Entscheidungshilfe: 5 Faktoren für Mut zum Entscheiden
18. January 2010 |
Sascha Schmidt
„Es ist nicht zu glauben, wie schlau und erfinderisch die Menschen sind, um Entscheidungen aus dem Weg zu gehen“. (Sören Kierkegaard)
Die Nachwirkungen der Finanzkrise sowie der weitere strukturelle Umbruch in der Medienlandschaft werden in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Entscheidungen von Managern und Gesellschaftern abverlangen. Oft werden die Entscheidungen auf Basis von Daten und Fakten sowie offenen und versteckten Interessen getroffen. Gründer und Inhaber eines Start-Ups stehen jedoch teilweise alleine vor der großen Entscheidungsfindung: Wie geht es weiter?
Psychologie Heute (Heft 02/2010) listet in der Titelgeschichte „Ja oder nein oder weder noch?“
fünf Aspekte auf, die helfen, eine bewusste Entscheidung in komplexen Situationen zu finden:
- Überwindung der Verlustangst: Dan Ariely ist Verhaltensökonom am Massachusetts Institute of Technology. Auf Basis seiner wissenschaftlichen Arbeit kommt er zu der Aussage: „Unsere Abneigung gegen einen Verlust ist ein starkes Gefühl und führt dazu, dass wir falsche Entscheidungen treffen.“ Aus diesem Grunde neigen Manager dazu, sich so viele Optionen wir möglich offenzuhalten. Die Aufmerksamkeit und Prüfung von Möglichkeiten richtet sich auf Vermeidung von Verlust durch eine Entscheidung. Sie richtet sich hingegen nicht auf das, was für das Unternehmens- oder Lebensziel zukünftig wichtig ist.
- Fokussierung auf Zukunft: Wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellt, dann halten viele trotzdem an ihr fest, denn zu viel an Geld und Ressourcen sind bereits in diesen Weg geflossen. Die berühmten „sunk costs“, die man nicht wahrhaben will bzw. rechtfertigen muss. Hier gilt es sich ehrlich zusagen: Das Geld ist weg! Entscheidungen betreffen immer die Zukunft und nicht die Vergangenheit. Es gibt viele „Zauberformeln“ für eine zukunftsorientierte Entscheidungsfindung. Gerade aktuell ist das 10-10-10-Modell von Suzy Welch. Es lautet verkürzt: Welche Auswirkung hat die Entscheidung in 10 Minuten, in 10 Monaten und in 10 Jahren?
- Berücksichtigung der Intuition: Je komplexer eine Entscheidungsfindung ist, umso mehr wird empfohlen, der unbewussten Informationsverarbeitung zu vertrauen. Viele wissenschaftlichen Bücher und populäre Ratgeber beschäftigen sich mit der Rolle der Intuition bzw. des Bauchgefühls beim Entscheidungsprozess. Wichtig ist: Unser gefühlsmäßige und unbewusste Gedächtnis von gemachten Erfahrungen spielt eine Rolle und sollte neben dem Verstand berücksichtigt werden. Es gibt genug Beispiel von Unternehmern, die „den richtigen Riecher haben“, und sich gegenüber rein rational geführten Management-Organisationen erfolgreich behaupten.
- Mythos der „richtigen“ Entscheidung: Wenn Google morgen mit einem Schlag seinen Algorithmus ändert, dann werden so einige SEO-fokussierte Start-Ups vor der Frage stehen: Was nun? Im Nachhinein könnte sich die Entscheidung, am Tropf von Google zu hängen, als falsch herausstellen. Im hier und jetzt ist die Entscheidung hingegen „richtig“. Das bedeutet, dass jede Entscheidung das Risiko beinhaltet, sich als „falsch“ herauszustellen. Hilfreich für so ein Szenario ist Frage: „Was wäre, wenn sich meine Entscheidung in der Zukunft als falsch herausstellt?“ – Gerade wer eine soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern trägt, sollte sich seinen unternehmerischen Plan B genau überlegen.
- Kunst der Geduld: Gerade das digitale Geschäft lebt von Geschwindigkeit. Zugleich gilt für unternehmerische Entscheidungen eine analoge Weisheit: „Alles hat seine Zeit.“ Die Gefahren bei schnellen Entscheidungen sind:
- Nur der Verstand wurde angehört. Emotionen und Intuition haben keine Chance. Das kann gut gehen. Wenn es schief geht, dann ist es für viele belastend, gegen die eigene innere Stimme gehandelt zu haben.
- Es wird aus Gewohnheit und Routine entscheiden. Was einmal gut war muss doch auch ein zweites Mal gut sein – kann sein, muss aber nicht!
- Das bestehende Korsett an Regeln und Normen verhindert den Blick über den Tellerrand. Die Frage: „Was, wenn ich es einmal anders machen würde?“ stellt sich nicht. Mögliche Innovationen sind somit nicht in Sicht.
Last but not least möchte ich noch auf ein interessantes Interview mit Elke Weber vom Zentrum für Entscheidungswissenschaften am New Yorker Columbia University
hinweisen (gleiche Heftausgabe). Sie geht hier am Beispiel der Finanzkrise der Frage nach, warum Manager in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sich oft falsch entscheiden. Eine Antwort von ihr: „Das Kurzzeitgedächtnis ist viel zu stark beteiligt, das Langzeitgedächtnis viel zu wenig.“ D.h. in ungewissen Situationen entscheiden wir gerne auf Basis von Erfahrungen, die erst vor Kurzem gemacht wurden. Wie viel vom Platzen der ersten New Economy-Blase ist noch in unserem Gedächtnis?
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