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Ein Wörtchen zu Ideen





21. January 2007 | René Seifert

Nach einem Jahr eLAB bietet es sich an, das Phänomen „Idee“ etwas näher unter die Lupe zu nehmen, insbesondere was den konkreten Einfluss auf den Erfolg einer neuen Plattform, mithin eines neuen Geschäftes angeht. Das Thema liegt mir vor allem am Herzen, weil kaum ein Begriff so oft strapaziert und vor allem überstrapaziert wird. Man wirft munter mit „tollen Ideen“ als Luftschlösser in der Gegend herum, zum Beispiel in der Art: „Ah, ich hatte doch damals auch so eine Idee für ein Netzwerk à la openBC/XING.“ Schön für Dich, warum hast Du’s dann nicht gemacht?

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Idee klingt leicht nach spontanem Geistesblitz, den ein einfallsreiches Allround-Genie beim Joggen, unter der Dusche oder beim Samstagvormittag-Hausputz befällt. Damit wird urplötzlich die Welt geheilt, während sich Lob und Preis der gesamten Menschheit über dem einsamen Helden ausbreiten. Ich übertreibe absichtlich, weil sich der Irrglaube standhaft hält, ein Superhirn hätte ein paar gedankliche Auswürfe gehabt und irgend ein paar nachrangige Fußsoldaten werden es schon in die Tat umsetzen. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. John Doerr, Partner der U.S.-amerikanischen Risikokapitalfirma Firma Kleiner Perkins hat dazu treffend bemerkt: „Ideas are easy, execution is everything!“

Innovation ist der wesentlich bessere Begriff. Innovation bedeutet nämlich, dass man sich zunächst in einem bestimmten Themenkreis fundiert auskennt. Ergo: Bei eLAB wird uns ganz sicher kein neues Verfahren zur lasergetriebenen Teilchenbeschleunigung einfallen, aber beim Internet & Mobile kennen wir uns so einigermaßen aus. Ein Blick über den Tellerrand schadet ebenso wenig, wenn es darum geht, Angebote aus dem Status-Quo womöglich mit angrenzenden „Diszplinen“ zu kombinieren oder mit den Bedürfnissen einer anderen Branche zu kreuzen. (Guter Buchtipp übrigens dazu von Tom Kelley: „The Art of Innovation“).

Auf so etwas wie Skype als disruptive Innovation wird man ungefähr so oft kommen wie es einen mit einem Sechser im Lotto trifft. Man kann jedoch, ohne in Minderwertigkeitskomplexe zu verfallen, auch mit inkrementeller Innovation sehr erfolgreich sein. Bestes Beispiel das oben genannte XING, wo es mit LinkedIn, Ryze und ecademy bereits etablierte Social Networks mit Schwerpunkt Business im Internet gegeben hat, aber openBC mit ein paar intelligenten Funktionen und vor allem mit einer sehr, sehr sauberen Umsetzung überzeugen konnte.

Es ist eben diese Umsetzung, die Unterschied macht, im Englischen und Neudeutschen oft „Execution“ genannt. Nachdem man womöglich wirklich auf eine gute Idee gekommen ist, wie man zum Beispiel ein Problem löst oder einen bestehenden Dienst deutlich besser machen kann, geht es im nächsten Schritt darum, die Idee in ein greifbares Konzept zu überführen. Hier sollte sollte einerseits ein Brancheninsider verstehen, worum es geht um auf gleicher Augenhöhe sein wohlwollendes Feedback abzugeben. Andererseits sollte man jemandem aus der angepeilten Zielgruppe das Konzept so vermitteln können, dass der- oder diejenige auf die Frage „Und? Wie findest Du’s?“ bzw. „Würdest Du’s nutzen“ eine plausible Antwort parat hat.

Sofern an dieser Stelle noch alle Ampeln auf grün stehen, dann geht die eigentliche Arbeit los. Schweiß, und oft auch Blut und Tränen. Jetzt und nur jetzt wird es sich entscheiden, ob aus der Idee auch ein erfolgreiches Produkt in Markt wird, weil echte Menschen in der Verwendung für sich einen echten Nutzen entdecken. Das Verhältnis von Ideen und Umsetzung ins rechte Lot gerückt hat bei einer Veranstaltung in Bangalore Hema Ravichandar, die beim indischen IT-Riesen Infosys als Personalchefin das Wachstum von 200 auf 40.000 Mitarbeitern innerhalb von 13 Jahren mitgestaltet hat. Rückblickend steht für sie fest: „Besser eine durchschnittliche Idee exzellent umgesetzt, als eine fantastische Idee mittelmäßig realisiert.“


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21. January 2007 - 00:13, abgelegt in Kategorie: Sonstiges, eLAB Intern

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