Archiv der Kategorie 'Uncategorized'
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1. April 2009 |
René Seifert
Aus San Francisco
Gestern erster entspannter Warmstart für die Web 2.0 Expo mit je zwei dreistündigen Workshops, einer davon am Nachmittag wirklich sehr bestechend von Christina Wodtke zum Thema “Design von Social Software”.
Vor dem Handwerklichen beschrieb sie eine ganze Reihe von Grunsätzlichem, warum Menschen sich überhaupt auf solchen Diensten herumtreiben. Maslow und seine Pyramide ließen auch da mal wieder grüßen, wo sich die Bedürnisse zur Teilnahme so zwischen Liebe und Selbstbestätigung bewegten.

Mit gewissen Anleihen aus der klassischen Architektur wie man Räume beschreibt, entwickelte Wodtke dann die Prinpien für die Erzeugung von “Social Spaces” im Internet, die auf den drei Säulen Identität, Beziehungen und Aktivität ruhen.

Diese wiederum ließen sich in in je drei Unterpunkte zerlegen.
Identätät
- Profil: Wer bin ich durch mein “Handle”, meinen Usernamen.
- Präsenz: Wie weiß man wann ich online bin bzw. wann ich mich das letzte mal betätigt habe (“Timestamp”, Tag & Uhrzeit des letzten Posts etc.)
- Reputation: Wie findet meine Community, was ich mache (z.B. durch “Daumen hoch/runter meiner Beiträge oder durch einen formellen Rang, den ich mir erarbeitet habe)
Beziehungen
- Kontakte: Wer sind meine “Freunde”, in welcher Relation stehe ich zu ihnen im “Social Graph” und durch welche Instrumente kann ich sie in die Community einladen.
- Aufmerksamkeit: Wie weiß ich was meine Freunde treiben bzw. wie kann ich mich bei ihnen bemerkbar machen (z.B. Feeds bei Facebook oder Twitter)
- Gruppen: Wie bringt man Mitglieder zu bestimmten Themen zusammen bzw. gibt den Mitglieder nur die T0ols an die Hand, damit sie diese Themen selbst definieren und sich drumherum organisieren
Aktivität
- Teilen: Wie kann man Mitglieder in die Lage versetzen, einfach etwas mit anderen zu teilen (“Share”-Button), und um welche “Sozialen Objekte” (Events, Videos, Links) geht es überhaupt.
- Konversation: Wie kommunizieren Mitglieder miteinander:
- Kollaboration: Wie können sie gemeinsam etwas erzeugen (z.B. Wikis)
Setzt man die Einzelteile dieses Konstruktes für die Art von Social Software, die man bauen möchte, richtig zusammen, dann klappt’s auch mit den Usern, von denen Wodkte folgende Formel aufstellt:
B = f(P + E)
Das Verhalten (B: Behaviour) ist eine Funktion einer Person P und ihrer Umgebung (E: Environment).
12. February 2009 |
René Seifert
Aus Mumbai (Indien)
Von der Krise bleibt derzeit niemand verschont, am allerwenigsten die, die von der am schlimmsten betroffenen US-amerikanischen Wirtschaft abhängen. In einer globalisierten Welt sind das exportorientierte Firmen auch in China und in Indien, wie beispielsweise Infosys. Das Unternehmen setzt im Jahr knapp 5 Mrd. US-Dollar mit Software-Outsourcing um, die Wachstumsraten der letzten Jahren waren mit 20 bis 30 % p.a. und Traummargen von 24 % sensationell. (Siehe auch dieser Post auf dem eLAB-Blog zum Werdegang der indischen Vorzeigefirma.)
Jetzt ist aber schwere Ernüchterung zu spüren, die man auf dem India Leadership Forum der Branchenorganisation NASSCOM in Mumbai dieser Tage förmlich greifen kann. Nicht nur, dass das Wachstum sich verlangsamt, bei einigen Firmen wird sich herrschender Meinung nach auch die Existenzfrage stellen, nachdem sie auf einem großen Fixkostenblock von unterausgelastetem Personal sitzen. Besonders schlimm: Als Branchenvertikale stellten Banken und Finanzunternehmen die wichtigsten Kunden, und wie’s denen in den USA geht, bedarf keiner weiteren Erwähnung.
Gleichwohl gilt der Blick nach vorne, und das dominierende Thema heißt „Wie kommt man gerupft, aber im Idealfall noch stärker aus dieser Krise hervor?“ Ein paar Anstöße dazu lieferte heute Morgen Infosys-Mitgründer Narayana Murthy, der in Indien für sein unternehmerisches Schaffen auf Basis von Leistung, Fairness und Integrität enorm respektiert wird.

Konkret macht sich die Krise bei Infosys so bemerkbar: Kunden beauftragen nur noch Projekte, die die laufenden Systeme am Laufen halten, aber die Musik fürs neue Projekte hat sich vorerst ausgespielt. Die IT-Budgets der Kunden sind eingefroren, während deren Freigabe in der Organisation oft bis zum Vorstand nach oben gerutscht ist. In diesem Szenario ergreift Infosys folgende Maßnahmen:
- Die Mitarbeiter, die mit dem Kunden zu tun haben, bekamen in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey ein eigenes Training, wie man adäquat mit Top-Level Management kommuniziert.
- Konkret geht es darum, dem Kunden noch deutlicher den Wert der Dienstleistung zu vermitteln. Dies verläuft entlang von Steigerung des Umsatzes, Beschleunigung des Produktzyklus- bzw. Kostensenkung oder Produktivitätssteigerung.
- Dazu hat Infosys mit mathematische, statistische und heuristische Modelle entwickelt, die diesen Wertbeitrag messbar machen. (Erinnert mich an diese Aussage von Googles Chef-Ökonom Hal Varian: „I keep saying the sexy job in the next ten years will be statisticians.”)
- Diese neue Messbarkeit kann dazu führen, dass man das Geschäftsmodell dreht. Bisher gibt’s Leistung gegen Geld, in Zukunft kann es genau umgekehrt lauten, also ein Dienstleister wie Infosys wird bezahlt, wenn der Wertbeitrag beim Kunden realisiert wird und man daraus mit einem vorher vereinbarten Anteil partizipiert. Bedeutet freilich, dass man sich damit auch gegenüber dem vorherigen reinen Dienstleistermodell somit das Risiko teilt.
- Gleichzeitig ist die Zeit so günstig wie nie, wo man nicht mehr Hyperwachstum gestalten muss, intern die Hausaufgaben zu machen. Heißt vor allem, fixe Kosten so weit es geht auf variable zu verlagern und indirekte Kosten zu auf Projekte so weit wir möglich zurechenbar zu machen. Somit kriegen auch die Projekt-Manager noch mehr Entscheidungsraum und werden an der „net income margin“ ihres Projektes gemessen.
- Auch wenn Infosys ebenso von der Krise getroffen wird, so kann das Unternehmen die Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis sehr gut prognostizieren. Eine eigene Abteilung „Risikomanagement“ verwendet 129 Parameter und spricht parallel mit Mitarbeitern „an der Front“.
- Was Moral und Stimmung im Unternehmen angeht, lehnt Infosys bisher Entlassungen ab und setzt Mitarbeiter „on the bench“ (also mit Leerlauf mangels Projekt) eben verstärkt für die interne Restrukturierung um.
Narayana Murthy ist, was die Schwere der Krise angeht, eher pessimistisch: „Je länger ich mir anschaue, was hier passiert, desto mehr erinnert sie mich an die Große Depression von 1929“. Seiner Ansicht nach kann es bis zu 18 Monate dauern, bis ein Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird.
Dennoch appelliert er an die Handlungsfähigkeit der anwesenden Managern, sich nicht lange mit den Umständen zu beschäftigen, die man nicht ändern kann, sondern entschlossen anzupacken.
„Als Unternehmer lasst uns das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereitet sein.“
30. January 2009 |
Markus Wölflick
ls wir im Herbst 2006 unsere Ratgeber Community mit nur vier Mitarbeiter gestartet haben, dachten wir nicht im Traum daran, etwa 2,5 Jahre später mehr als zehn Websites zu betreiben und davon alleine sechs Frage-und-Antwort-Portale.

Relativ schnell stellten sich für uns schon Anfang 2007 drei Konstanten ein:
1) Wir wuchsen mit gutefrage.net schnell und stetig, was Reichweite und Einnahmen betrifft.
2) Unseren Nutzern, aber auch uns selbst fielen ständig neue Produktfeatures ein.
3) Unsere IT war trotz regelmäßiger interner und externer Aufstockung ein Engpass in der Entwicklung von immer mehr neuen Features – trotz toller Performance unserer IT Experten.
Deswegen begaben wir uns schon im Frühjahr 2007 auf die Suche nach Wachstumsoptionen, die mit möglichst wenig IT Ressourcen zu verwirklichen waren. Und schnell kamen wir darauf, dass wir die Q&A Technik von gutefrage klonen können. Mit etwas CSS und Design ließen sich eigene, thematisch abgegrenzte Themenplattformen bauen. Ein Beispiel dafür ist unsere Q&A für aktive Sportler sportlerfrage. Für uns stand schnell fest, dass wir den Versuch wagen wollten und wir begaben uns auf Themensuche.
Die Themenauswahl
Gesetzt war für uns von Anfang an, dass das Thema die potenziellen Nutzer emotional über einen langen Zeitraum binden sollte. Nur so schien es uns möglich, auf Dauer eine lebendige Community aufzubauen, in der die Nutzer in ihrer Freizeit gerne aktiv werden und vor allem der Plattform auch treu bleiben. Damit schieden erst mal Themen wie „Recht“ oder „Beruf““ aus. Auch „kurzfristig“ interessante Themen wie „Baby“ kamen nicht in Frage.
Sehr früh meldete auch unsere Community Wünsche an. „Ich finde zwar das Konzept von gutefrage toll, aber Computerfragen und Finanzfragen langweilen mich, am liebsten hätte ich nur Fragen rund um mein liebstes Hobby Reise“, so ein Nutzer in einer E-Mail an den guterfrage -Support schon im Frühjahr 2007.
Als nächstes stellte sich die Frage nach der richtigen Themengröße. Reichen ca. zwei Mio. Motorradfahrer aus, oder sollen es lieber deutlich mehr aktive Sportler in Deutschland als potentielle Nutzer sein? Ist Sport zu unspezifisch für eine Community und ist es damit besser eine golffrage.net zu machen? Wir kamen auf kein schlüssiges Ergebnis und begannen mit einem Test. Eine engere, homogene Zielgruppe für motorradfrage.net und eine weiter gefasste Zielgruppe für sportlerfrage.net.

Lessons Learned
Um es kurz zu machen. Das breiter angelegte Thema sportlerfrage funktioniert aus wirtschaftlicher Sicht deutlich besser als motorradfrage. Bei engeren Themen ist die Gewinnung neuer Nutzer etwas schwerer und damit kostenintensiver. Der größere Hacken liegt aber in der Vermarktung. Sowohl über Google AdSense als auch über Display erzielt das breitere Thema deutlich bessere Ergebnisse.
Außerdem mussten wir feststellen, dass der Aufbau neuer Themen Communities genauso viel Kraft kostet, wie der Aufbau der gutefrage Community. Speziell in Neukundenmarketing (besonders AdWords) mussten und müssen wir viel investieren, um die Plattformen von Anfang an mit Leben (Fragen, Antworten, Tipps) zu füllen.
Für unsere interne Teamorganisation bedeutet der Betrieb der Themenplattformen das Leben in einer Matrix. Alle Funktionen wie IT, Marketing oder Community Management müssen nicht mehr nur an gutefrage denken, sondern auch an die anderen kleineren Plattformen. Dies ist aus unserer Sicht beherrschbar, aber es bedarf der Gewöhnung.
Ein weiteres Learning ist, dass auch in technischen Klonen nichts ohne IT geht. Allein der laufende Betrieb, Bugfixing oder der Newsletter-Versand kosten auch hier Ressourcen.

Welche Vorteile die Vertikalisierung bringt
Zum Glück bringt uns der Betrieb der Verticals auch viele Vorteile. In Summe wurde die IT massiv entlastet, und damit eines der Hauptziele erreicht. Unsere vertikalen Plattformen sind nun ein weiterer sehr relevanter Wachstumstreiber in unserer GmbH. U.a. hat die sportlerfrage in diesem Monat erstmals die 1 Mio. PI Zahl überschritten und wächst schnell weiter.
Besonders begeistert uns das spürbar höhere Qualitätsniveau auf den Spezialplattformen. Scheinbar sind Nutzer, die nur am Thema Finanzen interessiert sind auch bereit, deutlich qualifiziertere Antworten und Tipps zu geben, etwa zum Thema Geldanlage.
Fazit & Ausblick
Wir würden es wieder tun, aber von Anfang an mit noch mehr Power und Marketing-Ausgaben, speziell im ersten halben Jahr, in dem die Community durchstarten muss. Inzwischen sind unsere Themenplattformen auch im strategischen Ausblick ein ganz wichtiger Bestandteil. Und wir werden mir reisefrage.net im November 08 bestimmt nicht unser letztes Vertikal gelauncht haben.
Der Autor Markus Wölflick ist Geschäftsführer der Ratgeber Community gutefrage.net GmbH.
26. January 2009 |
René Seifert
Gestern Nachmittag wie gewohnt ein entspannter Auftakt zum DLD 2009 an einem Sonntag, wenn auch mit deutlich weniger Teilnehmern als im letzten Jahr. Nicht, dass nicht mehr hätten kommen wollen, aber die Veranstalter haben die Zahl selbst nach unten geschraubt, nachdem die Location drohte aus allen Nähten zu platzen.
Mein Favorit unter den Bühnenauftritten war eindeutig Dan Ariely, ein junger Professor der Duke University, der sich mit Irrationalität menschlicher Entscheidungen befasst. War so’n Thema, wo man denkt, na gut, hört man mal hin, dann wird’s immer interessanter, freilich auch dank Arielys begnadeter Gabe zu präsentieren, bis einem am Ende fast das Blut in den Adern gefriert. Nämlich darüber, wie leicht man sich durch minimale Variation eine identischen Fragestellung in der Antwort bzw. im Handeln beinflussen, ja mitunter manipulieren lässt.

Beispiel 1:
In einem Supermarkt werden Marmelade-Proben zum Testen gereicht. In dem einen Sample werden 6, in dem anderen 24 verschiedene Sorten ausgelegt. Dann schaut man sich dreielei anschließende Verhalten an:
- Wie viele Kunden nähern sich dem Stand um zu testen.
- Wie viele Marmeladen werden anschließend im Schnitt gekostet.
- Wie viele Marmeladen werden anschließend in diesem Supermarkt wirklich gekauft.
Ergebnis, bittesehr:

Ja, Mahlzeit!
Beispiel 2 (Offenlegung: bin vor 2 Jahren selbst drauf reingefallen)
Meine Lieblingszeitschrift “The Economist” hatte online folgende drei Angebote für ein Abo. Dan Ariely hat mit 100 Studenten den Test nachgebaut wie das Angebot wahrgenommen wird. Nicht sehr überraschend kommt Option 2 gar nicht vor (“Ich bin ja nicht blöd”).

Aaaaaaaaber, was passiert im Bestellverhalten wenn man die nutzlose Option 2 eliminiert. Voilà:

Argh!
Beispiel 3
Abschließend noch was fürs Herz. Weiblichen Probandinnen wurden computerdesignte Bilder von zunächst nur zwei recht schmucken Burschen Tom (links) und Jerry (rechts) gezeigt mit der Frage, mit welchem man lieber auf ein Date ausgehen würde. Das Ergebnis lag recht gleich verteilt. Erweitert man die Frage allerdings, indem man in dem oberen Beispiel eine etwas hässliche Variante von Jerry bzw. eine hässliche Variante von Tom (unten) in der Mitte hinzufügt, dann drehen sich die Präferenzen eindeutig zu der schöneren Variatiante des hässlichen Entleins.

So schaut’s also aus mit den Hasen. Also Tipp: Wenn man das nächste mal zum Reißen auszieht, eine hässliche Version von sich mitnehmen.
Das Buch dazu gibt’s auch, wo es noch mehr Beispiele gibt sowie grundsätzliche Erklärungen warum wir uns im Irrglauben vollständiger Rationalität dann doch immer wieder so vorhersehbar irrational verhalten. Ebenso die Webseite, wo der Name mit Predictibly Irrational Programm ist.
Heute Tag 2 DLD, freu mich schon. Morgen Nachmittag, kurzer Hinweis in eigener Sache, moderiere ich zwei Panels im Rahmen des neuen Formats DLD-TES (“Technology Enables Success”) zu E-Commerce und Mobile. Im Kern stehen Fragen, wo Technologie über das Offensichtliche hinaus einen wesentlichen Teil des Unternehmenstrategie ausmacht und dadurch einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil beschert. Tät mich freuen, wenn man sich sieht.
8. August 2008 |
René Seifert
Clay Shirky hat’s drauf einem die neue Welt zu erklären, Vergleiche zur Arbeitsplatzbedrohung der schreibenden Mönche mit Einführung von Gutenbergs Buchdruck zu ziehen oder aus dem ewigen Wirtschftsklassiker von Adam Smith “The Wealth of Nations” zu zitieren, ohne dabei klugscheißerisch zu wirken. Vor allem dabei mit "Here comes Everybody" ein Buch herauszubringen, welches den Dingen richtig auf den Grund geht und dank seiner lockeren Schreibe selbst als Strandlektüre seine Daseinsberechtigung behält.
Ja, er schreibt auch jede Menge über das was wir schon seit geraumer Zeit als „Web 2.0“ kennen und lieben gelernt haben. Er bezieht zu dem Thema jedoch verschiedene Perspektiven aus der Geschichte, Soziologie, Psychologie und Ökonomie, was dazu führt, dass er brillant das Neue mit dem Alten erklärt. Dieses Neue, was uns neuerdings im Alltag begegnet, heißt beispielsweise Wikipedia. Wäre vor 10 Jahren so ein Konzept vorgestellt worden, hätten die allermeisten es als unmöglich ins Reich der Utopie verwiesen: Die größte Enzyklopädie der Welt, von Freiwilligen in ihrer Freizeit ohne Bezahlung erstellt und kostenlos in der Nutzung. Dabei in Punkto Richtigkeit fast genau so gut wie die ewige Messlatte namens „Encyclopaedia Britannica“. Uff.
Reduzierte Transaktionskosten
Möglich macht so ein Phänomen freilich „das Internet“, aber was dem Ganzen zu Grunde liegt ist die Fähigkeit hoch komplexe und hoch skalierende Projekte zu organisieren, ohne sich dabei der klassischen Instrumente einer Organisation zu bedienen. Spannend ist dabei nicht nur der offensichtliche Unterschied zwischen den Kosten, die der z.B. Verlag der Encyclopaedia Britannica für Autoren zu bezahlen hat, sondern vor allem jene, um überhaupt so ein Unternehmen organisatorisch am Laufen halten: Büros, Middle-Management, Betriebsfeier. Das erledigt Wikipedia als Plattform und Produkt in einem ganz áutomatisch auch noch. Aber was Menschen in ihrem Innersten dazu antreibt, bringt Shirky für die treffende Erklärung auf Höchtform: „Promise – Tool – Bargain“.
- Promise: Neben Wikipedia ist sicherlich Linux das andere große Vorbild der Open Source-Bewegung. Und dabei begann alles ganz harmlos und klein, als Linus Torvalds 1991 in einem Forum postete, er würde als Feierabendprojekt ein Umsonst-Betriebssystem programmieren und gefragt hat welche Features sich die Leute wünschen. Außerdem könne man ihm ja gerne auch gleich beim Coden helfen. Es muss also ein wie auch immer klares, sofort eingängiges Nutzenversprechen am Anfang stehen. (Auch ein guter Tipp für den legendären "Aufzugpitch", der den "reason why" für ein neues Produkt auf den Punkt bringt.)
- Tool: Das sind letztlich „wie als Macher“ gefragt, den Nutzern das richtige Werkzeug an die Hand zu geben, damit man aus der sinnstiftenden „Promise“ überhaupt in zielgerichtete Aktion treten kann. Alles, was man über Features und Usability mal gelernt hat, kann man dabei entlang des Nutzenversprechens zum Einsatz bringen. Das ist für ein Open Source Projekt mit einer gewissen Nachhaltigkeit sicher etwas anderes als für einen Flashmob, den man ad hoc per Twitter zusammen trommelt.
- Bargain: Worin besteht der “Deal“ für die Teilnehmer, wenn er nicht pekuniärer Natur ist? Bei Wikipedia lautet er zum Beispiel, dass ich jeden Text editieren kann und jeder im Gegenzug meinen Text editieren kann. Diese über Prozesse gesteuerte Breitendemokratie macht Wikipedia zudem robust gegen Vandalismus, der üblicherweise innerhalb weniger Minuten repariert wird.
Beispiele für Veränderung
Das Buch geht über viele Kapital weit über das hinaus, was da irgendwie isoliert im Internet geschieht, sondern beschreibt vielmehr die treibende Kraft des Internet für „collaborative action“, wo sich „der kleine Mann“ für eine Sache organisieren und sich plötzlich bei "denen da oben“ Gehör verschaffen kann. Als Beispiele nennt er eine Passagier-Initiative gegen heftige Flugverspätungen, die schließlich ein neues verbraucherfreundliches Gesetz bewirkte. Ebenso Voice of the Faithful (VOTC), die sich in der Gegend von Boston organisierten, um erfolgreich die Verschleierung von Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche durch US-amerikanische Pfarrer aufzudecken. Im Ergebnis sah sich auch Papst Benedikt XVI. gezwungen, während seiner jüngsten USA-Reise mit deutlichen Worten auf die Verbrechen einzugehen.
"Medienkompetenz": Leitfaden für Eltern
„Here comes Everybody“ dürfte für die meisten Nutzer dieses Blogs aus professioneller Sicht ein inhaltlicher Zugewinn sein. Ich könnte das Buch aber auch allen Eltern empfehlen, deren Kinder fast schon per definitionem nie etwas anderes gekannt haben als das Internet. Das was man früher mal mit „Medienkompetenz“ beschrieben hat, also was darf das Kind wann in der Glotze anschauen und wie hilft man ihm in der Einordnung der Flimmerbilder, hat sich mit dem Internet gänzlich verschoben. Alleine schon dadurch, dass jeder „Rezipient“ im Internet auch „Produzent“ ist und sich mit anderen Gleichgesinnten zu Themen austauschen, organisieren oder zu konzertierter Aktion zusammenschließen kann. Viele Eltern breits in der Altersklasse 30-40, die selbst nicht ständig online sind, haben meinem Eindruck nach oft den Anschluss über diese neue Dimension verpasst. Clay Shirky schildert in kurzweiligem Stil, wie die Kinder von heute ticken.
31. January 2008 |
Sascha Schmidt
Vorgestern fanden in München die Mobile Content Days statt. Am Vormittag gab es ein Panel mit dem Thema „Mobile Media, Community-Plattformen & Mobile Advertising“. Auf dem Podium:
Eigentlich wurde auf dem Panel das diskutiert, was man seit Jahren kennt. Mobile ist der Markt der Zukunft (und da wohl schon seit x Jahren). Werbung auf dem Handy wird sich durchsetzen und dann wird dieser junge Markt „explodieren“. Stefan Winners ist überzeugt davon, dass 2009 bzw. 2010 der Durchbruch kommen wird. Auch der BVDW jubelt vor kurzem: "Mobile Internet vor dem Durchbruch zum Massenmarkt“
Was mich weiterhin stutzig macht, sind die Zwischentöne abseits der offiziellen Präsentationen. Da sagt Stefan Winners klipp und klar, dass der mobile Umsatz bei Tomorrow Focus durch technische Dienstleistungen der Tochter Cellular erbracht wird – d.h. nicht durch Inhalte! Außerdem fehlt die Reichweite, damit Großkonzerne als Werbetreibende überhaupt beginnen, über mobiles Marketing nachzudenken.
Die Barrieren für die Reichweite sind schnell identifiziert:
- Immer wieder die Kosten (fehlende Datenflatrates)
- Handy mit großen Displays von Nöten (Laut Spiegel Online sind 70.000 iPhones bisher verkauft – also Peanuts)
Ob diese Barrieren bis 2010 fallen (Prognose von Stefan Winners) ist offen. Weitere Visionen der Panelisten waren perfektes Targeting des Handy-Besitzers und damit Auslieferung von nur wirklich relevanter Werbung … kommt einem irgendwie bekannt vor (Facebook und Co.). Angebote der Telcos (Vodafone live! etc.) verlieren an Bedeutung, die Nutzer werden direkt auf die Marken-Angebote der Medienhäuser zu greifen. Last but not least: Der mobile Markt wird die Entwicklung des Internets durchmachen – also erfolgreich sein.
Die Gefahr in meinen Augen: Die Content-Anbieter werden die gleichen Fehler wie im Web machen bzw. gar nicht merken, dass andere und neue Angebote an ihnen vorbeiziehen.
Meine Prognose ist:
- Wie im Web werden nur eine Handvoll an Medien-Marken wirkliche Reichweite aufbauen können. Bild und Spiegel haben aufgrund der Marke und Crosspromotion-Möglichkeiten hier gute Potenziale.
- Die Portale der Netzbetreiber werden ersetzt durch Portale und Content-Services der Handy-Hersteller. Nokia weist den Weg durch Zukäufe z.B. von Gate5 als Navigationslösung und Gründung von Community-Angeboten. Das Skin von einem Nokia-Handy und damit die Usability und damit der Zugriff auf Inhalte wird Nokia vorgeben (analog Apple und iTunes).
- Google Android als neue Plattform und Alternative zu Nokia und Co. wird neue und flexible Player entstehen lassen, die schneller und glaubwürdiger die eigentlichen Bedürfnisse einer Web 2.0/Mobile 2.0-Zielgruppe bedienen – d.h. Kommunikation und Interaktion ermöglichen.
- Statt dem „direct type in“ einer mobilen Medien-Marke wird auch hier analog zum Web Google der Traffic-Verteiler sein.
In diesem Sinne hatte ich auf den Mobile Content Days das Gefühl einer Selbsthypnose … Und: Man war wieder einmal unter seinesgleichen. Warum nicht ein Panel von Nutzern? Die Mobile Content Days in London haben dies bereits vor zwei Jahren vorgemacht: Es ist nichts interessanter, als einmal Jugendliche aller sozialen Couleurs nach ihren mobilen Gewohnheiten life zu befragen. Das lässt so manchen Manager aus seinen Träumen erwachen. Statt Line Extension einer Marke stehen dann eventuell ganz andere Potenziale da …
29. January 2008 |
Andreas Goss
Der Online Competitive Intelligence Service hitwise hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, die die in 2007 gemachten Erfahrungen von Social Networks im Vereinigten Königreich untersucht. Die Studie versucht außerdem abzuschätzen, was sich in Bezug auf diese Netzwerke in 2008 erwarten lässt. Spannende Frage: Lassen sich die äußerst interessanten Erkenntnisse der Studie auch auf Deutschland übertragen? Hierzu sollte man zunächst die Märkte für Social Networks in Deutschland und im Vereinigten Königreich in Bezug auf ihre Nachfrage genauer betrachtet.
Eurostat zeigt, dass der Anteil aller Personen, die einmal pro Woche im Jahr 2007 auf das Internet zugegriffen haben in Deutschland und dem Vereinigten nahezu identisch ist. Er liegt für Deutschland bei 64 % und für das Vereinigte Königreich bei 65 %. Eine größere Lücke klafft allerdings bei der Nutzung von Social Networks, wie eine comScore Studie belegt. Demnach brachten es Social Networks im August 2007 auf soviele Unique Visitors aus dem Vereinigten Köngreich, dass dies bereits 78 % aller Internetnutzer dieses Landes entspricht, wohingegen der Anteil für deutsche Internetnutzer nur bei 47 % lag. Folglich kann man die Ergebnisse der hitwise Studie nicht vollständig für den deutschen Markt übertragen. Dafür eignen sich die Ergbnisse aber hervorragend als zukünftiger Benchmark deutscher Social Networks, denn bis zum Jahr 2012 sollen laut Datamonitor mehr als 20 Millonen Deutsche Mitglied in mindestens einem Social Network sein.
Ausgewählte Ergebnisse der hitwise Studie für 2007:
- Platzhirsche: Die Konkurrenz zwischen Social Networks ist groß. Wesentliche (> 2 %) Marktanteile besitzen aber nur drei: Facebook (38 %), Bebo (28 %) und MySpace (19%). Auch in Deutschland wächst die Zahl der Social Networks zunehmend und wird dabei von nationalen Größen wie StudiVZ oder XING angeführt.
- E-Mail auf dem absteigenden Ast: Eine zunehmende Zahl der Internetnutzer im Vereinigten Königreich zieht es vor per Social Network anstelle von E-Mails zu kommunizieren. So ist der Internet Traffic zu Social Networks größer, als der zu E-Mail Diensten. Nutzer ziehen es also vor innerhalb geschlossener Netzwerke in Form von Gruppendiskussionen, Pinnwänden und privaten Nachrichten zu kommunizieren. Der noch bestehnde Vorteil des E-Mail Verkehrs dürfte wohl die Möglichkeit von Datenanhängen sein sowie eine Kommunikation außerhalb geschlossener Netzwerke.
- Alt aber oho: Die Lücke zwischen Social Networks Nutzern zwischen 18-24 -die den Löwenanteil bereitstellen- und Nutzern um 55+ schließt sich zunehmend schneller. So verzeichneten Social Networks im Vereinigten Königreich in 2007 einen Zuwachs von 6 % für Nutzer ab 55+, während sich der Anteil der Nutzer von 18-24 um 3,5 % reduzierte. Auch in Deutschland finden sich zunehmend in Social Networks ältere zwischen jungen Nutzern wieder, wie z.B. bei Facebook oder StudiVZ. Außerdem bilden sich en gros Nischen Social Networks für die sogenannten Silver Surfer, die ihrem Bedürfnis nach sozialem Kontakt auch im Internet nachgehen wollen.
- Frische Nutzer: In 2007 schaufelten Social Networks im Vereinigten Königreich 7,7% Upstream Internet Traffic zu allen anderen Webseites und sind damit die zweitwichtigste Quelle für Traffic nach Suchmaschinen. Am meisten profitieren hierbei Unterhaltungs und Musik Webseiten.
Und was hält Zukunft laut hitwise bereit:
- Social Networks werden E-Mail Kampagnen für virales Marketing ablösen.
- Zielgruppen werden sich in Social Networks für Marketing Kampagnen besser als je zuvor erfassen lassen.
- Die Macht des Konsumenten wird sich durch Social Networks manifestieren, welche eine ideale Platform für Beschwerden und Protestbewegungen bieten.
- Spezialisierte Social Networks werden weiter wachsen. Sie werden es jedoch nicht schaffen, generalistische Social Networks zu überholen. Für Firmen bedeutet dies, dass sie in beiden Formen der Netzwerke präsent sein müssen.
- Social Networks werden sich zunehmend verbessern, vor allem im Bereich Suche. Denn sie enthalten hochspezifischen Content, der durch ausgefeilte personalisierte Suchfunktionen erschlossen werden muss.
15. January 2008 |
Sascha Schmidt
Fachverlage stehen genauso wir ihre Kollegen von den Publikumsverlagen vor der Frage, wie kann ich Web 2.0 sinnvoll nutzen? Die Bandbreite der Antworten reicht von Hysterie („Wir müssen sofort was machen bei Second Life …“) bis hin zu stoischen Negieren („Meine Experten bloggen nicht, das ist was für Selbstdarsteller …“). Dazwischen liegen Antworten, die ein Bauchgefühl umschreiben, man müsse was tun verbunden mit der Frage was, wann und wie …?
Im Rahmen eines Vortrages für Fachverleger hatte ich mich Ende 2007 auf die Suche nach Best-Practise-Beispielen der Fachinfos gemacht. Das war ein schwieriges Unterfangen. Im Bereich der Wissenschaftsmedien gibt es einige vielversprechende Ansätze, aber im Großen und Ganzen tat ich mich schwer, „Gewinner“ dieser Entwicklung zu präsentieren.
Warum war das so? Eigentlich bieten Fachverleger mit ihren Inhalten und bestehenden „Communities“ rund um das Fachthema eine gute Basis für kommunikative Angebote im Web. Hier zeigt sich schon eine erste Barriere: Fachverleger mit ihren Fachinformationen sind gewohnt zu „informieren“. Sie besaßen oft — und glauben immer noch zu besitzen – den exklusiven Zugang zu Informationen, Kommentaren und der Zielgruppe. Und nun soll man plötzlich kommunizieren und teilen? Die Innovation beschränkt sich dann häufig auf eine Umfirmierung von „Fachverlag“ zu „Fachmedien“ …
Welche Rahmenbedingungen und Chancen setzt Web 2.0 für Fachverlage? Tim O´Reilly hat in seiner Studie „Web 2.0 Principles and Best Practices“ die wesentlichen Markttreiber für Web 2.0 beschrieben:
- Die Kundenbasis ist global.
- Der Kunde ist immer online – egal ob zu Hause, im Büro oder unterwegs.
- Der Kunde nimmt aktiv teil.
- Die Herstellungskosten sind dramatisch gesunken und weiter im Sinken.
- Umsatzquellen (Anzeigenerlöse) stehen jedem zur Verfügung.
Wenn einige dieser Rahmenbedingungen schon heute Einfluss auf das operative Geschäft eines Fachverlegers nehmen, dann macht es Sinn, sich mit den Erfolgsfaktoren für entsprechende Angebote auseinanderzusetzen. Wenn – was ich oft höre – diese Rahmenbedingungen „angeblich“ keine Rolle spielen, dann sollten zumindest strategische Optionen durchdacht werden. Oft ist es heilsam, dem Verleger seine Zielgruppe von Morgen auf StudiVZ zu zeigen – das hilft enorm …
Erfolgsfaktoren für Web 2.0-Projekte sind nach Tim O´Reilly:
- Netzwerk-Effekte werden ermöglicht – Nutzer „helfen“ Nutzern via fachbezogene Linksammlungen etc.
- Inhalte sind das neue „Intel inside“ bei Web-Angeboten – originäre, exklusive und einzigartige Daten sind das „A und O“ der Zukunft. (Kommentar: Man müsste meinen ein „homerun“ für Fachverlage, aber wie lange noch?)
- Intelligente Mash-Ups kreieren aus Bestehendem Neues.
- Distribution der Angebote über alle Kanäle (Kommentar: Immer noch glauben die Fachverleger, der Nutzer käme auf seine Website und wird dann sich „brav“ durchnavigieren. Man hat oft das Gefühl, RSS und Windows Vista seien noch Fremdworte)
- Spätestens seit dem iPhone ist jedem klar, das Internet – und damit auch die Fachinfo – verlässt den PC und findet mobil und sonstwo statt. (Frage: Wer kennt hier ein Angebot aus der Fachwelt, dass hier konsequent die Entwicklung bedient?)
- „Perpetual beta“ oder „try and error“ oder „Probieren geht über Studieren“ (Kommentar: Ein Innovationszyklus von fünf Jahren wie bei Relaunches der Fachzeitschriften reicht nicht aus).
- Fachinformationen sind der optimale „long tail“ – wird das Internet zur Gewinnung neuer Zielgruppen konsequent genutzt?
- Günstige und schnelle Technik (Kommentar: Die Technik Kosten eines Blogs von Peter Turi sind deutlich niedriger als vergleichbare Angebote des etablierten Wettbewerbes aus München, Heidelberg und Frankfurt.)
Der Weisheit letzter Schluss? – Wenn ich als Fachverlag die Entwicklungen Revue passieren lasse und mir die Mediennutzung von heute in Statistiken und von morgen im Zimmer meiner Kinder anschaue, dann gibt es für mich genügend Gründe zu warten (spätestens bis aus den Studenten von heute angestellte Experten etc. geworden sind) und im Bestehenden zu „verharren“.
Wenn ich mich dann aber frage, warum ich keine Studentenabos mehr verkaufe, warum nutzt der Verband xy das Internet als eigene Plattform und nicht mehr meine Medien, warum bloggt da ein Ingenieur mit seinem Fachwissen, warum bekomme ich dauernd Einladungen zu Xing, warum ändert sich da die Welt, warum … spätestens jetzt ist es Zeit, sich dem Thema offen zu nähern – ohne Vorurteile. Nicht alles, was Web 2.0 ist oder sich nennt macht Sinn für einen Fachverlag. Aber ein ehrlicher Relevanzcheck der Entwicklungen und Blick über den Tellerrand der eigenen Printwelt ist angeraten.
25. October 2007 |
René Seifert
Bei einigen prominenten Seiten im deutschen Internet scheint Google den PageRank abgewertet zu haben, schreibt Mario von SuchmaschinenNews.