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Späte Einsicht: Jack Wolfskin lenkt ein





24. October 2009 | René Seifert

Also doch. Jack Wolfskin fährt die Krallen ein und verzichtet darauf, die Abmahngebühren durchzusetzen. Das klang kurz vorher noch ganz anders. Üblicherweise halte ich es für äußerst schlechten Stil in einer Situation des Einlenkens noch mal nachzutreten. In diesem speziellen Fall sei aber die Bemerkung gestattet, dass das Unternehmen nicht aus selbstbestimmter Einsicht zu dieser Erkenntnis gelangt ist, sondern weil die öffentliche Meinung langfristigen Schaden für die Marke anzurichten drohte. Nur ein paar Tage vorher, als die Welle der Empörung schon auf Jack Wolfskin einprasselte, aber noch nicht an der Schmerzgrenze angelangt war, hatte man noch so eine breitbeinige “Augen zu und durch”-Testosteron-Ansage von Stapel gelassen.

Plötzlich nun der Sinneswandel, als es gar nicht mehr anders ging. Man kann eigentlich nur den Kopf schütteln, warum es einmal mehr so kommen musste. Am Ende starren großmäulige Manager bei der Pressekonfererenz wie die Schulbuben auf ihr Mineralwasserglas und erklären kleinlaut, dass sie gelernt hätten und künftig besser auf ihre Kunden hören wollen.

Ich frage mich nur, wie oft so eine Nummer noch passieren muss, wo das Management einer Firma den ganzen Eskalationszyklus durchläuft, am Ende klein beigeben muss und zwangsläufig von einem Imageschaden gerupft dabei heraus kommt. Keiner kann einem Management die Entscheidung und die damit einhergehende Verantwortung abnehmen, aus eigener Erfahrung kann es aber passieren, dass man sich von schlechten Juristen falsch beraten lässt.

Ein guter Jurist ist mehr ein Situationsgestalter als ein Paragraphenreiter, jemand der eine Lage im Hinblick auf ihre inhaltliche und menschliche Gemengenlage durchdringt und daraus eine rechtlich saubere Vorgehsweise formen kann. Manchmal wird ein guter Jurist – auch wenn man im Recht ist – dazu raten, den Ball flach zu halten. Ein schlechter Jurist kann im Examen Bestnoten abgestaubt haben, lässt er jedoch in einer Art Semi-Autismus jegliche Streetsmartness vermissen, kommen eben dämliche Strategien dabei heraus.

Freilich alles Spekulation in diesem speziellen Fall. Man kann sich nur wünschen, dass Manager und Rechtsanwälte endlich die Zeichen der Zeit erkennen, dass die Spatzen, auf die mit Kanonen geschossen werden, in der Zwischenzeit eine laute Lobby im Netz bekommen haben. Und dass der Schuss dann gewaltig nach hinten los geht.


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2 Kommentare »
24. October 2009 - 19:34, abgelegt in Kategorie: Best Practices, Communication, Deutschland, Region

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2 Reaktionen zu “Späte Einsicht: Jack Wolfskin lenkt ein”
  1. Stefan Am 25. October 2009 um 12:08 Uhr

    Ja, solche Aktionen können sich (große) Markeninhaber einfach nicht mehr leisten in dieser Zeit der neuen Medien.

    Berechtigte Abmahnungen sind ja auch richtig, aber bei ein paar selbstgemachten Klamotten mit einer Tatze drauf, ist das wohl mehr als übertrieben.

  2. supergrobi Am 27. October 2009 um 10:09 Uhr

    Jack Wolfskin mahnt doch schon seit Mai ab, nur wurde das bisher nicht öffentlich, da haben schon Unzählige bezahlt.

    Diverse Foren, T-Shirt Shops mit Tatzenlogos usw., sogar ganze Internetseiten die eine Tatze als Logo hatten, wenn auch vom Bär, mussten aufgeben und zudem viel Geld locker machen. Das wird auch weiterhin so bleiben.

    Die 10 zurückgenommenen Abmahnungen sind einen Dreck wert und nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, man muss nur bis zum Weihnachtsgeschenk ein wenig einlenken, dann gehts munter weiter. Es erfolgte keinerlei Entschuldigung für die Umständen, von Einsicht kann da keine Rede sein.

    Jack Wolfskin ist out und hat einen massiven Imageschaden erlitten – aber das haben sie sich auch verdient.

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