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Und wieder mal Facebook: Mark Zuckerberg





25. July 2007 | René Seifert

Mark Zuckerberg, Gründer und CEO von Facebook, gibt aus Prinzip selten Interviews, weil er sie für Zeitverschwendung hält und sich stattdessen auf seine Mission konzentiert: Facebook noch besser zu machen. Daher lohnt es um so mehr, eine der wenigen Ausnahmen von dieser Regel nachzulesen. So geschehen letzte Woche im Gespräch mit dem Time-Magazine.

Was der 23-Jährige da zu sagen hat, ist im Nachhinein die schlüssige Erklärung, warum Facebook quantitativ raketenartig abgeht und gleichzeitig qualitativ von Brachenkennern in den höchsten Olymp gelobt wird.

  • Im Gegensatz zu anderen Communities oder Social Networks geht es bei Facebook darum, real existierende Beziehungen abzubilden anstatt online massenhaft Kontakte aufzuhäufen ("People Whores"). Diese fundamental andere Philosophie führt zu einem völlig anderen Resultat: Das abgebildete Personennetzwerk in einem Userprofil ist echt und relevant. Zuckerberg spricht von Facebook daher bewusst vom "Social Graph", der über das "Social Utility" (=Facebook) kartographiert wird.
  • Facebook ist von Anbeginn enorm sauber, aber im Hinblick auf Nutzer-Freiheitsgrade rigide aufgesetzt worden. Das zahlt sich jetzt über einen hohen Operationalisierungsgrad der Daten aus, ebenso wie für den eng gesteckten Rahmen in dem sich anfänglich neue Mitglieder der Plattform anschließen durften. Im Gesamtpaket der gegenteilige Ansatz von MySpace.
  • Die Tatsache, dass die vier Gründer in Harvard studierten und diese Eliteuni als Keimzelle zum Aufbau des kritischen Momentums genutzt haben, sich anfangs bei der zugelassenen Datenstruktur rein auf Unis und Colleges konzentrierten, wohin der Funke auch rasch übersprang, brachte eine hoch gebildetete, internetaffine und disziplinierte Kern-Userschaft zusammen. Sicherlich kein Zufall, wie der aktuelle "The Economist" schreibt, wenn man sich Zuckerbergs Lebenslauf ansieht: Er hat zwischenzeitlich an der Philips Exeter Academy Latein, Altgriechisch und Fechten gelernt. Ergebnis, wie eine Studie über soziale Mileus neulich ungewöhnlich schroff formulierte: Facebook sei für Studenten, MySpace für Proleten.
  • Das Mitgliederwachstum bis dahin stand so unter dem Vorzeichen einer bewussten Verknappung, wo sich erst nur Studenten und dann Mitarbeiter von ein paar ausgewählten Firmen anmelden durften. Als man dann die Plattform für jedermann öffnete, wollte jedermann unbedingt dabei sein. Resultat: Facebook wächst derzeit drei mal schneller als MySpace.
  • Die Plattform "f8" ist ein konsequenter Schritt gewesen, die hohe Strukturdisziplin des Dienstes über entsprechende Schnittstellen auch Dritten zur Verfügung zu stellen. Dieser Plattformgedanke ist nicht ganz neu: Das CRM-System "Salesforce" war im B2B-Bereich einer der Pioniere, APIs anzubieten, aktiv ein Eco-System zu säen und gleich einen Marktplatz für im Eco-System entstandene Applikationen dranzuhängen. Allerdings ist Facebook der Erste unter megaerfolgreichen B2C-Plattformen. Vor allem weil die eingebetteten Applikationen Dritter Werbung enthalten dürfen, deren Erlöse erstaunlicherweise zu hundert Prozent dem Urheber der Widgets gehören.

Alle Welt fragt sich, wie es weiter gehen wird mit Facebook und dem Wunderkind Zuckerberg, der stellenweise mit Apple-Gründer Steve Jobs verglichen wird. Vor allem, nachdem er im September 2006 ein Übernahmeangebot von Yahoo! über knapp eine Milliarde US-Dollar abgeleht hat und die Firma seit dem sicherlich noch mal deutlich an Wert zugelegt hat. Spekulationen über einen Börsengang weist der Chef der inzwischen 250-Mann starken Truppe gelangweilt als Ablenkung von der gesetzten Mission zurück. Und die, so Zuckerberg, lautet: "We’re just focused on building things."


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25. July 2007 - 20:49, abgelegt in Kategorie: People, Social Networks, Web 2.0

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8 Reaktionen zu “Und wieder mal Facebook: Mark Zuckerberg”
  1. Dorin Popa Am 26. July 2007 um 09:22 Uhr

    Das „Economist“-Zitat ist leider etwas verkürzt wiedergegeben. Statt von Proleten ist da von „blue-collar kids, ‘art fags’, ‘goths’ and ‘gangstas’.“ die Rede, also eher Arbeiterkinder und Szenetypen.

  2. Alexander Braun Am 26. July 2007 um 10:46 Uhr

    @Dorin: die vom Economist zitierte Studie über die soziodemographischen Unterschiede von Facebook und MySpace ist von Danah Boyd veröffentlicht worden, falls dir auch das Zitat im Economist zu verkürzt erscheint. M.E. formuliert sie allerdings nur das, was ohnehin keine große Überraschung ist: eine Community, die ausschließlich Studenten zugängig war ist stärker von Studenten/Akademikern bevölkert, eine andere initial vor allem auf Bands zielende Community eher von "Goths" etc. - doh! Schon überraschend, für wieviel Media-Coverage solche bahnbrechenden Erkenntnisse gesorgt haben…

  3. Facebook-Berichterstattungen in Deutschland nehmen Fahrt auf « PHvB - Wirtschaft im weitesten Sinne Am 26. July 2007 um 11:34 Uhr

    [...] 26. Juli 2007 In den letzten Tagen nehmen die Berichte über Facebook, das als Vorbild für StudiVZ diente, merklich zu. Neben der Ankündigung einer deutschsprachigen Version noch in diesem Jahr und einer Anklage wegen Diebstahl geistigen Eigentums durch Konkurrent ConnectU nehmen durch die Neubesetzung der Führungsriege die Spekulationen über einen Verkauf oder einen Börsengang des Unternehmens zu, die CEO Mark Zuckerberg aber noch dementiert. Verfasst von pherwarth Abgelegt in Unternehmen, Links [...]

  4. René Seifert Am 26. July 2007 um 13:44 Uhr

    @Alexander: Großer Dank für die Unterstützung bei der Quellenangabe. Ich war mir sicher, dass ich diese schroffe Formulierung neulich in einem deutschen Online-Medium mit Bezug auf Danah Boyd gelesen hatte. Glaube zu 90 % dass es bei spiegel.de war, die Quelle ließ sich aber trotz rumgoogeln beim besten Willen nicht mehr ausfindig machen. Hab mich dann entschlossen sie trotzdem zu nennen. Dorin hat freilich recht, dass der Verweis auf den Economist-Artikel als Zitat zu kurz springt. Aber gemeinsam hätten wir’s doch dann mal wieder glattgezogen : -)

  5. Handelskraft Am 26. July 2007 um 13:49 Uhr

    Over the Top - Facebook…

    Warum gibt Markus Zuckerberg, Gründer von Facebook, eigentlich nie Interviews? Weil er die Website lieber ständig verbessert. Nachdem sich Facebook technisch öffnete, Handelskraft berichtete hier, ist absehbar, dass sich Nutzenangebot un…

  6. Dies und das von Facebook: Finanzierungsrunde? - eLAB-Blog Am 12. September 2007 um 20:20 Uhr

    [...] Facebook will seine Kriegskasse für Firmenakquisitionen füllen. Das wäre ein ziemlicher Hammer, weil Facebook bisher gebetsmühlenartig wiederholt hat: "We are just focused on building things." Bisher hat das Unternehmen nur einmal akquisitorisch zugelangt, nämlich bei Parakey. [...]

  7. Ulrich Bartholmös Am 25. September 2007 um 09:39 Uhr

    [...] Nachdem YouTube für mehr als 1,6 Milliarden Dollar über den Tisch ging, wäre natürlich auch ein solcher Deal wieder ein echter Anschub für die Entwicklung im sogenannten “Web2.0″, aber ob dieser tatsächlich zu Stande kommt, bleibt noch fraglich. Schließlich ist der Gründer Mark Zuckerberg dafür bekannt, auch große Angebote aus Spaß an der Freude einfach auszuschlagen. In einem der ganz wenigen Interviews, das er im Juli dem Time Magazine gab, betonte Zuckerberg immer wieder, wie wichtig der Fokus auf das Daily Business bei einer solchen Unternehmung ist. Von daher kann man leicht ins Zweifeln kommen, ob er überhaupt an einer Kooperation mit Microsoft interessiert ist, zumal er durch die gigantische Nutzerschaft von allen Seiten den Rücken gestärkt bekommt und ggf. durch ein Mitspracherecht von Microsoft nur ins Straucheln geraten würde. Tags: Facebook» microsoft» youtube» zuckerberg» [...]

  8. Online-Leben » Telekom / T-Online-Leistungen - T-Online streicht die ISDN- und Analog-F… Am 12. March 2008 um 16:01 Uhr

    [...] Geld zu verdienen - man kommt einfach nicht hinein. Inzwischen liegt mir ein Tröst-Schreiben der Telekom AG vor, indem es heisst, Schuld seien natürlich die anderen, vor allem die [...]

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