Visionen und Management ? ein Widerspruch?
24. September 2007 |
Sascha Schmidt
Realitätsnähe und –ferne ist immer wieder der Spagat bei neuen Ideen und Gründungen. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Das sagte Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf 1980 (laut Spiegel 44/2002, S.26). Realpolitik ist in diesem Zusammenhang schnell gefordert …
Doch was ist heute real und morgen schon überholt? Verschließen wir nicht allzu oft die Augen vor den Potenzialen des „Morgens“ aus der Angst heraus, das „Heute“ zu beschädigen (Stichwort: „Lessons from the Future“ – Was sagt uns 2020 schon heute für morgen?)
Gerne werden die Visionen an Persönlichkeiten festgemacht. JFK hatte Träume und Visionen, seine politische Bilanz sieht aber mager aus. Wie viele Gründern träumten einen Traum, hatten eine Idee und gehen damit noch heute „schwanger“, doch umsetzen tun dies andere. Der Klassiker sind Gründerteams, die eine schlechte Idee habe, aber gute Management-Skills – und vice versa.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Management-Skills erlernbar sind. Es geht hier nicht um Talent und Charisma, sondern um „Handwerk“. Sehr anschaulich wird dies im sogenannten „Führungsrad“ von Malik (Management Zentrum St. Gallen)

Das Führungsrad besteht aus Aufgaben und Werkzeugen, dies es als Manager zu beherrschen gilt. Zu den Aufgaben zählen:
- Für Ziele sorgen: D.h. erwartbare Ergebnisse formulieren und einfordern. „Mein“ Pointoo-Projekt bei eLAB durchlief den gesamten Funnel und wurde mit konkreten Zielen versehen.
- Organisation: Ressourcen, Termine etc. müssen geplant und organisiert werden – eine Binsenweisheit und doch oft nicht erfüllt.
- Entscheiden: Der Mut zur Entscheidung fehlt vielen Managern, weil Sie es nicht wollen, können oder dürfen. Ohne Entscheidungen geht es aber nicht voran. Wir haben bei Pointoo viel entschieden – einiges rückwirkend betrachtet falsch und einiges richtig … der Idee/Vision hat es voran geholfen: Werkstattbericht zu Pointoo: Aus Beta wird Version 1.0
- Kontrollieren, Messen, Beurteilen: Ein Hoch auf Google Analytics und schon spricht man über Fakten und nicht Hoffnungen.
- Fördern von Menschen: Die Weiterentwicklung von Mitarbeitern ist und bleibt ein zentrales Erfolgsgeheimnis von Firmen – wunderbar belegt von einem eLab-Praktikanten in Methodische Erfahrung im Brutkasten
Um diese Aufgaben zu meistern, sollten wir Manager, Freelancer und Visionäre einen Grundkasten an Tools beherrschen (Kann man üben und entwickeln!):
- Sitzungen: Nicht lässt sich besser steuern als durch Sitzungen – natürlich zielgerichtet. Ich bin viel unterwegs, um meine Kunden-Projekte zu steuern. Gute Vorbereitung, Moderation und Dokumentation der Ergebnisse ist mehr als die halbe Miete.
- Reports, schriftliche Kommunikation: Was soll ich sagen – selbstverständlich, oder?
- Job Design & Assignment Control: Ja wer macht denn nun was? – Wenn solche Fragen im Projekt auftauchen, dann ist dieses Tool nicht genutzt worden – fahrlässig. Pointoo ist erfolgreich, weil jeder weiß, was und wann er es zu tun hat, oder eben nicht.
- Persönliche Arbeitsmethodik: I did it may way – jeder wie er will, solange die Ziele klar sind – ich wiederhole mich …
- Budget und Budgetierung: Der Klassiker – nicht bei eLab – aber sonst oft erlebt: Wir wollen die Top-Web 2.0-Anwendung, aber es darf nichts kosten und muss gleich Break Even haben. Hallo!- Wiederholt sich da das Jahr 2000?
- Leistungsbewertung: Wichtig für Firmen und ich unterstelle auch eLab, dass ohne Leistung der Projektmanager keine Basis einer Zusammenarbeit da wäre – aller Visionen und Ideen zum Trotz.
- WICHTIG: Systematische Müllabfuhr: Try and Error bedeutet nun einmal, dass Fehler passieren. Nach Erkenntnis gilt es, die Konsequenzen zu tragen und Funktionen etc. aufzugeben, zu verschieben etc. – Prinzip Hoffnung führt hier nicht weiter! Der Mut zum „Verwerfen“ sehe ich noch viel zu wenig …
Wenn diese Aufgaben und Werkzeuge sich paaren mit visionärem Denken und Mut zum Unternehmertum / Selbständigkeit, dann liegt hier die Keimzelle für erfolgreiche Projekt und Produkte. Visionärsarme Realpolitik haben wir genug in Unternehmen und öffentlichen Leben. Die Blase von realitätsfremden Angeboten haben wir alle 2000 live erlebt. Wenn die Theorie der Lernkurve stimmt, dann sind Management und Vision kein Widerspruch sondern ein zündendes „Etwas“.
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