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Wie anal ist das Sachbuch bei Amazon.de?





16. April 2009 | René Seifert

Das ist zu gut. Ich könnte Tränen lachen und muss mich extrem zusammenreißen, nicht nur einen Kalauer nach dem anderen zu reißen. Also: Bitte jeder mal selber ausprobieren.

  1. Man gehe auf www.amazon.de und
  2. … gebe oben in der Suchmaske “Sachbuch” (ohne Anführungszeichen) ein.
  3. Kucken, scrollen und staunen.

Ja, ist denn jetzt scho Weihnachten? Für den absehbaren Fall, dass die Liste bald nicht mehr so ausschaut, hab ich ein paar Sicherungs-Screenshots geschossen. Hier ist die Liste der Treffer von 1 bis 15:

Amazon.de Anal 1

Amazon.de Anal 3

Amazon.de Anal 2

Ja, und nun? Erstens, nein, ich mach bei keiner Sammelbestellung mit, bei der wir uns anschließend im Lesezirkel die Bücher austauschen. In Gummihandschuhen, aber nicht denen von Treffer 1.

Zweitens, einsam und verloren prangt nach all dieser Hecklastigkeit auf Platz 15 Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier mit seinem Titel “Mein Deutschland: Wofür ich stehe”. Die Antwort wofür er so “steht” dürfte sich nahtlos aus der Basisliteratur von Treffer 1 bis 14 ergeben …

Drittens, hatte zunächst keine Ahnung wie das sein kann. Bestellen bei Amazon nur Perverse oder hat da jemand wie auch immer den Listing-Algorithmus überlistet? Ist da so was wie ein “E-Commerce”-Blackhat am Werk gewesen? Ich vermute ja. Geht man mal etwas in die Tiefe (keine Doppeldeutigkeit beabsichtigt), dann finden sich auf der Objektebene “Buch” folgende Funktion bzw. Feature:

Amazon Tagging

Der obere Teil “Was kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben” ist noch ein verhältnismäßig schwaches Indiz, es sei denn es hätte eine orchestrierte Aktion gegeben zwischen Buch A kucken, dann Buch A und auch gelegentlich Buch B und Buch C kaufen.

Viel stärker wiegt aber die Option “Tagging”, wo man auch in einem Freifeld einen beliebigen Tag, wie eben auch “Sachbuch” vergeben kann. Machen das ausreichend viele verschiedene User von Ihren Accounts, dann scheint es naheliegend, dass am Ende eine solche Trefferliste zu “Sachbuch” zusammen kommt.

Die Frage ist aber: Wer macht so einen Scheiß? Hat sich da jemand eine (gar nicht so schlechte) Gaudi erlaubt oder steckt da mehr dahinter? Ich hänge keinen Verschwörungstheorien nach, aber dieser Tage stand Amazon.com in den USA massiv unter Druck (no pun intended). Hintergrund: Das Unternehmen hat schwule Literatur aus den Trefferlisten der Suchfunktion genommen und hinter die “Ab 18″ Trennwand gepackt. Als das ruchbar wurde, fanden es nicht alle gut (siehe z.B. dieser Blogpost dazu) und eine Welle der Entrüstung brach vom Zaun. Alternativ kann ich auch empfehlen, sich bei der Twitter-Suche in Echtzeit die Entrüstung unter dem allseits verwendeten Hashtag #amazonfail anzuschauen oder dazu einfach diesem Link zu folgen.

Schlägt da etwa in Deutschland das Imperium durch die Hintertür zurück? Honi soit qui mal y pense. Ich habe in jedem Fall diesen Blog-Post Christine Höger, der Kommunikations-Leiterin von Amazon Deutschland zugeschickt - mit Bitte um einen Kommentar über das Verständnis des Unternehmens zur Natur des Sachbuch. Werde im Falle einer Antwort selbstverständlich berichten.


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16. April 2009 - 21:48, abgelegt in Kategorie: Analyse, Commerce, Communication, Deutschland, Marketing, Region, Tech, Web Analytics

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10 Reaktionen zu “Wie anal ist das Sachbuch bei Amazon.de?”
  1. René Seifert Am 17. April 2009 um 09:25 Uhr

    Es scheint immer klarer zu werden, dass tatsächlich eine Manipulation des Systems dahinter steckt. Probiert mal in der Suchmaske “PC vernetzen” aus. Da kriegt man auch alles mögliche, aber am wenigsten etwas was mit dem Suchbegriff zu tun hat …

  2. Marc Am 17. April 2009 um 09:49 Uhr

    Das kann ich noch toppen. Sucht mal nach “pc vernetzen” bei Amazon.de:

    http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_w?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Daps&field-keywords=pc+vernetzen&x=0&y=0

  3. Marc Am 17. April 2009 um 09:53 Uhr

    Sorry, für die Dopplung. Hatte ich übersehen. “pc vernetzen” hatte ich gestern getwittert: http://twitter.com/testspiel/status/1533736877

  4. Das stimmt doch was nicht mit der Amazon Suche Am 17. April 2009 um 10:15 Uhr

    [...] funzt auch mit “Sachbuch” wie ich soeben im eLAB Blog (lesenswert) gelesen [...]

  5. Schwule Bücher Am 19. April 2009 um 21:37 Uhr

    Interessant.

    Aber Frage an den Verfasser: Was ist an Analsex pervers (”Bestellen bei Amazon nur Perverse oder hat da jemand wie auch immer den Listing-Algorithmus überlistet?”)

  6. Mario Fischer Am 20. April 2009 um 17:57 Uhr

    Netter Artikel. Hab ich aber irgendwo irgendwie genau so schon mal gesehen…
    Extremer Zufall oder unterdrückte Inspiration?
    ;-)
    http://www.website-boosting.de/blog/2009-03-20/onanieren-fuer-profis.html

    Gruß,
    Mario Fischer

  7. René Seifert Am 22. April 2009 um 08:38 Uhr

    Servus Mario,

    kein Zweifel, da warst Du vorher dran. Ich hatte von Deinem Blog-Post keine Ahnung, sonst hätte ich freilich darauf verlinkt. So weit ist jedem klar, dass im Netz nichts unentdeckt bleibt.

    Ich kam durch eine E-Mail vom einem deutschen Praktikanten bei Infosys drauf, der empfohlen hat bei amazon.de “Sachbuch” einzugeben. Und daraufhin hab ich den Post verfasst …

    Schönen Tag und Grüße
    René

  8. Manuel Am 13. May 2009 um 20:13 Uhr

    Hat sich denn mittlerweile geklärt, wie das Phänomen zustande kommt? Finde es wirklich erstaunlich, was amazon sich alles leisten kann ohne dafür Konsequenzen tragen zu müssen. Über solche Suchergebnisse kann man ja vielleicht noch schmunzeln. Die Verbannung gewisser Bücher aus den Indizes finde ich aber wirklich äußerst bedenklich!

  9. Lukas Am 10. June 2009 um 13:40 Uhr

    Ich habe über einen Kumpel etwas “ähnliches” bei der google-Bildsuche entdeckt: http://blog.eigenstil.de/2009/06/die-google-bildersuche-und-der-araber/

    Ist zwar nicht genau das gleiche (da steckt wohl keine direkte “Tweak-Arbeit” dahinter), aber hat mich durchaus auch zum Schmunzeln gebracht.

  10. Peter Am 15. January 2010 um 09:51 Uhr

    Ich hätte mich darüber gefreut, wenn Amazon zu der ganzen Sache Stellung genommen hätte, was aber nicht passiert ist. Es gibt halt Unternehmen die sich solche “Ausrutscher” problemlos leisten können. Gegenüber den Kunden ist das aber nicht in Ordnung.

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