verkauf oder einen Börsengang (nicht diese Tage, ich träume nicht ;-) abzuwerfen. Das wiederum erfordert diese beiden Begriffsbrüder, über die man mit auffälliger Regelmäßigkeit stolpert: Speed & Scale. Also die Fähigkeit mit hoher Drehzahl ein Geschäft aufzubauen, welches bestmöglich die gesamte Opportunity des Marktes so schnell wie möglich besetzt (bevor es ein anderer tut) und wo ab einem gewissen Punkt jeder investierte 1 Euro sich selbst und noch einen schönen Schnaps als Marge obendrauf zurückgibt.
Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, sind in den meisten Fällen Einzelgründer schlichtweg überfordert. Dabei spielt freilich auch die Erkenntnis eine Rolle, dass sich am Unternehmen beteiligte Gründer den Allerwertesten bis zum Genick aufreißen werden – aus Erfahrung zumindest mehr als “nur” angestellte Manager. Positiv wirkt sich in der Außendarstellung des Teams immer aus, wenn die illustere Runde über komplementäre Fähigkeiten verfügt, also der eine sich gut beim Produkt auskennt, der andere Sales & Marketing beherrscht während die Dritte im Bunde die Technikgöttin à la Marissa M. gibt. Aus Sicht von Risikovermeidung sind Teams natürlich auch besser aufgestellt, wenn mal z.B. einer wegen Krankheit länger ausfällt als der Eine, wo das ganze Geschäft schnell den Bach runtergeht.
Vor allen Dingen aber erklären einem VCs eines gebetsmühlenartig: Sobald die Tinte unter den Notarvertrag getrocknet ist, das Wagniskapital per Überweisung den Besitzer gewechselt hat, ist der Business Plan nicht mehr das Papier wert, auf dem er geschrieben wurde: Der Markt hat sich gedreht, ersten Annahmen erfüllen sich nicht, die Dinge dauern länger als geplant und so weiter. Das einzige, was die Lage retten kann, sind die richtigen Leute. Mit einem Höchstmaß an persönlicher Integrität müssen sie die veränderten Rahmenbedingungen erkennen, schnell und flexibel Produkt, Marketing und manchmal sogar das ganze Geschäftsmodell anpassen. Und sich dabei wie ein Fahrradteam über die Langstrecke gegenseitig antreiben.
Einen Sonderfall wird auch immer wieder gerne genommen: Ein einzelner Gründer hat mit Friends & Family-Geld seine Firma auf eine beachtliche Flughöhe gebracht, stößt aber mit der bestehenden One-Man-Show als Geschäftsführung für den nächsten Wachstumsschub an seine Grenzen, z.B. auch wenn es um die Wahrnehmung bei Risikokapitalgebern geht. Auch in dieser Situation ist es keineswegs zu spät sich über das eigene Netzwerk auf die Suche nach fachlich und persönlich gut zusammen passenden Partnern mit anerkannter Erfahrung zu machen, gemeinsam das Wachstumskonzept auf die Beine zu stellen, damit als Team vor VCs zu treten und das Ding ab Finanzierung mit Volldampf im Rudel durchzuziehen.
Es gibt vielleicht außer Sex kaum etwas, das uns emotional so unter die Haut geht wie Musik. Inzwischen beschäftigen sich selbst Evolutionsforscher mit dem Ursprung dieser eigentümlich-menschlichen Gestaltungsfähigkeit und ihrer magischen Anziehungskraft auf sowohl Gehör als auch Groopies. A G’schäftle lässt sich damit sowieso machen, 2005 wurden weltweit rund 12 Mrd. US-Dollar damit umgesetzt.
Über Jahrzehnte war die Welt für das Oligopol der Plattenfirmen in bester Ordnung, bis das Internet und vor allem Napster den Plattenbossen einen fetten Strich durch die Rechnung machten. Fast 10 Jahre hat man dabei vertandelt, bis man vor lauter Bollwerkmentalität eine halbwegs brauchbare und dabei für den Nutzer legale Lösung im Netz entwickelt hat. Wo stehen wir heute?
Relevanz-Revolution
Der Begriff geisterte neulich auf dem DLD im Zusammenhang mit Video im Internet herum, ist aber schon so alt wie Google einem Such-Treffer aus einem gut gefüllten Content-Pool aus dem Netz liefert. John Battelle setzt in seinem Buch “The Search” zwei nachvollziehbare Suchstrategien gegenüber: “Information Recovery” vs. “Information Discovery”. Heißt am Beispiel: Will ich wissen, wie die Hauptstadt von Liberia heißt, bin ich zufrieden sobald ich die Antwort “Monrovia” kenne. Im anderen Fall suche ich nach Blondinenwitzen, und es ist leicht möglich dass ich nach 10 Minuten kehligem Lachen und ein bisserl Herumnavigieren bei Österreicherwitzen gelandet bin (und als Bayer a Riesengaudi hab’ :-). In letzerem Fall reicht ein gerichtetes Interesse, welches man sich mit möglichst vielen passenden Überraschungen füllen lässt.
Auf Musik übertragen existiert das gleiche Phänomen, allerdings in potenzierter Form. Grund dafür ist der Umstand dass Musik über weite Strecken nebenbei gehört wird. Man merkt sehr schnell wenn man einen Song oder ein ganzes Genre zum Kotzen findet; wenn es aber irgendwie passt, dann nimmt man den Schallteppich im Hintergrund billigend in Kauf. Frag mal warum das gute alte Radio immer noch nicht totzukriegen ist, bei dem ich 10 Jahre lang als Moderator anschaffen gegangen bin.
Konkret haben sich im Web vom Ursprung her zwei Konzepte entwickelt, die im üblichen Internet-Tempo flott aufeinanderzukonvergieren.
iTunes
Schlaues Übertragen des alten Modells: Man kauft genau die Songs, die man möchte, aber nicht die Katze im Sack. Jeden Titel kann man gratis 30 Sekunden vorhören. Außerdem muss man sich seit iTunes auch keine ganze Kuh (=Album) kaufen, wenn man mal ein Glas Milch (=Song) trinken will, auch bekannt in der Branche als “Unbundling”. Das war zum Preis von 99 Cent zugegebenermaßen sensationell, bedarf allerdings eines recht aktiven Zutuns des Nutzers (=Käufers).
Freilich hat dem Konzept zum Durchbruch verholfen, dass Apple von Anfang an das ganze Eco-System verstanden und mit seinem disruptiven Geschäftsmodell neu besetzt hat: Mit einem coolen Player ließen sich die alten MP3 geschmeidig importieren und dank Sync mit dem iPod hatte man einen ganzen Plattenschrank in der Hosentasche dabei.
Last.FM und Pandora
Einen anderen Weg haben diese beiden Dienste eingeschlagen: Man gibt einen Künstler ein, den man gerne hört und Last.FM liefert einem irgend einen Song aus dessen Repertoire und anschließend Songs von Bands, die vom Genre ähnlich liegen. Dies “Ähnlichkeit” bestimmt sich vor allen Dingen aus dem “Collaborative Filtering” über andere Nutzer des Dienstes hinweg. Indem man Songs alleine schon durch den Button “Love” bzw. “Dismiss” qualifiziert, “lernt” das System zunehmend den eigenen Geschmack und dudelt einem ohne viel eigenes Zutun stets einen passablen Klangteppich vor.
Gleichzeitig werden einem andere Nutzer mit ähnlichem Geschmack als Nachbarn empfohlen, in deren virtueller Plattenkiste man für seine eigene Playlist wildern darf. Das Geschäftsmodell beruht auf “Freemium“: Zum Anfixen kann man sich an den ganzen Umfang gewöhnen, bis der auf ein paar Grundfunktionen zurück fällt und man für € 2,50 im Monat wieder die ganze Pracht genießen darf.
Der wesentliche Unterschied besteht in der lizenzrechtlichen Ausgestaltung von Last.FM im Gegensatz zu z.B. iTunes, wo einem die Songs “gehören”. Last.FM ist graduell – wie der Name schon suggeriert – wie ein personalisiertes Radio, wo man aber nicht den exakten Zeitpunkt und die Reihenfolge seiner Songs bestimmen kann. Hintergrund sind anders geartete Rechteübertragungen der Plattenfirmen, die bei Pandora sogar dazu geführt haben, dass der Dienst technisch nur für die U.S.A. beschränkt ist. (Auch noch so ein übles Relikt aus der analogen Zeit, wo Medien-Rechte nach Regionen vergeben worden sind und welches dringend geschliffen gehört.)
So gut Last.FM funktioniert, so grottenschlecht finde ich die Usabilty umgesetzt, die es versäumt einmal im Leben genau zu vermitteln, worin der Unterschied zwischen “My Recommendations”, “My Radio Station” und “Neighbourhood” (siehe Screenshot oben) besteht. Gleichzeitig werden inkonsistente Bezeichnungen zwischen Webseite und Download-Client für z.B. “Playlist” verwendet. Vor allem wird einem nie erläutert, was man genau tun muss um die Mucke in diesen einzelnen Kanälen für den eigenen Geschmack zu optimieren. Zum Abschluss des kleinen Bashings noch der Eindruck, dass sich Last.FM mit Featuritis überladen hat und der Grundnutzen nur noch mit der Machete im Funktionalitäten-Dschungel auszumachen ist.
Spotify
Kein Wunder, dass ein neuer Dienst wie Spotify die Gelegenheit erkennt und mit einem mega-einfachen Konzept auffährt und dabei versucht, das beste aus beiden Welten zusammenzubringen. Man lädt sich einen angenehm schlichten Client herunter und dank Lizenzvereinbarungen mit den großen Labels hat man so gut wie den ganzen Katalog der Musik zur Verfügung. Jetzt kann man eher im iTunes-Modus Songs in beliebig vielen Playlisten nach exakt eigenem Gusto und Reihenfolge zusammen stellen. Allerdings “gehören” einem die Titel nicht, sondern werden aus dem Netz in bester Qualität gestreamt. Macht eigentlich nix, wo einem die “Cloud” eh den Job der Datenspeicherung besser und sicherer abnimmt als man es je selber hinbekommt, während man in einem “Always On”-Szenario Zugriff auf seine digitalen Schätze hat.
Das Geschäftsmodell versucht den Nutzer auf die € 9.99 pro Monat zu treiben, bei dem man den ganzen Katalog zur Verfügung hat, zum Testen für einen Tag kostet’s € 0,99. Ziemlich spektakulär: In einigen Ländern wie der Heimat der Gründer Schweden, aber auch Norwegen, Finnland, Großbritannien, Frankreich und Spanien gibt’s auch eine Gratis-Version, bei der einem pro halbe Stunde 1 Minute Werbung zugespielt wird. In den anderen Ländern arbeite man noch an diesem Angebot.
Umgekehrt ist Spotify was relevante Empfehlungen à la Last.FM angeht, noch ziemlich schwach auf der Brust. Es gibt zwar die Funktion “Radio”, die einem zwar schick aufgemacht, nach Genre und Jahrzehnt Songs zusammenstellt. Leider sind die, um in der Sprache der alten Vinyl zu bleiben, eher in der Güte der B-Seite zur eigentlichen Hit-Single. Fairerweise ist der Dienst mit ein paar Monaten noch recht jung und hat sich zu Recht den Fokus zunächst auf das größere Problem gelegt, nämlich die Rechte für ein Abo-Modell für On-Demand im ganzen Musik-Universum zu klären. Das andere kann man im Produktmanagement leichter nachziehen.
Der Heilige Gral der “Playlist”
Ganz im Einklang mit einer der tragenden Säulen von Web 2.o, nämlich “Data is the Intel Inside“, balgen sich alle Beteiligten um ein Stück von der Playlist des geneigten Users, um ihn durch maßgeschneiderte Angeboten an sich zu binden. Last.FM, das muss man ihnen lassen, haben früh erkannt, dass man sich nicht nur auf die Betätigung auf dem eigenen Dienst verlassen sollte, sondern ebenfalls andere dafür anzapfen kann. Wozu haben wir eigentlich das Netz als Plattform? :-) Mit dem Opt-In durch den User werden beispielsweise die Hörgewohnheiten von iTunes in die Empfehlungen von Last.FM verbraten (“Scrobble“).
Aber das Imperium schlägt bekanntlich zurück. Seit kurzen bietet iTunes sein eigenes Konzept “Genius” an, bei dem man einen Song anklickt und das System offeriert einem nach Wunsch 25, 50 oder 100 ähnliche Songs für die Playlist. Selbstverständlich wird einem auch im iTunes-Store daraus eine passende Einkaufsliste auf dem Silbertablett präsentiert.
Viel zu viel Macht in der Hand von einigen wenigen, die nur das eigene kommerzielle Interesse im Auge haben, schreit die Open Source-Community und hält mit Songbird dagegen, der als “Firefox unter den Media Playern” positioniert wird.
Eine “nette Idee”, in der ganzen Bedeutungsbreite des Ausdrucks. Schau mer mal, dann seh mer schon, wo das Konzept in zwei Jahren landet.
Eine ideale Music 2.0-Welt
Ein großer Schritt mit Siebenmeilenstiefeln wäre getan, wenn man dem besten der einzelnen Lösungen abzüglich ihrer Defekte eine Rakete der augenblicklichen technischen Beschleuniger unter den Hintern klemmt. Im einzelnen:
Spotify mit der Community von Last.FM, sauber und einfach umgesetzt würde “song recovery” und “song discovery” miteinander verheiraten. iTunes müsste sich warm anziehen.
Ein schnittstellenoffenere Open-Source Player, der dem Nutzer dezentral die Kontrolle über seine Playlisten ermöglicht und gleichzeitig dem berechtigten Interesse nach Urheberrechteschutz der Labels nachkommt.
Ein Client, den man sich auf alle gängigen Mobilplattformen (iPhone, Android, Windows Mobile und Symbian) installieren kann und über den man unterwegs per WLan oder dank UMTS-Flatrate seine Songs gestreamt bekommt. Vor allem eine klug integrierte Verzahnung des Fat Client auf dem Desktop, wo man alles mögliche machen, einstellen und vorbereiten kann, was einem der einfachere Thin Client für unterwegs vor allem abspielt.
Zur Krönung auch die Speicherung der Liebling-Playlist auf dem mobilen Device à la iPod, falls man wirklich nicht online sein sollte.
Das wäre so weit man die “no brainer” im Sinne einer inkrementellen Innovation. Aber wer weiß, was sich gerade ein paar schlaue Jungs in einer Garage irgendwo auf dieser Welt an wirklich bahnbrechend Neuem ausdenken.
Was Musik im Internet angeht, sind wir noch lange nicht am Ende.
Gerade weil wir uns derzeit in der vorweihnachtlichen Aufbauphase für Hüftspeck befinden, kann man sich gar nicht früh genug mit den verfügbaren Gegenmaßnahmen beschäftigen. Denn, wie es zum Beispiel auf den redaktionell gefütterten Seiten von abnehmen.net zum gern genommenen Glühwein heißt:
Ein gemütliches Glas ist absolut in Ordnung. Beim Zweiten sollte man schon zweimal überlegen, besonders wenn dazu noch andere weihnachtliche Kaloriensünden gegessen werden. Schließlich regen der Alkohol im Glühwein und der leckere Duft auf dem Weihnachtsmarkt den Appetit an. Die meisten Fertig-Glühweine enthalten viel Zucker und liefern so pro 100 ml ca. 105 kcal. Ein großes Glas (250 ml) hat damit 263 kcal.
Ja Mahlzeit. Das Alleinstellungsmerkmal des Dienstes ist jedoch ein gründlich recherchierter und strukturell sauber umgesetzter Vergleich von Diäten. Im Mittelpunkt der Reise in die Untiefen des eigenen Ich steht die Frage "welche Diät passt zu mir", die einem der Diätenfinder über die eigene Diätgeschichte, Ernährungsgewohnheiten und Zielsetzungen in drei Schritten beantwortet.
Ich hab mich selbst in derm Test auch gut wieder gefunden, nachdem ich dieses Jahr in 2,5 Monaten knapp 10 Kilo abgenommen hab’ und mir als Vorschlag im Diätfinder auch tatsächlich die von mir eingesetzte Almased-Diät mit 90 % Treffergenauigkeit empfohlen wurde. Wenn man sich registriert, kann man sich in der Community mit anderen Mitgliedern austauschen, Diäten bewerten und kommentieren.
Die Entwicklung des redaktionell unabhängigen Seite hat vier Monate gedauert. Gründerin und Geschäftsführerin Peggy Reichelt: "Den ganzen Sommer gab es für uns als Lektüre Diätbücher, denn es mussten unzählige Diäten beschrieben und bewertet werden." Zielsetzung sei laut Reichelt kein Schlankheitsideal zu propagieren, sondern dem Nutzer zu seinem Wohlfühlgewicht, eines bewussten Ernährungsweise und einem ausgeglichenen Lebensstil zu begleiten.
Abnehmen.net refinanziert sich durch Werbung: Glam.com spielt Imagebanner von Markenartiklern auf TKP-Basis ein, ein kontextsensitives Beispiel für Affiliate findet sich bei Birchermüsli und Google AdSense spielt klickbasiert etwas ein.
Ich finden den Dienst eine interessante und klúge Herangehensweise an das ewige Thema, welches man guten Gewissens als unsere Zivilisationspest bezeichnen darf. Abnehmen.net sieht vom Design freundlich aus und folgt bei der Architektur für z.B. SEO gängigen Industriestandards. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die relativ langsame Ladezeit der Seite. In der Summe schmälert das den positiven Gesamteindruck nicht – gerade in Zeiten wo wir alle den Gürtel enger schnallen müssen :-)
LeWeb in Paris, nach einer kleinen Odysee durch die Stadt gut am Veranstaltungsort angekommen. Jetzt sitzt Nikesh Aurora, Head of Google Europe auf der Bühne, interviewt vom Gastgeber Loic LeMeur.
"In den letzten Jahren hatten wir eine Party, und die ist jetzt sicher vorbei", beschreibt Aurora die Krise. Es sei aber für Google eine gute Gelegenheit sich noch enger am Nutzer zu orientieren. Mit den gegenwärtigen Maßnahmen der Regierungen tue man das Menschemögliche und nach Auffassung von Aurora würden die USA schneller aus der Krise heraus kommen als Europa.
Auf die Frage, wo das "nächste Google" herkommt, ist sich der Google Manager sicher: "Von zwei Jungs aus einer Garage." Als Markt sollte man versuchen etwas zu entwickeln, welches theoretisch die 1,4 Milliarden Internet-Nutzer auf der Welt erreichen kann. Also zumindest eine Strategie für Internationalisierung von Anfang an.
Auch wenn USA nach wie vor Internet-Innovation dominieren, so sieht Aurora auch den "Rest der Welt" stärker am Drücker, im besonderen Europa, zumal der Zugang zu Start-Up Kapital zunehmend auch dort erhältlich ist.
Als eine der großen Zukunftsvision sieht Aurora ein computer-getriebendes Niederreißen von Sprachbarrieren. Usecase: Eine Deutscher und ein Spanier telefonieren in ihrer Muttersprache miteinander und mehr oder weniger in Echtzeit übersetzt "die Cloud" das Gesagte.
Wie wird man von Google gekauft. Aurora: "Man wird von Google nicht akquiriert, wenn eine Company nur gründet um von Google akquiriert zu werden." Man soll sich vielmehr auf einen echten Usernutzen konzentrieren.
Abschließende Bemerkung Auroras: "Wenn man die nächsten 12-18 Monate in Europa durchsteht, wird man noch stärker als vorher daraus hervorgehen."
Fines Tool von GoPlanit, welches das alte Leiden lösen hilft, bei einem Wochenend-Trip nach London jedes mal von Neuem das Rad neu erfinden muss, was schaut man an, wo geht man essen, wo haut man sich noch den Absacker rein. Und dann sollen diese Orte auch in irgend einer vernünftigen räumlichen Abfolgen zueinander stehen und in das Budget für den individuellen Geldbeutel passen.
Mit GoPlanit definiert man den Zeitraum für die Reise und in die Kalenderfunktion werden automatisch die Slots für die Aktivität eingegen, die man noch mal anschließend frei bearbeiten oder mit Schiebereglern z.B. durch das Budget fürs Shopping verändern kann. Interessant an der Stelle, dass Mobile nicht nur ein Wurmfortsatz für einen Web-Dienst darstellt, sondern für das z.B. iPhone mit ortsbasierten Angeboten von Anfang an dabei ist. Am Ende der Reise lassen sich Erinnerungsfotos der Reise an die jeweiligten Ereignisse hängen. Und fast überflüssig zu erwähnen, kann man seine Einträge mit seinem Freunde teilen und sich daraus gegenseitige Empfehlungen abholen.
Das Geschäftsmodell in diesem ziemlich kompetitiven Umfeld soll "hyper-targetierte" Werbung und ein White Label Lösung sein. Nettes Ding, kein Zweifel, die Herausforderung wird wie so oft Distribution sein, Nutzer von anderen Seiten zum Wechseln zu bewegen bzw. die wenigen an Bord zu bringen, die sich noch nicht auf ähnlichen Plattformen herum treiben.