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Globalisierung im Doppelpack: Indien, China und Globality





22. January 2009 | René Seifert

DThe Elephan and the Dragonass wir in einer globalisierten “Flat World” leben, hat sich auch hierzulande einigermaßen herumgesprochen. Frag nur mal woher die aktuelle Finankrise und Rezession herkommen. Aber das Rad steht niemals still und wer sich auf den letzten Stand des Geschehens bringen möchte, dem kann ich zwei Bücher empfehlen, die ich über Weihnachten und Neujahr gelesen habe.

Das eine stammt von Robyn Meredith, Asien-Korrespondentin für Forbes und heißt mit Blick auf die aufstrebenden Supermächte Indien bzw. China “The Elephant and the Dragon“. Das Buch geizt nicht an ausgiebig recherchierten Zahlen und Fakten, dabei wirkt es in gut 200 Seiten kompakt, stellt vor allem Dingen dabei einen schlüssigen Gesamtzusammenhang dar. Noch dazu ist Meredith eine exzellente Journalistin mit einer erfrischenden Schreibe, wo einem mit vielen Szenen, Beispielen und Zitaten auf keiner Seite langweilig wird.

“The Elephant and the Dragon” beginnt mit einem wichtigen historischen Abriss beider Länder, wie eine fehl geschlagene Politik von Maos Kulturrevolution bzw. Nehrus Autonomiewahn die beiden größten Volkswirtschaften des 17. Jahrhunderts in die Isolation und seine Einwohner in bittere Armut getrieben haben. China erlebte mit Deng Xiaoping 1978 zaghafte Schritte einer Reform, in Indien ging es 1992 am Rande des Staatsbankrotts unter der Ägide von damals Finanzminister und heute Ministerpräsident Manmohan Singh zwangsweise recht plötzlich.

Aus unterschiedlichen Ausgangslagen ergaben sich zwei unterschiedliche Wege des Aufstiegs: China investierte heftig in seine Infrastruktur und baute sich systematisch zur Weltfabrik mit unschlagbar günstigen Arbeitskräften aus. Indiens Infrastruktur ist auch heute noch ein totales Desaster, allerdings verfügte das Land von jeher über gut ausgebildete Ingenieure, die zudem mit Englisch aufgewachsen sind und die Voraussetzung für renommierte Firmen wie Infosys geschaffen haben.

Mit dieser Initialzündung konnten die Räder der beiden Volkswirtschaften zunehmendes Momentum aufnehmen und in den letzten Jahren im Bruttosozialprodukt mit 9 Prozent in China und 7 Prozent in Indien wachsen. (Schau mer mal wo wir in diesem annus horribilis 2009 landen.) Vor allen Dingen haben beide Länder einen attraktiven Binnenmarkt entwickelt, in dem plötzlich auch Luxusfirmen von Mercedes bis Luis Vuitton nicht außen vor bleiben wollen. Das Buch bleibt immer schön am Ball zu schildern, was dieser Aufstieg konkret bedeutet, anschaulich beschreibt Meredith im Kapitel “The disassembly line” welche vielen Stationen ein Faden aus Frankreich zu verschiedenen Fabriken in China durchläuft, bis am Ende der Designerpulli in der amerikanischen Boutique liegt. Oder wie die Komplementariät der Kompetenzen von Indien und China in der Wertschöpfung vom iPod aussieht: Patent aus Hyderabad (Indien), Fertigung in China und Kundendienst wiederum aus dem indischen Call-Centre.

GlobalityWie man aus unternehmerischer Sicht mit den neuen Verhältnissen klar kommt und aus möglichen Bedrohungen Chancen für sich macht, beschreibt das zweiter Buch im Globalisierungs-Doppelpack: “Globality – Competing with Everyone from Everywhere for Everything“, die Autoren sind drei Partner der Unternehmsberatung Boston Consulting Group. Der Titel ist Programm uns stellt zunächst die Ausgangslage her: Durch effiziente Logisktikketten und schnelle Datenleitungen stehen plötzlich mit Ländern wie eben Indien, China, aber auch Brasilien und Russland gut 2 Milliarden zusätzlicher Player auf dem globalen Spielfeld.

Wie man sich diese veränderten Rahmenbedingungen als etabliertes Unternehmen oder auch als Start-Up zu nutze machen kann, beschreiben die drei Berater in nicht ganz so plastischen Worten wie die Vollblutjournalistin Merdith von oben. Aber die Kameraden sind zweifelsfrei viel herumgekommen und haben in 270 Seiten ihre ganze praktische Erfahrung sowie zahlreiche Interviews mit Spitzenmanagern zusammengetragen.

Konkret haben sie dabei diese sieben Leitlinien entwickelt, mit denen man im globalen Markt bestehen kann, und zwar auf allen Ebenen der unternehmerischen Akivität, von Sourcing, Personal, Fertigung, Vetrieb bis zur Distribution:

  • Minding the Cost Gap: Substitution von teueren Maschinen durch mehr manuelle und kostengünstigere Arbeitskraft, Vereinfachung und somit Verbilligung von Produkten (“weniger ist mehr, siehe auch Blue Ocean Strategy) und Mut zur Riesenskalierung der Firma.
  • Growing People: Die Märkte für qualifizierte Arbeitskräfte sind auch in diesen Ländern zunehmend ausgetrocknet. Erfolg hat nur, wer nicht nur schnell heuert, sondern langfristig sein Humankapital für schnelles Wachstunm entwickeln und frühzeitig Verantwortung an junge Mitarbeiter übergibt.
  • Reaching Deep into Markets: Neue Produktkategorien für neue Märkte entwickeln und dabei ein Gespür für die Zahlungsbereitschaft seiner Kunden entwickeln, Lokalisierung von Produkten, Distribution unter oft chaotischen Bedingungen in den Griff bekommen und auch an attraktive B2B-Modelle denken.
  • Pinpointing: Siehe oben bei “The disassembly Line”, bedeutet die Wertschöpfungskette auseinanderzunehmen und sie im Raum-Zeit-Kontinuum neu zusammenzusetzen, wo man den besten Qualitäts-Preis-Mix gemanagt bekommt. Kann in diesem Zusammenhang auch mit sich bringen, das Geschäftsmodell neu zu erfinden.
  • Thinking Big, Acting Fast, Going Outside: Skalierung, Aufbau von Marken (siehe Lenovo) und systematisches Schließen von Kompetenzlücken durch Akquisitionen oder Partnerschaften.
  • Innovating with Ingenuity: Die Ideen von anderen auf neue Märkte anpassen, genau das hat China in der ersten Phase des Aufschwungs stark gemacht. Und dazu schnelle “radid fire”-Innovation als Unternehmenskultur.
  • Embracing Manyness: Globale Präsenz, lokales Flair und Polyzentralismus. Letzteres bedeutet, dass die klassisch postkoloniale “Haupverwaltung” (=Headquarter) ausgedient hat.

Wenn man sich in Zeiten von knapper Zeit für eines der Bücher entscheiden müsste: Keine Ahnung, hängt davon ab, worauf man sein Interesse legt. Wer sich einen Überblick über den Gesamtzusamenhang, das “Big Picture”, verschaffen möchte, für den wäre wohl “The Elephant and the Dragon” die bevorzugte Lektüre. Wer konkret mit einem Globalisierungsthema morgens auf Arbeit geht, dem könnten die Tipps und Beispiele aus “Globality” besser zur Hand gehen. (Wer Hörbücher mag, für den gibt’s Globaility auch bei Audible).

Lesenswert sind, das sage ich mit gutem globalem Gewissen, beide.


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22. January 2009 - 12:18, abgelegt in Kategorie: Analyse, Asia/Pac, Best Practices, Deutschland, Europa, Globalisierung, Makro-Trends, Region, U.S.A.

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Eine Reaktion zu “Globalisierung im Doppelpack: Indien, China und Globality”
  1. Finanzblog » Blog Archive » Zur Lage der Nation - Die Wirtschaft in Deutschland im Mai 2009 Am 20. May 2009 um 11:23 Uhr

    [...] Verlauf dieser Indikatoren sein wird und in wie weit die Weltwirtschaft aus der Krise kommt. In der Zeit der Globalisierung kann nicht mehr nur die Wirtschaft des eigenen Landes gesehen werden, wie es früher der Fall war. [...]

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