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Konfliktlösungen: Mediation in Unternehmen





30. July 2009 | Sascha Schmidt

Zwei Personen streiten sich um eine Orange. Beide behaupten, dass sie die ganze Frucht für ihr jeweiliges Vorhaben benötigen. Ein Teilen der Orange kommt nicht in Frage! Das ist eine klare Position von beiden Seiten. Und so geht die Diskussion endlos hin und her, bis endlich gefragt wird, wofür die Orange  gebraucht wird. Als Antwort kommt heraus, dass Person A nur das Fruchtfleisch will und Person B die Schale benötigt. Eine Lösung zeichnet sich ab ….

Das Beispiel ist ein Klassiker innerhalb der Mediationsbranche um Sinn und Zweck einer interessengesteuerten Konfliktbeilegung zu verdeutlichen. In vielen Konflikten werden hingegen nur Standpunkte und Argumente  ausgetauscht. Es fehlt Raum, Zeit und Geduld, sich mit den Interessen des Verhandlungspartners zu beschäftigen. Und: Oft sind die eigenen Interessen noch nicht richtig erforscht und bewusst, so dass Lösungen jenseits des geforderten Standpunktes als nicht denkbar erscheinen.

Ziel einer Mediation ist es, Interessen und Absichten beider Parteien offenzulegen und zu befriedigen. Dies ist die Basis, um weitere Werte aus dem Streit zu schöpfen, anstatt Werte zu zerstören. Bei der Wirtschaftsmediation gibt es neben der Wertschöpfung im kapitalistischen Sinne noch andere Werte wie zum Beispiel „gesunde“ und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen oder innerbetrieblicher Frieden, die gewonnen werden können.

Vier typische Konfliktarten
Konflikte zwischen und innerhalb von Gründungen, Start-Ups und etablierten Firmen können in unterschiedlichsten Formen auftreten. Vier häufige Konfliktarten sind:

  • Verteilungskonflikte – “Wir wollen mindestens dasselbe haben wie ihr”: Hier geht es darum, von einem „Stück Kuchen“ (z.B. Firmenanteile) so viel wie möglich für sich zu beanspruchen.
  • Zielkonflikte – “Wir wollen etwas anders als ihr erreichen“: Klassisches Konfliktfeld von Gesellschaftern, die sich über die Ausrichtung und zukünftige Entwicklung ihrer Beteiligungen nicht einig sind.
  • Strategiekonflikte – “Wir haben das gleiche Ziel, aber wollen unterschiedliche Wege gehen“ – Wenn operative Geschäftsführer sich nicht einig sind über die zu treffenden Maßnahmen, dann kann dies gesamte Projekte und Unternehmen gefährden.
  • Rollenkonflikte – “Ich muss mehrere Rollen zugleich ausfüllen“: Gesellschafter und Geschäftsführer in Personalunion erleben diesen Konflikt immer wieder.

Die Verteilungskonflikte werden oft offen ausgetragen. Die anderen Konfliktarten sind den Beteiligten häufig nicht bekannt oder bewusst. Hinter so manchem Verteilungskonflikt schlummern noch andere Varianten.

Wann ist Mediation sinnvoll?

Nicht alle Konflikte lassen sich durch eine Mediation lösen. Es gibt fünf typische Merkmale innerhalb von Verhandlungen und Konflikten, die den Einsatz von Mediation begünstigen:

  • Nichtrechtliche Interessen stehen bei den Parteien im Vordergrund.
  • Der Konflikt beinhaltet emotionale Betroffenheit der Beteiligten.
  • Nachhaltige und zukunftsorientierte Lösungen werden gesucht.
  • Eine schnelle Konfliktlösung soll erreicht werden.
  • Es besteht ein großer Wunsch nach Vertraulichkeit der Verhandlungen.

Ablauf einer Wirtschaftsmediation
Mediation durch einen neutralen Dritten zeichnet sich dadurch aus, dass die Interessen der Parteien und nicht deren Positionen oder Rechtsansprüche im Fokus stehen. Der Mediator muss unabhängig sein und zugleich von beiden Parteien akzeptiert werden. Weder empfiehlt noch trifft er Entscheidungen. Seine Aufgabe besteht „rein“ darin, die gemeinsame Lösungsfindung zu leiten und zu moderieren. Eine Wirtschaftsmediation erstreckt sich normalerweise über fünf Phasen, die voneinander abhängig sind:

1.    Begrüßung und Vereinbarung der “Spielregeln” für die Verhandlung
2.    Schilderung des Sachverhaltes aus den unterschiedlichen Perspektiven
3.    Erforschen der Interessen hinter den Sachverhalten und Positionen
4.    Gemeinsames Entwickeln und Bewerten von Lösungsoptionen
5.    Abschluss mit einem Mediationsvergleich oder dessen Eckpunkten

Wie finden Sie einen geeigneten Mediator und was wird es kosten?
Grundvoraussetzung für eine Mediation ist die Neutralität der Person, die als Mediator tätig wird. Daher ist es sinnvoll, dass beide Parteien sich auf eine Person verständigen, die mit keinen der Parteien bereits in beruflichen, privaten oder persönlichen Kontakt steht. Ansonsten laufen Sie immer Gefahr, dass die Neutralität innerhalb der Mediation angezweifelt wird.

Wenn ein Mediator gesucht wird, dann empfiehlt es sich, bei den entsprechenden Ausbildungsinstituten nach einer Liste von möglichen Kandidaten zu fragen. Ich selber habe meine Ausbildung am Centrum für Verhandlungen und Mediation an der LMU in München (CVM) absolviert, welches beispielsweise entsprechende Namen von potenziellen Mediatoren nennen kann. Weiterhin gilt das Prinzip der persönlichen Empfehlungen, d.h. fragen Sie in Ihrem Businesskreis nach Erfahrungen mit Mediation.

Die Kosten einer Mediation hängen von den entsprechenden Honorarsätzen des Mediators ab. Als Kalkulationsbasis hat sich etabliert, dass neben den Zeitkosten für die Mediation noch einmal die gleiche Vorbereitungszeit durch den Mediator eingerechnet werden sollten. Zusätzlich entsprechende Spesen für einen neutralen Tagungsraum und eventueller Reisekosten. Grundsätzlich tragen beide Parteien die Kosten zu je 50 Prozent.
Last but not least: Es lohnt sich, den vielleicht anfänglich hoch erscheinenden Mediationskosten eine Prozesskosten- und Prozessrisikoanalyse gegenüberzustellen. Vor Gericht ist es wie auf hoher See – you never know what is next …


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30. July 2009 - 18:51, abgelegt in Kategorie: Best Practices, Communication, Deutschland, Enterprise 2.0, Region

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