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Web 2.0 Summit: Nokias Eiertanz mit dem N 8100





18. October 2007 | René Seifert

Ein Märchen aus Absurdistan führt Nokia mit seinem gestern auf dem Kongress neu gelaunchten N 8100 auf (rechts oben im Bild).
Web 2.0-Summit07-095
Nichts gegen diesen kleinen netten Linux Computer, der alles kann außer telefonieren. Nur die Argumentation des "weshalb" ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten und versucht nicht ganz auf den Kopf gefallene Branchenkenner als Volltrottel zu verkaufen.

Wenn man sich mit einem Repräsentanten von Nokia unterhält und die Frage stellt: "Kann man mit dem Ding auch ‘ganz normal’ telefonieren", kommt wahrheitsgemäß die Antwort: "Nein kann man nicht, es ist kein Steckplatz für einen SIM-Karte vorgesehen. Dafür kann man sich per WLAN mit dem Internet vebinden und allerlei Applikationen installieren, unter anderem auch Skype, womit man über VOiP Sprachdienste abwickeln kann." Fein. Und dann wird verräterrisch nachgeschoben: "Übrigens 80 % der Leute fragen das gleiche,; das mit dem Telefonieren".

Fragt man dann zurück, warum man es nicht einfach einbaut, so geht das Gewürge los: Es sei sicherlich für Nokia technisch überhaupt kein Problem die Telefonie vorzusehen, aber man hätte da verschiedene Nutzer in verschiedenen Anwendungsfällen im Auge. Und überhaupt sei das N 8110 eher als Zweitgerät vorgesehen, welches keine Telefonie brauche. Bla, bla, bla. Und bezahlte Schreiblingslobbyisten erblöden sich auch nicht, diesen Scheiß auch noch mit Geek-Talk von "den verschiedenen nicht kompatiblen internationalen GSM-Standards" auzuwalzen.

Hallo? Geht’s eigentlich noch? Bei einem Gerät welches 400 Dollar kostet und der Zusatzchip fürs Telefonieren bestenfalls noch mal 10 oben drauf, können Kosten schon mal kein Argument sein. Vor allem: Wenn 80 Prozent von "Opion Leaders" genau diese Funktion nachfragt, dann kann man sich eigentlich auch sonst sauteure Marktforschung für die Prouktentwicklung sparen. Die Wahrheit bei dem Gerät ist vielmehr ein Frontalangriff auf die Telcos, die bisher fast durchgehend alles dran setzen, VoIP-Anwendungen über ihre Netze zu verhindern. Und dann kommt eben Nokia mit einem voll programmierbaren Computer, mit dem man über die Hintertür via Skype und Co. doch umsonst telefonieren kann. So weit so gut, sogar wirklich sehr gut. Nur was wirklich zum Himmel stinkt ist diese geheuchelte Diplomatie von Nokia anstatt einfach zu sagen: "Wir kommen mit den Telcos aus einer Reihe von Gründen nicht zusammen mit diesem Gerät, wir glauben aber daran dass sich künftig Telefonie anders entwickeln wird und daher gehen wir mit Mut und Zuversicht in diesen Markt". Das wäre korrekt und ehrlich.

So aber wundert man sich über die Mär von "des Kaisers neue Kleider". Anderseits ein schönes Thema über (nicht) authentische Kommunikation für einen Blog wie diesen.


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8 Kommentare »
18. October 2007 - 16:53, abgelegt in Kategorie: Makro-Trends, Mobile

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8 Reaktionen zu “Web 2.0 Summit: Nokias Eiertanz mit dem N 8100”
  1. Peter Giesecke Am 18. October 2007 um 20:28 Uhr

    Diesen Druck hat es tatsächlich einmal gegeben, als die WLAN-Funktion in Handys für ein, zwei Jahre aufgehalten wurde. Dennoch gibt es jetzt Smartphones mit WLAN. Dort lassen sich auch VoIP-Clients aufspielen. Wer mit dem Handy im Hotspot über Skype telefonieren möchte, kann dies bereits tun. Dafür braucht man nicht das Nokia N810.Was würde denn passieren, wenn viele Geschäftskunden ein Nokia Internet Tablet mit UMTS-Zugang kaufen würden? Sie würden weniger Nokia-Handys aus der E- oder N-Serie kaufen. Ich glaube, das ist Nokias Logik. Vielleicht nicht wirklich logisch. Aber Nokia möchte wohl ein Internet Tablet für 500 Euro verkaufen und ein Handy für 500 Euro.Wenn man sich die Geräte von HTC anschaut. Da geht es auch anders.

  2. Martin Am 18. October 2007 um 21:31 Uhr

    So läuft das in Nordeuropa. Das ist das Gleiche in Schweden, Norwegen und Finnland. Direktheit ist dort keine Tugend sondern nur unhöflich. Lieber wird um den heißen Brei herumgeredet und alles in Watte gepackt. Die beliebteste Antwort auf direkte Fragen ist eine Art "jein".

  3. Mattias Am 19. October 2007 um 09:23 Uhr

    Prinzipiell bin ich kein großer Verfechter der Gerätekonvergenz. Ich bevorzuge ein Gerät für jeden Einsatzzweck. Das N800 zum Surfen im Netz (bei Bedarf eine faltbare USB-Tastatur dabei), ein kleines Bluetooth-fähiges Mobiltelefon zum Telefonieren, ein TomTom zum Navigieren und eine "richtige" Digitalkamera. Für Wanderungen und Geocaching habe ich auch noch ein richtiges Garmin.Die Philosophie dahinter ist "make every device do one thing well". Das führt zwar mitunter dazu, dass ich mehr mitnehmen muss als ein Alles-In-Einem-Kommunikator-Dingens, hat aber eben zur Folge, dass ich nicht mit dem N8×0 am Ohr rumlaufen muss. Bewußt Dinge wegzulassen, kann also durchaus Teil einer Philosophie sein. Diese Philosophie hat Nokia aber bereits mit dem N800 verlassen, das mit UKW-Radio und Kamera ausgestattet ist, aber auf den netten Display-Schutz aus Alu (der das 770 so schön alltagstauglich gemacht hat, verzichtet).Wohin der Weg geht, sehen wir beim N810. Das Dingens ist nur eine Vorstufe zu künftigen Communicator-Modellen. Wenn die OSS-Community (teils mit massiver finanzieller Nachhilfe) genügend Businesstaugliche Applikationen entwickelt hat, werden die Communicator Konzept und Technologie der N8×0 übernehmen. N8×0 bleibt dann vielleicht eine Weile als günstiges Einstiegsgerät und Geek-Futter bestehen. Für Leute wie mich, die immer ihre Devices-Sammlung mitschleifen.

  4. Basic Thinking Blog | N 810 ohne SIM-Karte: Mecker? Am 19. October 2007 um 12:14 Uhr

    [...] witzig zu sehen, wie man neue Produkte mit althergebrachten Produktkategorien vergleicht: so beschwert sich “admin” (anzuzeigende Namen kann man in Wordpress-Blog sehr einfach umstellen;) im eLab Blog, dass Hallo? Geht?s eigentlich noch? Bei einem Gerät welches 400 Dollar kostet und der Zusatzchip fürs Telefonieren bestenfalls noch mal 10 oben drauf, können Kosten schon mal kein Argument sein. Vor allem: Wenn 80 Prozent von “Opion Leaders” genau diese Funktion nachfragt, dann kann man sich eigentlich auch sonst sauteure Marktforschung für die Prouktentwicklung sparen. Die Wahrheit bei dem Gerät ist vielmehr ein Frontalangriff auf die Telcos, die bisher fast durchgehend alles dran setzen, VoIP-Anwendungen über ihre Netze zu verhindern. Und dann kommt eben Nokia mit einem voll programmierbaren Computer, mit dem man über die Hintertür via Skype und Co. doch umsonst telefonieren kann. So weit so gut, sogar wirklich sehr gut. Nur was wirklich zum Himmel stinkt ist diese geheuchelte Diplomatie von Nokia anstatt einfach zu sagen: “Wir kommen mit den Telcos aus einer Reihe von Gründen nicht zusammen mit diesem Gerät, wir glauben aber daran dass sich künftig Telefonie anders entwickeln wird und daher gehen wir mit Mut und Zuversicht in diesen Markt”. Das wäre korrekt und ehrlich. [...]

  5. René Seifert Am 19. October 2007 um 13:13 Uhr

    Uups, dank Robert für den Hinweis mit dem Autor. Habe ihn jetzt korrekterweise von "admin" auf meinen Namen gesetzt.

  6. Björn B. Am 8. November 2007 um 16:41 Uhr

    Wo ist das Problem, dass man keine Sim-Karte einsetzen kann? Man kann die Tablets doch recht einfach per Bluetooth ins Netz bringen.

    Und wer aufgepasst hat… Anssi Vanjoki sprach davon, dass das N810 erst Schritt Nr. 3 von 5 ist. Das 770 war noch ein totales Geek-Spielzeug, das N800 und jetzt das N810 nähern sich dem Benutzer stärker an. Ich denke da kann etwas für den Allerweltsbenutzer heranwachsen.

  7. b kaas Am 7. January 2008 um 17:26 Uhr

    hmm… als erstes fällt mir auf, dass ich mit so einem brikett am ohr ziemlich ungern telefonieren möchte… zweitens habe ich durch eben ein handy der e-serie von nokia alle funktionen, um mobil, inkl. w-lan, auf alles zugreifen zu können, was unterwegs nötig ist. dass man unterwegs einen voll ausgewachsene wollmilchsau benötigt halte ich für ein gerücht. worte, wie "absurdistan" und "volltrottel", im jeweiligen zusammenhang, halte ich für theatralisches getöse, da "branchenkenner" sich darüber gar nicht mehr wundern dürften – nebenbei, wieviele verschiedene ladestecker und mini-usb kabel hast du bei dir rumliegen? standard gibt es eben nicht standardmäßig. laß doch diese devices einfach ein neuer zwischenstep sein, der schon gar nicht schlecht ist und lass dich überraschen, was noch so alles kommt. bleib entspannt und hungrig.

  8. Web 2.0 Expo: Neues zur Zukunft von Mobile - eLAB-Blog Am 25. April 2008 um 15:42 Uhr

    [...] Symbiose zwischen Telcos und Handset-Herstellern zementiert, indem halbherzige Geräte wie das Nokia N 8100 gelauncht werden, die zwar mehr nach Internet-Nutzererfahrung riechen, mit denen man aber dafür nicht klassisch [...]

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