Bin die Tage über einen genialen Artikel aus der Harvard Business Review von Saras D. Sarasvathy gestolpert. In “What makes entrepreneurs entrepreneurial” geht sie dem grundsätzlichen Unterschied zwischen Unternehmern und Managern auf den Grund. Ja gut, ja sicherlich, beide müssen ein Unternehmen am Laufen halten und beide müssen sich an Profitabiltätszielen orientieren. Soweit die Gemeinsamkeiten. Der offensichtliche Unterschied: Dem Unternehmer gehört in der Regel der Laden, während Manager angestellt sind. D’accord. Aber im Wortsinne: Der Unternehmer ist der Gründer, und da wird’s spannend, nämlich wie kam er überhaupt mit der Gründung in Gang.
Von der Methode hat Sarasvathy 30 erfolgreiche Unternehmer je zwei Stunden lang mit einer fiktiven untenehmerischen Idee “laut denken” lassen und fleißig notiert, was dabei in den Hirnen ihrer Probanden vorging. Allesamt Unternehmer, die Firmen von Null auf 200 Millionen bis 6,5 Milliarden Dollar Umsatz hochgezogen haben. Anschließend hat sie versucht, daraus Regelmäßigkeiten bzw. Muster abzuleiten. In den Erkenntnissen spiegelt sich der grundsätzliche Unterschied wieder, wie Unternehmer ticken was sie von Managern und deren Handwerkszeug aus Business Schools unterscheidet. (Den Begriff “Manager” verwendet die Wissenschaftlerin dabei bewusst polarisierend und weist darauf hin, dass ab einem gewissen Zeitpunkt Management-Qualitäten für den Aufbau einer Firma unterlässlich sind.)

Am besten erklärt den Unterschied die Grafik oben. Das klassische Management-Denken orientiert sich an einem vorgegeben Ziel, das es unter dem Aspekt der Risiko-Minimierung bzw. Effizienz-Maximierung zu erreichen gilt (“casual reasoning”). Dabei geht es darum aus verschiedenen Handlungsoptionen die richtige, beste, wirkungsvollste etc. auszuwählen.
In der Ausbaustufe, wenn es über das ausführende zu einem gestaltenden Management hinaus geht, führt ein “Creative Casual Reasoning” im Rahmen eines Strategieprozesses dazu, weitere Handlungsoptionen zur Zielerreichung zu entwickeln.
Davon hebt sich das unternehmerische Denken durch sein “Effectual Reasoning” maßgeblich ab. Anstatt von einem vorgebenen Ziel auszugehen und sich zu fragen, wie man es dort hinkommt, steht am Anfang die Selberkenntnis zu drei Aspekten:
Aus diesen losen Enden beginnt der Unternehmer dann etwas zu entwickeln, was sich im ständigen Wandeln und Werden befindet. Unterwegs erfährt das Projekt ständige Veränderungen, bewahrt gleichzeitig stets einen hinreichend konkreten Rahmen, der ausreichend Mitarbeiter, Partner und Kunden einfängt. Vor allen Dingen unternimmt der Unternehmer dabei erst gar nicht den Versuch, die Zukunft zu prognostizieren und dadurch Unsicherheit abzubauen, sondern hebelt gezielt auf seinem Weg sich ergebende Zufälligkeiten. Ein potenzieller Partner zum Beispiel, den man beiläufig kennenlernt, ist kein Störfall im gut geölten Räderwerk der Effizienz, sondern eine Gelegenheit , das Geschäft vielleicht in eine andere, viel versprechende Richtung zu drehen.
Das Thema mit der Unzulänglichkeit aus der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen, ist momentan durch The Black Swan mit dem gleichnamigen Buch eh recht populär. In Sarasvathys Aufsatz illustriert sie zur Verdeutlichung des unternehmerischen Geistes ein super-anschauliches Beispiel: Gehen wir von einer Urne aus, in der man beim Ziehen einer roten Kugel 50 Dollar gewinnt. In der Urne befinden sich 10 rote und 10 grüne Kugeln. Die Chance auf einen Treffer liegen bei 50 %.
Leider wissen wir im Spiel des Lebens nicht, wie die Zusammensetzung der Kugeln in der Urne aussieht, sowohl was Anzahl als auch deren Farbenwelt angeht. Aber mit etwas Experimentieren können wir mehr darüber erfahren. Indem wir nach klassischer stochastischer Methode zufällig Kugeln ziehen, akribisch deren Farbe notieren, zurück legen, kriegen wir irgendwann ein gutes Gefühl für deren Verteilungsfunktion, so dass sich daraus gewisse prognostische Qualitäten zur Gewinnchance für rote Kugeln ergeben. So weit so gut, wie der “Manager” an die Sache herangehen würde.
Ein Unternehmer, um dem “Effectual Reasoning” Leben einzuhauchen, würde stattdessen versuchen über seine Beziehungen zu Partnern möglichst viele rote Kugeln zu erwerben und die Urne damit förmlich zu überfluten, so dass fast bei jeder Ziehung eine Rote dabei herauskommt. Oder wenn’s vermeintlich blöd läuft, und man nur grüne Kugeln eingesammelt hat, dann ändert man einfach die Regeln und hat ein neues Spiel das heißt: “Ab sofort gibt’s für jede grüne Kugel 50 Dollar.”
Offensichtlich scheint der alte Drucker’sche Spruch, der eigentlich schon einen Bart angesetzt hatte, nichts an Wahrheit verloren zu haben: “The best way to predict the future is to create it.“
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