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Social Communities: Vier philosophische Ansätze





30. August 2008 | Sascha Schmidt

Im Rahmen der diesjährigen Games Convention in Leipzig erhielt ich durch einen Vortrag von Prof. Gunther Rehfeld den Tipp, einmal bei Nietzsche nachzuschlagen – und siehe da, schon 1878 verfasste Friedrich Nietzsche in „Menschliches, Allzumenschliches – Ein Buch für freie Geister“ die Urprinzipien des neudeutschen Community-Buildings. Abschnitt 98 des ersten Bandes ist überschrieben mit „Lust und socialer Instinct“. Was lässt sich lernen:

  1. Beziehungen zu anderen Menschen machen „Lust“ und zwar mehr, als wenn man alleine unterwegs wäre. – Das ist nicht neu. Jede Community lebt davon, u.a. dem Mitglied zu zeigen, dass andere Mitglieder online sind. Je größer die Masse umso attraktiver das Mitmachen.
  2. Gemeinsames „Lustempfinden“ macht den Menschen „besser“, d.h. durch die Gemeinschaft löst sich Misstrauen gegenüber dem Anderen. -  Als ob Nietzsche den mancherorts vorhandenen Seelenstriptee vorausgeahnt hätte. Wo die Lust am Kennenlernen von neuen Freunden und Wiederfinden alter Bekanntschaften  „regiert“, da hat Nachdenken über Datenschutz etc. kein Platz im Kopf der Nutzer.
  3. Das gleichzeitige Erleben und Äußern der Lust vermitteln ein Gefühl der Gemeinschaft.  -Mein Profil bei xy bedeutet, ich bin dabei (Wie oft als Karteileiche und wie oft aktiv ist eine andere Frage.). Wer die Kommunikation innerhalb von StudiVZ und Co nicht nutzt, ist auch in der realen Welt gefährdet, bei z.B. Partys ausgeschlossen zu sein.
  4. „Unlust“ wird gemeinsam abgewehrt. Aua, denn sobald versucht wird, die Mitglieder einer Community zu kommerzialisieren entsteht bei denen „Unlust“. Ob AGB-Änderungen, Targeting oder sonstige Versuche – alle stoßen auf Skepsis bei den Nutzern. Wirtschaftlich blöd, aber philosophisch gesehen klar: Das bringt mir keinen Spaß!

Warum kaufen Medienhäuser Communities und schaffen es kaum, eigene aufzubauen? Ich erlebe oft bei Community-Projekten, dass sofort und fast nur an wirtschaftliche Aspekte gedacht wird – absolut legitim, aber „unlustig“ für das gewollte Mitglied. Communities leben durch ihre Macher und zwar nicht weil man das Projekt jetzt mal bekommen hat, sondern weil man mit Herzblut an das Thema und die Gemeinschaft glaubt – Spass an der Freude hat … Fazit von Nietzsche: „Und so wächst der sociale Instinct aus der Lust heraus.“


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3 Kommentare »
30. August 2008 - 11:10, abgelegt in Kategorie: Analyse, Communities, Deutschland, Events, People, Region, Social Networks

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3 Reaktionen zu “Social Communities: Vier philosophische Ansätze”
  1. whiteshark2 Am 31. August 2008 um 03:09 Uhr

    Und wenn der Author noch richtig geschrieben hätte, dann….

  2. whiteshark2 Am 31. August 2008 um 03:11 Uhr

    Und wenn der Author noch NIETZSCHE richtig geschrieben hätte, dann….

  3. Sascha Schmidt Am 31. August 2008 um 12:36 Uhr

    Danke an “whiteshark2″ für den Hinweis – das “e” hatte die Tastatur verschluckt. Ist jetzt geändert …

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