contentTop

Spock: Erste brauchbare People-Search





21. June 2007 | René Seifert
Vor zwei Monaten auf der Web 2.0 Expo in San Francisco wurde schon mal eine Vorschau gezeigt, jetzt drängelt sich Spock im Private Beta so langsam in die Öffentlichkeit. Spock ist eine "People Search" und aus meiner Sicht das mit Abstand Beste, was dazu bisher entwickelt worden ist. Zugegebenermaßen in das zu lösende Problem nicht nur nicht trivial, es ist geradezu eine Hammer-Herausforderung: Was macht man, wenn jemand "James Smith" heißt es uns es von diesem ein paar Tausend gibt? Informatisch ausgedrückt: Wie schafft man es, den gerade gemeinten James Smith als Datenobjekt eineindeutig zu definieren und diesem Primärschlüssel alle anderen dazu gehörigen Informationen richtig zuzuweisen? Rein algorithmisch über das Spidern des Internet bleibt es eine unlösbare Aufgabe. Daher bedarf es zusätzlich der Mithilfe der Community und von James Smith, DEM James Smith, ohne ihm deswegen die Möglichkeit zu geben die "Suchtreffer" nach Belieben zu manipulieren. Schließlich handelt es sich um eine Suche mit dem Anspruch unabhängiger Ergebnisse und nicht um ein selbst gestaltetes Profil auf LinkedIn. Auch wenn man nicht gänzlich bei der Lösung auf dieses verzichten kann. Alles in allem ein schmaler Grat zwischen verschiedenen konfligierenden Zielen.

Grundsätzlich sei gesagt, dass dieses Problem mit dem heutigen Stand der Internet-Topologie nicht zu 100 Prozent korrekt lösbar ist, man sich somit immer im probalistischen Raum bewegt und mit gewissen Unschäften leben wird. Man muss aber anerkennen, dass sich das hochkarätige Gründerteam intensiv den Schädel darüber zerbrochen hat, das Problem so gut es eben geht in Angriff zu nehmen. Das sind die wesentlichen Ansätze bei Spock:

  • Spock spidert zunächst die öffentlich zugänglichen Informationen bei LinkedIn, Friendster und MySpace und baut sich dadurch einen ersten Datenstamm auf. Zum Namen werden die algorithmisch als wesentlich erkannten Schlagworte im Form von Tags angebaut.
  • Für Promis von George W. Bush bis Bruce Lee bedient man sich zusätzlicher Quellen wie Wikipedia. Bekannte Persönlichkeiten im Dienst mit abzubilden ist ein Muss, gleichzeitig vergleichsweise einfach.
  • Interessant wird es, wenn man sich nun bei dem Dienst anmeldet. Man wird gleich darum gebetene, seine Zugangsdaten zu einem der Dienste (siehe Grafik) einzugeben. Im nächsten Schritt auch zu weiteren Diensten wie MySpace und Friendster. So stellt Spock zum ersten mal die Identität zwischen diesen bisher voneinander losgelösten Profilen her und kommt der eindeutigen Definition des Primärschlüssels "Person" ein gutes Stück näher.
  • spock_step2

  • Anschließend sieht man zu seinem "Primärschlüssel" (ich vermeide absichtlich das Wort Profil) noch ein paar Daten, die der Spider nach dem Log-In bei diesen anderen Diensten herausgeparst und der Person zugeordnet hat.
  • An dieser Stelle setzt die soziale Komponente des Dienstes ein: Man kann auf die maschinell erstellten Tags zur eigenen Person abtimmen, ebenso wie man auch auf Tags zu anderen Personen abstimmen kann, um so die Relevanz dieser Attribute zu erhöhen oder zu reduzieren.
  • Ebenso setzt Spock zur eindeutigen Identifikation von Personen auf Beziehungen. Das hat man von reinrassigen Social Networks gelernt: Eine Person ist im Hinblick auf Reputation das Mileuprodukt ihrer Kontakte. Wie man bei dem Screenshot oben sieht, werden bei Eingabe der Zugangsdaten von z.B. LinkedIn die existierenden Beziehungen der sich einloggenden Person abgebildet. Wertvolle Informationen für die spätere Güte der Suchtreffer. Dazu kann man Beziehungen zu Personen auch direkt auf Spock herstellen und zwar "x is your y" mit x als Person und y als wiederum Tag, der die Art der Beziehung z.B. "Geschäftspartner" beschreibt.
  • Man muss sich vor allem Dingen von dem Gedanken lösen, man hätte beim Mitmachen auf Spock ein herkömmliches Profil, welches man nach Belieben kontrollieren und editieren kann. Hat man z.B. seine Webseite der eigenen Person zugewiesen, dann bekommt man die auch nicht mehr weg. An dieser Stelle ist die Community gefordert, durch abstimmen zu entscheiden, ob diese Information für die eigene Person wirklich relevant ist.
  • Um einem Missbrauch-Szenario zu begegnen, kann man aber zur eigenen Person festlegen, dass kein anderer irgendwelchen obszönen Tags hinzufügen kann. An dieser Stelle kommt der o.g. schmale Grat ans Licht, bei dem man einerseits eine "objektive" Datensammlung aggregieren möchte, andererseite niemanden ins Messer laufen lassen will, wenn ein künftiger Arbeitgeber sich der Suche bedient.

Spock hat ein hoch komplexes Thema angegangen, wo die eigentliche Kunst in klugen Algorithmen unter der Haube und in einer Usability der kurzen Wege für die die beitragenden Community besteht. Damit am Ende z.B. für Michael Jackson folgendes Suchergebnis dabei herauskommt:

spock_search_results

Wie erwartet bekommt man eine ganze Reihe von Michael Jacksons, klickt man nur auf den "King of Pop", so kommt so eine Trefferseite zum Vorschein.

spock_search_results_ms


Artikelinformation

Artikel-Feed,   Kommentar-Feed,
7 Kommentare »
21. June 2007 - 08:29, abgelegt in Kategorie: Best Practices, Communities, People, Social Networks, Start-Up Radar, Suche, Web 2.0

Trackback URL für diesen Artikel:

http://www.holtzbrinck-elab.de/blog/spock-erste-brauchbare-people-search/trackba
ck/


7 Reaktionen zu “Spock: Erste brauchbare People-Search”
  1. Andreas Am 23. June 2007 um 20:00 Uhr

    Nachdem ich mich auch bei Spock registrieren und den Dienst ausprobieren durfte, kann ich nur bestätigen was René dazu verfasst hat. Jedoch ist mir die wichtigste Funktion nicht genugt gewürdigt worden, weshalb ich sie im Folgenden noch einmal beleuchten möchte. Um einen Einstieg zu finden, werde ich kurz die Tag-Funktion ihrem Sinn nach etwas genauer beschreiben.   Die Tags stellen bei Spock den Charakter eines Users dar. So kann der Charakter eines Users vom User selbst oder von jedem beliebigen anderem User beschrieben werden. Wird eine Charaktereigenschaft von mehr als einem User zur Beschreibung verwendet, so muss diese nicht doppelt hinzugefügt werden. Ein User kann stattdessen einem bereits vorhandenen Tag zustimmen. Je mehr User hierbei für eine Charaktereigenschaft „wählen“, umso relevanter muss dieses Tag also für den zu beschreibenden Charakter des Users sein. Dies wird durch eine entsprechende Schriftgröße ausgedrückt, wobei die zunehmende Größe eines Tags mit seiner zunehmenden Relevanz gleichzusetzen ist.   Auf den ersten Blick scheint diese Funktion sich nicht von einer herkömmlichen Tag-Funktion, wie sie z.B. XING besitzt, zu unterscheiden. Mit der Methode des scharfen Hinsehens fällt das Verb „wählen“ auf. Die Möglichkeit für eine Tag zu „wählen“ unterscheidet Spock grundsätzlich. Meiner Meinung nach, manifestiert sich hier eine Invention, die sicher schon bald von anderen aufgegriffen und in eine Innovation in anderen Diensten verwandelt wird. Spock lässt es aber nicht nur bei der Invention, sondern schafft es die sich dadurch bietenden Möglichkeiten des Wählens klug zu nutzen.   Der User selbst, sowie jeder beliebige andere User kann nun für ein Tag wählen. Für ein Tag kann dabei mit wahr oder falsch gewählt werden. Über ein Tag lässt sich also auch erfahren, wie sich die Mehrheit der Wähler bei der Beurteilung des Charakterzugs entschieden hat. Entscheidend ist hierbei, dass es sich um eine öffentliche Wahl handelt. Somit erhält man einen Überlick, wer für ein Tag gewählt hat. Dies ist nun ausschlaggebend, ob der Wahl vertraut werden kann oder nicht.   Ein Beispiel: User Kirk  hält sich für den Captain der Enterprise, weshalb er sich mit „Captain“ und „Crew Enterprise“ taggt. Es werden nun zwei Szenarien betrachtet: Die User Spock und Uhura stimmen diesem Tag zu. Die Wahl ist öffentlich und die Profile der User für jeden zugänglich. Beide User haben sich selbst mit „Crew Enterprise“ getaggt. Es ist zu vermuten, dass es sich bei den Usern um Wähler handelt, deren Aussage das Profil des Users Kirk mit dem Tag „Captain“ glaubhafter machen. Die User Alf und E.T. stimmen dem Tag zu. Beide verfügen über keinen Tag „Crew Enterprise“, sondern über das Tag „Geschlechtlos“. Die Glaubhaftigkeit hier als User das Profil des Capitain Kirk der Enterprise ausgewählt zu haben sinkt sofort. Anhand dieses Beispiels stellt sich die Frage, wie viele Leute wohl unter dieser Funktion in einem Dienst wie XING entlarvt werden würden. Es käme hier für XING eine echte wertschaffende Funktion hinzu, die in einem natürlichen Prozess durch andere User, vorhandene Profile nach dem Kriterium „wahr/falsch“ filtert. So könnte der Inventor und auch Innovator Spock sehr schnell mit „Spock Business“ einen in den Funktionen überlegenen Gegner für XING darstellen.         

  2. Andreas Am 24. June 2007 um 16:00 Uhr

    voll doof. alle bilder und die ganze formatierung futsch. :-(

  3. Kasi-Blog » Blog Archive » Someone wants an invitation to Spock? Am 28. June 2007 um 23:31 Uhr

    [...] Update: For other reviews see Webware, Profy, SittingXlegged, elab, Tim O’Reilly and Maol. [...]

  4. not yet found » Blog Archive » Spockeln als neues Wort? Am 24. July 2007 um 21:31 Uhr

    [...] Weiter Informationen gibt es beim Holtzbrinck Elab Blog und bei Kasi. [...]

  5. Peter Yasni Am 21. August 2007 um 21:57 Uhr

    Hallo,
    für die Interessierten am Thema: Etwas ähnliches (natürlich ein bisschen anders) kommt demnächst auch in Deutschland: http://www.yasni.de
    Peter

  6. Peekyou: Neue People Search - eLAB-Blog Am 31. August 2007 um 10:19 Uhr

    [...] zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seiteeinrichten. [...]

  7. Steffen Am 17. October 2007 um 10:42 Uhr

    Die erste Deutsche Personensuchmaschine – yasni.de – ist nun seit 15.10. für ca. 1000 Betattester verfügbar und wird bereits fleißig getestet. Der öffentliche Launch ist für ca. November geplant.

Einen Kommentar schreiben

 

RSS: FEED ABONNIEREN

ARCHIV