Seit September 2007 ist das eLAB-Venture guut.de auf dem Markt. Die beiden Gründer des Live-Shopping Portals Robert Stephan und Peter Posztos mit einer Zwischenbilanz auf dem eLAB-Blog.
eLAB (René Seifert): Wie geht’s Euch? Jetzt sagt bloß das Richtige.
Peter Posztos: Sehr guut, danke :-)
eLAB: Was gibt’s heute im Angebot?
Robert Stephan: Einen LCD Fernseher von Samsung für sagenhafte 729 Euro. Mit Multimedia-Produkten haben wir von Anfang an sehr gute Erfahrungen gemacht.
eLAB: Ihr seid zu zweit hier. Wer muss auf wen aufpassen beziehungsweise wie sind die Rollen verteilt?
Stephan: Wir sind inzwischen sogar sechs Leute, sehen unsere Organisation aber nicht hierarchisch, sondern nach Aufgaben und im Rahmen eines Teamspirits. Ich kümmere mich im Augenblick vor allem um strategische Kooperationen.
Posztos: Meine Schwerpunkte liegen im Produktmanagement, Community, Vermarktung und Business Development.
eLAB: Eure Konkurrenz schläft vermutlich auch nicht. Wie sieht Euer Wettbewerb aus?
Posztos: Als wir letztes Jahr im Spätsommer angefangen haben, gab es ein Duzend Anbieter, jetzt sind es schon doppelt so viele. Neben den Generalisten wie uns gibt es inzwischen auch vertikale Anbieter, die sich zum Beispiel rein auf Reise, Kunst oder Schmuck konzentrieren.
Stephan: Auch wenn wir nicht die Ersten im Markt für Live Shopping in Deutschland waren, so sehen wir uns heute bezogen auf Umsatz und Besucher als Marktführer. Grund dafür ist aus meiner Sicht unsere sehr fokussierte Umsetzung, wo wir von Anfang an gemessen und gezählt haben was das Business hergab, um daraus ständig zu optimieren. Zum Teil haben wir in Nacht- und Wochenendarbeit kurzfristig von langer Hand geplante Produkte umgeschmissen und dafür aus unserer Erkenntnis Bessere ins Angebot gebracht.
eLAB: Ihr definiert Euren Markt als „Live Shopping“. Was ist das überhaupt?
Stephan: Live Shopping bedeutet ein Produkt pro Tag, so lange bis es ausverkauft ist. Es ist sozusagen ‚aktionsgetriebener E-Commerce‘.
Posztos: Ausnahmen machen wir nur zu bestimmten Aktionen wie dem „Guutrausch“
wo wir an einem Tag mehrere Produkte hintereinander anbieten. An unserem Spitzentag haben wir dabei über 40.000 Euro Umsatz eingefahren.
eLAB: E-Commerce gibt es fast so lange wie das Internet. Warum geht ein Käufer zu guut.de anstatt zu eBay oder zu einem der vielen anderen Online-Shops, wo es das gleiche Produkt und noch viele mehr gibt?
Stephan: Zwei klare Gründe: Preis und Einkaufserlebnis. Nachdem wir uns auf ein Produkt konzentrieren und hohe Mengen bestellen, geben wir den Kostenvorteil an unsere Nutzer weiter und besetzen so an dem Tag unseres Angebots die Preisführerschaft im Netz. Zum anderen bieten wir ein Online-Shopping Erlebnis, welches im Internet sonst in weiten Teilen abhanden gekommen ist.
Posztos: Zum Thema eBay ist es sogar so, wie die Wirtschaftswoche neulich schrieb, dass Live Shopping den Internet-Nutzern den Flair von Überraschung und Entertainment zurückgibt, für den eBay früher einmal gestanden hat. Ein Produkt pro Tag bis zum Ausverkauf ist zunächst erfrischend übersichtlich, befriedigt in der Regel keine Konsumbedürfnisse, sondern weckt diese erst. Dafür sorgen wir mit unterhaltsamen Produktbeschreibungen, ansprechenden Fotos und einer aktiven Community rund um das Einkaufserlebnis. Aber kein Zweifel, das haben wir schnell gelernt: Bei Live-Shopping zählt das Produkt.
eLAB: Wie lange plant Ihr Euer Verkaufssortiment üblicherweise im voraus?
Posztos: Ein bis zwei Wochen, wir sind aber in der Lage schnell und flexibel anzupassen …
Stephan: … insbesondere wenn uns die Conversation-Rate, gemessen als Sales geteilt durch die Besucher pro Tag, entsprechende Indikatoren aus dem Markt liefert.
eLAB: Im Grunde ist doch die Beschränkung der Stückzahl nichts anderes als eine künstliche Verknappung, um jeden Tag einen neuen Hype zu erzeugen.
Stephan: Nicht unbedingt. Oft liefert uns der Hersteller auch keine größere Menge zu dem von uns angepeilten Preis. Aber in anderen Fällen, das stimmt, legen wir selbst die Menge fest. Wichtig ist dabei freilich ein Mittelweg zwischen die tatsächliche Nachfrage zu befriedigen und unser Live Shopping-Nutzenversprechen einzulösen.
eLAB: E-Commerce ist bekanntermaßen ein Geschäft mit hauchdünnen Margen, wo man bei den Kosten mit Prozessoptimierung eine Menge holen kann. Der Hebel liegt aber eindeutig in den Volumina. Wie verdient ihr Euer Geld, wenn Ihr behauptet auch noch die Billigsten für dieses Produkt zu sein?
Stephan: Prozessoptimierung stimmt auf jeden Fall, damit haben wir immer noch alle Hände voll zu tun, speziell bei Retouren und Erstattungen. Richtig war, die komplette Logistik mit dem gesamten Fullfilment von Anfang an einen externen Partner auszulagern. Was uns auf der Beschaffungsseite stark geholfen hat, war die Einstellung eines ehemaligen Einkäufers vom RTL-Shop, von dessen Lieferantennetzwerk wir durch günstige Einkaufskonditionen profitieren. So schaffen wir es auch mit Tiefstpreisen immer noch Geld zu verdienen …
Posztos: … was sich über Volumina im dreistelligen Bereich bei guut.de dann schon auszahlt. Bei den Margen fahren wir eine Mischkalkulation. Manchmal schieben wir innovative Produkte wie die Nintendo Wii ohne Aufschlag durch, bei anderen Produkten eher am Ende des Lebenszyklus verdient man dann eben etwas mehr.
eLAB: Nach welchen Kriterien wählt Ihr Eure Produkte aus und wie setzt Ihr sie über die Tage zusammen?
Posztos: Im Gesamteindruck kommt es auf Vielfalt an, bei der es nicht am genannten Überraschungsmoment fehlen darf. Eine wichtige Kategorie für uns ist Multimedia heute mit dem LCD-Fernseher, ansonsten Lifestyle-Produkte aus den Bereichen Wellness, Wein, Erotik, Spielzeug und Mode.
eLAB: Wenn man auf das Tagesprodukt, aber auch auf abgelaufene Produkte schaut, fallen einem die recht zahlreichen Kommentare der User auf. Welchen Stellenwert hat die Community für guut.de?
Stephan: Man kann die Bedeutung gar nicht hoch genug einstufen. Es geht vordergründig um Kommentare, die aber eine sehr viel breitere Funktion des Austausches und der Bewertung erfüllen. Wir haben im Schnitt 50-200 Kommentare pro Produkt. Bei unserer Aktion Guutrausch hatten wir sogar mal eine Spitze von 2.400 an einem Tag.
Posztos: Wir haben auch absolut kein Problem mit einem negativen Kommentar. Mal hat der Nutzer Recht, ein anderes mal wird ihm von anderen Mitgliedern aus der Community widersprochen. So oder so, die Kommentare sind ein erstklassiger Conversion-Treiber. Mindestens genauso wichtig trägt die Community aber zur Unterhaltung rund um das ganze Einkaufserlebnis bei.
eLAB: Das klingt nach einer Menge Lernerfahrung für eine halbjährliche Unternehmensgeschichte. Was habt Ihr Euch für das nächste halbe Jahr vorgenommen?
Stephan: Wir wollen den Guutrausch ein mal im Monat institutionalisieren, …
Posztos: … wir wollen unseren Fokus bei der einen oder anderen Kategorie wie T-Shirts anpassen …
Stephan: … und dann starten wir mit einem Whitelabel bei einem großen und reichweitenstarken Portal. Mehr wird aber erst Mitte des Jahres verraten.
eLAB: Dann danke ich fürs Gespräch und wünsche für die Zukunft, har-har, „alles Guute“ :-)
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[...] Das führende Live-Shopping-Portal in Deutschland ist guut.de. Der Name lässt die nahe Verwandtschaft zum Vorbild wood.com erkennen, ebenso die Art, die Produkte zu beschreiben (ich persönlich finde aber die amerikanische weitaus spritziger): “Liebes Dr. Guut-Team, ich habe ein Problem. Ich bin sehr attraktiv, trage einen raffinierten Namen – MOTOSLVR L9 -, habe eine traumhaft schlanke Modelfigur mit einem wundervollen TFT-Display und wie alle Mitglieder meiner sehr angesagten Familie ein hübsches Metalldesign…” – so wird das Motorola-Handy präsentiert, das in diesem Moment noch 8:53:12 Std. zu haben ist – um 89,99 EUR statt um 228 (UVP). Und der Countdown läuft… “Finanziert wird das von Robert Stephan und Peter Posztos gegründete Startup vom Holtzbrinck eLab. Erst kürzlich hat Holtzbrinck seine E-Commerce Ambitionen nochmals unterstrichen und zeigt mit Guut.de, dass es gewillt ist, auch in innovativere E-Commerce-Segmente vorzudringen”, hat Exciting Commerce dazu zu sagen. Bei Holtzbrinck eLab gibt es ein Interview mit den Gründern. [...]
[...] Holtzbrincks eLab-Blog. Guut.de ist sozusagen der erfolgreichste Woot-Verschnitt Deutschlands. Und ich frage mich immer [...]
Genau diesen LCD Fernseher habe ich genau an dem Tag bei Guut.de bestellt. Und ein Einkauf ist dann ein guuter, wenn ich auch noch Tage nach der Lieferung das Gekaufte mit einem zufriedenen Lächeln anschaue.Und da ist Guut.de meiner Meinung nach wirklich Meilen weit vor der Konkurrenz. Da, also bei den anderen, wird so manch Bock geschossen; alte Kartons als Verpackungen verwendet, Probleme bei Lieferungen zwischen dem Vermittler und dem eigentlichen Händler die Schuld hin und her geschoben.Wenn ich über Liveshopping erzähle, und das tue ich nach dem Samsung-Erlebnis guut und gerne, nenne ich IMMER nur noch guut.de als Beispiel.Und jetzt noch ne Wii zum 40" Fernseher :-)
[...] Holzbrinck eLab Blog findet sich ein spannendes Interview mit den guut.de-Gründern, Robert Stephan und Peter [...]
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