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Mobile Media: Selbsthypnose einer Branche?





31. January 2008 | Sascha Schmidt

Vorgestern fanden in München die Mobile Content Days statt. Am Vormittag gab es ein Panel mit dem Thema „Mobile Media, Community-Plattformen & Mobile Advertising“. Auf dem Podium:

Eigentlich wurde auf dem Panel das diskutiert, was man seit Jahren kennt. Mobile ist der Markt der Zukunft (und da wohl schon seit x Jahren). Werbung auf dem Handy wird sich durchsetzen und dann wird dieser junge Markt „explodieren“. Stefan Winners ist überzeugt davon, dass 2009 bzw. 2010 der Durchbruch kommen wird. Auch der BVDW jubelt vor kurzem: "Mobile Internet vor dem Durchbruch zum Massenmarkt“ 

Was mich weiterhin stutzig macht, sind die Zwischentöne abseits der offiziellen Präsentationen. Da sagt Stefan Winners klipp und klar, dass der mobile Umsatz bei Tomorrow Focus durch technische Dienstleistungen der Tochter Cellular erbracht wird – d.h. nicht durch Inhalte! Außerdem fehlt die Reichweite, damit Großkonzerne als Werbetreibende überhaupt beginnen, über mobiles Marketing nachzudenken.

Die Barrieren für die Reichweite sind schnell identifiziert:

  • Immer wieder die Kosten (fehlende Datenflatrates)
  • Handy mit großen Displays von Nöten (Laut Spiegel Online sind 70.000 iPhones bisher verkauft – also Peanuts)

Ob diese Barrieren bis 2010 fallen (Prognose von Stefan Winners) ist offen. Weitere Visionen der Panelisten waren perfektes Targeting des Handy-Besitzers und damit Auslieferung von nur wirklich relevanter Werbung … kommt einem irgendwie bekannt vor (Facebook und Co.). Angebote der Telcos (Vodafone live! etc.) verlieren an Bedeutung, die Nutzer werden direkt auf die Marken-Angebote der Medienhäuser zu greifen. Last but not least: Der mobile Markt wird die Entwicklung des Internets durchmachen – also erfolgreich sein.

Die Gefahr in meinen Augen: Die Content-Anbieter werden die gleichen Fehler wie im Web machen bzw. gar nicht merken, dass andere und neue Angebote an ihnen vorbeiziehen.

Meine Prognose ist:

  • Wie im Web werden nur eine Handvoll an Medien-Marken wirkliche Reichweite aufbauen können. Bild und Spiegel haben aufgrund der Marke und Crosspromotion-Möglichkeiten hier gute Potenziale.
  • Die Portale der Netzbetreiber werden ersetzt durch Portale und Content-Services der Handy-Hersteller. Nokia weist den Weg durch Zukäufe z.B. von Gate5 als Navigationslösung und Gründung von Community-Angeboten. Das Skin von einem Nokia-Handy und damit die Usability und damit der Zugriff auf Inhalte wird Nokia vorgeben (analog Apple und iTunes).
  • Google Android als neue Plattform und Alternative zu Nokia und Co. wird neue und flexible Player entstehen lassen, die schneller und glaubwürdiger die eigentlichen Bedürfnisse einer Web 2.0/Mobile 2.0-Zielgruppe bedienen – d.h. Kommunikation und Interaktion ermöglichen.
  • Statt dem „direct type in“ einer mobilen Medien-Marke wird auch hier analog zum Web Google der Traffic-Verteiler sein.

In diesem Sinne hatte ich auf den Mobile Content Days das Gefühl einer Selbsthypnose …  Und: Man war wieder einmal unter seinesgleichen. Warum nicht ein Panel von Nutzern? Die Mobile Content Days in London haben dies bereits vor zwei Jahren vorgemacht: Es ist nichts interessanter, als einmal Jugendliche aller sozialen Couleurs nach ihren mobilen Gewohnheiten life zu befragen. Das lässt so manchen Manager aus seinen Träumen erwachen. Statt Line Extension einer Marke stehen dann eventuell ganz andere Potenziale da …


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31. January 2008 - 11:22, abgelegt in Kategorie: Deutschland, Mobile, People, Region, Uncategorized

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6 Reaktionen zu “Mobile Media: Selbsthypnose einer Branche?”
  1. Sascha Schmidt Am 31. January 2008 um 13:50 Uhr

    Kleiner Nachtrag – ich wurde vom Veranstalter des Münchner Mobile Content Day freundlich darauf hingewiesen, dass es in London keine Mobile Content Days gebe. Sorry, das stimmt, die Veranstaltung dort lautet Mobile Content World – ich war nur ein Tag dort in 2006, daher der "Freudsche Fehler".

  2. Ralph Möllers Am 31. January 2008 um 19:05 Uhr

    Gut gesprochen! Und alles kommt immer wieder, der Hype, die Enttäuschung, der langweilige Alltag, dann wieder der Hype, die Enttäuschung ….Es gibt aber sicher Nischenmärkte für Mobile Content, die Potenzial haben: Ich glaube an edukativen Content für spezielle Kinderhandys, muss ich ja auch, wir investieren hier schließlich. Aber über die Fußballübertragung auf dem 3,5" Bildschirm muss ich denn doch schmunzeln und auf dem iPhone wird es ja nur unwesentlich besser. Natürlich bleibt das nicht so und natürlich wird es den mobilen Internet-Markt geben, aber ich war oft genug der Pionier, der vor dem Erreichen der Küste (beinahe) verdurstet ist. Jetzt lasse ich doch gerne mal andere vorgehen.

  3. Basic Thinking Blog | das NüviFone Am 2. February 2008 um 02:40 Uhr

    [...] Ach ja, da wären noch die Bemühungen von Nokia zu nennen, die sich strategisch Richtung Serviceprovider bewegen wollen, Android von Google, der Ausbau der Mobilfunkantennen mit HSDPA-Technik und weiter Giganten, die sich zunehmend ernsthafter für Mobile Marketing/Usage interessieren. Es sieht ganz danach so aus, als ob die mobile Nutzung durch das Zusammenkommen von verschiedenen Strömungen zu einem groben Zeitpunkt endlich realistisch begünstigt wird. Artikelzusatzinfos 1. Tags: garmin, Mobile Web 2. weitere Artikel (Kommentare) [...]

  4. Christian Lupp Am 2. February 2008 um 10:31 Uhr

    Gut auf den Punkt gebracht! Ich war am Montag auf dem MobileMonday der sich dieses Mal das Thema “Mobile Open Portals & Open Communities” zum Thema hatte. Bemerkenswert im Zusammenhang mit der Mobile Media Selbsthypnose fand ich 3 Dinge:
    - Auch hier die alte Feststellung, dass ohne Datenflatrates weder das Mobile Internet noch Mobile Applications ein Erfolg gegönnt sein wird.
    - Den Befreiungsschlag aus dem Tarifkorsett wird in Deutschland derzeit von Medienhäusern vorangetrieben – siehe BildMobil.
    - Es gibt schon jetzt reichweitenstarke Mobile Portale (sogar von deutschen Startups) … nur sind diese Portale nicht in Deutschland erfolgreich, sondern in UK oder den USA.

  5. bsmultimedia » Die Zukunft mobiler Internetanwendungen Am 2. February 2008 um 12:40 Uhr

    [...] Bei den Mobile Content Days in München wird eine Prognose für das Jahr 2009 ausgesprochen. Der BVDW (Bundesverband digitale Wirtschaft) spricht sogar davon, dass das mobile Internet kurz vor dem Durchbruch steht. In unserem Projekt beschäftigen wir uns daher nicht nur mit der technologischen Umsetzung derartiger Anwendungen, sondern auch mit den Fragen in Bezug zur Usability. Wie müssen derartige Seiten überhaupt aufgebaut sein, damit eine komfortable Nutzung gewährleistet wird? [...]

  6. Selbsthypnose Am 30. June 2008 um 00:32 Uhr

    Es gibt in Londonkeine Mobile Content Days. Aber Mobile Content World. Warum hängen wir in Deutschland eigentlich immer hinterher. Siehe Datenflatrates.

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