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Dies und das von Facebook: Finanzierungsrunde?





12. September 2007 | René Seifert

Wenn das mit Facebook so weitergeht, richte ich bald eine eigene Kategorie auf diesem Blog ein. Zum Aufwärmen zunächst noch leichte Kost:

  • Stellt man sich nach dem ganz stumpfen Nullsummenspiel die Frage, wer eigentlich die Zeche für Facebook und seine Werbeerlöse zahlt, dann gibt es jetzt eine treffsichere Antwort: Die Unternehmen. Denen gehen laut einer neuen Studie alleine in Großbritannien EUR 200 Mio. täglich (!) dadurch flöten, dass die Mitarbeiter Ihre Zeit mit Kontakt- und Profipflege anstatt mit Arbeit verplempern.
  • Facebook kann man jetzt studieren. So wie BWL, Jura oder Völkerkunde. Fast. Die renommierte Alma Mater Stanford-University bietet ab sofort den Cursus "Create Engaging Web Applications Using Metrics and Learning on Facebook" an. Er dauert nicht gleich 16 Semester; in 3 bis 5 Vorlesungen kriegt man sein Diplom. Termin: Immer dienstags und donnerstags von 14.15 bis 17.05 Uhr (Pacific Time). So verleiht die ehrgezige Informatik-Studentin aus dem Silicon Valley ihrer akademischen Laufbahn noch einen FH-gemäßen Überbau des Handwerklichen.

Jetzt zum harten Teil, der die letzten beiden Tage durch die Blogosphäre ging: Facebook will eine weitere Finanzierungsrunde drehen. 40 Millionen Nutzer sind registriert, Tendenz stark wachsend, das Umsatzziel von ca. US-$ 150 soll für 2007 erreicht werden. Bis dato hat Facebook Venture Capital in Höhe von US-$ 35 Mio. eingesammelt, in der letzten Runde in 2006 alleine US-$ 25 Mio. zu einer Bewertung von US-$ 525. Diese dürfte sich inzwischen verfielfacht haben, die Spekulation reichen von US-$ 6 bis 10 Mrd. Sauber.

Wozu das Geld in einer Phase, wo die halbe Welt von einem bevor stehenden Börsengang spricht? Zwei wesentliche Gründe:

  1. Die Zeit für einen IPO ist noch nicht reif: Das Unternehmen steht organisatorisch noch nicht so da, um die Höllenanforderungen des US-amerikanischen Sarbanes-Oxley Gesetzes zu erfüllen. Gleichzeitig steigen die operativen Kosten; alleine die Truppe von 250 Leuten will in Lohn und Brot gehalten werden. Dafür braucht’s "Cash in die Tash"; und sofern man tatsächlich die oben genannten Bewertungen aufrufen kann, dann tut das bisschen Verwässern keinem Investor weh.
  2. Facebook will seine Kriegskasse für Firmenakquisitionen füllen. Das wäre ein ziemlicher Hammer, weil Facebook bisher gebetsmühlenartig wiederholt hat: "We are just focused on building things." Bisher hat das Unternehmen nur einmal akquisitorisch zugelangt, nämlich bei Parakey.

    Parakey is a platform for building applications that merge the best of the desktop and the Web. Like desktop applications, these applications work offline, offer more privacy than pure websites, run quickly, and integrate with your computer and its devices.

    Technologie, also die man sich eingekauft hat. Die spannende Frage wird aber sein, ob es dabei bleibt. Reichweite, im weitesten Sinne, hat man sich bisher dadurch geholt, dass man neben dem klassischen Mitgliederwachstum durch Netzwerkeffekte, ein eigenes Eco-System durch die API-reiche Developer-Plattform f8 aufgebaut hat. Und so alle möglichen Dienste von Flickr bis Last FM dazu gebracht hat, einfach einzubettende Applikationen für Facebook zu schreiben. Das beste daran: Für Facebook soweit für Umme. Würde die Firma jetzt aber beginnen, womöglich analog zu XING, andere Dienste der Reichweite willen zu kaufen, wäre das ein erheblicher Dreh gegenüber der bisherigen Strategie.

Facebook macht im Moment ziemlich viel ziemlich richtig und ist im Begriff sich zu einem Netz im Netz, einer Art schnittstellenoffenem Betriebssystem zu mausern. Es würde mich nicht wundern, wenn die Heilsversprechen, die bisher nur in akademischen Veröffentlichungen zum "Semantic Web" zu lesen sind, im richtigen Leben plötzlich durch die Hintertür bei Facebook und seinem Eco-System dahergeschlichen kommen.


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12. September 2007 - 20:15, abgelegt in Kategorie: Communities, Innovation, Makro-Trends, Web 2.0

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2 Reaktionen zu “Dies und das von Facebook: Finanzierungsrunde?”
  1. Frisches Geld für Facebook neue Strategie « Startupstarters Am 12. September 2007 um 21:40 Uhr

    [...] Frisches Geld für Facebook neue Strategie Facebook will angeblich weitere 35 Mio US $ über eine Finanzierungsrunde einnehmen. (Berichtet elab). Diese Nachricht verwundert zunächst in Anbetracht der Börsengangspekulationen über Facebook. Warum ein solcher noch nicht bevorsteht wird aber in o.a. Artikel gut erklärt. Ich frage mich hingegen etwas anderes: Wie schafft es Facebook mit 250 Mitarbeitern das 40 Mio User Netzwerk am laufen zu halten (und das sehr gut) während studiVZ bei 3 Mio Usern bereits 140 Mitarbeiter hat. (inzwischen muss man sagen das Netzwerk aber auch recht stabil läuft). Facebook nimmt das Geld wohl auch auf um einen Strategiewechsel einzuläuten und zwar soll in Zukunft mehr auf Firmenzukäufe gesetzt werden was Facebook bisher überhaupt nicht gemacht hat. [...]

  2. PPH Am 12. September 2007 um 21:43 Uhr

    Sehr interessanter Artikel. Woher kriegt ihr nur immer diese ganzen Informationen ? Guter Blog außerdem.

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