Zum ausklingenden Sommerloch 2009 mal etwas abseits von unseren sonstigen Unternehmer- und Internetthemen. Bin neulich über diese sehr guten Artikel im Economist gestolpert “Still crazy after all these years“, der sich mit dem Wesen oder besser gesagt Unwesen von Verschwörungstheorien beschäftigt.
Im konkreten Fall geht’s im echt lesenswerten Artikel darum, dass sich die politischen Gegnern in den USA keiner haarsträubenden Behauptung zu schade sind, die Politik von Präsident Obama zu diskreditieren. Nichts gegen eine ordentlichen inhaltliche Auseinandersetzung, in der auch mal die eine oder andere polemische Zuspitzung erlaubt sein muss, sondern absurde, an den Haaren herbei gezogene, völlig haltlose Behauptungen. Noch dazu solche, die nicht eine drastische Meinung zum Ausdruck bringen, sondern den ernsthaften Anspruch erheben, endlich überfällige Fakten auf den Tisch zu legen.
Beispiel: Obama sei nicht in den USA geboren, er sei der in der Bibel angekündigte Anti-Christus, AIDS sei eine Laborerfindung um Schwarze zu dezimieren oder auch der immer wieder gern genommene Klassiker, die Bush-Regierung habe den 11. September mit Hilfe des CIA selbst inszeniert, damit die Cheney-Clique sich mit steigenden Ölpreisen die Taschen vollmacht. Ah, und dann hatten wir noch die Mondlandung, die in einem heimlichen Hollywood-Studio stattgefunden haben soll.
Ich hatte gerade zur “Theorie 11. September” auch schon “Diskussionen”, die man eigentlich gar nicht als solche bezeichnen darf, weil man vor vorne herein auf einem asymmetrischen Spielfeld unterwegs ist. Auf der einen Seite bemüht sich jemand, die Komplexität von intersubjektiv nachprüfbaren Tatsachen in ein Gesamtbild zusammenzuführen, welches freilich auch aus argumentativen Spannungen und vielleicht auch der einen oder anderen Widersprüchlichkeit geprägt ist. Auf der anderen Seite steht jemand, der mit süffisantem Lächeln von sich behauptet, er sehe durch all dies hindurch und das was einem “durch die Medien” vermittelt wird, sei Teil eines inszenierten Spiels höherer Mächte, denn in Wirklichkeit verhalte es sich ganz anders.
Dieses “ganz anders” besteht aus einer Aneinanderreihung echter Tatsachen (das ist die Tücke des Ganzen), vermischt mit Halbwahrheiten, Vermutungen sowie dem beliebten Rückgriff auf pseudoreligiöse apokalyptische Vorhersagen. Vor allem aber: Es klingt als G’schichterl immer sehr gut, überzeugend und klar. Da fällt mir der alte Taleb von “Black Swan” und so ein, der richtigerweise feststellt, wir Menschen hätten eine Affinität zu Erzählungen. Was im Kinderbett mit “Schneewittchen und den 7 Zwergen” anfängt und mit “Die Hard 1 bis 99″ aufhört, berührt zunächst die ästhetische Einzigartigkeit des menschlichen Geistes. In seiner Perversion – und genau das machen sich Verschwörungstheoretiker geschickt zu nutze – “glaubt” man diesem Dreck, weil er aus Basis einer existierenden Haltung wie “Ich finde Bush Scheiße” das Bedürfnis nach einer guten Story erfüllt. Allerdings bricht an dieser Stelle die Demarkationslinie von Fakten und Fiktion endgültig in sich zusammen.
Schlimmer noch: Versucht man die “Argumente” des Verschwörungstheoretikers durch Fakten zu widerlegen, zieht er regelmäßig den Schäbigsten seiner Trümpfe: Lehnt sich entspannt zurück, grinst noch süffisanter und behauptet in selbstreferenzieller Weise, dass ja gerade diese “Fakten” Teil der akribisch konstruierten Wirklichkeit der Verschwörer seien und gerade deswegen nur zusätzlich die Richtigkeit der “Theorie” unterstreichen. Außerdem sei er einer der Wenigen, die diese Kulissenschieberei durchschaut. Wer so ein argumentatorisches Perpetuum Mobile aufbaut, darf freilich auch einen allgemein gültigen Beweis für seinen Geistesmüll schuldig bleiben.
Richtig übel wird einem, wenn die Märchenstunde an Eigendynamik gewinnt. Man muss eine falsche Behauptung nur oft genug wiederholen, bis sie für bare Münze gehalten wird, hat Walter Ötsch schon in seinem “Haider light – Handbuch für Demagogen” festgestellt (Gott sei seiner Seele gnädig, der vom “Lebensmenschen“, meine ich ;-). Bei 12,6 Millionen Google-Treffern zu “9 11 Conspiracy” und einem stattlichen Wikipedia-Eintrag baut sich nach und nach eine parallele Wirklichkeit auf, bei der die Wahrheit zur Knetmasse der Beliebigkeit deformiert wird. Wenn der Anspruch auf Wahrheitsfindung zu so einer Gartenzaun-Plauderei à la “morgen scheint die Sonne – vielleicht regnet’s aber auch” verkommt, dann ersetzt der eigene Glaube an die bevorzugte Version das ehrliche Bemühen um die Ergründung des Geschehenen samt seiner wahren Zusammenhänge.
Nachdem jede “Diskussion” mit solchen Leuten zum Scheitern verurteilt sein muss, hilft es meiner Erfahrung nach nur, sich entschieden abzuwenden.
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Du hast die wichtigste aller Verschwörungstheorien vergessen: Die Bielefeld-Verschwörung!
Auf der anderen Seite: Vorratsdatenspeicherung, neues BKA-Gesetz und Internetzensur lassen genügend Raum für Verschwörungstheorien direkt vor unserer Haustür.
Gibt es eigentlich eine Verschwörungstheorie dazu, warum ausgerechnet “1984″ vom Kindle verschwunden ist?
Es gibt Verschwörungstheorien und Verschwörungstheorien
Schauen und genießen Sie
http://www.youtube.com/watch?v=czixmD8HqYo&hl=de
Fakt ist auch das sich Regierungen ebenso Verschwörungstheorien bedienen, wie der des Islamischen Terrors. In der Geschichte wurden schon oft Attentate unter falsche Flagge verübt um Kriege anzetteln zu können. Und das Politiker lügen müssen um dahinzukommen wo sie sind ist allseits bekannt. Also warum sollten Sie bei 9/11 nicht gelogen haben? Nur weil Sie es für unmöglich halten?? Überschätzen Sie sich nicht ;-)
Conspiracy cloud
David Kelly, Oscar Lafontaine, WMD, Putin, Oil, Sharon, Michael Moore, Building 7, Nanothermite, Explosions, disabled air defence, no investigation, …
Eugen Drewermann ist übrigens auch eine objektive und krtische Quelle
Eugen Drewermann – Kundgebung Kirchentag Bremen 2009 – Teil 1-6
Werter Herr Seifert
Normalerweise schätze ich Ihre Beiträge, aber diesmal liegen Sie voll daneben. Ich will die einzelnen “Verschwörungstheorien” gar nicht kommentieren, sondern Sie nur auf eine Reihe von historischen, eindeutig belegten Ereignissen hinweisen:
* Die Regierung Bush respektive der CIA haben “Beweise” fabriziert und die Bevölkerung bewusst belogen, um in den Irak einmarschieren zu können.
* Haben Sie schon mal was von “Operation Northwoods” gehört? Einfach mal Googeln, sehr lesenswert.
* Was sagt Ihnen der Begriff “Lusitania”? Auch hier hilft Google.
* Was wissen Sie über die Struktur der US-Notenbank Fed und ihre Entstehung? Ist Ihnen bewusst, wie heute die Geldschöpfung funktioniert?
Last but not least doch noch eine Anmerkung zu 9/11: Setzen Sie sich mal mit dem dritten WTC-Gebäude auseinander. Nicht nur dem “Einsturz”, sondern zum Beispiel auch der Frage, warum das kaum in den Medien thematisiert wurde, und den Mietern dieses Gebäudes. Stichwort in diesem Zusammenhang: COMEX.
Ein freundlicher Tip: Ignorieren Sie die Verschwörungstheoretiker – 90 Prozent dieser Leute haben in der Tat keine Ahnung, dafür aber eine Menge Meinung. Aber: Nehmen Sie sich die Zeit, lesen Sie, denken Sie nach und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Mainstream-Meinungen einfach so zu glauben, ist mindestens ebenso albern wie jeder Verschwörungstheorie nachzuhängen.
Ich denke, man darf Menschen, die sich dem Mainstream-Glauben nicht so einfach anschließen wollen, nicht alle in den Topf “Verschwörungstheoretiker” werfen.
Denn auch die öffentlich vorherrschende Meinung ist _gemacht_ und nicht primär Resultat objektiver und umfassender Berichterstattung. Das lernt jeder Journalist im 1. Semester – und praktiziert es täglich.
Wenn eine offizielle Linie Fragen aufwirft, ist es nicht nur das Recht, sondern gar die Pflicht eines mündigen Bürgers, diese Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.
Klar gibt es viele, die nur stumpf Parolen a la “9/11 was an inside job” in einer Endlosschleife wiederholen – und außer ihren Parolen nichts zu bieten haben.
Aber es gibt auch einige (wenige), die echte Argumente vorbringen und berechtigte Fragen stellen.
Es sollte die Pflicht eines mündigen Bürgers sein, sich diese Argumente anzuhören und sich über diese Fragen Gedanken zu machen – und sich dann selbst eine Meinung zu bilden.
Diese Gruppe in den negativ besetzten Topf “Verschwörungstheorie” zu werfen und sie zu ignorieren ist wie ein Aufruf zur Gleichschaltung.
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