Bei Peter Turi gibt’s heute ein äußerst lesenswertes Interview mit Oliver Samwer (Manuskript aus Tomorrow 10/2007) über Vollblut-Unternehmertum im allgemeinen und Internet-Expertise im besonderen. Das Erfolgsrezept der drei Brüder liegt zusammengefasst in einer sehr analytischen Herangehensweise, einem hohen Maß an Aufnahmefähigkeit über die Ereignisse um einen herum, was sich schließlich in mutig-zupackende Aktion übersetzen muss.
Die Ausnahme der Samwers widerlegt übrigens die "normalerweise" als ideal angesehene Konstellation, wonach ein unternehmerisches Team komplementäre Fähigkeiten mitbringen sollte. "Wir ticken so synchron, dass wir uns jederzeit nahtlos in Verhandlungen oder Vorstellungsgesprächen ersetzen können", so Samwer.
Ständige Marktbeobachtung, und das weltweit, sei das A und O um auf die richtigen Pferde zu setzen:
Alle neuen Kommunikations-Phänomene haben sich früher oder später ja weltweit durchgesetzt: Zum Beispiel MTV, Handy, SMS, E-Mail, Chat, Online-Shopping oder Music-Download. Sie müssen also nur ganz genau dahin schauen, wo neue Technologien ihren Durchbruch schaffen. Und wenn ein Trend erkannt ist, muss es schnell gehen mit der Umsetzung.
Skeptisch ist Samwer zurecht, was die Erfolgsaussichten für nicht sonderlich innovative Communities für Splittergruppen wie "Hunde, Bundeswehrler oder Jura-Studenten" betrifft. Ich halte mich bekanntermaßen auf diesem Blog absichtlich zurück, die eigenen eLAB Ventures PR-artig zu preisen, denke aber dass zwei Beispiele das Problem für sich in einen Vorteil verwandeln konnten: Groops hat sich als "Enabler" für Gruppen jeder Art aufgestellt, während Autoplenum bereits zum Launch einen Grundnutzen aus einem riesigen Unterbau an Datenklassen wie Autokatalog und Werkstättenverzeichnis mitbrachte, der mit sich aufbauendem Community-Momentum nur noch besser wird.
Als "The next big Thing" setzen die Samwers auf
MMOGs – Massive Multiplayer Online Games, wie unsere Beteiligung e-sport für die 20- bis 30-Jährigen, Habbo-Hotel für die Jüngeren oder World of Warcraft für die Älteren. Zuhause am Computer sitzen und weltweit mit Freunden spielen – das ist ganz klar die Zukunft.
Da ist was dran, vor allem weil ein übergeordneter Trend durchscheint. Wie wird das Internet aussehen, welches wir in 10 Jahren nutzen werden? Sicherlich wird es eine wesentlich reichere Nutzungserfahrung als heute bieten. Auch wenn z.B. Second Life abwechselnd gehypt und als Rohkrepierer verspottet wird, so gibt einem solchen Metaverse einen möglichen Anhaltspunkt: Das Netz ist sozial und dank Moore’s Law in weiten Teilen 3-dimensional. Mit der entsprechenden Interoperabilität zwischen diesen bisher noch separaten Silos (=verschiedenen MMOGs) und der Portierbarkeit von Avataren werden die trennscharfen Ränder zu dem, was wir heute als Internet verstehen, aufgeweicht.
Etwas skeptisch bin ich über Samwers metaphorischen Anspruch, alle investierten Ventures zu einem erfolgreichen Unternehmen zu bringen: "Wir wollen, dass aus allen 20 Eiern, die wir bebrüten, ein Küken schlüpft und sich jedes Küken zu einem prachtvollen Vogel entwickelt." Das wollen zunächst mal alle Investoren und VCs, rückblickend schlägt halt leider doch die Portfoliotheorie in die Praxis durch. Wie erst vor ein paar Tagen auf diesem Blog geschrieben, scheitert die Mehrzahl von Technologien. Wie zweifellos smart die Samwers auch sein mögen, wie analytisch in der Auswahl wie tatkräftig in der Unterstützung, am Ende gehen immer ein paar Firmen über die Wupper. Solange man jedoch ein paar goldene Eier in Nest liegen hat, um im Bild zu bleiben, so kommt am Ende in der Gesamtschau doch eine prächtige Vogelschar dabei heraus.
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