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Herausforderungen bei geringfügigen Transaktionen: Kosten & Rückbuchungen





2. February 2009 | René Seifert

Saß neulich mit dem von mir sehr geschätzten Andreas Hörr zusammen, Gründer von u.a. Medikompass und Grand Seigneur des transaktionsbasierten Arzt Preisvergleichs. Wir sprachen über verschiedene Geschäftsmodelle, die zunächst mal gut klangen, weil sie eben nicht rein auf Werbung basieren, sondern eine Bezahlung durch den User oder Partner zum Gegenstand haben.

Allerdings kamen wir recht schnell auf den Trichter, dass obwohl ein Modell zunächst in der Kalkulation profitabel aussieht, man womöglich die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. Der Wirt kommt als parasitäres Eichhörnchen daher, nämlich in einer Quote von Bezahlungen, die einem im Nachhinein durch einen Widerruf um die Ohren fliegen.

Insbesondere sind unserer Auffassung nach digitale Dienstleistungen zwischen EUR 5 und 15 davon betroffen. Darunter im wirklichen Micro-Payment erachtet der Nutzer die Beträge als zu homöopathisch, als dass er typischerweise den Aufwand eines Rückrufs treiben würde. Umgekehrt: Über EUR 15.- rentiert es sich für den Betreiber auch wieder, seiner zurückgerufenen Kohle hinterherzugrätschen.

Das Problem liegt in dem „stuck-in-the-middle“-Segment. Hier liegen die Transaktionskosten in Relation zum Betrag inklusiver fixer und variabler Komponente bei gut und gerne 20 %. Das frisst ohnehin empfindlich an der Marge. Aber schlimmer noch: Entscheidet sich der Kunde sich im Szenario des beliebten, unkomplizierten Bankeinzugs bzw. nach einer Kreditkartentransaktion, seinen Kaufbetrag zurückzurufen, dann liegen die Kosten einer solchen Rücklastschrift oft über dem eigentlichen Transaktionsvolumen. Der Punkt freilich ist der, dass ein Kunde so eine Rückbuchung ohne Angaben von Gründen tun kann.

Das heißt im Klartext, als Unternehmen welches diese Kosten immer gegenüber der Bank bzw. dem Clearing-House zu tragen hat, steht man schlechter dar als wäre die Transaktion nie zu Stande gekommen. Gleichzeitig sind die Beträge auch wiederum so gering, dass es sich nicht rentiert jemanden bei sich intern mit dem Beitreiben zu beschäftigen oder gar eine ohnehin zweifelhaft beleumundete Inkassobude damit zu beauftragen.

Das Ausmaß der Rückbuchungen hängt sicherlich vom Sujet der Plattform ab, kann aber aufgrund dieser widrigen Eigenschaften einen zunächst positiven Business-Plan ins Verlustgeschäft drehen. Als Ausweg bietet sich eigentlich nur an, Kleinstbeträge abzubuchen oder ordentliche Summen wie beispielsweise die EUR 71,40 für ein Jahresabo bei XING.

Plan B klingt eher nach „Warten auf Godot“, wo man drauf hofft dass ein innovativer Anbieter eine günstigere Infrastruktur im Bezahlwesen aufbaut. Diese müsste einerseits die relativ hohen Gebühren im niedrigen Transaktions-Segment senken und andererseits vor allem einen fairen Risikoausgleich bei Rückbuchungen in der Konstellation zwischen Kunde, Unternehmen und Clearing-Intermediär schaffen.

Vielleicht eine neue Geschäftsidee für sich, oder haben wir da etwas übersehen?


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2 Kommentare »
2. February 2009 - 16:21, abgelegt in Kategorie: Best Practices, Commerce, Deutschland, Region

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2 Reaktionen zu “Herausforderungen bei geringfügigen Transaktionen: Kosten & Rückbuchungen”
  1. Thomas R. Koll Am 2. February 2009 um 16:48 Uhr

    Bei 37signals ging’s letztens um das gleiche Thema und die haben die Kosten recht erfolgreich verringert: http://www.37signals.com/svn/posts/1545-how-we-reduced-chargebacks-by-30-as-a-percentage-of-sales

  2. Amazon Flexible Payments Service FPS | Digitalhandeln Blog Am 16. October 2009 um 18:17 Uhr

    [...] sehen also, dass Amazon FPS – zumindest außerhalb Amerikas – keine Lösung für das oft zitierte Micropayment-Dilemma [...]

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